Frage von sgn18blk, 85

Was passiert, wenn man ein Investmentfond bei seiner Bank abschließt?

Irgendwie verstehe ich das nicht so ganz.

Sind im Prinzip die Manager dafür verantwortlich was mit meinem Geld passiert? Angenommen Sie machen Ihre Arbeit gut (denn das wird ja erwartet), dann erziele ich Gewinne und mein Kapital im Depot erhöht sich.

Aber mal angenommen die Manager machen Ihre Arbeit nicht gut. Was passiert dann? Ist das nicht ein bisschen blöd, wenn ich dann ca. nach einem halben Jahr weniger Geld im Depot habe, als wenn ich gar nicht dieses Fond abgeschlossen hätte?

Theoretisch könnte ich ja dann ein normales Bankkonto öffnen und monatlich dort Geld rein investieren und hätte nach einem halben Jahr mehr Geld zusammen als wenn ich ein Fond habe und meine Manager Verluste erzielen bzw. mein Geld in die Tonne schmeißen.

Wo bleibt da der Sinn?

Geht es da um Wahrscheinlichkeit? Ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man bei einem Investmentfond langfristig mehrere Gewinne erzielt?

Hoffe, mir kann da jemand helfen. Danke im Voraus.

Antwort
von JTKitzel, 47

Ein Fonds ist wie ein Sammeltopf. Zig Kunden werfen dort ihr Geld zusammen, das Fondsmanagement kauft dann von diesem Geld nach festgelegten Regeln Wertpapiere. Diese Regeln teilt dir das Fondsmanagement vorher im Wertpapierprospekt (das die Bank dir anbieten muss) mit. Zum Beispiel könnte diese Regel sein, nur Aktien von Unternehmen zu kaufen, die im Technologiebereich tätig sind. Oder die in der Vergangenheit hohe Dividenden ausgeschüttet haben. Oder die ihren Schwerpunkt in Japan haben. Oder oder oder. Es gibt zig Möglichkeiten.

Der Vorteil eines Fonds ist, dass man auch mit kleineren Summen an einer Anlageidee teil haben kann. Als Einzelperson zum Beispiel zig japanische Aktien zu kaufen, würde aufgrund der geringen Einzelsummen und der in Relation zu hohen Kosten keinen Sinn ergeben. Im Fonds hingegen funktioniert das.

Und ja, das Fondsmanagement verdient vor allem dann viel, wenn der Fonds gut läuft (Gewinnbeteiligung). Allerdings bekommt es auch eine Art Grundgebühr für die Verwaltung.

Ein Fonds kann gut laufen, muss er aber nicht. Die Idee ist nun einmal, dass das Fondsmanagement aus Profis besteht, die sich besser in Wertpapiermärkten auskennen als der Durchschnittsbürger. Allerdings haben auch diese Profis keine Glaskugel, können also genauso Fehlinvestments machen.

Falls du also Geld in einen Fonds investieren möchtest, lass dich bei deiner Bank/Sparkasse beraten. Dort wird man dir erklären, ab welcher Summe das Sinn macht. Und auch, dass ein Fondsinvestment nur dann eine gute Idee ist, wenn man a.) auch bereit ist Verluste zu tragen (durch die Auswahl des Fonds kann man das allerdings auch etwas eingrenzen) und b.) auch genug Zeit mitbringt. Denn ein Fondsinvestment macht eigentlich nur dann Sinn, wenn du einen längeren Zeithorizont hast, um auch schlechte Phasen mal aussitzen zu können und sich die guten Phasen dadurch nicht entgehen zu lassen.

Kommentar von gschyd ,

Diese Antwort finde ich sehr gut.

Eine Anmerkung meinerseits - ob ein Fonds gut oder schlecht ist, ist immer relativ, denn

  • einerseits bewegt sich der Markt - also auch wenn der Fondsmanager nichts macht verliert oder gewinnen
    Deine Fondsanteile jeden Tag - genauso wie sich auch die einzelnen Positionen/Aktien in Deinem Depot verändern würden
  • Jede Position des Fonds erhält idR mind. eine tägliche Bewertung (bei Aktien zB den Tagesendkurs) - so wird der Wert des Gesamtfonds ermittelt, geteilt durch die Anzahl Fondsanteile ergibt das den Wert pro Anteil (das ist dann der Kauf- / Verkaufspreis)

  • Um dann die Leistung des Fundmanagers zu messen wird ein sog. Benchmark hinzugezogen
    (Vergleichsindex
    = Kennzahl für die Entwicklung von einem definitierten Finanzinstrumenten)
    und dann wird die Entwicklung des Fonds mit der Entwicklung des Benchmarks verglichen - wenn der Fonds sich besser entwickelt hat (als der Benchmark) sagt man auch "der Fondsmanager hat den Markt geschlagen" oder der der Fondsmanager hat "overperformed" (zB durch gute Wahl der Aktien und des Zeitpunkts von Kauf/Verkauf, "Timing")
  • Vergleichsindex für Fonds der in grosse deutsche Unternehmen investiert wäre zB DAX (mit 30 grössten und umsatzstärksten, an Frankfurter Börse gehandelte Unternehmen) -
    https://de.wikipedia.org/wiki/DAX - Erklärung Benchmark http://www.boersennews.de/lexikon/begriff/vergleichsindex-benchmark-vergleichsma...
Antwort
von kevin1905, 39

Sind im Prinzip die Manager dafür verantwortlich was mit meinem Geld passiert?

Der Fondsmanager ist dafür verantwortlich, dass der Fonds seine Investmentziele erreicht.

Dies geschieht durch die Auswahl einzelner Aktien oder sonstigen Wertpapiere. Für diese Arbeit erhält der Fondsamanager Geld, dass du mit deinen Beiträgen mitbezahlst.

Angenommen Sie machen Ihre Arbeit gut (denn das wird ja erwartet), dann
erziele ich Gewinne und mein Kapital im Depot erhöht sich.

Yuh.

Aber mal angenommen die Manager machen Ihre Arbeit nicht gut. Was passiert dann?

Eine Anlage in Fonds, besonders wenn diese sehr aktienlastig sind unterliegt natürlich Schwankungen (Volatiliät). Bishin zum Totalverlust ist theoretisch alles möglich.

Ist das nicht ein bisschen blöd, wenn ich dann ca. nach einem halben
Jahr weniger Geld im Depot habe, als wenn ich gar nicht dieses Fond
abgeschlossen hätte? 

Wenn du keinen Anlagehorizont von 10 Jahren oder mehr hast, lass bitte von Fonds und Aktien die Finger.

Diese Frage sollte im Vorfeld geklärt werden und wenn die Bank für den Fonds einen Ausgabeaufschlag verlangt, ist es schon unverschämt, dass diese Frage offen ist. Beratung hat wohl keine stattgefunden...

Theoretisch könnte ich ja dann ein normales Bankkonto öffnen und
monatlich dort Geld rein investieren und hätte nach einem halben Jahr
mehr Geld zusammen als wenn ich ein Fond habe und meine Manager Verluste erzielen bzw. mein Geld in die Tonne schmeißen. 

Das Problem dabei wäre aber die Realrendite.

Es gibt auf festverzinsliche Bankanlagen sogut wie keine Zinsen mehr. Zwar ist auch die Inflation moderat, aber du würdest dennoch einen realen Kaufkraftverlust erleiden, wenn du dein Geld mehrheitlich in derartige Anlagen packst.

Wo bleibt da der Sinn?

Der Sinn ist, das Fonds bzw. Aktien über lange Zeiträume quasi jede andere Anlage schlagen. 

Geht es da um Wahrscheinlichkeit? Ist die Wahrscheinlichkeit größer,
dass man bei einem Investmentfond langfristig mehrere Gewinne erzielt?

NIEMAND kann in die Zukunft sehen. Jede Geldanlage ist die Extrapolation vergangener Entwicklungen in die Zukunft basierend auf Wahrscheinlichkeiten und ziemlich komplexen Ratens.

Statistisch gesehen hat noch niemals ein Dax-Anleger Verlust gemacht, der sein Investment mind. 13 Jahre gehalten hat. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht theoretisch in Zukunft passieren könnte.

Antwort
von grubenschmalz, 39

Du hast das Prinzip noch nicht so ganz verstanden und du bist anscheinend auch nicht ganz so bereit zu akzeptieren, dass an zwischenzeitlich auch Verluste machen kann. Ich würde dir davon abraten.

Antwort
von christl10, 22

Noch nie gehört? No Risk No Fun! Wer nicht beriet ist ein gewisses Risiko einzugehen und sich gleich in die Hose macht, wenn die Anlage im Verlust ist, dem rate ich die Finger von Wertpapieren zu lassen. Dann bist Du noch nicht reif dazu! Somit hat sich Deine Frage erledigt. Nun kannst Du in Ruhe das Geld auf einem Konto einsammeln. Du erleidest nominell keinen Verlust und kannst ruhig schlafen. 

Antwort
von HGiefing, 15

Wenn Dein Anlagehorizint passt, dann solltest Du ETFs kaufen und keine Fonds mit Management (wie schon weiter unten empfohlen).

Ein großer Vorteil: ETFs werden direkt an der Börse gehandelt, es entfallen somit auch die Ausgabeaufschläge (zw. 3 und 5%).

Die Verwaltungskosten liegen bei 0,2-0,5%.

"Nachteil": einen ETF wirst Du nicht vom Bankberater empfohlen bekommen, denn daran verdient er nichts. Also entweder selber ein Depot eröffnen und Fonds auswählen und kaufen, oder zu einem Honorarberater gehen. Der verlangt zwar ein Honorar von Dir, dafür entfallen die anderen Kosten fast zur Gänze.

Die Depotgebühren sollten auch nahezu Null sein (zB. bei flatex).

Hat aber alles nur Sinn, wenn Du mindestens 5 Jahre (Anleihefonds) oder rd. 10 Jahre (Aktienfonds) veranlagen willst.

Antwort
von GuenterLeipzig, 40

Leider wirkt sich ein schlechtes Management von Fonds auf die Fondsmanager nur bedingt negativ aus.

Wenn ich es richtig verstanden haben, werden bei Erfolg Bonuszulagen gewährt.

Diese würden dann wegfallen.

Man kann natürlich ein aktives Fondsmanagement umgehen, indem man ETFs erwirbt, die irgend einen Index abbilden.

Dann bist Du in jedem Fall so gut wieder Markt.

Günter

Kommentar von bluewave1810 ,

...naja, mit ETF's bist Du auf jeden Fall schlechter als der Markt, denn der ETF hat ja auch Kosten zu tragen.

Aber richtig: in breiten Märkten wie dem S&P500 macht ein ETF für einen Anfänger schon Sinn. Je spezieller es wird, umso eher kann aktives Management einen Vorteil bedeuten.

Kommentar von GuenterLeipzig ,

Leider ist ein aktives Management keine Garantie dafür, dass der Fonds besser ist als der Markt.

Da ETF kein aktives Management besitzen, sind deren Kosten vernachlässigbar, wenn man die die Managementkosten der aktiv gemanagten Fonds dagegenhält.

Wenn es darum geht, sein Depot zu strukturieren, macht es Sinn branchen- und/oder regionenbezogen Investitionen zu tätigen.

Günter

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