Frage von die123, 79

was sind die wichtigsten taktiken beim schach?

wenn man anfänger ist

Antwort
von DedeM, 14

Moin, moin,

zunächst muss tatsächlich geklärt werden, was du unter "Taktik" verstehst, wie Roch5 bereits anmerkte.
Auch wolfgang1956 stimme ich ausdrücklich zu, dass es schwerlich "unwichtige" Taktiken gibt und deshalb auch nicht nach den "wichtigsten Taktiken" gefragt werden kann.
Wenn du mit "Taktik" relativ kurze Zugfolgen meinst (Kombinationen), die mit Hilfe von verschiedenen Motiven auf das Erreichen eines bestimmten Zieles ausgerichtet sind (mattsetzen, Materialgewinne...), so kann man höchstens sagen, dass manche Motive sehr häufig vorkommen, andere öfters, wieder andere manchmal und abermals andere eher selten. Wichtig sind sie trotzdem alle, weil du mit ihrer Hilfe in Vorteil (oder eben auch in Nachteil) geraten kannst. Zu den häufigeren Motiven würde ich die Fesselung (echte, unechte und halbechte), den Doppelangriff (zum Beispiel Springer- oder Bauerngabeln) und den Abzugsangriff (schlimm zum Beispiel in Form des Abzugsschachs oder - noch schlimmer - als Abzugsdoppelschach) zählen. Öfters kommen außerdem noch Lenkungen (Hinlenkung und Ablenkung) oder die Beseitigung des Verteidigers (zum Beispiel in Form von Qualitätsopfern) vor. Das Motiv der Bahnung (zum Beispiel in Form von Räumungsopfern) ist manchmal anzutreffen. Für eher selten erachte ich in Partien Felder- oder Linienverstellungen (Schnittpunktoperationen, Hemmungsopfer etc.). Hinzu kommen noch weitere Motive (zum Beispiel Bauernumwandlungen, Unterumwandlungen oder Mattangriffe) oder positionelle Opfer, Gambits und dergleichen. All diese Motive können darüber hinaus miteinander kombiniert auftreten. Du siehst also, dass es im Grunde unmöglich ist, hier von "wichtig" oder "unwichtig" zu sprechen.

Wenn du mit "Taktik" allerdings meinst, welche Aufstellung du wählen sollst, um erfolgreich zu sein, so seien dir für die Eröffnungsphase folgende Ratschläge erteilt (das Folgende sind Ratschläge, keine Regeln und schon gar keine Gesetzmäßigkeiten. Es gibt Eröffnungen, in denen aus gutem Grund gegen einzelne der folgenden Ratschläge verstoßen wird. Das ändert aber nichts am allgemeinen Wert der Ratschläge...):
1. Stelle deine Steine so auf, dass sie das Zentrum beherrschen (zum Beispiel besetze mit mindestens einem Bauern das Zentrum).
2. Entwickle erst deine Springer, dann deine Läufer (weil für die Springer die besten Plätze meist feststehen, während das beste - wirkungsvollste - Feld für die Läufer oft nicht so offensichtlich ist).
3. Ziehe nicht grundlos mehrfach mit schon entwickelten Figuren herum (das kostet dich nur wertvolle Zeit; aber natürlich musst du bedrohte Steine schützen...).
4. Stelle deine Steine nicht so hin, dass sie die Entwicklung deiner Armee behindern.
5. Ziehe deine Dame nicht zu früh heraus (sie wird sonst oft unter Zeitverlust von deines Gegners Steinen angegriffen und übers Brett gejagt; siehe hierzu auch Ratschlag 3).
6. Mache nicht zu viele Bauernzüge (drei Bauernzüge sollten reichen; vermeide vor allem sinnlose Randbauernzüge oder Bauernzüge, die deine Stellung schwächen).
7. Hüte dich vor übereilten Angriffen, die mit ungenügender Unterstützung verbunden sind (gehe vor allem in der Eröffnung nicht auf Bauernjagd).
8. Sorge für eine gute Königssicherheit (zum Beispiel durch eine Rochade).
9. Verbinde deine Türme auf der Grundreihe und zentralisiere sie (stelle sie auf die d- und die e-Linie).
10. Sorge dafür, dass deine Figuren zusammenarbeiten (suche mindestens einen schwachen Punkt in der Stellung deines Gegners und konzentriere deine Figuren auf dieses Angriffsziel).

LG von der Waterkant...

Antwort
von Noidea333, 38

Ah, voll mein Element! :D

Als Anfänger ist es wichtig, die Grundstrategien zu lernen. Die Bauern können ja entweder ein oder zwei Felder vorwärts von Ausgangsposition.

Dann sollte man die Läufer und Springer rausbringen und gemeinsam Schwachstellen des Gegners angreifen.

Der König ist die wichtigste Figur, die Dame die stärkste, auf die man gut aufpassen sollte (es sei denn, man möchte sie opfern...)

Im Internet gibt es mehrere Seiten, wo man online Schach spielen und lernen kann! :-)

Antwort
von wolfgang1956, 15

Gibt es denn „unwichtige“ Taktiken? Welche Taktik sollte dann wichtiger sein?

Da das Schachspiel gerne mit dem militärischen und martialischen Krieg verglichen wird, soll dies hier so erklärt werden:

Strategie ist die Kunst der Kriegsführung und -planung – auch einer Schachpartie.

Taktik ist der Einsatz der Truppe im einzelnen Gefecht bzw. der Figuren im Spiel. Genau deswegen gibt es weder wichtig noch unwichtig, richtig oder falsch; wenn ich nochmals auf die beiden Fragen zu Beginn zurückverweisen darf … :-)

Antwort
von Dannie7, 3

Die wichtigste Taktik für Anfänger ist zunächst das Mattsetzen (was ich eher als "Technik" ansehen würde) und auf jeden Fall die einfachen Mattkombinationen (die definitiv zur Taktik zählen). Also Matt in Zug, Matt in 2 Zügen usw., auch unter Opfer. Diese einfachen Taktiken kann man mit Aufgabensammlungen (Bücher oder Online Taktiktrainer) üben. Altmeister Teichmann hatte nicht ganz unrecht, als er einst sagte: "Schach ist zu 99% Taktik."

Antwort
von Roach5, 42

Es gibt hier eine kleine Zwischenfrage, nämlich ob du dasselbe unter "Taktik" verstehst wie die "Taktik" im Schach? Im deutschen Sprachgebrauch werden "Taktik" und "Strategie" synonym benutzt, obwohl sie im Schach zwei verschiedene Dinge sind. Taktiken sind ermöglichte Zugfolgen, die du machst, um ein Ziel zu erfüllen, sie sind also in dieser Sache zu kurzzeitigem Vorteil da. Eine Strategie hingegen ist ein längerfristiger Plan, den du das ganze Spiel über verfolgst, um das Spiel deiner Strategie entsprechend zu spielen, ich gebe dir zu beiden Punkten einige kurze Kommentare.

Taktiken:

Besonders Anfänger sollten "kurzzügige Taktiken" lernen. Wenn du positionell stark spielst und dein Gegner nicht, werden die Taktiken für dich von alleine kommen. Solche, die du kennen solltest, sind einzügige, zweizügige oder dreizügige Kombinationen wie verdeckte Angriffe, Fesselungen, Spieße, Gabeln usw, um Material zu gewinnen. Besonders für Anfänger: Jeden Zug gucken, ob dein Gegner eine ungedeckte Figur hat. Wenn diese von dir angegriffen ist, guck, ob du sie nehmen kannst (überprüfe, ob dein Gegner sie dir vielleicht mit Absicht gegeben hat), und wenn sie einfach nur hängt, dann nimm sie. Wenn sie noch nicht bereits angegriffen ist, greife sie an und baue Druck auf, wenn dein Gegner unter Druck ist, wird dein Gegner Fehler machen und es werden sich auch automatisch Taktiken für dich ergeben.

Strategien:

Jenachdem, gegen wen du spielst, solltest du eine Spielstrategie festlegen und du solltest dich bei jedem Zug fragen, ob dein Zug deiner Strategie hilft. Wenn dein Gegner schlechter ist als du, ist es angeraten, agressiv und mit Energie zu spielen, wenn dein Gegner genau so gut ist wie du, dann gehe das Spiel positionell an und versuche dir durch gute Stellung leichte Vorteile zu erschaffen, die sich dann mit der Zeit anhäufen. Wenn dein Gegner besser ist als du, solltest du deinem Gegner nicht viel Initiative gehen und ein ruhiges Spiel suchen, in welchem weder er noch du viel machen können.

Das Üben von Taktiken:

Dazu gibt es genug Online-Websites, wie lichess oder chess.com oder chessbase oder chesstempo. Hier wird dir eine Position gegeben, und du sollst eine gute Zugfolge finden, die meistens Material gewinnt oder Matt setzt. Mit viel Übung siehst du solche Taktiken irgendwann auf Anhieb.

Zum Üben von Strategien:

Bücher lesen, online geht das leider nicht so gut und nicht auf die Schnelle. Spiele lange Partien, am besten gegen Spieler, die etwas besser sind als du, lass dir bei jedem Zug genug Zeit und analysiere jede einzelne Partie die du spielst auf positionelle Fehler. Nicht gesehene Taktiken o.ä. sind hier erstmal egal, das geht ja auch mit Taktiktrainer, aber frag dich, ob du wirklich den Bauern auf h4 spielen solltest, oder ihn doch lieber auf h3 lassen, da dieser Zug erlaubt, deinen Springer auf f3 von einem Läufer fesseln zu lassen usw.. Also hier nicht nach Patzern oder Fehlern suchen, sondern nach Ungenauigkeiten, die deine Stellung unnötig kompliziert/schlecht gemacht haben.

LG und viel Spaß beim Üben!

Antwort
von TheFro, 43

Sowas wie Grundtaktiken gibt es da nicht, die Taktik wie du das Spiel gewinnen kannst musst du im Kopf selber durchgehen und das hängt wiederrum von der Situation ab

Antwort
von Owntown, 38

Schach ist ja im Grunde ein Kriegsspiel du versuchst so schnell wie möglich den gegnerischen König mat zu setzen. Ich finde es effektiv so schnell wie möglich Pferd Springer Turm Dame an die Front zu bringen da sie so eine bessere möglichkeit haben zu aggieren. Die Bauern sind im grunde nur Kanonenfutter. Allerdings entwickelt da jeder so seine eigene taktik.

Kommentar von Defaetist ,

Du muss ich aber schwer widersprechen:

Die schweren Figuren Dame und Turm sind "an der Front" nicht gut aufgehoben, dort werden sie nur angegriffen und müssen sich wieder zurückziehen. Die schweren Figuren operieren oft aus dem Hintergrund. Und die Bauern sind alles andere als Kanonenfutter, sie sind die Seele des Spiels. Die Bauernstellung bestimmt, ob es offene Linien für die Figuren gibt.

Man kann schon mal 'nen Bauern opfern, wenn man dafür andere Vorteile erwirbt, aber zum Kanonfutter wird er dadurch nicht.

Kommentar von Owntown ,

Scheint jeder so seine Taktik zu haben :P

Kommentar von DedeM ,

Stimmt, aber manche Taktiken sind auf Dauer oder gegen gute Spieler erfolgloser als andere. Dein Vorschlag (schnell mit Springer, Turm und Dame anzugreifen) gehört leider eher in die Kategorie der auf Dauer erfolgloseren Herangehensweisen...

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