Frage von Kakuzu91, 42

Was sind die wirklich wichtigsten Unterschiede von Beamten und Tariflich beschäftigten?

Ich möchte die Frage klären, was die wichtigsten Unterschiede sind zwischen Beamten und Tariflich beschäftigten im öffentlichen dienst. Ich habe dazu auf mehreren Seiten und in den Gesetzen usw alle Aspekte rausgesucht.

Der Punkt ist nicht welche es sind. Sondern ich würde gerne von jemanden wissen der in der Materie drin ist und/oder es selber miterlebt welches von allen Unterschieden denn die wichtigsten 5 sind.

Mir erscheinen alle teils eher uninteressant oder unwichtig aber anscheinend sieht das jeder anders. Vielleicht können ja mal ein Paar Leute hier ihrer Meinung nach die 5 wichtigsten nennen. Wäre auch Interessant welche Unterschiede hier dann alle machen würden.

Antwort
von Dampfschiff, 15

Was am wichtigsten für Dich ist, kannst Du nur selbst beantworten. Ich kann Dir aber ein paar Sachen aufzählen, bei denen ich der Meinung bin, dass man darüber zumindest gründlich nachdenken sollte.

- Ein Beamter ist nach der Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit (nach dem 27. Geburtstag, sofern die Beamtenanwärterzeit ohne Beanstandung absolviert ist) unkündbar, sofern er nicht gerade silberne Löffel klaut. Ein Tarifangestellter nicht - wenngleich im öffentlichen Dienst die Arbeitsverhältnisse allgemein als recht sicher gelten.

- Ein Beamter braucht keine Arbeitlosenversicherung zu bezahlen (wegen Unkündbarkeit), keine Rentenversicherung (wegen staatlicher Altersvorsorge), und er kann sich sehr preisgünstig krankenversichern (da der Staat die Hälfte der Krankheitskosten über die sogenannte Beihilfe übernimmt, und nur der Rest privat krankenversichert werden muss). Daher steht ein Beamter trotz ersteinmal niedrig aussehender Beamtenvergütung finanziell besser da, als ein Angestellter im öffentlichen Dienst. Der öffentliche Dienst zahlt generell nicht sehr viel, vergleichbare Tätigkeiten in der freien Wirtschaft sind oftmals besser bezahlt.

- Bei Beamten bemisst sich die Höhe der Altersversorgung nach der Höhe ihrer Bezüge kurz vor der Pensionierung. Bei Angestellten hingegen errechnet sich die Rente aus einem Durchschitt dessen, was sie im Leben verdient haben. Außerdem dürfen Beamte für Kindererziehung etc. für einige Jahre Teilzeit arbeiten, ohne dass deswegen ihre Pensionsansprüche kleiner werden. Ein Angestellter muss für so etwas Nachteile bei der Rente in Kauf nehmen.

- Ein Beamter hat kein Streikrecht. Es gibt auch keine Gewerkschaft, die ihn so wirklich vertritt, da er nach offizieller Definition kein Arbeitnehmer ist. Es gibt in Behörden etc. zwar üblicherweise einen Personalrat, der ähnliche Aufgaben hat wie der Betriebsrat für Arbeitnehmer, aber im Zweifelsfall hat allein der Dienstherr (der Chef der Behörde) das Sagen.

- Ein Beamter kann zwar zu anderen Behörden oder Dienststellen wechseln, aber nur sehr schwer in die freie Wirtschaft. Bei Landes- oder Kommunalbeamten ist der Wechsel zu einer Stelle in einem anderen Bundesland noch schwieriger als bei Bundesbeamten. Ein Wechsel zu einer Arbeitsstelle im Ausland ist meist gar nicht möglich - außer zum Beispiel im diplomatischen Dienst. Insofern ist ein Stellenwechsel (wenn Du unzufrieden bist oder aus privaten Gründen woanders hin willst) schwieriger als bei Angestellten.

- Bei Beamten gilt eine strenge Laufbahnordnung. Das hat Vorteile und Nachteile. Vorteil: Wenn Du Deine Arbeit immer ordentlich machst und Dir nie etwas zu schulden kommen lässt, wirst Du nach einer gewissen Zeit fast automatisch befördert. Nachteil: Da Du immer einen (kleinen!) Schritt nach dem anderen machen musst, dauert es sehr lange, bis Du wirklich höhere Postionen erreichen kannst. Sehr ehrgeizige Leute, die sehr gut sind und in kurzer Zeit sehr viel erreichen wollen, sind in einer Beamtentätigkeit eher nicht so gut aufgehoben.

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