Was soll die Frage nach dem „Sinn des Lebens“?

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7 Antworten

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist historisch begründet. In der Antike gab es seit den Sophisten (etwa 450 v.Chr.) keinen Philosophen, der nicht das zentrale Thema behandelte, wie wir zu einem erfüllten Leben finden können. Da wurden Werte und Orientierungen diskutiert und es war nie eine Ratschlag-Literatur, die im Einzelnen vorgeschlagen hat, wie man ein erfülltes Leben erreichen könne. Diese Lebenseinstellung ist mit dem Christentum gekippt, das von der Eigenverantwortung zum aktuellen Leben hinorientiert hat auf das Leben nach dem Leben. Die Perspektive wurde aus dem aktuellen Leben heraus verschoben und für das jetzige Leben hat sich die Kirche mit Vorschriften und Geboten breitgemacht. Über Jahrhunderte wurden die Menschen daran gewöhnt, dass andere für ihr Leben verantwortlich sind, dass die große Mutter Kirche ihnen schon sagt, wie sie jetzt zu leben haben, damit es mit der ewigen Seligkeit klappt. Vorteil dieser Strategie: Niemand konnte mehr kontrollieren, ob es wirklich mit der ewigen Seligkeit geklappt hat.

Mit der Renaissance wurde auch Epikur (und Lukrez) wieder entdeckt und so langsam hat sich das Pflänzchen der Eigenverantwortung für das aktuelle Leben unter den Bürgern wieder berappelt, am stärksten unter den Aufklärern, was aber nicht bis in die breiten Volksmassen durchgedrungen ist. Heute nimmt in der breiten Masse der Vater Staat die alles besorgende Rolle von ehemals Mutter Kirche ein, die diesbezüglich viel verloren hat. Außer dem Staat schlüpfen auch viele neue Sinnvorschreiber in die alte Rolle von Mutter Kirche und wollen uns weismachen, dass sie mit ihrer psychologischen, soziologischen oder sonstigen Ideologie genau wissen, was jedem gut tut. Auch zarte Pflänzchen der Lebenssorge und Lebensphilosophie regen sich wie z.B. Wilhelm Schmid. Manche entdecken auch Epikur wieder, was aber, wie schon immer, viel Selbstdenken erfordert, zumal nur noch klägliche Reste seines Riesenwerkes übrig gelassen wurden. Ich empfehle, Epikur im Original zu lesen und sich seine eigenen Gedanken zu machen. Die sog. Epikurliteratur entstellt ihn oft mehr als sie hilft, ihn für das eigene Denken fruchtbar zu machen. Am besten finde ich noch die Ausführungen von Prof. Michael Erler, unter anderem ein kurzer Artikel in der ZEIT. Für Epikur gibt es keinen fest von außen vorgegebenen Sinn. Sinn ist ein spannender Selbstfindungs- und Lebensgestaltungsprozess, mit dem Ziel sich soweit als möglich aus den Klammern äußerer Rahmenbedingungen (Natur, Gesellschaft) als Fremdbestimmer zu lösen in eine möglichst autarke, selbstbestimmte Lebensführung. Dabei kann Freiheit auch die Einsicht in die Notwendigkeit einschließen.

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So selbstverständlich, wie du deine Aussagen hältst, sind sie nicht für alle. Mit dieser Selbstverständlichkeit, für die du sie verkaufen willst, schwingt Überheblichkeit.

Für dich ist alles klar. Du hast keine Ahnung, weshalb sich die Leute so schwer tun. Sind die etwa blöd? Warum machen die alles so kompliziert? Es ist doch wirklich soooo  einfach und sie blicken es nicht.

"Es ist doch offensichtlich, dass es darauf ankommt, das beste zu tun."

Hohle Floskel. Ja, das beste zu tun ist immer das beste. Nur was ist das beste? "Was ist gut?" ist keine Erkenntnis, sondern eine Frage.

"Geht es darum, wofür wir geschaffen wurden?"

Wenn man daran glaubt, dass man geschaffen wurde, ist es verständlich, zu fragen, wofür.

"Evolution und ein Zweck unseres Seins schließen sich nicht zwingend aus, dennoch dürfte in dem Fall klar sein, dass es keinen „Sinn des Lebens“ gibt."

Du immer mit deinem "dürfte ... klar sein". Begründe das doch mal. Für viele ist das nämlich nicht so klar.

Diese Kritik richtet sich vor allem gegen deine Form der Fragestellung und Rücksichtslosigkeit gegenüber deinen Lesern.


Und um schließend deine Frage zu beantworten: Menschen, die sich überflüssig vorkommen, eine depressive Ader haben, sich gerne über das Leben Gedanken machen, die stoßen schnell auf die Frage, ob ihr Leben einen Sinn hat.

Gerade die Anerkennung der Evolution kann dieses Gefühl der Überflüssigkeit verstärken, da der Tod das Ende ist und die gesamte Menschheit im Universum nicht mehr als ein Fingerschnippen ist.

Der natürliche Egoismus will gegen dieses Gefühl kämpfen. Bei manchen Menschen hat sich dieser Egoismus zurückgebildet oder man hat demjenigen eingetrichtert, dass Egoismus etwas Schlechtes sei.

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Kommentar von david23x
12.11.2015, 11:37

Es ist offensichtlich, dass es nur darauf ankommt, das Gute zu tun. Leider bewegt man sich am Rand der Definierbarkeit und ohne vernünftige Definitionen er Wörter kann man schlecht argumentieren. Außerdem habe ich keine Lust hier so viel zu schreiben. Man muss sich doch nur fragen, auf was es sonst ankommen soll. Du hast natürlich recht damit, das damit in der Praxis nichts gewonnen ist, aber meine Frage war alles in allem doch bloß, was der Ausdruck bedeutet und ich wollte nur feststellen, das er in dem fall äquivalent mit der Frage nach dem guten ist.

Warum es keinen Zweck für unsere Schöpfung geben sollte, sollte ich vielleicht erklären. Es gibt einfach keinen Grund von einem auszugehen, und die einfachste Theorie ist gemäß der wissenschaftlichen Methode die beste (das ist intuitiv im Menschen verankert, daher sollte es klar sein), was die Zwecklosigkeit bedeutet.

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Hallo david23x,

Du siehst, wie schwierig es ist, alleine nur Deine Frage zu lesen und zu verstehen. Außer berkersheim, der sie in geradezu atemberaubender Kompetenz durch die gesamte Menschheitsgeschichte führt, gibt es nur Versuche, zu erklären, worin der Sinn des Lebens bestehen könne.

Trotzdem eine kleine Ergänzung zu berkersheim:

In seiner kleinen Schrift "Der Mythos von Sisyphos" beschäftigt sich Albert Camus mit einem Grundwiderspruch der menschlichen Existenz. Indem das menschliche Denken über die Möglichkeiten der anderen Lebewesen hinausgeht und der Mensch das eigene Selbst und gleichzeitig zeitlich, räumlich, weit darüber hinaus denken kann, gerät er in Widerspruch mit der eigenen physischen Begrenzung. Die Tatsache, dass wir das Unendliche denken können, macht den Tod zu etwas, was nicht mehr akzeptiert werden kann.

Aus diesem Grundwiderspruch der menschlichen Existenz resultiert die Frage nach dem Sinn. Camus eröffnet seine Schrift mit der Frage: Warum begehen wir nicht Selbstmord? - wenn die Möglichkeit, über uns selbst hinaus zu denken, in so offensichtlichem Missverhältnis steht zu unserer begrenzten Lebenszeit.

Philosophisch landet man - noch weiter darüber hinaus gedacht - bei der Frage nach dem Nichts: Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Der Frage geht Ludger Lütkehaus in seinem großartigen Buch "Nichts" nach, das die Positionen der gesamten Philosophie zu dieser Frage darstellt, und - ähnlich wie Camus - bei der Einsicht landet, dass die menschliche Disposition dazu führt, alle diese Fragen zu stellen, ohne eindeutige, "wahre" Antworten für möglich zu halten.

Und dazu gehört dann eben auch die Frage nach dem Sinn des Lebens, dem von jeder Lebenssituation aus, von jeder Ideologie / Religion / Weltanschauung heraus ganz unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben - und ganz verschieden definiert wird.

Und so scheint es mir schließlich abwegig, die Bedeutung des Begriffs "Sinn des Lebens" festzulegen. Man kann dies nur umkreisen, die vielen verschiedenen Bedeutungsfelder erkennen - vielleicht darüber staunen ...

Das ist übrigens ein Denkverfahren, das in vielen Zusammenhängen überaus nützlich wäre, führt es doch weg vom Nützlichkeits-, Sicherheits- und Zweckdenken, das uns verengt, verdünnt, verblödet. Das schöne talmudische, dialektische Denkverfahren, das jeder gewonnenen Erkenntnis immer einen Einwand hinzudenkt, ist zwar anstrengend (vielleicht) aber auch unglaublich bereichernd!

Gruß Friedemann

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Kommentar von david23x
13.11.2015, 09:44

Ich denke ein Begriff sollte eine Bedeutung haben, auf die man sich halt einigt (oder auch mehrere, bei denen man aber aus dem Kontext entscheidem kann). Dass unterschiedliche Weltanschauungen den Begriff unterschiedlich definieren, mag wahr sein, aber man kann sich doch nicht über etwas unterhalten, unter dem man unterschiedliche Sachen versteht.

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Es geht um eine Frage des Grundprinzips.

Warum sind wir hier? Warum wurden wir erschaffen? Was ist die Legitimation für unser dasein?

Für manche Menschen ist es wichtig zu wissen wieso wir existieren. Sie hoffen, dass ein grösserer Plan, ein grösseres Ziel hinter unserer Existenz liegt.

Mehr als nur "irgendwelche Bakterien sind zufälligerweise bis zu dem Punkt evolutioniert, dass ein pickelgesichtiger Teenager auf Mamas Computer Por*os guckt"

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Natürlich hat das Leben einen Sinn und die Aufgabe eines jeden Menschen besteht darin, dem eigenen Leben einen Sinn zu geben.

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Kommentar von david23x
12.11.2015, 10:08

Meine eigentliche Frage war, was die Bedeutung des Begriffs „Sinn des Lebens“ ist, und nicht ob es ihn gibt und worin er besteht.

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Das menschliche Leben wurde uns für einen bestimmten Zweck gegeben: zur Selbst- und Gotterkenntnis. Wenn wir hier und in diesem Leben nicht diese Selbst- und Gotterkenntnis erlangen, werden wir es später bereuen. Wir kommen weinend und gehen weinend (von dieser Welt). Sind wir aber fähig, das Rätsel des Lebens zu lösen, während wir im Körper sind, werden wir (diese Welt) glücklich verlassen.

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Du fragst nach dem Sinn einer Frage  , und erklärst ihn  selbst ?*verständnislos guck...

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Kommentar von david23x
12.11.2015, 10:35

Ich habe nicht nach dem Sinn gefragt, sondern was das Wort in diesem kontext bedeutet. Da ich dachte, das würde auf Unverständnis stoßen, da allen anderen scheinbar problemlos klar ist, was damit gemeint ist, habe ich zur weiteren verdeutlichung zwei Theorien aufgestellt, was dieser Ausdruck bedeuten könnte und geschrieben, warum ich es für unwahrscheinlich halte, das diese Definitionen stimmen.

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