Meine 10 jährige ist in der 4. Klasse und hat super Noten. Eigentlich würde ich sie gerne aufs Gymnasium schicken, aber sie trödet bei den Hausaufgaben immer so ewig rum und ich muss ständig hinterher sein. Wenn ich aus dem Zimmer gehe und nach 10 Minuten zurück komme, dann ist sie nicht weiter als zu dem Zeitpunkt wo ich rausgegeangen bin. Ich habe keine Kraft sie so durchs Gymnasium zu ziehen. Soll ich sie lieber auf die Realschule schicken? Wie kann ich dieses Unkonzentriertsein in den Griff bekommen?
Man sollte zuerst nicht vergessen: das Kind ist in der 4. Klasse. Man kann in diesem Alter keine Einsicht in Künftiges verlangen. Ich würde zunächst mal schauen, ob die Pause zwischen Unterricht und Ha- Zeit lang genug ist, sprich :hatte sie Zeit für sich, ist sie erholt? Man kann auch ausprobieren, so mache ich das mit meinen Schülern auch, wie man sich den Tag einteilt. Das Kind sollte selbst wählen können- in einem gewissen Rahmen- wann und wie lange es Hausaufgaben machen will. Es gibt eine Vielzahl von Büchern und Heften zu Lerntechniken, in denen das eine Rolle spielt. Wenn deine Tochter trödelt, muss man herausbekommen, was sie in der Zeit tut und ob dafür, was sie offenbar lieber tun möchte, auch noch genug Zeit ist. In meinem Beruf erlebe ich oft, dass Eltern den Kindern gutgemeint den ganzen Tag verplanen, so dass kaum Zeit bleibt, mal einfach für sich zu sein, zu entspannen, zu "trödeln" - wir alle wissen, wie nötig das ist. Meiner Erfahrung nach nehmen sich Kinder diese Zeit eben einfach, wenn sie sie nicht bekommen. Ich würde mit ihr sprechen, ruhig, ohne Druck, Vereinbarungen treffen, z.B. dass alle Ablenkungen ausgeschaltet sind. DIe Arbeitszeit sollte auch nicht länger als eine Schulstunde sein, ohne dass eine Pause dazwischen liegt. Die Abwechslung sollte gegeben sein und auch Pausen, die lang genug sind. Optimal ist es, miteinander an einem Zeitplan zu arbeiten. Auchd as ist eine Erfahrung, dass Kinder nicht bewusst "wissen", wie lang 10 Minuten sind. Das Zeitgefühl kann man trainieren, indem man sie z.B. eine Minute lang die Augen schließen lässt und dgl. *Übungen macht. Man kann mit dem Zeitplan verbunden eine Uhr auf den Schreibtisch stellen und vereinbaren, wann die Aufgabe fertig sein soll. Wenn das nicht klappt, darüber reden warum nicht, und neue Vereinbarungen treffen. Wichtig: Geduld und Ruhe, kein Drcuk, keine Erpressung. Deine Tochter ist noch zu klein um zu verstehen, wie wichtig so ein Gymnasium sein kann.

Entweder bringst Du sie zu der Einsicht, dass sie die Hausaufgaben machen muss, weil sie sonst auf dem Gymnasium keine Chance hat oder Du gibst sie doch lieber auf die Realschule.
Auf dem Gymnasium hätte sie keineswegs automatisch weiter gute Noten, denn da wäre sie in der Klasse mit lauter Kindern zusammen, die bisher auch zu den Besten in ihren jeweiligen Klassen gehörten - da müsste sie hart arbeiten.
Wenn sie dazu nicht bereit oder vielleicht auch nicht in der Lage ist. dann wäre die Realschule sicher besser.
Einmal ist ein guter Realschulabschluss mehr wert, als ein mieses Abitur und zweitens gibt es heute sehr viele Möglichkeiten, auf einem anderen Weg zum Abitur zu kommen.
Wenn sie nach dem Realschulabschluss aufgewacht wäre, könnte sie problemlos etwa auf einem Wirtschaftsgymnasium weitermachen bis zum Abitur.
Ich gehe davon aus, dass Du in einem Bundesland wohnst, indem dass Gymnasium ab der 5. Klasse beginnt (bei uns in Brandenburg erst ab der 7.)- ich glaube nicht, dass deiner Tochter bewusst ist, was genau das Gymnasium und der damit verbundene Druck bedeuten. Und noch was - stell Dir einmal vor, du kommst von einem langen Tag, denn nichts anderes ist die Schule für Kinder, nach Hause und sollst gleich noch 1000 Sachen erledigen von denen 999 nicht zu deinen Lieblingen zählen. Was machst Du? Was ich damit sagen will ist, Kinder brauchen nach der Schule eine Zeit lang Erholung und Abwechslung. Und Spaß!! Versuche Sie zu motivieren, indem Du mit kleinen Belohnungen winkst. Macht ein Spiel daraus. Gib ihr doch für jeden Tag, andem sie ihre Hausaufgaben zügig (mit dem Alter angemessenen Erholungspausen) erledigt einen Punkt. Überlegt euch gemeinsam für wieviel Punkte es welche Belohnung geben soll, dann hat sie ein Ziel, auf dass sie hinarbeiten kann, und du musst sie nicht ständig ermahnen oder Vorträge halten, und setzt dich auch selbst nicht unter Druck. Hängt die Übersicht an ihre Zimmertür oder sucht einen anderen schönen Platz. Wenn ich eines weiß als Lehrer, dann dass Schüler selten Hausaufgaben lieben. Die dienen ja auch nur der Übung und Festigung. Sprich doch mal mit den Lehrern, vielleicht kann deine Tochter, wenn sie wirklich so gut ist, einige Hausaufgaben auch mündlich erledigen.
Macht deine Tochter Sport, kommt sie genug an die frische Luft? Ich würde es auch nicht als notwendig empfinden Hausaufgaben zu machen wenn meine Noten super sind! Vielleicht ist deine Tochter ja hyperintelligent und verbringt ihre Zeit lieber mit Sachen die für sie interessant sind? Die Ursachen dafür sind wirklich manigfaltig, du solltest ihr auf jeden Fall klar machen, dass Hausaufgaben wichtig sind, aber sie nicht bestrafen, denn sie soll Spass daran haben. Ich würde sie auf jeden Fall aufs Gymnasium schicken, dort wird sie vielleicht mehr gefordert und wenn sie ihre guten Noten nicht verlieren will, wird sie von alleine anfangen regelmäßig und konzentriert ihre HA zu machen!
Es könnte auch eine Vorstufe von ADS (Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom) sein. Es kommt natürlich auch darauf an ob sie diese Konzentrationsprobleme generell hat oder nur beim lernen/Hausaufgaben machen. Viele werden jetzt denken, dass ich mit so einer "Diagnose" übertreibe, aber vielleicht ist es ja eine abgeschwächte Form. Unser Sohn hat sogar ADHS (eine kombination mit Hyperaktivität). Er ist sehr intelligent (soweit man das bei einem 7-jährigem) sagen kann, aber er kann sich schwer konzentrieren und deswegen nur schwer eine "Sache" durchziehen.
Entscheiden mußt du das natürlich selber,aber soweit ich bisher mitbekommen habe ist ein guter Realschulabschluß besser als ein mittelmäßiger oder schlechter Gymnasiumabschluß. Ich habe auch schon gehört,daß bei Ausbildungsplätzen die Realschüler vorgezogen werden da man bei Gymnasiasten damit rechnen muß daß sie nochmal studieren gehen.So war das zumindest vor kurzem noch.
Ich habe früher immer neben den Hausaufgaben Radio gehört,das hat mich irgendwie beruhigt.Ich konnte meine Füße damals auch nicht wirklich still halten.
Meine Eltern haben das bis heute nicht kapiert wie ich bei "Ablenkung" besser lernen konnte.
Eine wunderbare Antwort, Alegria, bitte mehr davon! :)