Frage von Lilly256, 111

was passiert bei einem Epileptischen Anfall im Körper?

Antwort
von AngJuli, 80

Hey,
das ist ja eine spannende Frage!
Ich freue mich, sie zu beantworten, weil unser Professor in Kinderheilkunde (ich hab mal Medizin studiert) Spezialist für Epilepsie war und uns sehr eindringlich geschildert hat, dass das keine Krankheit ist, weil dieser Irrglaub weit verbreitet ist und die Betroffenen sehr darunter leiden.

Aaalso: Unser Gehirn besteht aus unglaublich vielen einzelnen Nervenzellen. Die allein bringen aber nicht die Leistung, sondern vor allem die Vernetzung untereinander. Jede Nervenzelle ist über so eine Art Tentakel mit unglaublich vielen anderen Nervenzellen verknüpft. Auf diese Art werden Informationen, die eine Zelle empfängt, an viele andere weitergegeben und eine ganze Gruppe von Zellen verarbeitet sie.

Immer, wenn eine Nervenzelle arbeitet, also einen Information weiterleitet, geschieht das als winziger Stromstoß. Gleich danach ist die Zelle für einen Sekundenbruchteil lahmgelegt und nicht erregbar, damit nicht ununterbrochen Informationen durch sie hindurchfließen und die eine nicht von der anderen zu unterscheiden ist. Wenn eine solche Information als elektrischer Impuls von einer Zelle weitergegeben wird, sagt man: Die Nervenzelle "feuert".

Nun ist aber nicht nur die Weitergabe der Informationen wichtig, damit wir Sinneneindrücke verarbeiten können, unsere Muskeln bewegen, irgendetwas denken oder unserer Hormonhaushalt steuern (das sind nur ein ganz paar der Aufgaben, die unser Gehirn leistet), sondern gerade auch diese Ruhephasen. Jede Nervenzelle muss nach jedem Stromstoß einmal abgeschaltet werden (Erklärung siehe oben). Da dieses Hin und Her zwischen Strom und nicht Strom unglaublich schnell passiert, mischen sich die aktiven und nicht-aktiven Nervenzellen in jedem Sekundenbruchteil zu neuen Gruppen. Mal sind die einen aktiv, mal die anderen, aber:

niemals alle!

Das ist ganz wichtig! Niemals darf eine große Gruppe Nervenzellen gleichzeitig aktiv sein (also "feuern"), weil sonst im Gehirn und im Körper das große Chaos ausbricht - und das ist dann ein epileptischer Anfall.

Wenn zuviele Nervenzellen in denselben Takt von Aktivität und Nicht-Aktivität kommen, feuern sie irgendwann zum gleichen Zeitpunkt - und dann ist keine geordnete Aktion mehr möglich. Dann zucken die Muskeln unkontrolliert, weil sie ununterbrochen vom Gehirn angeregt werden, dann kann man nicht mehr denken, weil das Gehirn so mit sich selbst beschäftigt ist, dann ist man nicht mehr ansprechbar, weil Sinneswahrnehmungen wie Hören oder Sehen gar nicht mehr verarbeitet werden können.

Wie kommt es zu einem epileptischen Anfall?
Wenn zuviele Nervenzellen gleichzeitig aktiv sind. Und das kann man auslösen, indem man einen Reiz von außen gibt, der einen ganz gleichmäßigen Takt hat. Das können Stroboskopblitze in der Disco sein, dass kann passieren, wenn man im Auto auf einer Allee fährt und das Sonnenlicht durch die vorbeirasenden Bäume fällt, das kann bei starken Bässen passieren, die gleichmäßig wummern.
Im Takt der Lichtblitze oder der Bässe werden Nervenzellen im Gehirn angeregt, Informationen abzugeben: "Licht - Licht - Licht" oder "Basston - Basston - Basston". Dieser Takt kann dann auf einen großen Teil des Gehirns übergreifen, und das löst einen Anfall aus.

Warum passiert das nicht allen Menschen?
Weil unser Körper die Gefahr kennt. Als sich vor verhältnismäßig kurzer Zeit (im Vergleich dazu, wie lange wir als Lebewesen uns schon entwickeln) unser Großhirn mit seiner ungeheuren Leistung entstand, hat sich gleichzeitig eine "Notbremse" entwickelt, die diese Gleichtaktung von Nervenzellen verhindern soll. Wenn bei Nicht-Epileptikern die Gleichtaktung von zu vielen Nervenzellen droht, kommt ein Stoppimpuls dazwischen, der sie länger lahmlegt als normalerweise. So werden sie aus dem Takt gebracht und können sich nicht gleichschalten.
Übrigens kennt das jeder: Das ist das Zusammenzucken beim Einschlafen, wobei man manchmal denkt, man hätte eine Treppenstufe verfehlt oder sei in einen offenen Schacht getreten. Im Einschlafen ist unser gerade eben noch waches Gehirn noch sehr aktiv, die Kontrollmechanismen aber oft schon schläfrig. Und wenn sich dann eine Gleichtaktung anbahnt, zieht unser Gehirn die Notbremse und im allerersten Beginn des epileptischen Anfalls (nämlich des Zusammenschreckens) werden unserer Gehirnzellen wieder durcheinander gebracht und wir wachen auf.

Was ist bei Epileptikern anders?
Epilepsie ist wie gesagt keine Krankheit, sondern eine Reifungsstörung des Gehirns. Bei ihnen hat das Gehirn diese "Notbremse" nicht oder nicht voll ausgebildet. Daher kann es zur Gleichtaktung von Nervenzellen kommen.

Was kann man bei einem Anfall tun?
Man schiebt zunächst, wenn möglich, dem Betroffenen etwas zwischen die Zähne, damit er sich nicht auf die Zunge beißt. Und dann hält man ihm eine Plastiktüte mit Luft vor den Mund, in die er atmet. Da er immer nur die Luft aus der Tüte atmet, wird der Sauerstoffanteil darin sehr schnell kleiner. Sehr bald reicht er nicht mehr zur vollen Versorgung des Gehirns, und wenn das nicht mehr voll versorgt ist, hören die Nervenzellen auf mit dem Dauerfeuern. Der Betroffene kommt zur Ruhe, die Krämpfe hören auf und nach kurzer Zeit erlangt er das Bewusstsein wieder.

Was ist an Epilepsie gefährlich?
Zum einen, dass man bei starker Anfallneigung nie sicher sein kann, wann man einen bekommt. Und wenn man ihn hat, wenn man z. B. Auto fährt, kann das sehr gefährlich werden.
Vor allem aber verletzen sich Betroffene, wenn sie im Anfall stürzen. Das kann zu Brüchen oder auch Entstellungen führen, wenn das Gesicht zu oft betroffen ist.

Aber Epilepsie selbst ist keine Krankheit!

Na, Lilly256, hast du bis hierher durchgehalten? Alle Achtung!

Antwort
von silberwind58, 68

Macht sich mit Zuckungen und Krämpfen bemerkbar. Aber nicht bei jedem ! Oft kann ein Anfall unauffällig verlaufen. Wird im Gehirn ausgelöst durch unkontrollierte Entladung von Nervenzellen im Gehirn : Kannst aber googeln,da kriegst wirklich viel Information.

Antwort
von brido, 65

wie eine Entladung von Strom. 

Antwort
von JenniBerlin, 72

Das Problem ist, dass es div. verschiedene Anfallsformen gibt, angefangen bei Grand Mall Anfällen (was der Durchschnittsbürger als Anfall kennt) über Absencen bis hin zu kataleptischen Anfällen. Grundsätzlich baut sich im Gehirn eine "Überspannung" auf, was dann zum Anfall führt. Je nach Person wird das durch Auren angekündigt und (auch von Person zu Person verschieden) hat öfters diverse Schlüsselauslöser (Schlafentzug, Flackerlicht usw).

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten