Frage von Wisler, 127

Was passiert nach erfolgreicher Reanimation ( Herz u. Lungen Weiderbelebung)?

Hallo,

ich habe mal eine Frage, was sind die Schritte nach einer erfolgreichen Reanimation? Die Reanimation ist doch 30:2 in der Minute ? 30 mal drücken 2 mal Beatmen ? Soll man nun über die Nase Beatmen oder über Mund zu Mund?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von garfield262, 53

Moin,

deine Frage ist recht zweideutig gestellt. Du fragst in erster Linie nach dem Vorgehen "nach erfolgreicher Reanimation". Da die Reanimation in dem Fall gelungen ist, werden diese Maßnahmen folglich eingestellt. Im Folgenden bringe ich dir die Maßnahmen einmal näher.

Zunächst die Reanimation selbst (der Einfachheit halber betrachten wir nur die Reanimation eines Erwachsenen): Die Reanimation besteht im Falle der Basic Life Support (BLS), was auf Deutsch als "Laienreanimation" bezeichnet wird, aus der mechanischen Kompression des Brustkorbs an einem definierten Druckpunkt (Landmarken sind z.B. Brustbeinmitte zwischen den Brustwarzen oder auch die Brustbeinmitte etwa zwei Querfinger oberhalb des unteren Brustbeinendes) und der Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung; die Wahl bleibt dem Helfer überlassen. Diese Maßnahmen werden im Wechsel mit einem Verhältnis von 30 Brustkorbkompressionen (etwa 2 Kompressionen pro Sekunde) zu 2 Beatmungshüben durchgeführt; ggf. auch unter Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators (AED), welche zumeist in öffentlichen Gebäuden, zum Teil auf Streifenwagen der Polizei usw. zu finden sind.

Advanced Life Support (ALS), was die Reanimation durch medizinische Fachkräfte bezeichnet, basiert ebenfalls auf den BLS-Maßnahmen, wobei diese jedoch durch andere Therapiemöglichkeiten ergänzt wird. Zunächst ist die Defibrillation bestimmter Herzrhythmen in jedem Falle Teil der Reanimation; diese wird sowohl elektrisch als auch nach bestimmten Kriterien medikamentös durchgeführt. Das Notfallmedikament "Adrenalin" findet in der Reanimation ebenfalls Anwendung, auch wenn sich der Zeitpunkt, zu dem es verwendet wird, vom Zustand des Patienten abhängt. Der Patient wird zudem intubiert, es wird also ein Hilfsmittel in die Atemwege eingebracht, welches eine Beatmung erleichtert. Zumeist erfolgt diese Intubation (insbesondere wenn ein Arzt anwesend ist) endotrachel, d.h. ein Plastikschlauch wird in die Luftröhre eingelegt und der Patient über diesen beatmet. Dies sind die wesentlichen Maßnahmen, die in jeder Reanimation (die Defibrillation nur unter bestimmten Voraussetzungen) durchgeführt werden. Darüber hinaus finden weitere Maßnahmen Anwendung, darunter z.B. die Anwendung weiterer Notfallmedikamente (z.B. Vasopressoren, Antidota, Fibrinolytika etc.), die Durchführung unmittelbar lebensnotwendiger Eingriffe (Thoraxdrainage zur Entlastung eines Überdrucks im Brustkorb, Pericardpunktion zur Entlastung einer Blutung im Herzbeutel o.ä.) und so weiter. Diese Maßnahmen werden jedoch ausschließlich von Ärzten vorgenommen, da sie ein hohes Maß an Qualifikation und Erfahrung erfordern; letztere Maßnahmen sind während der Reanimation jedoch eher die Seltenheit.

Nun zur eigentlichen Frage: Was passiert nach der Reanimation? Wir befinden uns nun gedanklich an dem Zeitpunkt, zu dem medizinische Profis eine Reanimation durchführen und auf dem angeschlossenen Monitor erste selbstständige und regelmäßige Herzaktionen beobachten. Der Teamleiter, sagen wir in diesem Fall der Notarzt, wird sich nun vergewissern wollen, ob die beobachteten elektrischen Herzaktionen auch zu einem Blutauswurf durch Kontraktion der Herzkammern führt. Dazu wird er den die Herzdruckmassage durchführenden Helfer anweisen, die Kompressionen zu unterbrechen und nach einem Puls tasten. Dies wird zunächst (vorsichtig, um keine ungewollten Reflexe o.ä. zu provozieren) an der Halsschlagader erfolgen. Ist hier ein Puls tastbar, so liegt der systolische Blutdruck geschätzt bei mindestens 20 mmHg. Eine Gegenprobe wird dann an einer der Leistenarterien erfolgen. Ist hier ein Puls tastbar, so liegt der systolische Blutdruck geschätzt bei mindestens 50 mmHg. Sicherheit gibt eine dritte Kontrolle an den Arterien der Handgelenke. Ist ebenfalls hier ein tastbarer Puls vorhanden, kann von einem systolischen Blutdruck von mindestens 80 mmHg ausgegangen werden.
Der Helfer am Brustkorb sollte allerdings trotz Wiedereinsetzen des Spontankreislaufs, medizinisch auch als ROSC (return of spontaneous circulation) bezeichnet, die Herzdruckmassage mit gleicher Geschwindigkeit und Intensität für weitere 2-3 Minuten durchführen; der Herzrhythmus wird, wie weitläufig angenommen wird, dadurch nicht gestört.

Die Körpertemperatur des Patienten sollte nun rapide gekühlt werden, um das neurologische Outcome zu optimieren, d.h. die Schäden, welche durch den Kreislaufstillstand am Gehirn verursacht wurden, so gering wie möglich ausfallen zu lassen. Der Patient wird dabei mit diversen Mitteln wie Kühlpacks an oberflächlich laufenden großen Arterien wie den Leistenarterien, den Halsschlagadern, den Achselarterien etc., gekühlten und intravenös infundierten Infusionslösungen und so weiter heruntergekühlt; Ziel ist dabei eine Körperkerntemperatur von ca. 32-34°C.  Diese Temperatur wird nun für etwa 24 Stunden beibehalten und der Patient danach nur sehr langsam wiedererwärmt; die Rate sollte dabei etwa 0,25-0,5°C pro Stunde betragen.

Der Patient befindet sich während dieser Zeit in einer Art Narkose; die Tiefe wird dabei so tief wie nötig und so flach wie möglich gewählt. Diese hat mehrere Vorteile: Eine physiologische Körperreaktion auf die Kälte (z.B. Kältezittern) wird gedämpft bzw. ausgeschaltet, Schmerzen z.B. durch die Herzdruckmassage oder möglicher Rippen(serien)fraktur werden unterdrückt, der Hirnstoffwechsel wird heruntergefahren und das neurologische Outcome auch dadurch verbessert, eine teilmaschinelle Beatmung und dadurch bessere Steuerung des Patienten ermöglicht, mögliche Stressreaktionen des Patienten, welche sich negativ auf dessen Zustand auswirken könnten, unterdrückt und so weiter.

Je nach Patientenzustand werden auch bestimmte spezielle apparative Therapien eingeleitet, wie z.B. die Hämodialyse (z.B. bei akutem Nierenversagen), eine intraaortale Gegenpulsation bei kardiogenem Schock und so weiter.

Über meist zentralvenöse Zugänge wird eine Vielzahl von Medikamenten verabreicht, darunter z.B. kreislaufunterstützende Wirkstoffe wie Noradrenalin, Narkosemedikamente wie Propofol, Sufentanil, Ketamin oder Midazolam, Sympathikusdämpfer wie Clonidin, Antikoagulantien wie UF-Heparin und viele weitere, dem Patientenzustand angepasste Medikamente.

Der Patient wird dabei nach intensivmedizinischen Standards überwacht. Darunter fällt das Monitoring von z.B. EKG in diversen Ableitungen, systemisch-arteriellem Blutdruck durch einen arteriellen Zugang, pulsoxymetrischer Sauerstoffsättigung des Blutes, Kohlenstoffdioxid in der Ausatemluft, zentralvenösem Blutdruck und ggf. auch weitere komplexe Messungen wie die Auswurfleistung des Herzens mittels PiCCO-Technik. Darüber hinaus wird die Flüssigkeitsein- und Ausfuhr bilanziert, um so Rückschlüsse auf die Nierenfunktion zu ziehen. Regelmäßige venöse Blutentnahmen mit Messung verschiedener Parameter erfolgen ebenso wie die Überprüfung der arteriellen Blutgase durch arterielle Blutentnahmen.

Nicht zu vergessen ist die Behandlung der eigentlichen Ursache des Herzstillstands.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Patienten so schnell und dabei so schonend wie möglich wieder aufwachen zu lassen, sodass er durch weitere Fachkräfte betreut werden, von der Intensivstation entlassen werden und so bald wie möglich nach Hause zurückkehren kann.

Diese Liste ließe sich noch um einige Punkte erweitern, ich werde an diese Stelle jedoch aufhören. Wie du siehst, ist die Behandlung eines Kreislaufstillstands sehr umfangreich und hochkomplex; ich hoffe dennoch, dir einen kleinen Einblick in die Intensivmedizin geboten haben zu können.

Hast du noch Fragen zu diesen Themen? In dem Fall frag gern weiter.

Lieben Gruß ;)

Kommentar von Wisler ,

Wow  das ist richtig gut erklärt und damit kann ich auch was anfangen danke sehr für diese hilfreiche Antwort. :)))

Antwort
von peterobm, 51

Meist wird Mund zu Nase angewendet. Ist einfacher. Rest Passt

Expertenantwort
von dadamat, Community-Experte für Medizin, 31

Die Beatmung ist in den Hintergrund getreten. Wichtig ist allein die Herzmassage, da sich noch für mehrere Minuten ausreichender Sauerstoff im Blut befindet. Nach erfolgreicher Reanimation ist die Spontan-Atmung auch wieder aktiv, so dass nicht beatmet werden muss. Wäre eine Beatmung nötig, sollte von Mund zu Nase beatmet werden (dabei den Mund des Patienten zudrücken). Professionelle Beatmung mit Ambrubeutel, da sind Mund und Nase des Pazienten abgedeckt, so dass nur der Kopf überstreckt werden muss.

Antwort
von Rollerfreake, 57

Die Reanimation dient nur zur Wiederherstellung eines Kreislaufes, das jemand wie in manchen Filmen einfach wieder aufsteht und davonläuft gibt es im realen Leben nicht. 

Es werden abwechselt 30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen durchgeführt, die Frequenz der Herzdruckmassage beträgt 100 bis 120 Mal in der Minute, beim Erwachsenen wird das Brustbein 5 bis 7 cm tief eingedrückt. Die Herzdruckmassage ist übrigens vorrangig vor der Beatmung, ist keine Beatmung möglich oder man möchte z.B. wegen Ekel keine machen, macht man durchgehend die Herzdruckmassage. Natürlich darf man auf keinen Fall vergessen vor Beginn der Reaninationsmaßnahmen den Notruf abzusetzen, sind mehrere Helfer anwesend, beginnt man unverzüglich mit den Reanimationsmaßnahmen und beauftragt einen zweiten Helfer den Notruf abzusetzen. 

Falls in unmittelbarer Umgebung vorhanden, sollte man auch noch einen Automatisierten Externen Defibrillator anwenden. Dabei ist jedoch zu beachten, das die Anwendung eines AED nur im Zussammenspiel mit einer Fachgerechten Herz- Lungen Wiederbelebung wirksam ist. 

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