Frage von michellepaulsen, 88

Was ratet ihr mir?Urlaub?

Wie in meinen letzten Fragen schon geschildert, möchte ich nicht mehr zur Arbeit. Ich mache eine Ausbildung (Altenpflegerin) und ich komme nicht zurecht damit, das die Leute mir sagen das sie sterben wollen, zudem sind manche Kollegen unfreundlich und naja. Aber ich finde das Haus gut und mein Chef ist super freundlich. Er wollte mich, als ich im Krankenhaus war sogar auf einen Kaffee einladen und mit mir reden, weil ich da schon angedeutet hatte das ich mit ihm reden muss. Allerdings hab ich Angst mit ihm darüber zu reden, auch wenn er so nett ist, da ich nicht will das er mich für dumm oder Unfähig hält. Ich wollte ihn fragen ob er in seinem Haus vielleicht noch eine andere Ausbildungsstelle oder nur Arbeitsstelle für mich hat, denn jeden Morgen wache ich auf übergebe mich oder derartiges und heule, weil ich unter den Umständen absolut nicht dahin möchte. Jetzt wo ich mich quasi zusammen reißen muss und es ihm sagen muss, ist er in Urlaub bis 11 Januar. Ich bin aber die ganze Zeit schon nicht da, und ich will da eigentlich auch nicht mehr hin. Ich habe allerdings seine Nummer und könnte es ihm theoretisch per Nachricht schildern, weil wie gesagt, ich schaffe es nicht dorthin zu gehen. Was meint ihr soll ich derweil tun? Urlaub nehmen? Schreibt mir bitte eure Meinung zu dem ganzen

Antwort
von Schwoaze, 41

Du solltest ihm auf keinen Fall flapsig eine Nachricht schicken. Wenn Du noch Urlaub hast, konsumiere ihn, falls das möglich ist.

Am 11. aber ist Dein erster Weg zum Chef.

Jetzt muss ich aber noch meine persönliche Meinung anbringen. Es werden Dir im Leben immer wieder Situationen begegnen, vor denen Du am liebsten davonlaufen würdest. Das machst Du nämlich jetzt auch. Davonlaufen! Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man sich nicht so zusammenreißen kann, dass man seine Arbeit erledigen kann.

Antwort
von MeerjungfrauIsa, 29

Hey, ich bin auch Altenpflegerin, seit Oktober 2014 bin ich ausgelernt.

Also ich entschuldige mich schonmal für die riesen Wand, die jetzt kommt :)

Mir geht es wie dir, aber erstmal bisschen(nein, viel, seeeehr viel) Erklärung:

Seit Ausbildungs Abschluss arbeite ich in der Intensivpflege, 12 Stunden Schicht und 1 zu 1 Betreuung. Das Arbeiten ist klasse, denn ich hab viel Zeit zwischendurch, also ich muss sagen, ich überarbeite mich echt nicht. In der Ausbildung wurde ich ausgenutzt, verarscht und auch gemobbt vom Chef. Ich hab mit 17 Jahren die Station geleitet und wurde im ersten Praxisblock schon als volle examinierte Altenpflegerin eingesetzt. Ich hatte auch diese Symptome, dass ich mich vor dem Dienst übergeben musste, ich könnte nicht aufhören zu weinen, bekam keine Luft usw....In der Intensivpflege ist das arbeiten wirklich klasse, nur bin ich in einer dummen Firma, der Chef meldet sich seit knapp 3 Monaten nicht mehr bei mir, ich musste mit Babys arbeiten, was ich nie wollte und auch nicht kann. Ich musste teilweise 800 km zum Arbeitsplatz fahren. Das hat mir den Rest gegeben. Die ganzen Symptome kamen zurück, dazu Alpträume, Schlafstörungen, angehende Angstzustände und auch SvV...
Ich bin jetzt schon länger krank, in psychosomatischer Behandlung und hab ab dem 1. März eine neue Stelle, auch in der Intensivpflege, habe aber vertraglich geregelt, dass ich nicht mit Kindern arbeite und nicht weiter als 50 km fahre.

Dem alten Chef habe ich nichts erzählt und dem neuen auch nicht. Denn das geht niemanden was an. Urlaub ist klasse, komm mal runter und genieße die Freizeit, geh aus und unternimm was mit deinen Freunden. Ich glaube dass du die Probleme ansprechen solltest. Aber nicht dass es dich so fertig macht. Du bist in der Ausbildung, villt habt ihr einen Vertrauenslehrer in der Schule? Ich glaube das wäre besser als direkt der Chef. :)

Wenn du noch was wissen magst, oder einfach quatschen willst, kommentiere unter meine Antwort.

Ich wünsche dir alles Gute :3

Kommentar von michellepaulsen ,

Danke dir für die Antwort. Keine Ahnung ob der Beruf der richtige ist. Wir arbeiten non stop, haben so gut wie keine Pause und ich werde wie du, direkt als volle Kraft eingesetzt. Aber darum geht es mir gar nicht.. Ich habe wirklich bangen dahin zu gehen. Ich weiß auch nicht, hatte ich so nie, bei meinen alten Jobs (Küchenhilfe im Altenheim, bzw wohnküchenhilfe) hatte ich das auch nie.

Kommentar von MeerjungfrauIsa ,

(Sorry, hab ich nicht in die Antwort geschrieben) Ich hatte Anfangs auch Angst mich mit Tod und Sterben auseinander zu setzen. Aber der Gedanke, dass ich die Bezugsperson bin und meine Patienten bis zum Ende begleiten werde, hat mich irgendwie aufgebaut. Ich kann den Menschen noch was Gutes tun. Ich habe manchmal dann auch gefragt, wieso sie sterben wollen. Denn Patienten vom Gegenteil überzeugen wollen ist doof, da kommt man rüber als würde man den Menschen nicht verstehen und sich nicht interessieren.

Kommentar von MeerjungfrauIsa ,

okay, das hat mich am meisten fertig gemacht, dass man mir mehr zugemutet hat, als ich mir selbst zugetraut habe. Es ist natürlich sehr belastend, wenn man gesagt bekommt "hey Schwester, weißt du was? Ich will am liebsten tot sein" mich hat das voll aus den Latschen gehauen. Ich hab dann im Internet gestöbert und mich informiert, auch wie verschiedene Kulturen mit Tod umgehen. Ich sehe es fast als Erleichterung. Viele haben Schmerzen, Krankheiten und fast alle vermissen jemanden, der schon verstorben ist. Das alles kann total belastend sein, vor allem wenn man nicht weiß was man tun soll :( klingt jetzt total absurd und krass, aber ich hab dann auch mal dran gedacht wie ich mich fühlen würde, wenn ich schon eine alte omi wäre, im Rollstuhl, chronische Schmerzen, mein Mann und der Großteil meiner Freunde ist schon verstorben und ich habe ZB keine Kinder... dann kann man den Wunsch fast schon nachvollziehen, denn viele Glauben ja auch an ein Leben nach dem Tod, ohne Schmerzen, ohne Einschränkungen und dass man seine geliebten Verstorbenen wieder trifft :)

Antwort
von lilalu003, 18

Ich würde Urlaub nehmen, nicht krank machen. Krank machen darfst du nur für eine gewisse Zeit, sonst könntest du theoretisch keinen Abschluss in dieser Ausbildung machen oder müsstest verlängern (was du ja offensichtlich nicht willst).

Hättest du dir vielleicht besser überlegen müssen, in diesem Bereich zu arbeiten, oder Praktika absolvieren. Aber das weiß man eben vorher nicht immer.

Du solltest am 11 dann mit deinem Chef reden und ihm dein Problem schildern. Vielleicht fühlst du dich ja auch überfordert und brauchst noch etwas Unterstützung von Mitarbeitern.

Wenn du im 1 Lehrjahr bist, würde ich mir nochmal überlegen, ob ich die Ausbildung durchziehe oder mir eine Alternative suche (wie du bereits gesagt hast, dein Chef wäre eventuell eine Möglichkeit und könnte dir andere Aufgaben, o.ä. geben).

Aber wenn du sie durchziehen willst, denk dran, dass du dadurch nur stärker werden kannst im Bezug auf doofe Kollegen, schwierige Patienten, etc. und viel dazu lernen kannst, auch im Bezug auf dein späteres Leben. Dann bist du umso glücklicher, wenn du dir nach deiner Ausbildung sagen kannst "hey, ich habs geschafft, ich muss hier jetzt nie wieder arbeiten und habe eine abgeschlossene Ausbildung". Das ist auch schonmal viel wert. Danach könntest du dich umorientieren.

Wenn es allerdings gar nichts für dich ist und du absolut nicht klarkommst, würde ich wahrscheinlich wirklich abbrechen (such dir aber gleich eine andere Stelle, wie gesagt).

Wenn ältere Leute so etwas sagen, könntest du ja antworten, dass sie positiver denken sollen, das Leben doch noch lebenswert ist und bei Patienten mit Familien, dass diese sie sicher sehr vermissen würden.

Egal wie du dich entscheidest, viel Glück! :)

Antwort
von Hooks, 14

Was ist für DIch so schlimm daran, wenn die alten Leute sterben wollen? Hast Du eine Alternative für sie?

Kommentar von michellepaulsen ,

Keine Ahnung, weiß auch nicht. Sie schauen mich dann an und erwarten das ich irgendwas dazu sage, meine Kollegen sagen immer dann "weiß ich doch" aber das find ich sehr abwertend. Ich weiß einfach keine Antwort darauf und ich möchte ihnen eigentlich eine Antwort geben, sodass sie vielleicht noch etwas Freude am Leben finden. Aber die meisten haben keine Familie oder sonstiges worauf sie sich freuen können und im Endeffekt sind sie ja da zum Sterben. Ich war einmal mit so einer Situation so überfordert, das ich raus gehen musste, Luft holen musste und mich kurz fassen musste, weil ich sonst geheult hätte. Find ich selbst krass zu sehen bei mir, ich bin eigentlich eine recht taffe Person.

Kommentar von Hooks ,

Na, siehst Du, so lernst Du DIch mal von einer anderen Seite her kennen. Das ist doch auch sehr wertvoll, sich selbst kennenzulernen.

Du weißt es jetzt ja auch. ALso kannst Du das ja auch sagen.

Oder frag doch ganz direkt: ich möchte Ihnen vorher noch was gutes tun, was kann ich da tun? Was hätten Sie gerne?

Vielleicht singst Du was, oder machst Musik auf einem Instrument, oder Du spielst mit ihnen Mühle oder sonstwas, oder Kopfrechnen, da kann man mit mehreren ganze Olympiaden veranstalten.

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