Frage von nathaliesarnold, 154

Was passiert wenn man Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommt und es keiner merkt?

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von garfield262, 110

Hey Nathalie,

insbesondere Schlaganfälle sind dafür bekannt, irgendwann einmal jemandem widerfahren zu sein, dabei nicht erkannt und als allgemeines Unwohlsein o.ä. abgetan zu werden.

Zunächst: Insbesondere ein Schlaganfall muss nicht zwangsweise tödlich sein. Die möglichen Risiken ergeben sich daraus, welches Gefäß an welcher Stelle verschlossen ist. Bestimmte Hirnareale sind dabei von essentiellerer Bedeutung für das Überleben als andere, z.B. der Hirnstamm. Hier finden die grundsätzlichen und elementaren Steuerprozesse wie der Atemreiz statt. Ist dieser gestört oder fällt aus, führt dies möglicherweise zu einer Atemlähmung, was binnen Minuten zum Tod führt.

Fällt jedoch z.B. das Broca-Areal aus, führt dies zunächst zu einer motorischen Aphasie, d.h. der Patient weiß, was er sagen will, kann jedoch die für das Sprechen notwendige Muskulatur nicht mehr gezielt für die Produktion von Lauten ansteuern. Somit entstehen oft nur Aneinanderreihungen von kurzen und falsch ausgesprochenen Wörtern. Der Patient merkt dabei die Problematik selbst (im Gegensatz z.B. zur Wernicke-Aphasie) und empfindet oft große Mühe, überhaupt Worte zu bilden. Besteht die Ischämie, also die Blutunterversorgung des Gewebes für mehrere Stunden, kommt es oft zu irreversiblen Schäden mit entsprechenden dauerhaften neurologischen Ausfällen. Lebensgefahr muss dabei jedoch nicht zwangsweise bestehen.

Grundsätzlich gilt das gleiche für den Herzinfarkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Komplikationen wie akute Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen auftreten, ist jedoch auch bei vergleichsweise kleinen Ischämie-Arealen recht hoch, sodass bei einem Herzinfarkt von einem höheren Risiko des Kreislaufversagens ausgegangen werden sollte. Das Risiko bei einem Herzinfarkt hängt stark von der Größe und der Lokalisation des Infarktareals ab. Liegt z.B. ein inferiorer Hinterwandinfarkt vor, kann u.a. der AV-Knoten mitbetroffen sein, was zu sehr langsamen Rhythmusstörungen führen kann. Ein großer Vorderwandinfarkt hingegen macht oft Probleme durch die akut eingeschränkte linksventrikuläre Pumpfunktion, welche nicht selten zu einem akuten Kreislaufversagen führt. Es ist jedoch auch durchaus möglich, dass ein Infarkt abläuft, stumm oder nicht, und erst Jahre später dadurch "aktenkundig" wird, dass bei einem Routine-Echo eine regionale Wandbewegungsstörung o.ä. entdeckt wird.

Habe ich deine Frage soweit zufriedenstellend beantwortet? Wenn nicht, frag gern weiter, ich freue mich, wenn ich dir helfen kann!

Lieben Gruß :)

Kommentar von nathaliesarnold ,

danke dur deine Antwort kann man es denn irgendwie verhindern das es überhaupt nicht zum Schlaganfall kommt oder nicht

Kommentar von garfield262 ,

Wie bei den meisten erwerbbaren Erkrankungen gibt es auch für Schlaganfälle und Herzinfarkte sogenannte Risikofaktoren. Diese können mit dem Lebensstil zusammenhängen (z.B. Rauchen, ungesunde Ernährung, Alkohol, Drogenmissbrauch, Bewegungsmangel etc.), haben aber auch oft eine genetische Komponente. Somit lässt sich das Risiko, eine solche Krankheit zu erleiden senken, jedoch nie gänzlich ausschließen. So frustrierend wie es klingt, einen Schlaganfall wie auch einen Herzinfarkt kann grundsätzlich jeder, unabhängig wie er oder sie gelebt hat, erleiden.  Nur ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies jemandem widerfährt, der einen oder mehrere Risikofaktoren erfüllt, deutlich höher als dass bei einem gesund lebendem Menschen.

Speziell für Schlaganfälle sind Risikofaktoren langfristig hohe Blutdruckwerte (Hypertonie), hohes LDL-Cholesterin bei niedrigem HDL-Cholesterin (Dyslipoproteinämie), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörung, deren Auftreten mit steigendem Alter wahrscheinlicher wird), Rauchen, Alkohol, Blutgerinnungsstörungen und so weiter. Den meisten dieser Erkrankungen kann mit einer ausgewogenen Ernährung und sportlicher Betätigung über das Leben hinweg vorgebeugt werden. Einige Risikofaktoren, wie eine familiäre genetische Neigung zu Schlaganfällen oder sogar die Blutgruppe lassen sich nicht beeinflussen, jedoch spielen sie eine kleinere Rolle, wenn es weniger andere Risikofaktoren neben ihnen bestehen.

Habe ich deine Frage soweit beantwortet oder ist noch was offen?

Gruß ;)

Antwort
von Schokolinda, 97

kommt darauf an, was du damit meinst- wenn man umfällt und keiner kriegt es mit, niemand hilft, dann wird man irgendwann sterben.

es gibt allerdings auch schlaganfälle, die unauffällig ablaufen. irgendwann macht man z.b. wegen eines schlaganfalls ein MRT und stellt dann alte Schädigungen fest. der Patient erinnert sich vielleicht noch, dass es ihm mal phasenweise nicht so gut ging; manchmal kann er aber noch nicht mal das.

Antwort
von DerSchokokeks64, 88

Nach ca. 4-5 Minuten hast du bleibende Schäden, nach 10-12 Minuten bist du Hirntod. d.h. du kannst wiederbelebt werden, "lebst" aber nicht mehr richtig.

Antwort
von pilot350, 77

Du merkst es doch. Dein Umfeld wird Dich beim zusammen brechen sehen, und sofort den Notarzt verständigen. Der stellt die Diagnose und liefert Dich ein.

Kommentar von ghasib ,

Und wenn man alleine ist?

Antwort
von pbheu, 114

dann stirbst du, wenn du pech hast, oder hast bleibende schäden.

bei beiden krankheitsfällen ist schnelle hilfe das a und o.

ein kollege hat mit mitte 40 einen herzanfall nur überlebt, weil eine passantin so geistesgegenwärtig war, einen zufällig vorbeifahrenden krankenwagen anzuhalten...

Kommentar von julian069 ,

Das stimmt nicht. Wenn der Infarkt natürlich Nachts in der Tiefschlafphase auftritt und man nicht aufwacht, dann ist dieser wohl tötlich. Allerdings gibt es auch Infarkte die bereits stattgefunden haben, jedoch erst Tage, Wochen, Monate, Jahre etc. später auf einem EKG gesehen werden. Feststeht: Jeder unbehandelte Infarkt ist tödlich. Bei einem sogennanten "stummen Infarkt" wird auch im Nachhinein eine Gefäßstütze implantiert

Antwort
von Selfmadecheese, 83

Dann ist man tot?

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