Frage von Xboyunseen, 135

Was sollte ich über Organspende wissen ?

Ich muss mit meinem Bruder (14, Zwillinge, Gymnasium) zusammen bis Freitag ein Referat darüber machen und ich wollte mich auch mal informieren, denn ich will ihn wohl kaum das ganze alleine machen und dann mir alles erzählen lassen, nicht das er das nicht für mich tun würde, aber wär halt nicht fair. Jetzt wollte ich mal fragen, was man darüber wissen sollte, also wie das Organ vom Spender (und wer spendet) zum Empfänger kommt ?

Und was ist mit dem Hirntod, der klingt für mich komisch, Tot und leben gleichzeitig geht doch garnicht ? Warum tritt dieser Zustand auf, und wie stellt man ihn fest ? ist das sicher ? Was ist den mit der Familie des Spenders ? Was ist mit der Spende von "normal" lebenden ? Was kann man entbehren ohne zu sterben ?

Kann man ein Organ einfach so einbauen kann, denn irgendwie kann ich das nicht ganz glauben ? Und heilt so ein Organ den Empfänger dann immer oder stimmt das, das die, die (Sorry für die blöde Ausdrucksweise) ein Organ bekommen starke Medizin bekommen. Wenn ja, muss jeder Empfänger diese Medizin nehmen oder geht es auch bei manchen ohne ?

Warum sollte man spenden oder warum nicht ? welche Fragen sollte man sich da stellen ? Und zu guter letzt natürlich, wie steht ihr zur Organspende, eher positiv oder eher negativ ihr gegenüber ?

Antwort
von dadita, 32
Ich steht der Organspende positiv gegenüber

Also:

Als Hirntod bezeichnet man das erlöschen der Hirnaktivität. Unser Verstand, unsere Persönlichkeit sind über biochemische Reaktionen in ebendiesem Gehirn, besonders in der Großhirnrinde definiert. Wenn diese Reaktionen zum erliegen sind wir, also alles was uns als Person definiert, unsere Emu endgültig vernichtet. Esoterische Konzepte wie Seele und Co. sind eher als Märchen und Aberglauben zu betrachten.

Aber unser Körper kann dies durchaus einige Zeit überstehen, besonders wenn einige Regionen des Stammhirns, welches grundlegende Körperfunktionen steuert, noch arbeiten. Aber auch so funktionieren einige Funktionen unseres Körpers autonom, das Herz schälgt beispielsweise prinzipiell auch ohne Input durch das Nervensystem weiter, solange die Lunge arbeitet. Man kann viele Körperfunktionen durch Maschinen künstlich am Laufen erhalten.

Du kannst auch als lebender Mensch Organe spenden, z.B. eine Niere (du hast zwei) oder einen Teil deiner Leber (diese ist sehr regenerationsfähig).

Man kann Organe durchaus "einfach" einbauen, wobei einfach hier relativ ist. Man muss Gefäße und dergleichen vernähen und anschließen, was einiges an Erfahrung erdordert. Aber es geht.

Geheilt ist relativ, man wählt hier das kleinere Übel. Menschen die ein solches Organ bekommen, würden ohne Transplantation sterben oder enorm leiden. Aber ja, sie müssen ihr ganzes Leben lang Medikamente nehmen.

Der Grund ist dieser: Unser Immunsystem ist eine ausgesprochen mächtige Waffe, was uns oft nicht klar ist. Es fällt uns ja nur auf, wenn es mal Probleme gibt. Aber: Unser Immunsystem schützt uns mit enormer Effizienz vor allem, was nicht zu unserem Körper gehört. Und ein Spenderorgan wird vom Immunsystem leider ebenfalls als Körperfremd erkannt.
Dafür sind eine Reihe von Proteinen auf der Oberfläche all unserer Zellen verantwortlich, besonders der MHC-Komplex, der es dem Körper erlaubt zwischen Fremd und Eigen zu unterscheiden. Das Organ ist fremd...und unser Immunsystem hat die Aufgabe alles fremde zu zerstören. Dies muss man unterbinden, weswegen man Immunosuppresiva gibt, Medikamente welche das Immunsystem unterdrücken. Dies schützt das neue Organ, bringt aber andere Probleme mit sich, da das Immunsystem des Patienten nicht mehr mit voller Effizienz arbeiten kann. 

Für mich ist Organspender zu sein schon beinahe Pflicht. In Österreich ist auch jeder der nicht ausdrücklich widerspricht Organspender, was ich für sehr sinnvoll halte. Es sterben jedes Jar unzählige Menschen, weil es an Soenderorganen fehlt. Organe die manche Menschen lieber mit ins Grab nehmen um an deren Seite zu verrotten, anstatt Leben damit zu retten. 

Kommentar von Xboyunseen ,

Danke für die ausführlichen Infos, jetzt sind wir doch tatsächlich wieder am Überlegen, ob wir nicht doch irgendwie dafür sein sollen.

Aber die Testmethoden gefallen uns nicht und den Ausweis in der Tasche, nein nachher verhauen die absichtilich die Not Op oder sowas um ihre jährlichen mindestexplantationen zusammen zu bekommen.

Wenn, dann reden wir mal mit unseren Eltern darüber, mal schauen wie die das sehen (zustimmen könnten wir ja noch garnicht).

Also eins steht fest, wenn die irgendwas haben wollen, dann müssen die schon alles möglichen Tests, das da nicht doch noch nen kleines Stückchen von einem da ist, aber zuerst die ungefährlichen, normale Reflexe, EEG, Blutfluss und zuletzt erst den Apoetest auffahren und mindestens ne Woche warten mit der ganzen sache und sicherstellen, das da wirklich nix mehr zu machen ist, und testen müssen die, dass keine Narkosemittel mehr im Blut sind auch...

Wobei wir schon ne Menge Angst dafur haben, einem von uns könnte was passieren, aber mitlerweile denken wir uns, die beste Prävention ist es nix lebensgefährliches mehr zu machen und einen Erste Hilfe Kurs zu machen und da Wiederbelebung zu lernen (sind auch schon wo angemeldet), denn wenn wir draußen sind, sind wir eh fast immer zusammen draußen und es ist doch so, das die ersten 10 Minuten zum Wiederbeleben am wichtigsten sind oder ?

Aber mal aus interesse: War es nicht so, dass wenn das Stammhirn noch heile ist, man auch noch atmen kann, weil dann wäre man nach dem Gesetz ja gar nicht Hirntod. Und kann man nur mit dem Stammhirn überleben ?

Und das mit der Abstoßung ist also wegen der fremden Zellen die nicht passen.

Das heist dann (haben uns einige auch schon bestätigt, aber du scheinst "vom Fach" zu sein), wenn einer von uns (wir sind eineige Zwillinge) eine Niere oder Leber benötigt, dann könnte der andere ihm die spenden und damit würde der eine wieder ganz gesund werden damit ?

Und bist du eigendlich Arzt ?

Kommentar von dadita ,

Ich bin aus dem Bereich Molekularbiologie und Biomedizin, also die Laborratte welche die Medikamente entwickelt ;)

Erstmal es gibt keine jährlichen Mindestexplantationen. Und jeder tote Patient ist für einen Chiurgen ein Makel. Deren beruflicher Erfolg, ihr ganzer Werdegang basiert auf ihren erfolgreichen OPs, auf ihren Quoten. Sie würden niemals absichtlich eine verhauen...alleine wegen dem Papierkram und den Untersuchungen bei jedem Todesfall. Es stimmt, dass bei den Organlisten manchmal Skandale gibt, weil Menschen auf den Listen nach oben rücken die gar nicht so hoch stehen sollten. Aber dafür können weder die Ärzte noch die überwiegende Mehrheit der Patienten etwas. Die überwiegende Mehrheit sind einfach Menschen die Hilfe brauchen.

Das Gehirn ist in verschiedene Areale unterteilt, jene Areale welche uns ausmachen, also für unser Gedächntnis, Emotionen, Verstand und Charakter, praktisch unser gesamtes Bewusstsein "zuständig" sind, sitzen nicht im Hirnstamm, sondern in der Großhirnrinde. Der Hirnstamm ist eine Art Steuerungssystem, welcher einfach verschiedene Funktionen deines Körpers reguliert, wie Schluckreflex, Atmung, Herzfrequenz und ähnliches. Seine Funktion ist nicht von deinem Bewusstsein abhängig und funktioniert auch ohne dieses. Du, bzw. deine Großhirnrinde kannst also schon "weg" sein, dein Körper läuft (mit ein bisschen Hilfe durch Maschinen) weiter. 

Dennoch wird hier die Grenze unterschiedlich gezogen, in manchen Ländern muss auch der Hirnstamm irreparabel beschädigt sein um den Tod festzustellen. Dies ist medizinisch nicht ganz nachvollziehbar, da das Bewusstsein eben schon bei einer irreperablen massiven Schädigung des Großhirns vernichtet ist.

Wenn der Hirnstamm ebenfalls keine Funktion mehr hat, muss alles von Maschinen übernommen werden, man kann den Körper dennoch einige Zeit am laufen halten. 

Aufwachen wird der Mensch in keinem der beiden Fälle wieder...im Grunde ist er eben schon tot, alles was ihn ausmacht ist fort. Der Körper weiß dies nur noch nicht. Hier kommt dann der Wille der Familie oder die Patientenverfügung zum tragen. Meistens werden nach einiger Zeit die Maschinen ausgestellt. 

Die Hirnaktivität lässt sich auf mehrere Weisen messen. Jemanden für Hirntod zu erklären passiert nicht so einfach. Hierzulande müssen verschiedene klinische Vorrausetzungen gegeben sein, wie erliegen der Reflexatmung, der Eigenreflexe, Pupillenstarrheit, negative EEG-Messungen, also keine Messbaren Hirnströme und ähnliches. Zudem müssen alle anderen Erklärungen wie Vergiftung und Co. ausgeschlossen sein.

Weißt du...der beste Grund Organspenden zu unterstützen ist, finde ich, ein persönliches Beispiel. Was wäre wenn dir und deinem Bruder etwas passieren würde? Wenn du hirntot, dein bruder lebensgefährlich verletzt wäre. Und deine Organe ihn retten könnten? Würdest du das nicht wollen?

Dasselbe gilt bei mir für jeden anderen Menschen. Es gibt jedes Jahr Menschen die auf Organe warten..und sterben, weil sie keines finden. Kinder, Frauen, Männer...tot, obwohl man sie, wenn es diese Organe gäbe, heilen könnte.

Ich empfinde das als schrecklich...aber ich empfinde es auch als sehr tröstlich, dass, selbst wenn mir etwas furchtbares passieren würde, ich damit Leben retten würde. Ich bin ein gesunder Mann in den 20ern mit der hierzulande häufigsten Blutgruppe. Ich habe eine Leber, 2 Nieren, 1 Herz, 2 Lungenflügel, die Kornea meiner Augen und noch einiges mehr...ich könnte also theoretisch mindestens ein halbes dutzend Menschenleben retten, einem blinden das Augenlicht wiedergeben und noch weitere Leben verbessern. Ohne dass es mich etwas kostet. Wie könnte ich da dagegen sein.

Versteh mich nicht falsch, ich will nicht sterben. Und ich hoffe dass ich, wenn es passiert schon so alt bin, dass sich die Frage eh nicht mehr stellt, weil meine Organe schon Schrott sind ^^

Aber wenn es schon passieren muss, wenn ich schon Pech habe, dann sollte es wenigstens einen Sinn haben. Und anderen Menschen helfen. 

Das mit dem eineiigen Zwillingen stimmt übrigens :) Organe lassen sich perfekt zwischen euch übertragen, da euer Genom, einige epigenetische Faktoren und somatische Mutationen ausgenommen, absolut ident ist. Ihr seid natürliche Klone.

Eines der Ziele der molekularbiologischen Forschung der letzten Jahre war und ist der Versuch Organtransplantationen durch therapeutisches Klonen und tissue engineering zu ersetzen. Dabei wird vereinfacht gesagt versucht, Organe zu züchten, welche dem Genom des Patienten entsprechen. Die Organe eines eineiigen Zwillings aus dem Reagenzglas, mehr oder weniger ;) Es wurden auch schon Fortschritte erzählt, was all dies hoffentlich eines Tages überflüssig macht. Auf das nie wieder jemand auf der Warteliste sterben muss...

Kommentar von Xboyunknown ,

Danke für den ausführlichen Kommentar :-) :-)

Oh man allein die Vorstellung, er tot und ich hätte sein Herz, ist der blanke Horror,

Ich meinte er würde das dann zwar tun wollen, aber könnte ich psychisch damit leben :( :(

Ich wäre zu jeder Sekunde daran errinert, was für ein wunderbarer Junge nicht mehr da wäre.... :( :(

Und allein der Gedanke, das er dann für mich aufgeschnitten würde ist hart :( :(

Da würde man sich schon fast wünschen, das ein Stücken Seele übertragen wird (natürlich müsste man ihn dann mit meinem Herz beerdigen, darauf würde ich bestehen, damit er dann ein Stücken von mir mitnehmen kann)

Aber ja, wenn andersrum käme würde ich selbstverständlich spenden wollen, nur wie müsste sowas für unsere Eltern sein :( :(

Aber wir sollen jetzt auch schlafen gehen, und nach derart harten Gedanken müssen wir jetzt erstmal kuscheln und so.

Da merkt man erstmal, wie gut es einem doch momentan geht...

Antwort
von Kliope, 36
Ich stehe dem negativ gegenüber

"Ich stehe dem negativ gegenüber" trifft es nicht ganz. Mir persönlich fehlt die Antwortmöglichkeit "skeptisch".

Organspende ist eine ernsthafte Angelegenheit, über die jeder sich Gedanken machen sollte. Ich persönlich habe seit meinem 18. Geburtstag einen Organspendeausweis im Portemonnaie und meine Verwandten über meine Wünsche informiert. Ich will nicht, dass meine Organe gespendet werden, aus folgendem Grund: Wir wissen so viel über die Medizin und das Leben von seinem biologischen Aspekt her, wir vergessen immer, dass es Dinge gibt, viele Dinge, die noch lange nicht erforscht sind. Was ist "hirntot" eigentlich? Klar, dein Bewusstsein ist weg, du hast nur noch eine geringe Stammhirnreaktion, die dazu ausreicht, deinen Körper noch eine Zeit lang am Leben zu erhalten. Aber was ist, wenn da mehr dahintersteht? Ich glaube daran, dass jeder Mensch eine Seele hat und dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Wer weiß, was meine Seele mit sich nimmt, wenn mir vorher bei lebendigem Leibe (denn so ist das nunmal) Organe herausgenommen werden? Soweit meine persönliche Meinung dazu.

Aus Sicht eines Notarztes/Intensivmediziners läuft das ganze so ab. Du hast einen Patienten, der nach einem Notfall hirntot ist und somit die erste Voraussetzung erfüllt. Es ist aber nicht so, dass jemand zu Hause einen Herzstillstand erleidet und derjenige dann direkt vom Rettungswagen in den OP zur Transplantation gefahren wird. Dazwischen liegen ein paar Tage in denen die Ärzte sicher gehen, dass ein "wieder aufwachen" wohl nicht passieren wird, nach Patientenverfügungen geforscht wird, mit den Angehörigen gesprochen... Am wichtigsten ist an diesem Punkt, dass in Deutschland niemand dazu "gezwungen" wird, seine Organe zu spenden. An erster Stelle steht dein Patientenwille. Ist der klar ausgedrückt, bspw. mit einem halbwegs aktuellen Organspendeausweis (nicht älter als zwei Jahre) oder ähnlichem, dann können auch die Angehörigen daran nicht rütteln. Wenn da drin steht, du willst deine Organe nicht spenden, dann werden deine Organe nicht gespendet, auch wenn deine Eltern das wollen. Andersrum natürlich genauso.

Du solltest in deinem Referat aber unbedingt darauf Bezug nehmen, dass es in anderen Ländern anders ist. In Österreich ist es so, dass jeder Bürger per se Organspender ist, es sei denn, er widerspricht. Auch darüber gibt es viele ethische Diskussionen. Auch hier wieder meine persönliche Note: Ich finde das falsch, da ich denke, dass nur weil ein Mensch tot ist, er weder seine Würde noch das Recht der Selbstbestimmung über seinen Körper verloren hat.

Kommentar von LinnSarma ,

Wenn man hirntot ist hat man gar keine Stammhirnreaktionen mehr :-)

Kommentar von DercooleSupaman ,

Aba es kann andersrum sein, nämlich das der Hirntod falscherweise festgestellt wird, obwohl nur das Stammhirn kaputt ist und der Rest noch heile.

In Deutschland kan sowas wegen den Testmetoden übersehen werden und in Ländern wie England, würde das auch wenn sicher ist das der rest noch heile ist, reichen um jemanden tot zu sagen.

Aber dummaweise befindet sich das Bewustsein im Großhirn, nicht im Stamhirn, also ist das Mord was die Englender da machen

Kommentar von UnicornGMBH ,

wenn man hirntot ist ist man meiner Meinung nach tot da man von sich aus nicht mehr leben kann nur mit Hilfe der Maschinen und wenn die abgestellt werden stirbt man und im Grunde passiert dass ja bei der Organentnahme. Allerdings habe ich mir auch Gedanken darüber gemacht ob dann einen leben nach dem tot (an das ich glaub) evt. nicht mehr möglich ist und da ist mir dann aufgefallen dass es ja nicht wirklich besser sein kan verbrannt zu werden oder unter der Erde zu verrotten. Deshalb habe ich für mich entschieden,dass ich Organspender sein möchte , da ich dadurch auch nach meinem Tod andern leben retten kann und außerdem mein dann ja ziemlich plötzlicher tod eine Bedeutung hat und ich denke dass könnte dann für meine Familie ein Trost sein :))

Kommentar von dadita ,

Die österreichische Regelung ist mehr als sinnvoll. Jedes Jahr müssen unzählige Menschen sterben weil Menschen abstrusen Märchen wie z.B. einer Seele anhängen und lieber mit ihren Organen verrotten, als das Leben anderer zu retten. 

Für jeden der selbst Organe empfangen will, sollte Organspende verpflichtend sein. Alles andere ist blanker Egoismus. Wenn jemand dann unbedingt mit seinen potentiel lebensrettenden Organen verrotten will, sei es drum, wenigstens werden im zweifelsfall keine Spenderorgane auf ihn verschwendet. 

Kommentar von Kliope ,

Hallo dadita,
warst du jemals in einem OP-Saal? Hast du jemals einen Menschen sterben sehen? Hast du verzweifelt mit deinen Kollegen darum gekämpft, Kinder, Teenager, Erwachsene, Senioren am Leben zu erhalten oder wieder zurückzuholen? So lange du nichts über das Sterben weißt, erzähl mir nichts über den Tod. Glaub mir, in dem Moment, in dem du das erste Mal jemanden sterben siehst, wirst du deine Einstellung zum ein oder anderen Thema ändern :) Ich selbst möchte keine Spenderorgane und tue mein bestes dafür, dass ich auch nie eines benötigen werde. Wen ich aber noch viel egoistischer finde, als mich selbst, ist ein Mensch, der seinen Körper nicht ausreichend schützt und pflegt und nachdem die ersten Organe im Eimer sind sich auf eine Liste setzen lässt und darauf wartet, dass irgendein junger Kerl mit dem Motorrad verunglückt. Das sind für mich die wahren Egoisten.

Österreich nimmt in meinen Augen den Menschen nach ihrem Tod die Würde, ein Mensch zu sein. Wir alle sind immer so darauf bedacht, uns von den Tieren zu unterscheiden, aber sobald wir tot sind wird unser Kadaver ausgeschlachtet. Verwirrend.

Antwort
von LiselotteHerz, 59
Ich steht der Organspende positiv gegenüber

Wenn jemand ein Spenderorgan bekommt, bekommt er sofort Immunsupressiva, so heißen diese Medikamente. Das soll verhindern, dass das implantierte Organ wieder vom Körper abgestoßen wird. Hier ein Link dazu

https://www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/verlauf/transplantation

Es werden - zumindest in Deutschland - nur Organe von Hirntoden entnommen. Details wurden Dir ja schon mitgeteilt.

Man kann auch als Lebendspender seine Niere spenden (man kann auch mit einer Niere leben, allerdings muss man dann zeitlebens schön auf seine Gesundheit achten), wird üblicherweise innerhalb der Familie gemacht. Grund: Das Risiko der Abstoßung der Niere ist bei nahen Verwandten wesentlich geringer, als eine Organtransplantation eines Fremden. Aber auch das wird vorher getestet, ob der Spender wirklich in Frage kommt.

Nach meinem Tod können sie von mir aus entnehmen, was sie brauchen: Netzhaut, die kompletten Augen, meine Nieren, meine Leber, evtl. mein Herz (falls ich gesund bleibe und sie das implantieren können).

Wenn man ein Spenderorgan braucht, lässt man sich auf einer Spenderliste eintragen. Wenn man viel Glück hat, muss man nicht allzu lange warten.

Organspenden rettet Leben - aus diesem Grund hat meine ganze Familie einen Organspendeausweis. Wenn ich erstmal tot bin, habe ich wohl kaum noch Verwendung dafür.

Jährlich werden gerade von Motorradfahrern unzählige Organspenden benötigt. Ich vertrete die Ansicht, dass es gerade den Führern von Krafträdern auferlegt werden sollte, einen Organspendeausweis mit sich zu führen. Ein Arbeitskollege meines Mannes hatte schon zwei schwere Motorradunfälle, hat jetzt eine fremde Niere und hat selbst keinen Organspendeausweis; dafür habe ich keinerlei Verständnis. lg Lilo

Kommentar von Xboyunseen ,

Danke erstmal für die ausführliche Antwort :)

Ist ja ansicht schon eine gute Sache mit der Organspende (also auf Seiten des Empfängers), nur das mit den Medikamenten klingt irgendwie blöd.

Schade das es nicht ohne geht :(

Kommentar von LiselotteHerz ,

Das ist nicht blöd, das nennt man Fortschritte in der Medizin. Ohne diese Immunsupressiva würden die meisten Organe einfach abgestoßen werden. Damit ist niemand gedient. Ein gespendetes Organ für die Tonne und der Empfänger ist immer noch schwer krank.

Kommentar von Xboyunseen ,

Die meisten ?

Also heist das nicht immer ?

Kommentar von LiselotteHerz ,

Ja, man kann auch Glück haben, aber darauf verlassen sich die Ärzte nicht mehr. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie begehrt z.B. eine Niere ist. Dann freut sich der Empfänger, wird für die OP vorbereitet, diese Niere wird oft eingeflogen (wird in einer Kühlbox transportiert), stundenlange OP und dann war alles umsonst. Das will keiner riskieren. Das ist auch für die Ärzte frustierend. Steh mal stundenlang am OP-Tisch, das ist unheimlich anstrengend.

Antwort
von Matermace, 44

Der Hirntod definiert für den Mediziner das endgültige Ende des Lebens, der Körper wird maschinell am Leben erhalten, das heißt Herz- und Lungenfunktion werden von Geräten übernommen. Dieser Zustand wird über Elektroenzephlaographie festgestellt, dabei wird die elektrische Aktivität des Gehrins über mehrere Tage beobachtet und darf in dieser Zeit nicht auftreten. Die Methode gilt als sicher, da es der Stand der Wissenschaft ist, dass ohne elektrische Aktivität im Hirn kein Leben möglich ist. Über einen Organspendeausweis kann jeder selbst entcheiden ob er einer Organentnahme unter diesen Bedingungen zustimmt bzw wer für ihn entscheiden darf.

Kommentar von Xboyunseen ,

Naja, ich stell mir das so vor, dass man ohne Gehirn halt nur noch ein Zellhaufen ist.

Es muss trotzdem grausam sein, vor allen für die Verwandten, dann zu hören, "der wird nicht mehr, können wir seine Organe haben".

Oh man, es tut ja schon weh allein über sowas zu nachzudenken, ich hoffe einfach das ich das niemals in so eine Situation komme :(

Antwort
von Gwennydoline, 52
Ich steht der Organspende positiv gegenüber

Weils Leben rettet. :)

Kommentar von Xboyunseen ,

Ja, das tut es wohl.

Ich frage mich nur, ob das mit den Medikamenten stimmt und wenn ja ob die jeder nehmen muss der ein Organ von jemand anderem bekommen hat ?

Kommentar von Gwennydoline ,

Ich bin da kein Profi :) Aber soweit ich weiß kann ein gesunder Mensch eine Niere spenden. Die Medikamente sind dafür da, dass der Körper das fremde Organ nicht abstößt. Google kann dir hierbei sicher besser helfen als ich ;)
Und ja - ich habe einen Organspenderausweis - bei Hirntod können die mich "leerräumen". Hirntod ist das, wenn der Körper noch funktioniert; das Gehirn aber bereits gestorben ist (auch hier hilft Google). Zur Not kannst du auch einen Arzt zu diesem Thema ausquetschen ... die helfen sicher gerne weiter
Ist ein wichtiges Thema. Viele menschen warten auf ein Spenderorgan und manche holen sich sogar illegal welche im ausland

Kommentar von Xboyunseen ,

Danke :)

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