Frage von Aquestion2014, 53

Was passiert wenn die linke Herzkammer nicht gleich viel Blut befördert wie die rechte, und umgekehrt?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von garfield262, 26

Moin,

je nachdem, welcher Ventrikel seiner Arbeit nicht exakt nachkommen würde, würden sich Symptome unterschiedlicher Ausprägung zeigen. Läge das Minutenvolumen des linken Ventrikels unter dem des rechten, würde innerhalb kürzester Zeit ein Lungenödem, also eine Flüssigkeitsansammlung im funktionellen Lungengewebe entstehen. Dies wäre zunächst ein sog. "interstitielles" (den Zellzwischenraum betreffendes), im weiteren Verlauf auch ein sog. "intraalveoläres" (in den Lungenbläschen lokalisiertes) Lungenödem.

Ein geringeres Pumpvolumen des rechten Ventrikel hätte dabei (zumindest den Körperkreislauf betrachtend) zunächst geringere Effekte, da diese Differenz allein durch die großen Körpervenen gepuffert werden kann. Im weiteren Verlauf zeigt sich jedoch ebenso die verminderte rechtsventrikuläre Pumpleistung, in diesem Fall durch Ödeme insbesondere der Extremitäten (Arme und Beine), jedoch auch z.B. des Bauches (Aszites).

Unterschiedliche Pumpvolumina werden u.a. durch den sogenannten Frank-Starling-Mechanismus aneinander angeglichen.

Konnte ich deine Frage soweit beantworten oder ist noch etwas offen?

Lieben Gruß ;)

Kommentar von Aquestion2014 ,

WOW, was für eine Antwort, vielen Dank!

Mich würde noch interessieren: Sind verschiedengrosse Herzkammern angeboren oder können diese auch im Verlauf des Lebens entstehen? Und: ist das eigentlich lebensgefährlich, also, kann man daran sterben? So wie ich mir das vorstelle, ist dann doch irgendwann zu viel/wenig Sauerstoff im Blut...

Vielleicht kannst du mir diese Fragen auch noch beantworten. Auf jeden fall vielen Dank :) LG!

Kommentar von garfield262 ,

Erstmal danke für die netten Worte und die Bewertung! ;)

Um die Antwort auf deine zweite Frage allgemein zu halten: Es gibt sowohl angeborene (fachsprachlich "kongenitale") als auch erworbene Erkrankungen, die zu unterschiedlichen Schlagvolumina, oder um es genauer auszudrücken, zu Differenzen zwischen Herzminutenvolumen (Volumen Blut, welches pro Minute durch den linken Ventrikel in die Aorta ausgeworfen wird) und Lungenminutenvolumen (Volumen Blut, welches pro Minute durch den rechten Ventrikel in die Lungenarterien ausgeworfen wird) führen.  

Ein Beispiel für eine kongenitale Erkrankung, die zu einer Differenz führt, ist der Ventrikelseptumdefekt (VSD, also ein mehr oder weniger großes Loch in der Herzscheidewand zwischen den beiden Herzkammern). Dabei entsteht zunächst aufgrund des systolischen Druckgradienten zwischen linkem und rechtem Ventrikel (links systolisch ca. 120 mmHg, rechts systolisch ca. 25 mmHg) ein sogenannter Links-Rechts-Shunt, also eine Verschiebung von Blut aus dem linken in den rechten Ventrikel. Dadurch sinkt das Herzminutenvolumen bei steigendem Lungenminutenvolumen. Die weiteren Folgen wie eine Shuntumkehr durch Eisenmenger-Reaktion lasse ich jetzt mal außen vor.

Ein Beispiel für eine erworbene Erkrankung, die zu einer Differenz führt, ist ein Herzinfarkt (fachsprachlich "Myokardinfarkt"). Sind gewisse Gefäße vom Infarkt betroffen (z.B. LAD/LCx oder LCA), kann z.B. ausschließlich der linke Ventrikel in seiner Pumpfunktion gestört sein. Dadurch entsteht eine sog. "systolische linksventrikuläre Herzinsuffizienz", was bedeutet, dass der linke Ventrikel seiner Arbeit nicht mehr nachkommen kann und dadurch dessen Minutenvolumen sinkt. Gefürchtet ist in dieser akuten Phase deshalb u.a. auch die Ausbildung eines Lungenödems (neben weiteren Komplikationen wie Kreislaufstillstand durch komplettes Pumpversagen, Rhythmusstörungen etc.).

In der Tat muss insbesondere dem Lungenödem entgegengewirkt werden, da es die Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff sowie die Abgabe von Kohlenstoffdioxid behindert, was in einer Akutsituation auch durchaus lebensbedrohlich sein kann. Dies geschieht z.B. mit sogenannten "Diuretika"; das ist eine Medikamentengruppe, welche die Nierentätigkeit steigert und dem Körper so Wasser entzieht. Meist wird auch eine kausale, also ursachenorientierte Therapie eingeleitet (z.B. die Behandlung des Herzinfarkts und dadurch Normalisierung der Pumpfunktion, der operative Verschluss eines VSD, im Extremfall eine Herztransplantation etc.).

Ich hoffe, dass meine Frage soweit verständlich ist, auch wenn ich recht ausschweifend war; falls nicht, frag natürlich gern weiter.

Lieben Gruß ;)

Antwort
von Zuckerwatte47, 34

Links bzw Rechtsherzinssufiziens ... Dann staut sich das Blut zurück in die Lunge was zu einem Atemnot führen kann oder staut sich zurück in den Körper... 

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