Frage von Staar1, 80

Was sind die buddhistischen Aufnahmeriten?

Antwort
von ArbeitsFreude, 32

Enzylexikon hat sehr gut, ausführlich erklärt -

Ich wollte Dir - nicht als "gegen"position, sondern nur zur Erläuterung, dass es noch ganz andere Aufnahme riten gibt, die Nichiren-Buddhistische schildern, weil die halt so kompromisslos simpel ist:

Du hast zuvor einen Antrag auf Mitgliedschaft im gemeinnützigen buddh. Verein "Soka Gakkai International" gestellt (das ist nix weiter als eine verkürzte Version der allgemeinen Deklaration der Menschenrechte, auf die Du Dich verpflichtest)

Dann kriegst Du bei einer Versammlung der Nichiren-Buddhisten, die in Deiner Region wohnen, den "Gohonson", die Schriftrolle der Nichiren-Buddhisten überreicht (natürlich nur in Kopie), die auf Altjapanisch die zusammenfassung des Lotus-Sutras darstellt - von einem irgendwie leitenden Mitglied überreicht.

Dann sprichst Du Dich mit den Mitgliedern ab, wann man bei Dir diese Schriftrolle "einschreinen" wird: D.h. Du brauchst ein sicheres Behältnis für die ausgerollt aufgestellte Schriftrolle in Deiner Wohnung - eine Art Mini-Altar

Wenn Du das hast und einen Platz dafür gefunden, kommen die Mitglieder, die Zeit und Lust haben zur Einschreinung in Deine Wohnung, machen dort mit Dir das übliche Gongyo (Abend- oder Morgengebet der Nichiren-Buddhisten) und ab dann "bist Du Nichiren-Buddhist".

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 36

Was sind die buddhistischen Aufnahmeriten?

Ich bin Buddhist und da stellt sich bei mir leider die Gegenfrage, welche Art von Aufnahme du denn eigentlich genau meinst. Eine Klärung wäre ziemlich hilfreich.

Kommentar von Staar1 ,

Ich muss eine Präsentation halten zu den Thema "Aufnahmeriten"

Kommentar von Enzylexikon ,

Der Buddhismus gliedert sich in verschiedene Traditionslinien auf, die daher auch über unterschiedliche Zeremonien verfügen.

Zufluchtnahme

Der erste Schritt im Leben eines Buddhisten ist die "Zufluchtnahme" (manchmal irrtümlich als "buddhistische Taufe" bezeichnet).

Dadurch das man dem Buddha, seiner Lehre  und der buddhistische Gemeinschaft vertraut und sie als Basis für das eigene Handeln akzeptiert, wird man zum Buddhisten.

Dazu bedarf es eigentlich gar keiner Zeremonie, denn es ist eine Frage des Vertrauens und der persönlichen Entscheidung.

Dennoch haben sich in Asien natürlich entsprechende Zeremonien entwickelt, die je nach Land und buddhistischer Tradition voneinander abweichen.

In Japan wird diese Zeremonie "Jukai" genannt - man empfängt die Regeln (Kai) im Rahmen einer Zeremonie.

Im Westen wird dabei meist die "Jukai" fest mit dem Ablegen der Bodhisattva-Gelübde verbunden, so dass keine einzelnen Zeremonien durchgeführt werden.

Herzu wird man Mitglied einer Gemeinschaft unter Leitung eines Lehrers. Zu den gemeinsamen Aktivitäten gehören Sitzmeditation, körperliche Arbeit und Gespräche mit dem Lehrer.

Nach längerem gemeinsamen Training kann der Schüler dann um die Jukai bitten.

Damit beginnt eine Zeit der Selbstprüfung des Schülers, denn er wird dazu aufgefordert, seine Motivation, seine innere Einstellung und sein Selbstbild zu hinterfragen.

Auch sein Verständnis wird in Gesprächen mit dem Lehrer zwar nicht formell "geprüft", doch zumindest beurteilt.

Während dieser Zeit beginnt er, unter Anleitung eines erfahrenen Schülers, sein "Rakusu" zu nähen - eine Art Latz aus einzelnen Stoffstücken, der symbolisch für das Gewand Buddhas steht.

Am Tag seiner Zeremonie legt er die fünf Sittlichkeitsgelübde ab - die eigentliche Jukai. Dann folgen wie gesagt gerade im Westen die Bodhisattva-Gelübde.

Er erhält dann von seinem Lehrer das Rakusu und einen buddhistischen Dharma-Namen. Dieser Name wird im Soto-Zen auf die Rückseite des Rakusu kalligraphiert.

Dieser Name wird unterschiedlich gewählt. Einerseits stellt er so etwas wie ein Ideal dar ("Daishin" 大信 wäre beispielsweise "Großer Glaube") andererseits bezieht er sich durchaus auch auf den Charakter.

Er erhält dazu ein "Kechimyaku" eine Art "Blutlinie" der Lehrer, die bis zum Buddha zurückgeführt wird, so dass er einen Eindruck davon erhält, über welch lange Tradition er nun mit der Lehre verbunden ist.

Hier ist eine solche Zeremonie der Rinzai-Zen-Tradition in englischer Sprache:

https://www.youtube.com/watch?v=rR5FBgBe7yg

Kommentar von Staar1 ,

Könntest du mir dann auch für die "Gebote der Mönche" helfen :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Die Mönchsweihe

Ursprünglich bedeutete die Weihe zum
Mönch "in die Hauslosigkeit zu ziehen", also alle familiären und
gesellschaftlichen Verbindungen hinter sich zu lassen.

Als sichtbares Zeichen für die Abkehr vom bisherigen Leben erhalten Mönche und Nonnen ihre buddhistischen Roben und ihnen wird der Schädel geschoren.

Im alten Indien waren aufwändige Frisuren ein Zeichen
für Status und Ansehen. Das Abschneiden der Haare war also eigentlich eine sehr peinliche Angelegenheit, die den Mönch seines bisherigen gesellschaftlichen Ansehens entzog.

Im älteren Theravada-Buddhismus ist der persönliche Besitz der Mönche auf wenige Gegenstände beschränkt. Dazu gehören unter anderem die dreiteilige Robe, seine Bettel/Eßschale, eine Nähnadel, ein Rasiermesser und ein Wanderstab.

In Japan heißt diese Zeremonie "Shukke Tokudô" ( 出家得道)

Der Mönch erhält dabei erneut einen neuen buddhistischen Namen, eben den Mönchsnamen. Somit hat ein Mönch im Laufe seines Lebens insgesamt drei  Namen

  • Geburtsname
  • Dharma-Name als buddhistischer Laie
  • Dharma-Name als buddhistischer Mönch.

In Japan erhalten Verstorbene darüber hinaus auch noch einen "posthumen Namen", den Kaimyo, so dass es im Fall eines japanischen Mönchs sogar vier Namen wären. ;-)

Mönchsregeln im Theravada

Im Theravada müssen die Mönche 227 und die Nonnen 311 Regeln einhalten.

Diese Regeln wurden aber nicht einfach auf einen Schlag vom Buddha festgelegt, sondern ergaben sich durch das Zusammenleben mit seinen Schülern.

Man sagt scherzhaft, die Nonnen hätten mehr Regeln, weil sie zwei Brüste hätten. Tatsächlich tragen alle Mönche ihre Robe nur
über einer Schulter.

Als nun jemand sagte "Also bei Frauen schaut ja dann eine Brust raus...ist das sittlich so akzeptabel?" wurde eben die Regel geschaffen, das Nonnen beide Brüste bedeckt halten
müssen.

So entstanden nach und nach die Regeln, an die sich Mönche und Nonnen zu halten haben,

Manche dieser Regeln sind eigentlich überholt und mussten deshalb lebendig neu interpretiert werden.

So gibt es etwa die Regel, ein Mönch dürfe seine Bettelschale nicht am Tischrand abstellen. Da die Schalen früher aus Keramik waren und leicht zerbrachen, eine durchaus sinnvolle Regel.

Heute werden in Ländern des Theravada-Buddhismus, wie etwa in Thailand, große Metallschalen für den Bettelgang verwendet, so dass diese Regel für Schalen eigentlich überflüssig wäre.

Sie wurde jedoch beibehalten - um den Mönch zur Achtsamkeit zu erziehen.

Auch wenn es jetzt keine besondere Notwendigkeit mehr gibt, die Schalen auf bestimmte Weise abzustellen, wird es als Teil der buddhistischen Geistesschulung weiter von Mönchen verlangt.

Mönchsregeln im Mahayana

Im Mahayana gab es zahlreiche Änderungen.

Als der Buddhismus von Indien nach China kam, änderten sich die äußeren Umstände.

Das Klima ließ es nicht zu, dass die Mönche nur in drei Stoffbahnen gekleidet wurden und es wäre gesellschaftlich auch nicht akzeptabel gewesen.

Da die Mönchsgemeinschaften größer waren und die Tradition des Almosengebens in China nicht üblich, konnten sich die Klöster auch nicht alleine durch Bettelgänge ernähren, so dass die Mönche Landwirtschaft betrieben.

Also wurde die buddhistische Robe über der normalen kleidung getragen und lediglich zu einem Symbol.

Außerdem musste die alte Regel, dass Mönche ab 12:00 Uhr nichts mehr essen dürfen, aufgeweicht werden, da die Mönche schwer arbeiteten und eine Stärkung benötigten.

In Japan gab es weitere Veränderungen

Hier führte eine Gesetzesänderung dazu, dass Mönche außerhalb ihres Klosters nicht zölibatär leben müssen und 1872 wurde dies auch gesetzlich festgelegt.

Dadurch gibt es in Japan den Unterschied zwischen Klostermönchen, die gemeinsam in einem kloster leben und den zumeist verheirateten Tempelpriestern, die ähnlich wie evangelische Geistliche eine Gemeinde betreuen und Familie haben.

Dort wird das "Amt" des Tempelpriesters meist sogar in der Familie weitergegeben.

Das war jetzt mal ein kurzer Abriss über Mönchtum im Buddhismus. Wenn du noch Fragen hast, kein Problem.

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