Frage von rosepetals, 17

Was planten Brutus und Lucilius in Shakespeares "Julius Cäsar"?

Im 5. Aufzug, 1. Szene sprechen die beiden sich ab, ohne dass der Leser es mitbekommt:

Brutus: Lucilius, hört! Ich muß ein Wort Euch sagen.

Lucilius: Herr? (Brutus und Lucilius reden beiseite miteinander.)

In der letzten Szene, nach Brutus' Selbstmord, spricht Lucilius diese Zeilen:

Dank dir, Brutus, Daß du Lucilius' Rede wahrgemacht!

Ich habe dann nach dieser Rede (über Brutus' Freitod?) gesucht, konnte jedoch nichts finden. Was bedeutet das? Zwischen beiden Szenen trifft Lucilius auch auf das gegnerische Heer und bietet einem Soldaten Geld an, wenn er ihn nur verschont und dafür Brutus ermorde. Dabei ist Brutus sein Freund. Was habe ich beim Lesen verpasst?

Antwort
von Albrecht, 2

Lucilius ist ein enger Freund des Brutus und ein Offizier in dessen Armee.

Worüber Brutus und Lucilius in Willam Skakespeare, Julius Caesar 5. Aufzug, 1. Szene sprechen und was sie eventuell planen, kann dem Text nicht entnommen werden. Es gibt auch keine Bezugnahmen, die Hinweise dazu enthalten.

Von dem Gespräch, das Brutus und Lucilius an dieser Stelle miteinander führen, steht nur der genannte Anfang („Ho, Lucilius! Hark, a word with you.“ „My Lord?“) und das Ende. Brutus bestätigt/bekräftigt etwas, das Lucilius meint oder zu tun beabsichtigt: „Even so, Lucilius.“ Der Rest des Gesprächs ist beiseitegesprochen.

Das vertrauliche Gespräch zwischen Brutus und Lucilius, zu dem sie sich ein Stück entfernen, ermöglicht, nachdem Cassius Gedanken über das Risiko (hazard), das mit der beabsichtigten großen Schlacht bei Philippi eingegangen wird, geäußert hat, ein Gespräch zwischen Cassius und Messala. Das Gespräch zwischen Brutus und Lucilius hat die dramaturgische Funktion, Gelegenheit zu einem vertraulichen Gespräch zwischen Cassius und Messala (Marcus Valerius Messalla Corvinus) zu geben, bei dem Angaben bei Plutarch, Brutus 40 über solch ein Gespräch und den Geburtstag des Cassius aufgegriffen werden.

Wolfgang Riehle, Das Beiseitesprechen bei Shakespeare : ein Beitrag zur Dramaturgie des elisabethanischen Dramas, Bamberg : Urlaub, 1964 (Dissertation München 1964), S. 51:  

„In derselben Tragödie wendet sich Cassius an Messala, um ihm seine ernsten Befürchtungen über den Ausgang der bevorstehenden entscheidenden Schlacht mitzuteilen, auf die er durch Brutus' Überredung alles gesetzt hat. Shakespeare verschafft ihm die Gelegenheit mit Hilfe einer gemimten Unterhaltung von Brutus und Lucilius, deren Anfang und Ende jedoch zu hören ist:

Brutus. Ho, Lucilius! Hark, a word with you.

Lucil. My Lord.

[Brutus and Lucilius converse apart

Cassius. Messala.

Messala. What says my general? ... V, 1 , 69

Cassius. I but believe it partly.

For I am fresh of spirit and resolv'd

To meet all perils very constantly. Brutus.

Even so, Lucilius.

Cassius. Now, most noble Brutus, … V, 1, 89 ff.

(Wenn sonst irgendwelche Personen einem Gespräch im Wege sind, werden sie angewiesen, etwas auf die Seite zu treten. Als in Twelfth Night der Herzog erscheint, um die als Cesario verkleidete Viola als Brautwerber zu gewinnen, müssen Curio und die Diener sich etwas entfernen:

Enter DUKE, CURIO, and Attendants.

Viola. I thank you. Here comes the Count.

Duke. Who saw Cesario, ho?

Viola. On your attendents, my lord, here.

Duke. Stand you awhile aloof, Cesario, Thou know'st no lees but all ... 1,4, 8 ff.)“

Im 5. Aufzug, 4. Szene, wird das Heer des Brutus bedrängt und seine Niederlage hat begonnen. Lucilius bietet einem gegnerischem Soldaten Geld dafür an, Brutus zu töten. Beim Lesen ist aber offenbar ein entscheidender Umstand entgangen. Lucilius gibt sich selbst als Brutus aus (tut so, als ob er Brutus sei). Lucilius schlägt vor, der Soldat solle ihn selbst töten, und versucht so aufopferungsvoll, Brutus dazu zu verhelfen, zu entkommen oder einer Gefangenschaft zuvorkommend Selbstötung zu begehen. Der Soldat erklärt aber, einen vornehmen Gefangenen nicht töten zu müssen. Marcus Antonius wird über die (angebliche) Gefangennahme des Brutus informiert, merkt aber bei seiner Ankunft den Sachverhalt und zeigt Lucilius als gutem Freund des Brutus Hochachtung.

Die wahrgemachte Rede des Lucilius über Brutus steht in dieser Szene. Lucilius sagt zu Antonius, Brutus sei sicher genug, niemals werde ein Feind den edlen Brutus lebend fangen, er sei vor solcher Schmach geschützt, wo die Gegner ihn finden, lebend oder tot, Brutus werde sich wie Brutus, wie er selbst, zeigen.

Im 5. Aufzug, 5. Szene, wird dies bestätigt. Brutus hat mit seiner Selbsttötung verhindert, von den Gegnern lebend gefangenommen zu werden. Er bleibt sich selbst treu, bestimmt über sich selbst, zeigt seine Wertschätzung der Freiheit.

Lucilius hat nach der Überlieferung tatsächlich dazu beigetragen, Brutus ein Entkommen vor lebendiger Gefangennahme durch verfolgende gegnerische Reiter zu ermöglichen, indem er sich als Brutus ausgab (ein Anbieten von Geld dafür, ihn selbst zu töten, kommt dagegen nicht vor) und Marcus Antonius hat ihn als treuen und zuverlässigen Freund geachtet (Appian, Emphylia (Ἐμφύλια; Bürgerkriege; lateinischer Titel: Bella civilia) 4, 129; Plutarch, Brutus 50; Plutarch, Antonius 69).

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