Frage von queseyo, 16

Was sagt die Bibel zu Privilegien, Wie gehen wir mit den von Gott gegebenen Privilegien um?

Hallo zusammen, mich beschäftigt seit längerem das Thema „Privilegien“ (siehe unten) und am Freitag möchte ich darüber in meinem Jugend-/Hauskreis sprechen. Fallen euch dazu Bibelstellen ein? Das wäre super. Was sagt die Bibel zu Privilegien, Wie gehen wir mit den von Gott gegebenen Privilegien um? Verantwortung gegenüber anderen?

Mit Privilegien meine ich z.B.: Mir keine Sorgen um genug essen machen zu müssen. Fast überall hinreisen zu können. Aber auch Glücklich sein zu können. Mich bedrückt häufig die Ungleichverteilung und warum habe ich so viel Geschenkt bekomme ohne je etwas dafür getan zu haben und andere leiden „ohne Schuld“ (zumindest nicht mehr, sondern wohl eher weniger Schuld als ich zum Beispiel).

Antwort
von jovetodimama, 9

Mir fällt da spontan das Gleichnis von den Talenten ein (Mt 25, 14-30). Da kriegen die verschiedenen Arbeiter auch verschieden viel, aber ein jeder die Aufgabe, aus dem, was er bekommen hat, etwas zu machen.

Etwas Gutes aus etwas, das man hat, zu machen, das heißt im Neuen Testament immer: Gutes tun und Barmherzigkeit üben. Und wenn alle, die viel bekommen haben, damit entsprechend umgehen, dann werden auch die, die ursprünglich wenig bekommen haben, nicht zu kurz kommen.

Ein zweiter Gedanke, der mich in diesem Zusammenhang immer wieder bewegt, ist der, dass die Liebe im Neuen Testament nicht so sehr als ein romantisches Gefühl als vielmehr eine tätige Zuwendung verstanden wird. Wenn nun aber schon von vorneherein alle Menschen gleichviel bzw. alles, was sie brauchen, hätten, wo und wie wäre dann noch eine tätige Liebe möglich oder gefordert? Erst dadurch, dass eine Ausgangssituation da ist, in der nicht alle alles haben und nicht alle alles können, ergibt sich die Möglichkeit und zuweilen sogar die Notwendigkeit, tätige Liebe zu üben, indem man anderen großzügig zur Verfügung stellt, was man selbst hat und kann.

Die Doppeldeutigkeit des Gleichnisses von den Talenten, die sich darauf ergibt, dass man die "Talente" wahlweise als Geld und Gold oder als Begabungen und Fähigkeiten interpretiert, trifft dabei total auf unser Leben zu: Manchmal ist es gefragt, dass wir mit unseren materiellen Möglichkeiten helfen (=Liebe üben), z.B. indem wir Geld spenden oder einem armen Menschen Geld geben. Und manchmal ist es gefragt, dass wir mit unseren nicht-materiellen Möglichkeiten helfen (=wieder Liebe üben), z.B. indem wir unentgeldlich Nachhilfeunterricht geben oder jemandem dabei helfen, sein Zimmer zu renovieren.

Wenn alle bereits alles hätten, wäre es weder notwendig, noch überhaupt sinnvoll möglich, tätige Liebe zu üben. "Aber die Liebe ist die größte unter ihnen." (1. Kor. 13,13)

Antwort
von Andrastor, 10
Privileg: "ein für einen Einzelnen oder eine Gruppe geltendes, besonderes Recht, von dem andere ausgeschlossen bleiben."

Was du aufzählst sind keine Rechte, es sind Umstände und damit keine Privilegien. Auch die Ungleichverteilung ist kein Privileg, sondern ein Umstand. Und was du übersiehst, ist dass wir in der ersten Welt nur andere Probleme haben als die Menschen in der dritten Welt und in Entwicklungsländern.

Andere, aber nicht weniger.

Kommentar von queseyo ,

Im Allgemeinen Sprachgebrauch glaube ich nicht, dass das
Wort Privileg nur auf „Rechte“ angewendet wird z.B. auch als Begünstigung. 

(http://de.thefreedictionary.com/Privileg)

Ich fände es interessant zu erfahren woran du es festmachst,
das Menschen in Entwicklungs und Schwellenländern weniger Probleme hätten.

Aber darum ging es mir eigentlich garnicht. Wir können gerne in Deutschland
bleiben.

Kommentar von Andrastor ,

Der Link den du gepostet hast, bestätigt nur meine Aussage dass es sich tatsächlich um Rechte handelt "Vorteile, i.s.v. "Rechte".

Ich sagte nie dass die dritte Welt weniger Probleme hätte, ich sagte dass die erste Welt andere, aber NICHT weniger Probleme hat. Wir haben nur die Probleme bezglich Nahrung, Arbeit und physischer Gesundheit ausgetauscht durch Probleme in den Bereichen Überernährung, Sinnkrise, psychische Gesundheit und Gesellschaft.

Kommentar von queseyo ,

Warum sollten Menschen in anderen Ländern ("armen Ländern") nicht auch Probleme wie "Sinnkrise, psychische Gesundheit und Gesellschaft" haben?

Meinst du in Entwicklungsländern gäbe es keinen Bedarf für Psychologen? 

Ich würde sagen, vergewaltigt zu werden ist ziemlich uncool, egal in welchem Land du lebst. (Auch wenn ich diese Erfahrung zum Glück nicht machen musste, wollte nur ein extrem Beispiel geben.)

Soll deine Antwort eine Begründung sein andere Menschen mit ihren Problemen alleine zu lassen?

Wenn du verstehen willst, worum es mir ging kannst du dir ja mal dieses PDF anschauen, dir eine Rolle aussuchen und die Fragen ab Seite 5 beantworten. 

http://www.dissens.de/isgp/docs/isgp-wie-im-richtigen-leben.pdf

Kommentar von Andrastor ,

Offenbar bist du nicht gewillt mich zu verstehen. Daher werde ich keine weitere Zeit damit verschwenden dir zu erklären was ich meine.

Antwort
von aicas771, 7

Für Vorteile, die wir ohne eigenes Zutun haben, sollen wir Gott gegenüber dankbar sein (z.B. dass wir in einem reichen freien und friedlichen Land leben dürfen, oder dass wir gesund sein dürfen). Das schützt vor Überheblichkeit mit all ihren Folgen.

Paulus beschäftigt sich in seinen Briefen oft mit den schuldlos Benachteiligten seiner Zeit - den Sklaven. Schau mal hier:

http://ww.bibleserver.com/search/LUT/sklave/1

Die eigentlich wichtigen Privilegien, nämlich vor Gott als gerecht dastehen zu dürfen, sind unser Verdienst. Denn sie sind die "verdiente" Folge aus unserer eigenen freien Willensentscheidung, das Angebot Jesu anzunehmen. (Röm. 3,21-26).

http://ww.bibleserver.com/text/LUT/Roemer3

Antwort
von SchwarzerTee, 9

Der verlorene Sohn hat zum Beispiel sein Erbteil ausgezahlt bekommen - er verprasst es.

In der Weihnachtsgeschichte haben Menschen Herberge (ein Dach über dem Kopf), andere nicht.

Der Samariter hat Geld, von dem er den armen Kerl, den er gefunden hat, pflegen und beherbergen lässt.

Maria Magdalena gibt ihr Geld für teures Öl aus, um Jesus damit zu salben.

Jesus verwendet seine Gaben zum Beispiel dazu, Menschen zu heilen oder ein Fest zu retten (indem er Wasser in Wein verwandelt).

Philippus kennt Jesus und kann einem anderen Menschen von ihm erzählen.

Kommentar von SchwarzerTee ,

Ich finde, dass es ein Privileg ist (ein Geschenk, eine Gnade), Jesus zu kennen. Es gibt heute nicht mehr viele Menschen, die bereit sind, Kindern und Jugendlichen ihren Glauben weiterzugeben.

Insofern hast Du auch ein solches Privileg, und Du nutzt es, indem Du Jugendlichen im Hauskreis den Weg zum Glauben zeigst.

Ich kenne andere Menschen, die das Privileg ihres Glaubens einsetzen, indem sie zum Beispiel für andere Menschen beten. In das Gebet eines Christen eingeschlossen zu werden, ist etwas wunderbares.

Und ich kannte Christen, die ihre Arbeit verloren und vom fast letzten Geld Bastelmaterial zu kaufen, mit dem sie auf einer Gemeindeveranstaltung einen ganz tollen Stand für Kinder aufbauten.

Antwort
von queseyo, 4

Vielen Dank für die Antworten. Sie waren sehr hilfreich!

Wir kamen zur Konklusion:

1. Privilegien sind auf der Welt vorhanden. Man braucht keine Schuldgefühle zu
haben privilegiert zu sein (außer man nutzt diese aus/ für schlechtes).

2. Kommen von Gott, ohne eigenes Zutun -> Demütig und
Dankbar sein. (Demut bedeutet aber nicht sich schlecht zu fühlen oder zu
verstecken)

3. Das uns gegebene für positives Nutzen.

(Bibelstellen dazu stehen in den Antworten, danke daüfr)

Kommentar von queseyo ,

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