Frage von DieTwinnys, 54

Was sind Therapien für Autisten?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Pramidenzelle, 30

Es wäre einfacher, wenn du deine Fragen zum Thema Autismus einfach alle zusammengefasst hättest, statt sie auf vier oder fünf Fragen zu verteilen... und auf viele der anderen Fragen hast du ja schon mehr oder weniger sinnvolle Antworten bekommen.
Therapien sind bei vielen von uns ein sensibles Thema. Denn diejenigen, die kaum oder gar nicht kommunizieren können, äußern sich entsprechend wenig zum Thema, während die, die es eben gut können in vielen Fällen sehr schlecht auf Therapien zu sprechen sind, die bei ihnen eigentlich gar nicht indiziert gewesen wären.
Du kannst dazu zum Beispiel ABA (Applied Behaviour Analysis) googlen. Viele Nicht-Autisten halten das für eine gute Therapie, viele Autisten halten es für eine gute Foltermethode.

Ich selbst hatte als Kind Sozialkompetenztraining und meine Mutter hat sich mit mir hingesetzt und mir Dinge beigebracht, die andere Kinder eben von allein verstanden haben, was ja auch so eine Art Therapie ist.
Ich habe durch viele Umzüge einen ganzen Haufen von Kinderpsychologen, Psychiatern, Psychotherapeuten und so weiter kennen gelernt, und bin zur Zeit sehr zufrieden mit der Psychotherapeutin, die ich besuche.
Eine klassische Therapie mache ich dort allerdings nicht, sondern mehr sowas wie "Fehleranalyse".
Z.B. hat mich ein Kommilitone in der Uni gefragt, ob ich mit ihm und ein paar anderen Leuten draußen essen möchte und ich sagte "Nein". Weil die Sonne schien und ich nicht geplant hatte, lange draußen zu sein. Deshalb hatte ich meine Sonnenbrille nicht dabei und es hätte mir in den Augen weh getan. Aber das war für mich so selbstverständlich, dassich es nicht dazu gesagt habe. Nicht die beste Reaktion.

Oftmals geht es in den Therapien von Autisten hauptsächlich darum, Komorbiditäten, wie Depressionen, Zwangsstörungen u.Ä. zu behandeln, weniger um den Autismus selbst, denn Autismus ist nunmal ein Teil von dem, was wir sind, das kann man nicht wegtherapieren, und das würden viele von uns auch nicht wollen.

Außerdem gibt es natürlich auch in manchen Fällen Medikationen, aber das hängt ebenfalls sehr stark vom Einzelfall ab, vermutlich noch mehr als die Psychotherapie. Diese behandeln dann aber auch nicht den Autismus, sondern z.B. damit einhergehende Angsstörungen oder dergleichen.

Kommentar von DieTwinnys ,

Vielen vielen Dank! Ich weiss es echt zu schätzen für diese ganzen Antworten! Vielen Dank :))

Antwort
von halbsowichtig, 6

Man behandelt nicht den Autismus, sondern nur die Begleiterscheinungen. Und man trainiert den Umgang mit Nicht-Autisten.

Zum Beispiel lassen sich soziale Schächen mildern, indem man die ungeschriebenen Regeln der Gesellschaft in klarem Deutsch erklärt. Denn viele Missverständnisse kommen nur daher, dass Autisten nach logischen Regeln suchen, wo nicht-autistsiche Kinder einfach alles stumpf nachahmen. Soziale Regeln sind aber nicht logisch, man muss sie auswendig lernen.

Soziales Kompetenztraining, also das Üben in Rollenspielen, soll auch hilfreich sein.

Reizfilterschwäche und überfeine Sinne behandelt man mit Gehörschutz, Sonnenbrillen und weicher Kleidung. Das heißt, man schirmt sich etwas ab, um nicht in eine "Sensory Overload" zu geraten.

Leider gibt es einige sogenannte "Therapien", mit denen Eltern abkassiert werden, die ihr autistischen Kind aus irgendwelchen Gründen nicht akzeptieren können/wollen. Man nennt sie ABA (Dressur durch Belohnung und Strafe), FHT (Brechen durch Folter) oder MMS (esoterisches Vergiften). Ziel davon ist immer, aus dem Autisten ein "normales" Kind zu machen. Es klappt natürlich nie, aber die Kinder tun alles, um nach außen "normal" auszusehen. Die Eltern halten das dann für einen Erfolg und bezahlen.

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