Frage von sarah2207, 100

Was soll ich tun wenn mein Pferd immer im aussengalopp anspringt?

Hallo,
Mein 12 jähriger islandwallach springt auf der rechten Hand immer im Außengalopp an. Meine RL hat mir mal den Tipp gegeben das Pferd zur Bande hin zu stellen , den inneren Zügel wegschmeißen und dann galopp Hilfe. Es hat auch geklappt aber mittlerweile klappt es nicht mehr. Ich habe bald ein Turnier wo ich den Rechtsgalopp brauche und ich weiß nicht wie ich ihn in den richtigen Galopp bekomme oder woran das liegen könnte.
Danke schobmal im Vorraus:)

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 58

Das sind ja Tipps - den inneren Zügel wegschmeißen, Pferd nach außen stellen zum Angalopp in den Handgalopp - sorry, aber das ist wirklich absolut falsch, oder Du hast es einfach falsch verstanden.

Schau mal, nachfolgenden Text findest Du auf der Seite der FN:

"Bevor der Reiter sein Pferd angaloppieren möchte, muss er das Pferd mit halben Paraden dazu auffordern, dass es mit seinen Hinterbeinen vermehrt an den Schwerpunkt herantritt. Das nennt man auch „Lastaufnahme mit der Hinterhand“. Es erleichtert dem Pferd das Anspringen in den Galopp. 

Als Beispiel nehmen wir das Angaloppieren im Rechtsgalopp. Zuerst wird das Pferd mit halben Paraden aufmerksam gemacht. Dann belastet der Reiter vermehrt den inneren, in diesem Fall den rechten, Gesäßknochen. Dabei liegt der rechte Schenkel vorwärtstreibend unmittelbar am Sattelgurt. Achtung: Gleichzeitig gibt der rechte Zügel dem Pferd durch Annehmen dem Pferd die gewünschte Stellung nach rechts und der linke Zügel begrenzt als äußerer Zügel die Stellung. Er verhindert, dass das Pferd über die äußere Schulter ausfällt. 

 Und was macht der linke Schenkel, der in unserem Beispiel der äußere Schenkel ist? Er wird verwahrend eine etwa eine Handbreit hinter dem Sattelgurt gelegt und verhindert ein Seitwärtstreten des linken Hinterfußes, der ja in Richtung zum Schwerpunkt des Pferdes treten soll. Merkt euch, dass der äußere Reiterschenkel eine sehr wichtige Aufgabe beim Angaloppieren und auch im Galopp hat. Denn der linke, äußere Hinterfuß kann in der Einbeinstütze nur richtig tragen, wenn er wirklich in Richtung, beziehungsweise unter den Schwerpunkt fußt. 

Der Reiter darf beim Angaloppieren auf keinen Fall den Moment des Nachgebens mit der inneren Hand verpassen. Sobald das Pferd anspringt, lässt der Reiter mit der inneren Hand den Galoppsprung sozusagen heraus. Ist das Pferd in der neuen Gangart Galopp, sorgen treibende Gewichts- und Schenkelhilfen dafür, dass es flüssig weitergaloppiert. Dabei sollte man bei möglichst ruhigem Oberkörper aus der Hüfte heraus gut in die Bewegung eingehen. Dabei wird die innere Reiterhüfte etwas vorgeschoben, ohne dass die äußere Schulter des Reiters dabei zurückhängt. Das Gesäß bleibt weich und geschmeidig – ohne zu „klappen“ – im Sattel. Eure Hände stehen während des Galoppierens ruhig und halten die gleichmäßig Anlehnung zum Pferdemaul. Dabei sind die richtig gegebenen halben Paraden besonders wichtig. Sie sorgen mit den treibenden Hilfen für die Spannkraft des Galoppsprunges und verhindern, dass das Pferd „auseinanderfällt“. In jedem Galoppsprung muss der Reiter so sitzen, als ob er neu angaloppieren will.

Ob ein Pferd kontrolliert angaloppieren wird, zeigt sich meistens schon vorher in der Trabarbeit. Es muss sich bereits im Trab auch mit langem Zügel im sicheren Takt und richtigen Tempo bewegen. Der Reiter sollte das Pferd durch Übergänge vom Schritt zum Trab und umgekehrt vorbereiten und kontrolliert reiten. Erst dann beginnt er, auf gebogener Linie von der offenen Zirkelseite auf die geschlossene (Bande) mit der Hilfe zum Angaloppieren. Vorher sollte man das Gefühl haben, dass das Pferd sich stellen lässt und um den inneren Schenkel biegt. 

Klappt das nicht, besteht die Gefahr, dass das Pferd verkehrt oder gar nicht angaloppiert. Weitere sinnvolle Vorübungen sind Schenkelweichen und Vorhandwendungen, denn hier wird die einseitige Hilfengebung, die für das Angaloppieren so wichtig ist, geübt und verbessert.


Wenn das Angaloppieren nicht richtig klappt, sollte man keinesfalls verbohrt weiterüben und dem Pferd die Schuld geben, sondern erst einmal einen Moment innehalten. Wer denkt: „Gleich springt mein Pferd wieder falsch an“, erlebt schnell, dass dies auch wirklich passiert. Keinesfalls sollte man auch versuchen über einen immer schnelleren Trab in den Galopp hineinzureiten, sondern den Trab wieder ruhig und kontrolliert reiten, bevor man erneut die Hilfen zum Angaloppieren gibt. Dabei sollte der Reiter ruhig auch mal selbstkritisch sein und sich fragen: Ist meine Abstimmung der Hilfen wirklich korrekt? Denn hier kommt es ganz besonders auf die Feinabstimmung an. Springt das Pferd korrekt an, schadet natürlich auch nie ein Lob mit der Stimme."

Ich finde, dass das da gut beschrieben ist. Vielleicht hat Deine Reitlehrerin ja auch einen nachgebenden Zügel gemeint, was Du als Zügel wegschmeißen verstanden hast. Das Nachgeben des Zügels bedeutet in der Regel nur ein paar cm in Richtung Pferdemaul nachgeben und nicht den Zügel wegschmeißen. Der äußere Zügel begrenzt das Pferd und der innere ist lediglich für die Stellungs zuständig - nicht für`s Lenken. Das machen allerdings viele falsch. Viel zu viel wird über den inneren Zügel geritten, was natürlich jede korrekte Hilfegebung zunichte macht.

hab ich auch gefunden bei Youtube - im folgenden Video geht es genau um Dein Problem:

Kommentar von sarah2207 ,

Danke für die Hilfe:) ich werde es mal ausprobieren und zur not bitte ich meine Reitlehrerin zur Hilfe 🙈

Kommentar von Sallyvita ,

Nein, nicht zur Not - mach das auf jeden Fall!

Es ist keine Schande, wenn man nicht alles im Unterricht gesagte, auf Anhieb versteht und umsetzen kann. Manche Lehrer erklären leider auch nicht ganz so gut. Da muss man nachfragen, schließlich will man sich ja verbessern und nicht Fehler verfestigen. Lehrer setzen manchmal Dinge voraus, weil sie für die selber total normal sind, Nachfragen machen da wirklich Sinn. 

Kommentar von Baroque ,

UND noch ergänzend: Ich habe in den 80er Jahren noch gelernt, dass der äußere Schenkel den Galopp einleitet. Schon in der verwahrenden Position, aber die Initialhilfe kommt eben vom äußeren Bein, denn das Pferd soll mit diesem zuerst springen. Treibe ich innen, wirke ich auf ein stützendes Hinterbein ein, was irgendwie doch unsinnig ist. Mit dieser Initialhilfe bei Beachtung von all dem oben beschriebenen hatte ich noch nie ein Problem, ein Pferd korrekt anzugaloppieren. Natürlich spreche ich dabei von Pferden, die generell in der Lage sind, einen Reiter zu tragen und sich biegen lassen unter diesem. Ein Pferd, das das nicht kann, sollte man schließlich auch nicht unter dem Reiter galoppieren.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde, 37

Das mit dem " inneren Zügel wegschmeißen " hat vielleicht den Sinn, dich daran zu hindern, das Pferd beim angaloppieren zu behindern. Man stellt das Pferd nach innen, gibt aber im Mimenr, wo das Pferd anspringt, innen nach um das Innerere Hinterbein vor zulassen und die Schulter  nicht zu blockieren. Aber das muss ganz fein passieren, ein regelrechtes " wegschmeißen" läßt das Pferd imStich - dann entscheidet es halt selber, was es macht. Ist ja niemand da, der es  es wörtlich wie bildlich an die Hand nimmt.

Wenn das Pferd auf eiener Seite immer Aussengalopp geht, ist es  zu wenig ausbalanciert und gradegerichtet. Da hat man ( entschuldige, meine Meinung!) auf einem Turnier eigentlich noch nichts zu suchen, und sollte mehr an der Basis feilen, bevor man sich  dem Wettbewerb stellt.

Antwort
von Rosehill, 15

Ich kenn das selbst sehr gut, nur das meine Stute vierjährig ist und gerade am anfang ihrer Ausbildung. wir haben verschiedene sachen probiert z.b. über eine auf den boden liegende stange angaloppieren oder aus der volte heraus angaloppieren.

meine hat es aber durch reglmäßiges longieren das richtige angaloppieren verstanden, weil sie durch den zirkel auf einer gebogenen linie war und es schwierig ist, bei einer gebogenen linie mit dem ausengalopp zuarbeiten.

der ratschlag deiner lehrerin ist komplett falsch, es muss komplett andersherum sein: das pferd nach innen stellen und mit dem innernen bein nach außen drücken und dann die galopphilfe geben. und aufkeinen fall die zügel wegschmeißen, denn so gibt du die verbindung vom pferd frei und es wird dir auseinanderfallen im galopp, auserdem fehlt ihn dann die zügelhilfe als balance begrenzung.

Antwort
von sukueh, 34

Um ein reiterliches Problem zu beheben, ist es meiner Meinung nach absolut unerlässlich, sehen zu können, was Pferd und Reiter machen. Es handelt sich ja in der Regel immer um ein "indivduelles Problem", häufig bzw. in der Regel verursacht, durch Reiterfehler.

Ich frage mich, inwieweit einem Youtube-Videos oder Standardanweisungen weiterhelfen vermögen, da nur eine RL (Person) vor Ort auch sehen kann, was der Reiter an Hilfen gibt. Dies kann dann meiner Meinung nach unter Umständen auch zu - für Außenstehende - völlig missverständlichen Aussagen des Reitlehrers führen, aber nur der kann ja sehen, was du in dem Moment machst und dir - hoffentlich - eine auf dein Tun abgestimmte "Anweisung" geben, was du verändern sollst, damit es klappt.

Die Kontrolle von Außen ist meiner Meinung nach sehr wichtig, da man ja selber oft gar nicht so merkt, dass man mit der einen korrekten Hilfe vielleicht noch eine völlig kontraproduktive klitzekleine Bewegung mitmacht, die das Pferd an der richtigen Reaktion hindert !

Insofern, gerade wenn du im Hinblick auf ein Turnier trainierst, wäre es meiner Meinung nach am besten, du hältst dich in erster Linie an die Ratschläge/Tipps deiner Reitlehrerin und versuchst nicht, das Problem über Tipps aus dem Internet zu lösen. Die können nämlich durchaus noch zu einer "Verschlimmbesserung" des ursprünglichen Problems führen, sodass man am Ende nicht nur eines, sondern zwei oder gar mehrere Probleme hat...

Kommentar von Urlewas ,

Wir Menshcen sind halt keine Kommunikationsexperten- ich habe öfter schon erlebt, dass ich Dinge plötzlich verstanden habe, weil sie jemand anders mal anders ausgedrückt hat als gewohnt. 

Daher finde ich es nicht verkehrt, ergänzend(!) zum Unterricht mal Bücher oder andere Leute zu befragen.

Kommentar von Baroque ,

Urlewas' Ergänzung finde ich ebenso sinnvoll wie die Antwort an sich. Natürlich kann das Problem nur vor Ort gelöst werden, aber so lange man in der Theorie der Praxis nicht voraus ist, ist es schwer, die Dinge umzusetzen. Reiten erfordert richtig viel Koordination. Das wird nicht leichter dadurch, dass man nicht mal weiß, was man grade eigentlich koordinieren will und vor allem, warum. Wenn man den Zweck jeder einzelnen Hilfe in der Theorie so in- und auswendig kennt, dass einem die Hilfengebung absolut bewusst ist, lernt man auch leichter, sie zu koordinieren.

Kommentar von sukueh ,

Zum letzten Satz: das würde aber Voraussetzen, dass man die "Erklärung" der Theorie aus einer "fundierten" Quelle "studieren" kann. So lange aber viel zu oft "irgendein" (YT-)Video aus "irgendeiner" Quelle als derartiger "Wissensvermittler" benutzt wird, halte ich das nicht unbedingt für Zielführend.

Wer (und gerade in der "Anfängerphase") will dann schließlich beurteilen können, ob das gezeigte (oder geschriebene) tatsächlich so korrekt ist wie angenommen ?

Kommentar von sukueh ,

Dann würde ich lieber mal Reitunterricht bei einem anderen RL empfehlen.

Nachlesen bzw. das befragen anderer Leute bringt nur dann was, wenn ich diese Tipps dann auch wieder "kontrolliert" umsetzen kann.

Ansonsten sitzt man wieder nur auf dem Pferd, probiert etwas, was eigentlich theoretisch klappen sollte und wundert sich, warum es nicht klappt, weil man halt doch was anders macht, als der "Erklärer" (sei es Buch/Person) es tatsächlich gemeint hat. Ist ja oft nur eine Kleinigkeit.

Bei mir kommt es auch oft vor, dass ich zunächst nicht verstehe, was mir mein RL sagt, bis ich für mich selber dann ein anderes "Bild" zum Verständnis gefunden habe. Aber dennoch kann ich dann "mein" Bild/Gefühl dem RL schildern und bekomme - zumindest bei meinem RL - auch eine Rückmeldung, ob falsch oder richtig und ob einfach die Ausführung passt oder nicht. Das ist nämlich genauso erschreckend, wie oft sitzt man auf dem Pferd und denkt "ich tu doch" oder halt "ich tu nicht" - hat man dann mal Gelegenheit, sich zu sehen (Vorzugsweise auf Video) bemerkt man oft erstmal, was man eigentlich alles auf dem Pferd macht / oder nicht. Obwohl man eigentlich vorher Stein und Bein geschworen hätte, alles richtig zu machen.

Nachdem in der Reiterei offenbar ein sehr großer "Trend" zum "Do it yourself" herrscht, was in meinen Augen in den wenigsten Fällen tatsächlich zur Rittigkeit der Pferde beiträgt (sieht man ja an den ganzen Fragen hier), ist meine erste Empfehlung immer der persönliche Reitunterricht vor Ort. Nachlesen, Videos schauen ist durchaus hilfreich, aber ich fand es immer hilfreich, dies in Abstimmung mit meinem RL zu tun.

Kommentar von Sallyvita ,

Ich stimme Dir absolut zu! Von einem Video lernt man sicherlich nicht das Reiten. Aber je nachdem, wie gut oder wie schlecht die jeweilige Reitlehrerin zu Hause unterrichtet, versteht man mit Hilfe eines Videos oder eines Textes vielleicht ehr was sie meint und wo man selber einen Gedankenfehler macht. Denn "die Zügel wegschmeißen und das Pferd nach außen stellen" um in den Handgalopp zu kommen, ist ja nun mal komplett falsch.

Es ist nicht immer einfach für jeden Reiter an guten Unterricht zu kommen. An manchen Ställen herrschen da sehr rigide Einstellungen - Fremdlehrer sind mitunter nicht erlaubt und lädt mein sein Pferd ein, um woanders Unterricht zu nehmen, wird das auch ganz gerne als persönlicher Affront empfunden. So manch einem bleibt mitunter nur ein Stallwechsel, will er anderen, besseren Unterricht haben und das geht aus den unterschiedlichsten Gründen leider auch nicht immer mal eben so.

Und wenn dann ein Kind auch noch das Pech hat und nicht-reitende Eltern hat, die sich kaum oder wenig mit der Materie auseinander setzen, dann hat es noch mehr Probleme an guten Unterricht zu kommen.

Kommentar von sukueh ,

Es ist in der Tat nicht so einfach, an einen guten RL zu kommen. Es dürfte aber auch nicht so einfach für einen Anfänger zu sein, zu unter- oder entscheiden, ob das gefundene/angebotene Video-/Textmaterial tatsächlich korrekt ist oder nicht.... Das ist in meinen Augen das größere Problem - nicht die Tatsache an sich, sich auf diese Weise "weiterbilden" zu wollen.

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