Frage von DieChemikerinUsermod Junior, 141

Was muss man können, um bei der Chemieolympiade Chancen zu haben?

Hallo,

ich bin weiblich, besuche den Chemie LK und habe als Zusatzkurs Lebensmittelchemie belegt. In beidem habe ich 15 Punkte.

Chemie fiel mir noch nie schwer und auch im Unterricht bin ich oft unterfordert - nicht immer, aber es kommt hin und wieder vor. Allerdings muss man sagen, dass ich einen riesen Spaß an Chemie habe! Das war schon immer so.

Nun wurde mir hier und auch von meinem Chemielehrer vorgeschlagen, an der Chemieolympiade teilzunehmen. Allerdings habe ich Bedenken, dass ich zu schlecht bin - auch, wenn ich nicht wenig Ahnung in Chemie habe. Ich habe gehört, dass die Aufgaben ab der zweiten Runde Uniniveau haben; weiterhin bin ich weiblich, die meisten Chemiefreaks sind Jungs. Ich würde nicht weit kommen...

Ich würde da wirklich gern mitmachen und ich finde die Themen sehr interessant, dennoch habe ich Zweifel...

Hat irgendwer Erfahrung und kann mir sagen, was man da genau drauf haben muss? Ich meine, eine gute Note sagt noch nicht viel aus.

Wenn Fragen zu mir sind (solang nicht zu persönlich), dann fragt - ich beantworte sie entsprechend.

LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von musicmaker201, Community-Experte für Chemie, 85

Die Chancen, dass du sehr weit kommst (dritte Runde und mehr) sind sehr gering. Da kommen dann wirklich nur noch die Besten aus ganz Deutschland weiter. Leute, die bereits in der 11./12. Klasse ein Wissen haben, welches sehr weit über normales Schulwissen hinausgeht und auch nicht mal eben für die Chemieolympiade nachgeholt werden kann.

In die zweite Runde solltest du aber auf jeden Fall kommen. Die erste Runde besteht zum Großteil aus Aufgaben, welche mit soliden Chemiekentnissen und Recherche gelöst werden können. Die Aufgaben sind meistens so angesiedelt, dass sie etwas über Schulniveau liegen. Sie sind aber immer noch so leicht, dass man sich im Internet über die Themen informieren kann.

In der zweiten Runde sind die Aufgaben viel schwieriger. Du wirst nur noch wenige Antworten im Internet finden und musst  in diverse Fachbücher schauen. In dieser Runde werden die meisten Teilnehmer ausgesiebt, da hier nicht mehr jeder ab einer Punktzahl X weiterkommt, sondern nur die besten 60 Schüler/innen aus ganz Deutschland.

Auch wenn du nicht weiterkommst, erhälst du bei gutem Abschneiden schon Sachpreise wie Bücher oder Amazongutscheine. Du hast ebenfalls die Möglichkeit an Besichtigungen von Firmen der Chemieindustrie teilzunehmen.

Nach Runde zwei wird  es dann auch wieder einfacher, da die Aufgaben nicht mehr Zuhause bearbeitet werden, sonder in Klausuren (theoretisch und praktisch).

Ich habe zweimal an der IChO teilgenommen, und bin beides mal in die zweite Runde gekommen. Die weiteren Aufgaben habe ich jedoch nicht weiter bearbeitet, da eine vollständige Bearbeitung damals zu zeitintensiv für mich war.

Was habe ich aus der Chemieolympiade mitgenommen? Einerseits Urkunden und eine um einen Punkt verbesserte Zeugnissnote, andererseits viel Erfahrung. Du wirst dir im Rahmen der Chemieolympiade viele (spannende) Themen selber beibringen. Dies hilft dir im weiteren Chemieunterricht, aber auch im späteren Studium. Und generell hält selbst beigebrachtes Wissen länger als stumpf auswendig gelerntes aus der Schule.

Deswegen mach mit, nicht weil du garantiert in Runde X kommen wirst, sondern weil es Spaß macht und dich persönlich weiterbringt. Schaden tut sie auf jeden Fall nicht.

LG,
mm201

P.S.: Du kannst die Aufgaben aus den vergangenen Jahren übrigens alle online abrufen. Dann kannst du dir einen Eindruck von der Schwierigkeit machen.

Kommentar von musicmaker201 ,

Danke für den Stern ;)

Expertenantwort
von indiachinacook, Community-Experte für Chemie, 96

Ich habe mal einen Landeswettbewerb gewonnen, bin beim Bundeswettbewerb aller­dings bitter gescheitert. Das ist jetzt knapp 30 Jahre her, aber ich glaube, allzuviel hat sich nicht geändert.

Die Chemieolympiade funktioniert hierarchisch: Man macht Kurse in einer Schule, dann gibt es einen Wett­bewerb, die besten treten im Landes­bewerb gegen­einander an, weiter geht es mit einem Bundes­bewerb und schließ­lich einem inter­natio­nalen Bewerb. Für die letzten beiden gibt es auch mehr­wöchige Vor­bereitungs­kurse, wo man mit lauter anderen chemie­interessier­ten Jugend­lichen zusammen täglich Vorlesungen besucht und Labor­übungen macht.

Das Programm ist immer eine Mischung aus Praxis und Theorie. Der praktische Teil besteht hauptsächlich aus Analyse­methoden, einer­seits qualitativ (was ist drin, mit organi­schen oder anorgani­schen Chemi­kalien) und anderer­seits quantitativ (wie viel ist drin, meistens an­orga­nisch). Das macht viel Spaß, und man lernt Chemi­kalien kennen, was fürs Studium sehr nützlich ist.

Der theoretische Teil ist größtenteil physikalische Chemie: Stöchiometrie, Gas­gesetze, chemisches Gleich­gewicht (Lös­lich­keits­produke und Säure–Base-Rech­nungen). Das physiko­chemische Niveau ist elementar (immer nur die ein­fachsten Näherung, mehr Koch­buch als Theorie), aber die Rech­nungen gehen durch­aus ins Detail und sind eher komplexer als das, was wir später im Studium gemacht haben. Gleichung­systeme mit mehreren Variablen sollte man schon schlachten können, und man muß ein mehr­teiliges Problem in Kom­po­nenten zer­legen können.

Organische Chemie ist auch ein bißchen dabei, wird aber in den späteren Stufen mehr und mehr forciert (Reaktions­mechanis­men, Spektro­skopie). Biochemie gibt es erst ab dem Bundes­bewerb.

Wie nützlich das ist, hängt ganz wesentlich von dem Lehrer ab, der Dich betreut. Wenn der gut ist, kannst Du wirklich sehr viel lernen und viel Spaß haben. Der Kon­takt zu Gleichgesinn­ten ist auch ein großer Bonus — einer meiner ältesten Freunde ist jemand, den ich auf einem Bundes­bewerb kennen­gelernt habe.

Das mit dem Uniniveau ist nur partiell richtig. Die Rechenaufgaben sind meist detail­reicher und kom­binie­ren mehr ver­schie­de­ne Ge­biete, als es an der Uni üblich ist; aber sie lassen sich alle per Koch­rezept lösen. Das ist anders als an der Uni, wo mehr Wert auf die dahinterliegende Theorie mit allen Finessen und physi­kali­schen Im­plikationen gelegt wird, wo aber das praktische Rechnen weniger geübt wird. An der Uni geht es eher um das Verstehen der Hinter­gründe, nicht um das Lösen einer speziellen Auf­gabe. Da s ergänzt sich also sehr gut.

Antwort
von RicVirchow, 71

Hey,

zweifel niemals daran, dass du etwas schaffen kannst. Denn daran scheitern Träume als erstes. Ist Chemie dein Traum? Würdest du bereit sein Stunden dafür zu geben und auf Bedürfnisse zu verzichten und es zu deinem Fleisch und Blut machen? Nur so entstehen richtig gute Experten. Das sind Leute, die wirklich daran glauben und es aus Leidenschaft tun und niemals aufgeben. So ein Wettbewerb ist für dich ein neuer Weg und der wird dich weit rauf führen, also habe keine Angst davor diesen Weg zu gehen, ich bin mir sicher es wird die richtige Entscheidung sein! 

Wenn du es wirklich liebst und viel übst, dann wirst du auch den Wettbewerb schaffen. Wie gesagt, du musst nur daran glauben. 

Das Video motiviert mich immer: 

Antwort
von einfachichseinn, 33

die Frage ist doch, was du zu verlieren hast. Ich wollte das mal an der Olympiade für Bio teilnehmen. Und habe es dann leider doch nicht gemacht, weil ich Angst davor hatte, was andere Menschen sagen würden, wenn ich da mit mache. Die Aufgaben für die erste Runde hatte ich Zuhause und habe sie auch gemacht. Aber ich hatte einfach zu viel Schiss. Mittlerweile frage ich mich, wieso ich so doof war. 

Daher würde ich dir wirklich raten versuche es. Auch wenn es schwierig ist, macht es sicherlich viel Spaß!

Antwort
von cg1967, 50

ich bin weiblich,

Noch Fragen?

besuche den Chemie LK und habe als Zusatzkurs Lebensmittelchemie belegt. In beidem habe ich 15 Punkte.

Sorry Mädel, trau Dich. (Bitte nicht aufs Standesamt beziehen.)

Nun wurde mir hier und auch von meinem Chemielehrer vorgeschlagen, an
der Chemieolympiade teilzunehmen. Allerdings habe ich Bedenken, dass ich
zu schlecht bin - auch, wenn ich nicht wenig Ahnung in Chemie habe. Ich
habe gehört, dass die Aufgaben ab der zweiten Runde Uniniveau haben;
weiterhin bin ich weiblich, die meisten Chemiefreaks sind Jungs. Ich
würde nicht weit kommen...

Die aktuellen Wettbewerbe kenn ich nicht, wär ich ein Mädel hätte ich meinen letzten Wettbewerb gewonnen (3. Platz mangels Sauberkeit).

Antwort
von cg1967, 46

ich bin weiblich,

BTW: Die männliche Ansage war mal, vor geraumer Zeit: Mach et, Otze. Warum Ordenewitz regelwidrig bestraft wurde verstehe ich auch heute noch nicht.

Daher: Mach et, Mädel.

Antwort
von honigpferdchen0, 67

Wenn dein Chemielehrer es empfiehlt dann geh doch hin und versuch dein Glück

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community