Was passiert, wenn jemand bei der Anhörung zwecks katholischer Eheannullierung lügt ???
Der Mann einer Freundin will seine katholische Ehe annullieren lassen. Jetzt - nachdem sie Einblick in die Akten nehmen durfte - hat sie festgestellt, dass er bei der Anhörung das Blaue vom Himmel gelogen hat (dabei muss man auf die Bibel schwören, die Wahrheit zu sagen). Sie kann teilweise die Lügen durch Belege beweisen. Aber die Gegenseite hat Unterstützung durch den Pfarrer der Gemeinde, der gleichzeitig der Chef der neuen Frau des betreffenden Mannes ist. Anscheinend will der Pfarrer keinen Stress in der Gemeinde und drängt darauf, dass die Ehe annulliert wird, damit er seine "neue" heiraten kann und alles schön katholisch dasteht !!!
Hat meine Freundin da überhaupt eine Chance, trotz Beweise? Die Kirche scheint zu versuchen, alles zu Gunsten der "Neuen" zu verdrehen, weil z.B. auch in den Berichten teilweise Fakten nicht aufgezeichnet waren, die einige Zeugen ausgesagt haben, z.B. dass mal ein Vorfall mit dem Mann passiert ist, der darauf hindeutet, dass er evtl. pädofile Neigungen hat - das ist doch eine Sache, die man in so einem Bericht nicht einfach weglassen kann!
Bitte nur Antworten von Fachleuten aus der katholischen Kirche oder entspr. Erfahrungen.
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Vorweg einmal zur Sache an sich: Die Antwort von potthas ist richtig. Die Kirche - in diesem Falls das Bischöfliches Konsistorium (Offizialat) - fällt das Urteil, welche Fakten als stichhaltige Beweismittel anerkannt werden und was nicht. Eheannulierungen werden sehr genau geprüft. Dazu müssen zwei kirchliche Ehegerichte unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis kommen. So weit es mir in Erinnerung ist, wird das ganze Verfahren nur schriftlich geführt und entschieden. Das Annulierungsverfahren ist auch keine Entscheidung, wie wir das von weltlichen Gerichten kennen, wo alle möglichen Umstände, Entwicklungen und wer weiß was noch in einer Entscheidung (!) berücksichtigt wird. Bei der Annuierung einer kirchlich geschlossenen Ehe wird lediglich geprüft, ob zum Zeitpunkt der Eheschließung alle Voraussetzungen für eine gültige Ehe bestanden haben. Mit anderen Worten: Die Kirche prüft nicht (!), ob heute gelogen wird, sondern ob zum Zeitpunkt der Eheschließung ein Versprechen abgegeben wurde, das im Prinzip damals eine Lüge war. Ein Beispiel: Zum Zeitpunkt der Eheschließung wird gefragt, ob man die Kinder, die einem Gott schenkt, annehmen will (die genaue Formulierung ist jetzt unerheblich, habe keine Zeit nachzuschauen). Wenn ein Partner zu diesem Zeitpunkt grundsätzlich und auf Dauer nie Kinder bekommen wollte, aber trotzdem diese Frage bejaht, dann hat er praktisch gelogen. Und genau das muss er im Nachhinein beweisen, was allerdings meistens sehr schwierig ist, außer man hat sich zu diesem Zwecke z. B. vorher (!) sterilisieren lassen. Wenn er heute lügt, dann muss er auch diese Lüge beweisen können. Das dürfte jedoch sehr schwer sein.
Ihre Freundin hält - aus welchen Gründen auch immer - an ihrer Ehe fest. Sie hat die Möglichkeit, ihren Standpunkt zu den Lügen ihres (Ex-)Mannes beim Offizialat schriftlich Stellung zu nehmen und die von ihr angeführten Beweismittel/Unterlagen einzureichen. Mehr "Einfluss" hat sie nicht, aber der Pfarrer ihrer Freundin auch nicht. Wie gesagt, es entscheiden zwei kirchliche Ehegerichte unabhängig voneinander.
Was mich jetzt aber persönlich interessiert, klingt in dem Beitrag von anjanni an: Warum hält sie an ihrer Ehe so fest? Das ist natürlich ein recht persönliche Frage und keine rechtliche. Aber interessieren würde mich das schon.
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ich bin eindeutig kein Fachmann, aber: Ist es denn so wichtig? Was für Konsequenzen hat sie denn daraus..? Er will wieder heiraten, ok. Dass er hierfür die Ehe annulieren möchte, finde ich wirklich traurig. Warum heiratet er denn nicht einfach standesamtlich..? Kann man ja auch in schöner Location mit feierlicher Zeremonie machen. Aber gut. Dass er seine Ex dafür diffamieren muss, ist nur bemitleidenswert (und wenns mit Lügen auf die Bibel ist, eigentlich erschreckend), aber kann sie es nicht einfach darauf beruhen lassen und sich ihren Teil dabei denken?
Kommentar von anjannianjanni 27.10.2010Man merkt, daß Du kein Fachmann bist...
Wenn er für die katholische Kirche arbeiten möchte, darf er nicht einfach wieder heiraten, auch nicht standesamtlich. Das verstößt dann gegen die kirchliche Grundordnung - und man unterschreibt im Arbeitsvertrag, daß man die einhält. Kirchliches Sonderrecht, gerichtsfest.
Ich persönlich finde es auch traurig, wenn man dafür lügen muß, daß man eine Stelle bekommt, auf der einen der Chef offenbar unbedingt haben will... Lügen ist eigentlich auch gegen die kirchliche Grundordnung - aber nicht so offensichtlich und deshalb streßfreier.
Kommentar von JaiinaJaiina 27.10.2010moment mal: der Mann will doch wieder heiraten, deshalb will er die Ehe annulieren..? So steht es zumindest oben im Text. Die neue Frau arbeitet in der Gemeinde u deshalb hält der Pfarrer zu den beiden.. so hab ich das zumindest verstanden.
Kommentar von MaricatMaricat 27.10.2010Ja, genau. Es geht darum: die "neue" arbeitet in der Kirchengemeinde und will ihn jetzt kirchlich heiraten, damit sie ihren Job behält und der Pfarrer scheint dort mitzuspielen.Der Mann selbst hatte nie wirklich was mit Kirche am Hut. Hinzu kommt, dass die "Neue" die Schwägerin meiner Freundin ist (also die Ex-Frau ihres Bruders). Wie fies ist das: Dein Mann hat was mit der Schwägerin !!! Das ganze zerstört zwei Familien. Und die katholische Kirche sieht da zu. Ist doch logisch, dass meine Freundin da nicht zusehen will und wenigstens für sich erreichen möchte, dass die Ehe NICHT annulliert wird (es war eine ganz normale Ehe - bis er was anfing mit der Schwägerin). Jetzt versucht er alles so zu drehen, als hätte er damals nicht gewusst was er tut - nur damit die "Neue" keinen Stress mit ihrem Job bekommt. Das ganze ist wahnsinnig kompliziert.
Kommentar von JaiinaJaiina 27.10.2010puh, das hört sich wirklich alles sehr, sehr seltsam an. Vor allem: warum muss die Frau kirchlich heiraten, um ihren Job nicht zu verlieren, wo gibts denn sowas heutzutage noch.. aber gut. Ich würde an der Stelle deiner Bekannten mich mal mit dieser Frau treffen und versuchen, das Ganze von Frau zu Frau, quasi "außerkirchlich" zu regeln. Der Pfarrer glaubt anscheinend nur, was er glauben will.. und sich da auf einen langen Streit einzulassen, kann kaum im Interesse irgendeines Beteiligten liegen.
Kommentar von MaricatMaricat 27.10.2010"mit der Frau treffen" geht gar nicht. Sie ist die Schwägerin, mit der meine Freundin jahrelang ein normales bis gutes Verwandtschaftsverhältnis hatte. Jetzt würden sie sich zerfleischen... Und ich finde schon, das die "Neue" ihren Job verlieren sollte. Sowas sollte die Katholische Kirche mit ihren sonst so hohen moralischen Ansprüchen nicht dulden !! Sie hat zwei kinder und meine Freundin hat zwei Kinder. Da fängt sie was mit ihrem Schwager an und setzt ihren eigenen Kindern den Onkel als neuen "Papa" vor. Hinzu kommt, dass die jetzt noch ein eigenes Kind kriegen. Ist das denn dann ein Geschwisterkind oder Cousin/Cousine von den anderen, oder was? Das ganze ist einfach widerlich !!
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wenn er lügt und das nicht beichtet wird er wohl zur Hölle fahren. Wenn er falsch angeschuldigt wird wird wohl der zur Hölle fahren der falsches Zeugnis gegeben hat. Ich weiß ja nicht- was war nochmal der Grund das so das so viele der katholischen Kirche den Rücken kehren?
Kommentar von MaricatMaricat 27.10.2010Ja, kein Wunder, wahrscheinlich wird meine Freundin nach dem ganzen Stress auch austreten. Man kriegt da eine echte Wut, wenn man das mitansehen muss.
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was Fakten und Beweise sind definiert die kath. Kirche selbst.
Kommentar von MaricatMaricat 27.10.2010Ja leider, genau das Gefühl schleicht haben wir da langsam...
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Hat sie etwas davon, wenn sie ihm die (berufliche) Zukunft verbaut?
Ich meine, geschieden ist sie ja schon. Die Annulierung durch die Kirche hat keine Auswirkungen auf ihrn Status - bürgerlich hat die Ehe trotzdem bestanden und war gültig. (Falls das für sie wichtig ist, da sie vielleicht noch Unterhaltsansprüche oder was auch immer hat.)
Soll sie das Verfahren doch laufen lassen. Kann ihr doch auch nur helfen, falls sie aus irgendeinem Grund noch mal katholisch heiraten möchte.
Und was die eventuelle pädophile Neigung angeht: da solltes sie nur dann was unternehmen, wenn sie handfeste Beweise und nicht nur vage Vermutungen hat. Sonst wird das womöglich ein Eigentor (Klage wegen Verleumdung...).
Kommentar von MaricatMaricat 27.10.2010Es geht nicht um SEINEN Job. Seine "Neue" arbeitet für die Katholische Kirche (siehe oben). Für meine Freundin war die Ehe normal bis er was mit der Schwägerin anfing. Und er hatte noch nie was mit Kirche am Hut, er will das jetzt nur der "Neuen" wegen durchboxen. Ist doch klar, dass sie da aus Prinzip versucht sich zu wehren!
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strafrechtlich wohl nix....
Danke für Ihre ausführliche Antwort. Ich hoffe sehr, dass die Ehegerichte unabhängig entscheiden, vor allem dass der betr. Pfarrer keinen Einfluss hat.Ich habe meiner Freundin geholfen, schriftlich Einspruch zu erheben, dazu hat sie sehr viele schriftliche Belege gefunden, die beweisen, dass er bei der Anhörung das Blaue vom Himmel gelogen hat. Sie sagen "die Kirche prüft nicht, ob heute gelogen wurde", sondern nur, was zum Zeitpunkt der Eheschließung gewesen ist. Aber, es kann doch nicht sein, dass einer auf die Bibel schwört und die Unwahrheit sagt, dadurch ist er doch einfach nicht mehr glaubwürdig und kann sich doch alles, was damals war ausgedacht haben. Da kann ja jeder hinterher behaupten, er wusste nicht, was er tat. Genau das ist auch der Grund, warum meine Freundin die Annullierung nicht will: Weil er das nur zuliebe seiner "Neuen" macht, eigentlich will SIE die Annullierung, wegen ihres Jobs und des Ansehens in der Gemeinde. Ihm selber ist das Ganze mit Sicherheit ganz egal. Trotzdem vielen Dank... Vielleicht stehen die Chancen auch gar nicht so schlecht! Sind Sie Priester?
Habe gerade noch gesehen, dass Sie auf meine ältere Frage auch schon hilfreich geantwortet haben. Danke!