Frage von zocker12389, 37

Was sind neuer und alter Mittelstand?

In Schichtmodellen wie z.B. der Bolte-Zwiebel von 1960 ist von Angehörigen des alten Mittelstands und Angehörigen des neuen Mittelstands die Rede. Was hat es damit auf sich?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von findesciecle, 28

Bolte ist Jahrzehnten hinfällig, auch die Begriff "Mittelstand" ist seit Jahrzehnten in der Strukturanalyse hinfällig. (War Anlehnung an den Stände-Begriff, den Bolte ablehnte, aber im Begriff hängenblieb)

Bei Bolte war der "alte Mittelstand" die Gruppe, die sich aufgrund ihrer eigenen Produktionsmittel (Handwerker, Ladenbesitzer, kleine und mittlere Selbstständige) im 19. und 20. mit Subsitenzstellen zwischen den Arbeitern und der Oberschicht behaupteten. Die "neue Mittelschicht" waren die Menschen, die sich durch höhere Bildung und Berufsbildung angestellt als z.B. Ingenieure, Buchalter oder Beamte eine Zwischenposition einnahmen.  

Kommentar von zocker12389 ,

Also ähnelt die Vorstellung von altem und neuen Mittelsttand quasi der Klasseneinteilung von Weber? Der alte Mittelstand besitzt Produktionsmittel, ist also in einer relativ hohen Besitzklasse, der neue Mittelstand besitzt Macht im Erwerbssystem und hat somit Verfügungsgewalt über Produktionsmittel, die ihm jedoch nicht gehören (Erwerbsklassen)?

Kommentar von findesciecle ,

Danke für den Stern

Die Ähnlichkeiten sind absolut da

Weber und Bolte hatten gemeinsame Ideengeber z.B. Kant und
Nietzsche. Beide waren auch beide liberal-bürgerliche
Sozialwissenschaftler, lehnten den allein materialistische
Strukturanalyse ala Marxismus ab. Und beide, Weber und Bolte, haben
in die selbe Kerbe gehauen: Mikro-Makro-Phänomene zu überwinden, um
zu Aussagen zur Sozialstruktur zu kommen.

Aber beide trennten 2 Generationen - was wichtig ist, da genau da
zwischen in Deutschland eine soziologische Generation ausfiel.

Webers Sozialstrukturtheorie  (er war übrigens auch ein
brillanter Sozialhistoriker bis in die Antike) war auf die
postfeudale Gesellschaft des Kaiserreiches geprägt, Bolte aber
analysierte die Sozialstruktur der Nachkriegsgesellschaft. Zudem kamWeber eher mit historisch-verstehenden Ansatz zu seinen
sozialstrukturellen Kategorien, während Bolte m.E. Eher die jüngerer
amerikanische Erhebungssoziologie, also einen induktiven Ansatz
verfolgte.

Zudem hatte Weber ja mehrere Klassen-Kategorien unterschieden , am passensten sind die "Erwerbsklassen". Bolte hingegen, kam durch den induktiven Ansatz zu den GRafiken/Strukturkonzepten, die Kategorien wie Erwerb, Einkommen, Ansehen, Kultur, Weltanschauung integrierte! 

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