Frage von iamadragonfly, 75

Was sagt man jemandem, der vielleicht sterben wird?

Jemand, der mir nah und wichtig ist, hat eine verengte Halsschlagader (zu 75% zu) und weiß nicht, ob er das wieder rückgängig machen kann oder nicht. Er weiß auch nicht, ob er vielleicht nur noch ein Jahr zu leben hat. Dazu gibt es verschiedene ärztliche Ansichten. Die Schulmedizin geht jedoch davon aus, dass eine Stagnation des Verengungsgrads nahezu unmöglich ist und von zunehmender Verengung auszugehen ist. Er ist würde ich sagen depressiv, geht kaum noch raus, lacht wenig und hat traurige Augen, spricht fast nur noch darüber. Er hat das Gefühl, er muss auf jeglichen Genuss verzichten (darf nur noch ganz gesund essen damit die Ader nicht noch schneller weiter zuwächst) und muss viel Sport machen. Die Diagnose bestimmt also irgendwie sein ganzes Leben. War oder ist jemand von euch in einer ähnlichen Situation oder hat Ideen? Ich kann schwer damit umgehen und möchte ihn so gern aufmuntern. Ich weiß aber nicht was ich noch sagen kann außer "das wird schon wieder" und "ich bin bei dir", denn ich weiß ja nichteinmal ob es wieder wird... Ich bin dankbar für jede Idee und danke fürs Lesen!!

Antwort
von Rocker73, 35

Ich hatte mal die Erfahrung das ich mit einem Mädchen geschrieben habe, welches Krebs im dritten Status (Weiß nicht wie das richtig heißt) hatte. Der Krebs wurde sehr spät entdeckt.

Sie war erst 14, ihr ging es natürlich schrecklich, ich wollte sie nicht zutexten mit Dingen, die sie schon Millionen mal von anderen Leuten gehört hatte, ich hab sie einfach schreiben lassen, damit sie ihren Frust mal in Worte fassen konnte und ich ihre Lage zumindest ein bisschen verstehen und ihr helfen konnte.

Auch ganz einfache Fragen, die womöglich nichts mit der Krankheit zu tun haben, ein lockeres "Wie geht´s dir?" hat ihr vielleicht gutgetan.

Erstaunlicherweise war ihr Schiksal doch nicht besiegelt, sie konnte eine Therapie machen die half, ein neuer Arzt hat ihr das geraten und ihr ging´s wieder viel besser.

Ich glaube das liegt auch ein wenig daran das ich für sie gebetet habe: Damit will ich nicht selbstherrlich klingen, sondern zeigen, dass man nicht die Hoffnung aufgeben sollte, bis zuletzt!

So ist es auch mit deinem Bekannten! Er soll ab Ball bleiben und du stehst ihm dabei zur Seite! Genießt das Leben soweit wie möglich, macht Dinge die er mag! Sei eine Schulter zum ausweinen für ihn :)

Aber: Lass deine Gefühle nicht außer Acht, sprich auch mit jemand anderen darüber wie sehr dich das belastet, das tut gut!

Alles Liebe

Niklas

Kommentar von iamadragonfly ,

Vielen Dank! Ja, hab schon gemerkt, dass es wichtig ist, auch mit anderen darüber zu sprechen.

Kommentar von Rocker73 ,

Sehr gut, nichts zu danken!

LG

Kommentar von Miramar1234 ,

Lieber Niklas,inhaltlich möchte ich nicht eingreifen,rein technisch meinst du ein fortgeschrittenes Stadium eines Krankheitsverlaufes,oder ein Endstadium,wo es darum geht würdevoll sterben zu dürfen.

Kommentar von Rocker73 ,

Danke Holger, das meinte ich, doch mir ist beim schreiben das Wort nicht eingefallen!

LG

Antwort
von rosendiamant, 33

Hallo das ist wirklich eine schwierige Situation in der ich mich zum Glück noch nie befunden habe.

Ich würde versuchen mit der Person soviel es geht zu unternehmen. Wenn er viel Sport machen muss versuche ihn soweit es geht zu begleiten und zu unterstützen. Ihr könnt gemeinsam schwimmen, Fahrrad fahren, laufen gehen oder ihr sucht euch ein gemeinsames Hobby.

Ich denke auch wenn es immer die selben Worte sind ist es denoch wichtig das du ihn immer wieder erinnerst das du für ihn da bist. Allerdings würde ich nicht ständig die Krankheit ansprechen da euch dies nur noch mehr runter zieht und schliesslich solltet ihr die Zeit die ihr miteinander habt genießen und mit Freude füllen (auch wenn es leichter gesagt als getan ist).

Ich wünsche euch alles gute!

Kommentar von iamadragonfly ,

Ja, ich versuche auch, die Krankheit nicht anzusprechen. Aber er spricht halt viel davon und ich bin auch einerseits froh drüber, dass er sich da nicht verschließt! Würde mit aber halt wünschen, dass er allgemein auch die schönen Dinge sieht

Kommentar von rosendiamant ,

Das glaube ich dir. Wenn er es erst seid kurzem weiß ist es natürlich wichtig und verständlich das er sich erstmal alles von der Seele reden möchte. Vielleicht muss er sich erstmal mit dem Gedanken abfinden um zu sehen das er sich nicht hängen lassen darf und gerade jetzt versuchen sollte so viel wie es geht von der Welt zu sehen.

Antwort
von dandy100, 21

Man kann niemanden aufmuntern, der sich mit dem nahendem Tod beschäftigen muss, das wäre auch der falsche Weg, denn es wird ja eben nicht wieder gut.

Man kann nur versuchen, die Angst zu lindern und über das sterben zu sprechen - dazu muss man sich allerdings auch erstmal selbst mit dem Thema Tod auseinandersetzen.

Die Aufgabe, die ein Sterbender zu bewältigen hat, ist den eigenen Tod zu akzeptieren - und das ist schwer und mit viel Angst verbunden.

Sprich mit Deinem Freund darüber, gehe den Thema Tod und Sterben nicht aus dem Weg, sonst machst Du ihn einsam - das wird man nämlich meistens deshalb, weil niemand mit einem darüber reden will.

Wenn Du merkst, dass er traurig ist, dann sprich ihn darauf an, es erleichtert, darüber sprechen zu können - und vermeide solche Floskeln wie "Alles wird gut"

Natürlich würde ich an Deiner Stelle auch versuchen, ihn zu animieren, noch möglichst viel Schönes zu erleben und viele Dinge an denen er Freude hat, zu machen, aber Du solltest nie ausweichen oder ablenken, wenn Du merkst, dass ihn das im Moment nicht interessiert, sondern darauf eingehen, was ihn bewegt.

Antwort
von Duamo, 25

Das aller wichtigste, was man sagen kann hast du bereits gesagt.

~"Ich bin bei dir"~

Wenn du diese Aussage gut überdacht hast und sie dennoch zu 100% und für ewig ernst meinst, hast du meinen Respekt.

Ansonsten kann man nur versuchen die Person davon ab zu lenken.

Sonst geh mal zu einem Therapeuten/in und frage dort nach. Ich denke sie werden dir hilfreichere Tipps geben können, wie man selber mit so was klar kommt, was macht machen und sagen kann.

Ich wünsche euch, vor allem der erkrankten Person, alles gute und so viel Gesundheit wie es irgendwie geht.

Liebe Grüße

Duamo

Kommentar von iamadragonfly ,

Danke!!!

Kommentar von dandy100 ,

Ich glaube nicht, das man jemanden davon ablenken sollte, sich mit dem nahenden Tod zu beschäftigen - das tut der Betroffene automatisch und das ist auch wichtig.

Angst vor dem Tod haben wir wohl alle, aber wer es weiß, dass er wahrscheinlich bald sterben wird, wird versuchen einen Weg zu finden, mit der Angst umzugehen; ich denke, das kann man nur, wenn man den Tod akzeptiert.

Dazu muss man sich aber mit ihm auseinandersetzen und braucht Menschen, die vor diesem Thema nicht ausweichen, sonst wird man sehr einsam.

Antwort
von bananarama2000, 17

Ich würde ihm sagen, dass es nichts bringt depri zu sein und darauf zu warten noch mehr schlechte Nachrichten zu bekommen. Noch is nichts sicher. Fals er doch nurnoch ein Jahr zu leben hat sollte er es genießen und nicht auf seinen Tod warten. Unternehm was mit ihm. Zieh ihn da raus und mach mit ihm was ihr schon immer mal machen wolltet. Mach ihm das beste Jahr seines Lebens. Viel Glück!!

Antwort
von Glueckskeks01, 20

Ist es aber nicht total traurig, dass man, wenn man vielleicht nicht mehr so lange zu leben hat, sein Leben jetzt schon hinschmeißt? Gesund ernähren und sportlich sein - das machen tausenden Menschen, ohne es als Strafe zu empfinden. Warum versucht er seine vielleicht letzten Monate nicht auszuleben? Was wollte er schon immer mal machen? Jetzt wäre der richtige Moment dafür? Er hat doch keine Schmerzen und ist auch weiter nicht eingeschränkt, oder? Jeden Tag genießen, als wenn es der letzte wäre. So würde ich es machen. Sicher wäre ich auch depremiert (wer nicht?), aber so wie er lebt, kann er ja auch jetzt schon in die Kiste kriechen. Vielleicht mal mit einem Psychiater sprechen! Gibt es Selbsthilfegruppen? Hat er verschiedene Ärzte aufgesucht? Das Ergebnis scheint ja doch sehr schwammig. Ich wünsche ihm viel Glück, dass es wieder wird. Und wenn nicht, dass er damit umzugehen lernt und noch das beste daraus macht. So schwer das auch sicher ist.


Antwort
von Furzer, 21

Also jemand der ein Todesurteil hat, sollte mit einem Seelsorger sprechen (Pfarrer, DRK-Notseelsorge, Psychotherapeut)

Als Laie sollte man vorsichtig sein, wie man dem Sterbenden das beibringt.

Kommentar von dandy100 ,

Freunde sind keine Laien - wie wäre es ganz einfach mal als Mitmensch zu reagieren, vor allem, wenn um Themen geht, mit denen sich jeder Mensch eines Tages auseinandersetzten muss - sterben müssen wir alle.

Zu einem Psychotherapeuthen geschickt zu werden oder dem Pfarrer, wenn sich der Tod nähert, ist ein erschreckender Ratschlag.

Weißt Du wirklich, was Du da sagst?

Geht uns das alles nichts mehr an, wenn jemand aus unserer Mitte totkrank ist oder stirbt?

Du meinst, dass man dazu "Fachleute" oder eine besondere Schulung braucht?

Die einzige Kompetenz, die da nötig ist, heißt Menschlichkeit.

Sorry, ist wirklich nicht böse gemeint, Du hast es sicher als ernsthafte Meinung geäussert, aber es erschüttert mich wirklich, ganz ehrlich.
Vielleicht denkst Du ja mal darüber nach

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