Frage von miri1001, 38

Was sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Locke und Montesquieu?

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 18

John Locke (1632 – 1704) war ein Engänder. Charles-Louis de Secondat, Baron de La Brède de Montesquieu (1689 – 1755), kurz: Montesquieu, war ein Franzose.

Ein Vergleich hängt davon ab, unter welchem Bezugspunkt verglichen wird. Das Leben und das Werk/die Gedanken können herangezogen werden.

John Locke hat auch wichtige Schriften zur Erkenntnistheorie veröffentlicht. Er war Nominalist und Empirist: er hielt Allgemeinbegriffe für Namen ohne eine reale Existenz, lehnte die Vorstellung angeborener Ideen ab und meinte, durch bloßes Denken sei kein Wissen möglich, sondern allein durch Erfahrung.

Als Bezugspunkt in einem Vergleich ist die politische Philosophie/Staatstheorie besonders sinnvoll.

Textgrundlagen sind dabei John Locke, Two Treatises of Government“ (1689; „Zwei Abhandlungen über die Regierung“) und Montesquieu, De l’esprit des loix (1748; „Vom Geist der Gesetze“).

Gemeinsamkeiten

  • Einschränkung der Macht der Staatsgewalt
  • Gewaltenteilung: Gewaltenteilung dient zum Schutz vor Machtmissbrauch und zur Sicherung von Freiheit.
  • politische Mitwirkung des Volkes an der Gesetzgebung in einem Repräsentativsystem: Das Volk bekommt politische Mitwirkung durch gewählte Vertreter (Repräsentanten) des Volkes.
  • Zustimmung zu konstitutioneller Monarchie: Für beide ist eine konstitutionelle Monarchie eine Staats- und Regierungsform. Der sie zustimmen können. Die Macht des Monarchen ist dabei durch eine Verfassung und natürliche Grundrechte, an die er gebunden ist, beschränkt.
  • Naturrecht: Es wird ein Naturrecht vertreten, wobei dieses von Grundsätzen der Vernunft, von einem göttlichen Schöpfer her, mit der Natur des Menschen und aus verallgemeinerter Erfahrung begründet wird.
  • Befürwortung von Toleranz und Ablehnung eines Staatskirchensystems

Unterschiede

  • Souveränität: Bei Locke gibt es Volksouveränität (ausgeübt durch Mehrheitsentscheidung). Montesquieu vertritt eine getrennte Souveränität der Träger der Staatsgewalten. Als Träger der Staatsgewalten gibt es Adel, Volk und (wenn der Staat keine Republik, sondern eine Monarchie ist) Monarch (Monarchie als durch Verfassung/Gesetze begrenzt – also eine konstitutionelle Monarchie - unterscheidet er von Despotismus, bei dem die willkürliche Laune eines Einzigen alles entscheidet).
  • Betonung bei der Grundlage für die Entstehung eines Staats: Locke betont einen Gesellschaftsvertrag. Bei Locke ist Grundlage das Eigentum in einem weiten Sinn - Freiheit, grundsätzliche Gleichheit, Unverletzlichkeit der Person (Leib und Leben) und Besitz. Die Gesellschaft und der Staat entstehen aufgrund eines Vertrages, damit die Individuen ihr Leben, ihre Gesundheit und ihren Besitz schützen und in Frieden leben können. Montesquieu vertritt sehr ähnliche staatstheoretische Ansichten, betont aber eher auch die Rolle eines natürlichen Gesellschaftstriebes als Grundlage eines Staates.
  • Anzahl der Staatsgewalten bei der Gewaltenteilung:


Bei Locke werden die gesetzgebende (legislative) und die vollziehende (exekutive) Gewalt unterschieden. Daneben nennt er noch die föderative Gewalt (Föderative) (Vertretung des Gemeinwesens nach außen) und die prärogative Gewalt (Prärogative) (Macht, ohne Gesetzesvorschriften nach eigener Entscheidung für das öffentliche Wohl zu handeln, wenn schnelle Maßnahmen nötig sind; eine Art Notstandsrecht) als weitere Staatsfunktion. Da diese nach der Darstellung in der Praxis bei der Exekutive angesiedelt sind, wird üblicher von 2 Staatsgewalten bei Locke gesprochen, nicht von 4. Als einen Ansatz gibt es bei Locke immerhin auch schon den Gedanken einer Unabhängigkeit der Richter.

Bei Montesquieu gibt es 3 Staatsgewalten, Exekutive (Ausführung/Vollziehung), Legislative (Gesetzgebung) und Judikative (Rechtsprechung.

  • Verhältnis der Staatsgewalten bei der Gewaltenteilung:


Bei Locke ist die Gewaltenteilung vor allem funktional (stärker eine Trennung nach Funktionen für den Staat). Es gibt bei den Staatsgewalten Über- und Unterordnung (die Legislative ist die höchste). Im Staat gilt eine Volkssouveränität.

Bei Montesquieu ist die Gewaltenteilung stärker eine Trennung nach sozialen Gruppen/Personen. Die Gewalten sind nebeneinander geordnet. Wichtig ist eine Verteilung zur Verhinderung von Machtanhäufung. Eine Balance schaffende Hemmung der Gewalten sorgt für die Bewahrung eines Gleichgewichts. Es gibt eine getrennte Souveränität der Träger der Gewalten. Montesquieu steht auch in der alten Tradition einer gemischten Verfassung.

  • Ausmaß der Mitwirkung des Volkes:


Bei Locke geht die Staatsgewalt vom Volks aus. Diese wird durch Abstimmungen und durch Entgegenbringen von Vertrauen hauptsächlich indirekt, in einem Repräsentativsystem (wobei an ein Parlament gedacht ist), ausgeübt, aber sie kann auch unmittelbar von der Urversammlung des Voks ausgeübt werden.

Montesquieu sieht eine politische Mitwirkung des Volkes (neben der Körperschaft des Adels) an der Gesetzgebung nicht unmittelbar vor, sondern indirekt, in einem Repräsentativsystem (eine gewählte Körperschaft, die das Volk repräsentiert). Montesquieu hält das Volk für wenig geschickt, die Angelegenheiten zu verhandeln (zu erörtern, zu beraten und zu beschließen), was seiner Meinung nach einer der großen Nachteile der Demokratie ist.

Antwort
von Altersweise, 13

Das kann man nicht in ein paar Sätzen beschreiben. Das wäre einen ganzen Essay wert.

Ich fürchte, da musst du dich ein wenig mit ihrem Werk auseinandersetzen und mit der Gesellschaft, in die hinein sie es verfasst haben.

Kommentar von miri1001 ,

Ok, danke

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