Frage von 1467prozentig, 75

Was sagt ihr zu dem gesellschaftlichen Druck die Pille zu nehmen?

Einfach mal eine Frage nach eurer Meinung ohne besonders wichtigen Hintergrund.

Ich habe nur gerade wiedermal eine Frage entdeckt, wo sich jemand nach gefühlsechten Kondomen erkundigen wollte, weil seine Freundin herzkrank ist und aufgrund der zig aufgeführten Nebenwirkungen die Pille nicht nehmen will.

Da fingen schon wieder einige an zu lästern, als würde sie auf gut Glück mit jemandem schlafen und dann hoffen, dass nichts schlimmes bei rauskommt.

Meine Güte! Seit wann haben wir diesen entsetzlichen Zwang, dass jeder die Pille nehmen muss, sogar vorerkrankte? War das etwa schon immer so? Ich verhüten seit über 2 Jahren mit Kondom, auch regelmäßig und bei mir ist noch nie irgendwas schief gelgelaufen.

Es wurde dann auch geraten einfach das Kondom wegzulassen nach dem Motto "bringt ja eh nichts". Ich kenne ein paar da hat sie ihn mit einem Pilz infiziert, weil die das auch nicht für nötig hielten.

Wenn man weiß, dass keiner was hat ist das ja ok. Aber einfach sagen "bringt ja eh nichts" oder "die Pille ist sicherer" halte ich für fahrlässiger als sich über mögliche Nebenwirkungen Gedanken zu machen.

Was meint ihr dazu und wie geht ihr damit um, wenn ihr wegen eurer Meinung dazu schief angesehen werdet? PS: Musste die Frage umformulieren, deswegen lade ich Sie erneut hoch.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von mistergl, 73

Also wenn ich ne Frau wäre, würde ich mich ganz sicher zu nichts zwingen lassen, das ich in meinen Organismuss lassen muss.

Frauen sollten mitterweile doch emanzipiert genug sein, um NEIN zusagen. Ausserdem gibts doch noch einige andere Verhütungsmittel, die nicht gesschluckt oder gespritzt werden müssen, abgesehen von Kondomen.

Ich glaube das Problem ist nicht selten eher die mangelhafte Aufklärung darüber.

Kommentar von 1467prozentig ,

Super Antwort. 

Die Jugendlichen sind heutzutage m. E. Gut aufgeklärt. Aber nur über Funktion der Verhütungsmittel und Schwangerschaft, vielleicht noch über Geschlechtskrankheiten, aber selten über die Nebenwirkungen der Pille. 

Ich finde mit der Emanzipation sagst du was ganz wahres. Aber von vielen wird es eben gerade als unemanzipiert gesehen die Pille nicht zu nehmen. - Aus welchem Grund auch immer. 

Kommentar von Kajjo ,

Warum auch immer? Na, ganz einfach: Die Pille war DER entscheidende Punkt der sexuellen Revolution und der sexuellen Emanzipation der Frau in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Sichere Verhütung ist Voraussetzung dafür, seine Sexualität ausleben zu können.

Erst heute stehen mit modernen Varianten der Spirale und Kupferkette (Gynefix) sichere Alternativen zur Verfügung. Die anderen Varianten der hormonellen Verhütung setze ich dabei der Mikropille grob gleich.

Keine Frau muss die Pille nehmen oder überhaupt verhüten. Aber Wenn man Sexualität genießen will und nicht schwanger werden möchte, dann muss man sich halt für eine Verhütungsmethode entscheiden -- die sichersten sind mit großem Abstand Mikropille und Gynefix.

Kommentar von 1467prozentig ,

Die sicherste ist sich die Hormone zu spritzen. Aber die sicherste ist nicht immer auch die beste. 

Natürlich WAR das ein Durchbruch. Aber ich denke, dass wir heute ganz andere Probleme in Bezug auf gleichberechtigte Sexualität haben. Wie du schon sagtest: Es gibt heute viele Methoden. 

Ich bin über die Gynefix informiert und rate dir dich damit kritischer auseinander zu setzen. Die meisten Ärzte setzen die nicht ein weil das ganz schlimme Folgen für die Frau haben kann - sogar schlimmer als eine ungewollte Schwangerschaft. 

Antwort
von Christianwarweg, 57

Jede Frau sollte selbst entscheiden, ob sie die Pille nehmen will. Wenn jemand sogar die Pille aufgrund von Vorerkrankungen nicht nehmen darf, stellt sich die Frage meiner Meinung nach gar nicht.

Es gibt Alternativen zur Pille, die ebenso sicher sind, nicht nur Kondome (mit denen ja tatsächlich öfter mal was schiefgeht - zumindest hier wird oft behauptet, das Kondom habe versagt).

Ich sehe allerdings auch keinen gesellschaftlichen Druck, die Pille zu nehmen. Wenn man mal ehrlich ist, ist sie aber schon ein bequemes Verhütungsmittel. Die Nebenwirkungen gibt es natürlich auch, aber die treten ja nicht bei jeder Frau auf und wenn, dann auch nicht immer so ausgeprägt, dass es gleich gefährlich wäre, so dass man dann immer noch die Pille wieder absetzen kann.

Wenn meine Frau aber sagen würde, sie wolle die Pille nicht mehr nehmen, dann müsste ich halt damit leben. Kondome stören mich nicht und es gibt ja auch andere Verhütungsmittel. Die Kupferkette soll ja sogar sicherer sein als die Pille.

Kommentar von 1467prozentig ,

Ich wollte Kondome hier nicht als alleinige Alternative zur Pille darstellen. 

Ich wollte einerseits sagen, dass man auch anders verhüten kann, aber,  dass man auch oft die vermeintlich unsicheren Kondome braucht um Erkrankungen zu verhindern. 

Kommentar von Christianwarweg ,

Ja, ich habe doch gar nichts anderes behauptet. Alles gut.

Expertenantwort
von Kajjo, Community-Experte für Sex & Verhuetung, 30
  • Ich glaube, das siehst du zu überspitzt. Du kannst nicht einige Laienmeinungen in einem Forum als repräsentative Meinung der Bevölkerung darstellen. Auch auf GuteFrage.net gibt es leider zu Fragen bezüglich Verhütung, Sexualität und Schwangerschaft mehrheitlich unsinnige, oftmals sogar fachlich falsche Antworten. Ich bemühe mich seit vielen Jahren, griffige und hilfreiche Antworten zu geben und wundere mich immer wieder über die Vielzahl unqualifizierter Antworten.
  • Sexualität ist für die allermeisten Menschen eine sehr wichtige Facette einer Partnerschaft, für Frauen ganz genauso wie für Männer. Da die wenigsten Paare eine Schwangerschaft beabsichtigen, ist für sehr viele Pärchen Verhütung logischerweise überaus wichtig. 
  • Letztlich gibt es zur Zeit nur zwei wirklich gute Verhütungsmittel, die jederzeit angenehmen Sex erlauben: Die Mikropille und die Kupferkette Gynefix; letztere würde übrigens für die Frau aus der Fragestellung das Mittel der Wahl sein, wenn hormonelle Verhütung tatsächlich kontraindiziert wäre.
  • Kondome sind theoretisch und technisch extrem sicher. Nur ganz wenige Kondome sind schadhaft. Falls Kondome korrekt angewendet werden, dann sind sie ein sicheres Verhütungsmittel. Leider werden Kondome jedoch immer wieder mal falsch angewendet und leider ist die tatsächliche Anwendungssicherheit von Kondomen in der Praxis recht gering. Kondome verursachen statistisch wesentlich mehr ungewollte Schwangerschaften je Akt als die Pille, denn bei Kondomen passieren statistisch bedeutend mehr Anwendungsfehler als bei der Pille.
  • Sehr viele Männer empfinden Sex mit Kondomen zudem als deutlich weniger lustvoll, weniger stimulierend und weniger erfüllend. Das Anlegen und Verwenden stellt zudem eine Ablenkung dar und macht vielen das Halten einer Erektion schwieriger und den Akt selbst weniger spontan und weniger romantisch. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass sehr viele Männer nicht dauerhaft Kondome verwenden wollen, sowohl aus Sicherheitsbedenken als auch wegen des Gefühls.
Kommentar von 1467prozentig ,

War jetzt vielleicht blöd formuliert, aber ich wollte damit sagen, dass ich das bei Freunden und allgemein auch in anderen Foren ständig erlebe und ich die Frage jetzt nur gestellt habe weil ich durch diesen Fall wieder daran erinnert würde. 

Kupferkette ist tatsächlich aus meiner Sicht nur Geldmacherei. Sie hat den selben Effekt wie die Kupferspirale, nur dass sie gefährlicher ist: Innere Verletzungen sind zu 100% garantiert, da man sie einwachsen lässt in die Haut der Gebärmutter und irgendwann wieder rausreißt. Außerdem ist die Gefahr unfruchtbar zu werden genauso hoch... Insofern würde ich dann eher zur Spirale raten. 

Kondome anzuwenden finde ich persönlich nicht schwer, steht ja auch auf der Packung, mal abgesehen davon will ich hier nicht Kondome propagieren. Es geht mir mehr darum, dass nicht für jeden die gleichen Verhütungsmittel sinnvoll sind und dass ich mich frage warum jeder meint die Pille zunehmen sei Pflicht und das wäre ja quasi ein ungeschriebenes Gesetz. 

Kommentar von Kajjo ,

Die Gynefix hat zahlreiche Vorteile gegenüber der klassischen Spirale, vor allem erheblich weniger Nebenwirkungen, Aber das wäre eine weitere Diskussion, die nichts mit dem Titelthema zu tun hätte.

Wie gesagt, ich denke nicht, dass "die Pille Pflicht" ist, aber eine sichere Verhütung ist natürlich schon sehr wichtig und leider gibt es wirklich sichere Methoden nur für die Frau -- vor allem eben Gynefix/Spirale und Mikropille (und vergleichbare hormonelle Verhütungsmittel).

Sexualität ist sehr vielen Menschen wichtig und die Verwendung von Kondomen schränkt die Sexualität stark ein -- so stark, dass viele lieber ganz darauf verzichten. Ich kann das nachvollziehen und empfinde Kondome auch nicht als einen gangbaren Weg innerhalb einer dauerhaften Beziehung. 

Eine Beziehung ohne Sex wäre nichts, eine Beziehung ohne sichere Verhütung auch nicht, also muss man Prioritäten setzen. Ich kenne einige Pärchen, die aufgrund ungeklärter Verhütung nicht mehr zusammen sind, aber die allermeisten Pärchen setzen eben doch auf Verhütung mittels Pille oder Gynefix/Spirale. Nicht weil es "Pflicht wäre", sondern weil es einfach keine Alternativen gibt, wenn man Sex haben, aber nicht schwanger werden möchte.

Kommentar von 1467prozentig ,

Das ist schon schade, wenn eine Beziehung dadurch zu Bruch geht, aber was will man machen? Bei sowas geht man ja ungern Kompromisse ein. ;) 

Antwort
von Undsonstso, 27

"Gesellschaftliche Druck" ist vlll. zu groß formuliert, aber ich verstehe, was du meinst. Fakt ist, die Pille ist in Deutschland Verhütungsmittel Nummer1 .

Ich denke, es ist diese " gibt es da was von ratiopharm" - Mentalität.... Wir leben in einem  Zeitalter, wo es gegen jedes Wehwehchen eine Tablette o.ä. gibt..... Und so läuft's dann auch in Sachen Verhütung.

Ich sag mal, je älter eine Frau wird bzw. je besser sie ihren Körper kennt, um so mehr nimmt auch der Druck ab, das Verhütung nur pille bedeutet.

Antwort
von TiefsteHoehen, 75

Ich denke es kommt auf einen selber an, inwiefern man sich von einem gesellschaftlichen Druck oder irgendwelchen anderen Idealen der Gesellschaft beeinflussen lässt.
Allerdings habe ich persönlich diesen Druck noch nie wahrgenommen in Bezug auf die Pille. Meiner Meinung nach ist das etwas sehr intimes. Man kann zwar offen über solche Sachen reden, das ist teilweise auch sehr wichtig, aber man sollte sich nicht vor Aussenstehenden für seine Entscheidungen oder Vorlieben rechtfertigen müssen. :-)

Kommentar von 1467prozentig ,

Sollte man nicht, nein. 

Antwort
von Morikei, 42

Ich verspüre keinen gesellschaftlichen druck, die pille nehmen zu müssen.

Das ist meine eigene entscheidung und geht niemanden etwas an. 

Höre das jetzt alles zum ersten mal. Auch ich finde es sicherer mit was anderem zu verhüten als Kondom, aber was das letztendlich ist (hormonell, chemisch usw), ist doch jedem selbst überlassen.

Kommentar von 1467prozentig ,

Ich denke du hörst das wahrscheinlich zum ersten mal WEIL dir hormonelle Verhütung lieber ist. 

Kommentar von Morikei ,

Falsch geraten, mir ist hormonfreie verhütung lieber als hormonelle 

Kommentar von 1467prozentig ,

Das wundert mich jetzt tatsächlich. 

Kommentar von Morikei ,

ich meine, ich verhüte selbst mit der pille, aber das heißt nicht, dass ich das mag. ich möchte hormonfrei verhüten. zwar auch mehr als nur mit kondom, aber eben nicht mehr mit der pille.

Antwort
von emma270, 53

Ich finde jeder soll das tun was er für richtig hält, ich z.B bin ein Mensch der sich viel zu viele Gedanken macht über Sachen, sodass ich Angst hätte das 'n Kondom manchmal nicht ganz so sicher ist.. man muss halt einfach verdammt gut aufpassen.

Kommentar von 1467prozentig ,

Das ist natürlich super für dich. :) 

Was mich mal interessieren würde: Wie würdest du reagieren wenn dir eine Freundin, weil das Thema gerade aufkommt, sagen würde, es sei verantwortungslos die Nebenwirkungen der Pille in Kauf zu nehmen? 

Würdest du dich rechtfertigen, oder einfach darüber Scherzen oder lieber gleich das Thema wechseln? Ich habe sehr offene Freunde, was vielleicht daran liegt, dass ich selbst recht offen bin. Zumindest enden solche Situationen bei mir häufig in sinnlosen "Ich-habe-immer-recht-Diskussionen". 

Kommentar von emma270 ,

Ich bin ziemlich gerne am diskutieren :p also würde ich schon einige Argumente dagegen bringen denn Nebenwirkungen können natürlich immer vorkommen, ich z.B habe auch Wassereinlagerungen bekommen und paar Leute in meinem Freundeskreis auch. 

Antwort
von Monsieurdekay, 59

ich sehe bei dem Thema absolut nicht den gesellschaftlichen Druck! Das sind wirklich intime Dinge, die du für dich entscheiden solltest und mit denen du auch ausser dem Partner mit niemanden reden brauchst

Kommentar von 1467prozentig ,

Im Prinzip richtig. Ich versuche das Thema auch schon bei Freundinnen zu meiden, da es ein absolutes Tabu ist... Allerdings hätte man manchmal nunmal gerne Rat aus Foren, wie der Junge Mann in dem Fall. 

Auch wenn ich an die Zeit zurück denke, wo ich minderjährig war, da wollte mich meine Mutter auch ständig überreden. Ich weiß, dass sie es nur gut meinte. Ich finde es trotzdem merkwürdig. 

Ich gehe ja auch nicht zu Leuten mit der Pille und sage "Dreimonatsspritze ist aber noch sicherer". 

Antwort
von Demutras, 42

Kondom reicht eigentlich völlig aus, die Pille ist meist nur für's gute Gewissen. Wer's braucht..

Kommentar von Kajjo ,

Umgekehrt wäre es sachlich korrekt...

Kommentar von Demutras ,

Pille schützt aber nicht vor Geschlechtskrankheiten..?

Antwort
von DepravedGirl, 36

1.) Es muss jede selber wissen ob und wie viele Babys sie zur Welt bringt.

2.) Man kann auch mit einem Kondom verhüten, wenn das Kondom nicht erwünscht ist, dann kann auch eine Spirale bzw. Diaphragma verwendet werden.

3.) Bei absoluter Ablehnung von Nachwuchs kann man sich auch Sterilisieren lassen.

Kommentar von 1467prozentig ,

Ja, es gibt viele Möglichkeiten. Nur dass Sterilisation so gut wie nie vor dem 30. Lebensjahr erfolgt und auch danach sehr selten ist. 

Viele Ärzte machen das einfach nicht und dazu haben sie sicherlich gute Gründe. 

Kommentar von DepravedGirl ,

Ich habe keine Ahnung ob das stimmt, sorry, ich habe mich nie danach erkundigt.

Kommentar von 1467prozentig ,

Ist ja kein Ding. Die Ärzte fürchten sich halt zurecht davor, dass sich hinterher welche beschweren und/oder rechtlich gegen sie vorgehen würden. 

Selbst wenn man im Recht ist, kostet sowas ja immer Zeit. 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community