Frage von FuerstVerres, 117

Was sollte man tun, wenn ein ,,Schüler" in einem eine Art Vaterrolle gefunden hat?

Ich gebe mal ein Beispiel. Angenommen man ist Lehrer und ein z.B. Junge hat eben zuhause vielleicht nie wirklich einen Vater gehabt und man merkt, dass der Junge viel Aufmerksamkeit braucht und möchte und auch etwas die Nähe zu einem sucht. Meine Frage ist, wie man am besten vorgeht, wenn man merkt, dass das ganze das ,,gesunde Maß" überschreitet. Also, dass es doch zu weit führt und man selbst natürlich auch Probleme bekommen könnte ( Warum, könnt ihr euch ja sicherlich denken...).

Ich persönlich denke, aufgrund der Verantwortung sollte man sich dem schon annehmen, aber eben gewisse Grenzen nicht überschreiten. Man könnte der Mutter darüber Bescheid geben, doch die Frage ist, ob dann der Schüler, der einem vertraut, nicht dann darin einen großen Vertrauensbruch sieht und das ganze dann noch schlimmer wird.

Also meine Frage, ab wann wäre es für euch nicht mehr normal und was sollte man am besten tun?

Und warum ich die Frage stelle: Einfach primär aus Interesse und sekundär, da ich später einmal wahrscheinlich in die Rolle eines Lehrenden komme und ich diesbezüglich gerne andere Meinungen hören würde. Das gleiche kann man natürlich in Form einer Mutterrolle bei einer Lehrerin und einer Schülerin sehen.

Antwort
von HobbyPianistin, 15

Ich denke, dass das erstmal ein Stück weit normal ist und sich ein guter Lehrer grundsätzlich auch auf ein gutes Maß an Beziehung zu jedem seiner Schüler einlassen sollte. Erstens weil er dann einfach eine weitere Bezugsperson/Ressource/Ansprechpartner sein kann -auch für außerschulische Schwierigkeiten und zweitens, weil sich das auch positiv auf die schulischen Leistungen der Schüler auswirkt: Kinder lernen zu einem Großteil auch über Beziehung - sie nehmen etwas an, von Leuten die ihnen echt/authentisch zugewandt begegnen. Sie nehmen nichts an von Leuten die ihnen Sachbotschaften präsentieren wollen, aber eine emotionale Mauer um sich herum aufgebaut haben. Leider wird so eine Beziehungspflege selbst den "guten" Lehrern die das begriffen haben und dies wollen würden - aufgrund der heutigen schulischen Strukturen sehr erschwert oder sogar unmöglich gemacht.

Lehrer die keine Mauer um sich herum stehen haben, sollten natürlich trotzdem eine gewisse Entfernung/Distanz zu den Schülern wahren. Schließlich sind sie ja immernoch in einer anderen Rolle als z.B. eine Betreuerin in einem Kinderheim (die näher stehen sollte). Genauso nah wie ein Vater sollte er dem Schüler nicht stehen. Da droht er den "Überblick" zu verlieren (der Schüler steht zu dicht an ihm) und kann dem Schüler also, und das finde ich sehr wichtig, irgendwann auch nicht mehr so gut helfen - da er seinen Außenblick auf den Schüler logischerweise verliert.

Wenn ich der Lehrer wäre und das Verhalten des Schülers keine kurzweilige Phase wäre, würde ich erst mit dem Schüler reden, statt mit den Eltern (wie du schon geschrieben hast, aufgrund jenes Vertrauensverhältnisses, welches noch zum gesunden Maß gehört und möglichst bewahrt werden sollte). Eventuell würde es Sinn machen, wenn ich mich zuvor mit einem Kollegen oder dem Schulsozialarbeiter (oder wenn es ihn gibt, einem Supervisor) darüber berate, über den Schüler, über das Gespräch an sich und über die weitere Vorgehensweise. Im Gespräch würde es im Prinzip darum gehen, zu versuchen möglichst einfühlsam und vorsichtig quasi die z.B. 500m die ich zu dicht an dem Schüler bin, zurück zu gehen. Sodass er stehen bleibt, aber auch so, dass er nicht weggrennt (da ich ja das Stück gesunde und tragfähige Vertrauensbeziehung/Nähe erhalten möchte). Wie auch immer es verpackt werden würde, sicher müsste man natürlich Wertschätzung zum vorhandenen Vertrauen rüberbringen, aber eben auch die eigenen Grenzen aufzeigen. Eventuell sollte dieser Gesprächspart jedoch zuletzt kommen. Das allerwichtigste Thema wäre in meinen Augen dem Schüler ehrlich zu verdeutlichen (wie auch immer man es nun genau wörtlich ausdrückt), dass man den EIndruck hat, ihm fehle möglicherweise etwas und zu versuchen herauszufinden was dies ist (die Gründe für die Anhänglichkeit). Dann ist man den "Ursachen" schonmal etwas näher und damit auf ein Gespräch mit den Eltern besser vorbereitet. Auch dieses muss ich natürlich mit dem Schüler vorher absprechen - eventuell wäre anschließend die Anbindung an die Schulsozialarbeit sinnvoller, oder an andere Angebote. Die Wege/Möglichkeiten nach dem Gespräch mit dem Schüler können ja ganz unterschiedlich sein bzw. hängen von dem Gespräch ab und dem darin aufgedeckten Bedarf des Schülers.

Antwort
von Goodnight, 22

Solange du deine Grenzen kennst ist das nicht wirklich ein Problem. Mädchen wie Jungs verlieben sich in Lehrer und Lehrerinnen, das ist auch nichts anderes. Gerade heute wo die ganze Erziehung sehr verweiblicht ist, suchen sich Jungs Männerbilder. Hoffen wir, dass es positive Männerbilder sind.

Antwort
von Becca22, 58

Vielleicht den Jungen mal zum Schulpsychologen/ Vertrauenslehrer etc schicken…

Antwort
von Daruru, 32

Ich arbeite als Erzieherin und kann als "Pädagogin" feststellen, dass sowas immer wieder vorkommt. Auch, wenn das Kind noch beide Eltern bei sich hat bzw. regelmäßig sieht.
Fehlt dem Kind was, sucht es nach einer bestimmten Situation, nach einem Gefühl, muss es etwas verarbeiten, dann kommt es vor, dass es genau das bei seiner Bezugsperson rauslässt. Auch kommt es vor, dass das Kind Verhaltensweisen, die es gegenüber seiner Mutter bzw Vater zeigt, auf seine Bezugsperson (Lehrer) überträgt, sich also ihr gegenüber ebenso verhält. Schließlich ist es ja die Beziehung, die das ganze auslöst.

Professionalität ist die Antwort darauf. Wichtig ist, dass du genau beobachtest und hinterfragst, was die Hintergründe dieses Verhaltens sind bzw. sein könnten.
Und so weit es geht, dann nicht darauf eingehen. Die gesunde Distanz und Autorität waren, ist wichtig, um dich zu schützen. Lässt du dich zu sehr darauf an, hast du verloren.

Antwort
von Ellen9, 26

Man sollte keine Rolle übernehmen, sondern in diesem Beruf unbedingt die Neutralität wahren.

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