Was sind versicherungsfremde Leistungen?

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4 Antworten

Normalerweise gilt in der Rentenversicherung das Äquivalenzprinzip.

Also man erhält Rente für die vorher gezahlten Beiträge.

gesetzlich werden aber zusätzliche Zeiten für die Rente berücksichtigt. Z.B. die Erziehungszeit für Kindererziehung. Diese müsste eigentlich von allen über die Steuern getragen werden. der Bundestag hat aber beschlossen, dass diese Last alleine von den Beitragszahlern gedeckt wird.

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Kommentar von AchimX
07.07.2016, 13:23

Krude Denkweise. Wer dafür sorgt, daß es künftig überhaupt Beitragszahler gibt, der soll eine "Last" sein?

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Nach geltendem Rentenrecht ist die Rente in Deutschland lohn- und beitragsbezogen. D.h.: Die Höhe der Rente, die ein Versicherter im Alter bzw. bei vorzeitiger Invalidität erhält, ist wesentlich von seinem früheren Arbeitseinkommen abhängig, soweit davon Beiträge entrichtet wurden. Dieses Prinzip der lohn- und beitragsbezogenen Rente wird allerdings ergänzt durch sog. „Maßnahmen des sozialen Ausgleichs“. Danach werden auch gewisse Versicherungszeiten bei der Rentenberechnung berücksichtigt, in denen keine Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung (gRV) entrichtet wurden. Für bestimmte Beitragszeiten wird darüber hinaus eine höhere Rentenanwartschaft angerechnet, als es den tatsächlich gezahlten Beiträgen entspricht. Diese Rentenbestandteile, denen keine bzw. eine zu niedrige Beitragsentrichtung zugrunde liegt, werden auch als „versicherungsfremde Leistungen“ bezeichnet. Der Begriff soll verdeutlichen, dass hier das Versicherungsprinzip - das einen engen Zusammenhang zwischen Beitrag und Leistung vorsieht - durchbrochen wird.

"Versicherungsfremde Leistungen" sind zum Beispiel:
- Kriegsfolgelasten (z.B. Ersatzzeiten, Fremdrentenrecht, etc.)
- Arbeitsmarktbedingte Leistungen (z.B. Frührenten wegen Arbeitslosigkeit und arbeitsmarktbedingte BU-/EU-Renten)
- Anrechnungszeiten (z.B. für Schul- und Hochschulausbildung)
- Höherbewertung von Beitragszeiten (Zeiten der Berufsausbildung, Rente nach Mindesteinkommen)
- Einigungsbedingte Leistungen (z.B. Auffüllbeträge)
- Familienleistungen (Kindererziehungszeiten, Kindererziehungs-
leistungen)
- sonstige

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Es sind Leistungen, die nicht wegen entrichteter Beiträge  gezahlt werden, sondern weil man sie wegen gesetzlicher Regelungen bekommt.

Also z. B. die "Mütterrente". Die frauen bekommen die, weil sie Kinder bekamen und deshalb keine Beiträge zahlen konnten, aber es wurden eben keine Beiträge entrichtet.

Steht in Wiki drin:

 Als versicherungsfremde Leistungen, auch Fremdleistungen genannt, werden in der deutschen gesetzlichen Sozialversicherung in der Regel solche Leistungen bezeichnet, die mit dem Zweck der jeweiligen Sozialversicherung nicht vereinbar sind und daher nicht in ihren Aufgabenbereich fallen sowie deren Gewährung keine adäquate Beitragszahlung vorausgegangen ist. Aus finanzwissenschaftlicher Sicht sind versicherungsfremde Leistungen nicht durch Sozialversicherungsbeiträge, sondern aus den allgemeinen Haushaltsmitteln des Staates, z. B. durch entsprechende Bundeszuweisungen an die Sozialversicherungen, zu finanzieren. Daher sollten Bundeszuweisungen an die Sozialversicherungen grundsätzlich nach den Ausgaben für die versicherungsfremden Leistungen bemessen werden.

Beispiele aus allen Versicherungssparten:

http://www.bmg.bund.de/glossarbegriffe/v-y/versicherungsfremde-leistungen.html

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In einem umlagefinanzierten Rentensystem gilt der Generationenvertrag: Die arbeitende Generation zahlt die Rente der Ruheständler, die zuvor ihrerseits die Rente der vorhergehenden Rentnergeneration gezahlt hat.

Das Ganze funktioniert allerdings nur, wenn die Zahl der Beitragszahler wenigstens gleich bleibt oder wächst. Also müßte sich die zu erwartende Rente auch ganz wesentlich daran orientieren, ob jemand Beitragszahler in die Welt gesetzt und erzogen hat.

Genau das wird aber im deutschen Rentensystem mit der Bindung an die gezahlten Beiträge nicht ausreichend berücksichtigt. Der Gipfel ist die Diffamierung der Rentenbestandteile für  Erziehungs- und Kinderbetreuungstätigkeit als "versicherungsfremde Leistungen".

Genau diese Tätigkeiten sorgen dafür, daß es künftig überhaupt Beitragszahler gibt! Für Geld kann man die nicht kaufen, es sei denn, man importiert Beitragszahler - was ja auch gemacht wird. Und hoffentlich sind das dann auch Beitragszahler und keine Beitragsempfänger....

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Kommentar von DerHans
07.07.2016, 14:10

Dass die Erziehungsleistung honoriert werden MUSS, ist ja unbestritten. 

Aber wieso werden nur die BEITRAGSZAHLER damit belastet? Das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, die über die Steuern von ALLEN getragen werden muss.

Selbständige, Freiberufler und Beamte zahlen dafür aber keinen Cent.

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