Frage von caiSSon, 45

Was muß man für Betreutes Wohnen beantragen für Autisten?

Hallo zusammen

Vielleicht wart oder seid ihr in so einer Lage wie ich derzeit . Was muß man eigentlich für betreutes Wohnen beantragen ? Ich erhalte Pflegegeld für meinen Sohn . Bekomme nächste Woche zum ersten mal Jugendhilfe für meinen Sohn ,da sein Verhalten schlimmer geworden ist . Er greift mich an ( Erpressung , Gewalt , Wutausbrüche .....) Ich weiß mir keinen Rat mehr und bin Körperlich und Physich mit den Nerven am Ende . Das mit dem Betreuten Wohnen haben wir uns schon sehr früh überlegt auch für später, da er nicht immer von mir abhängig sein kann und ich auch noch ein Leben habe. Meine Freizeit ist ganz eingeschränkt . Er lehnt jedes Angebot ab das ich ihm vorschlage Freizeit mäßig . Er ist nur in seinem Zimmer und bleibt dort die ganze Zeit . Kommt nur raus wen er was möchte . Ich hoffe ihr könnt mir weiter helfen und Danke jetzt schon mal im voraus für die Antworten.

Antwort
von Ostsee1982, 40

Du kannst dich mit allen relevanten Fragen in deiner Umgebung an die Behindertenhilfe wenden oder hier:

http://www.autismus.de/#

Antwort
von Shadowsoldier1, 31

Inwiefern ist deine Freizeit eingeschränkt? Er scheint sich ja ganz gut selbst zu beschäftigen. Lass du ihn mal mit deinen "Angeboten" in Ruhe, denn nein, wir Auties werden uns nicht in der Öffentlichkeit zu fürchterlicher Musik betrinken nur weil ihr das gerne so hättet. Seine Reaktion hast du dir selbst eingebrockt. 

Kommentar von DeliriumTremens ,

Ich kenne 2 Autisten, die gerne feiern gehen, auch mal einen trinken und einige Freunde haben. Eine davon habe ich in meiner Lieblingskneipe kennengelernt. Und ja, wir haben uns unterhalten. wechselseitig. Eine absolut charmante, wortgewandte und humorvolle Person. 

"Wir Autisten" ist immer mein Lieblingssatz ^^ und wer bitte ist "ihr"? Genauso wie Asperger, die für die gesamte Autistenheit sprechen und dabei vergessen, dass es auch noch (laut aktuellem ICD10) frühkindliche und A-typische Autisten gibt. Auch Autisten mit geistiger Behinderung. Nicht jeder Autist weiß, dass es Internet gibt. 

Nur weil du etwas nicht kannst, muss das noch lange nicht für jeden Autisten gelten. 

Und was es bedeutet, Autisten zu betreuen, erlebe ich jeden Tag. Wenn eine Mutter ihrem Kind versucht, Angebote zur Feizeitgestaltung zu machen, dann sicherlich nicht böswillig. Und auch Eltern von Kindern mit speziellen Bedürfnissen dürfen irgendwann auch wieder ihr eigenes Leben haben. 


Kommentar von caiSSon ,

@Shadowsoldier1

Mein Sohn ist erst 10 Jahre alt und ich lebe schon ein paar Jahre mit dieser Situation zusammen . Nur damals  war es nicht so extrem , es ist im letzten Jahr sehr schlimm geworden. Jede Art von Autismus ist anders . Man kann nicht Autisten mit mit der Gleichen Art Autisten vergleichen denn jeder hat was besonderes . Deine Antwort ich hätte es mir selber eingebrockt kann ich leider mithalten . Denn bei Autisten kann es sich etwas verwachsen oder es wird halt schlimmer mit der Krankheit . Ich habe es mir nicht ausgesucht das er diese beschissene Krankheit bekommt . Es war bei uns Schicksal.

Kommentar von Shadowsoldier1 ,

@DeliriumTremens: Und weil du 2 kennst, nimmst du dir wiederum das Recht heraus, so zu tun als wüsstest du alles. Das mit dem Alkohol war als Beispiel für soziale Normen gemeint, denen man eben zu folgen hat, ob sinnvoll oder nicht. Es geht hier aber nicht um Absichten, sondern um die Wirkung. Geh doch zum Fußball, geh doch an die frische Luft und lauter solche Sachen bringen eben nur den Eltern was, die dann Ruhe vor dem Kind haben und sich dann auch noch freuen, wie toll sie doch den Autismus bekämpft hätten, denn das Kind hat normale Hobbies. Das Kind selbst seine Aktivitäten aussuchen lassen ist anscheinend total verwerflich? 

@CaiSSon: Oh doch. Autisten rasten nicht grundlos aus. Falls du mit ihm kommunizieren kannst, könnte man die Ursache ermitteln und nach Möglichkeit abstellen. Dies ist DEINE Verantwortung und nicht seine. Übrigens sind wir nicht nur ein Schicksalsschlag, recherchiere doch bitte mal die positiven Seiten und versuche sie bei deinem Sohn zu fördern. Organisiere ihm einen Mentor.

Kommentar von EstherNele ,

@Shadowsoldier1

Das mit dem Alkohol war als Beispiel für soziale Normen gemeint, denen man eben zu folgen hat, 

Dann war das als Beispiel etwas unglücklich gewählt. Ich glaube nämlich nicht, dass Eltern von Autisten so weit gehen, ihnen so etwas als soziale Norm nahezulegen.

Andere Dinge schon - auch aus Gründen des Selbstschutzes.

Mein Sohn hat es mit 28 noch drauf, jemanden, der ihm "anders" oder interessant erscheint, auch mal unverhohlen anzustarren. Was ihm schon ein paar Mal die Androhung von Prügel eingebracht hat.
Seine Sicht der Dinge, ebenfalls nur Konditionierung durch uns "man schlägt keine anderen Leute" gilt nämlich durch aus nicht für jede NT-Person. 
Also versuchen wir ihn dahingehend zu konditionieren, dass er sich an bestimmte Dinge hält - auch wenn er sie nicht versteht.

 Autisten rasten nicht grundlos aus. Falls du mit ihm kommunizieren kannst, könnte man die Ursache ermitteln und nach Möglichkeit abstellen. Dies ist DEINE Verantwortung und nicht seine.



Da machst du es dir aber ziemlich einfach. Was als "Ausraster" beschrieben wird, kann eine Extremreaktion sein auf irgendwelche Umweltreize, die man mal erträgt und bei höheren Reizangebot eben nicht (mehr). Das ist aber nichts, was die betreuenden Personen in jedem Fall sicherstellen können.

Im Betreuten Wohnen für Autisten, in der auch mein Sohn wohnt, gibt es jemanden, der beim Höhen bestimmter Frequenzen oder Töne (durchaus noch außerhalb des Schmerzbereiches) fast anfallsartig ausrastet. Habe ich vor ein paar Tagen bei einem Besuch dort in der Einrichtung gerade erst wieder erleben können.

Wie willst du sicherstellen, dass nicht jemand in der Umgebung gerade Musik hört mit diesem Frequenzbereich? Ein Straßengeräusch in dieser Tonlage? Selbst wenn es dem Betreffenden bewusst wäre, worauf er reagiert - wie willst du solche Auslöser verhindern?

Kommentar von Shadowsoldier1 ,

Bei diesen Reizen kann man sehr wohl was dagegen tun. Es gibt eine gewisse Standardbewaffnung wenn man auf die Straße geht, Ohropax/Kopfhörer, Sonnenbrille oder ähnliches. Dies zusammenzustellen ist nicht die Pflicht von einem Kind. Ein Kind sollte auch mal Kind sein dürfen und sich nicht ständig damit rumschlagen müssen, wie man überlebt. Und ich glaube was viele Eltern nicht verstehen, ist das das Kind kein Projekt ist. Und solange es keine schädlichen oder illegalen Hobbies wählt, haben die Eltern da nicht rumzupfuschen. Rausschmiss aus dem Zuhause ist ab 18 üblich. Danach dürfen die Eltern wieder machen was sie wollen. Aber nicht vorher. Da hätte man sich dann vorher überlegen müssen ob man die Verantwortung will oder nicht.

Kommentar von DeliriumTremens ,

Und weil du 2 kennst, nimmst du dir wiederum das Recht heraus, so zu tun als wüsstest du alle

Wo? Steht in keiner Zeile meines Kommentars. 

Das mit dem Alkohol war als Beispiel für soziale Normen gemeint, denen man eben zu folgen hat, ob sinnvoll oder nicht.

Ich kenne ebenfalls genug Leute, die keinen Alkohol trinken. Du wirfst mit Verallgemeinerungen gerade zu um dich. Lass das doch einfach. 

Die Schwierigkeit, einen Autisten dazu anzuregen, etwas außerhalb seines Interessensspektrums zu unternehmen *kann* (ich betone kann, da hier ja offenbar jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird; RW) sein, ihn ausreichend darauf vorzubereiten und es demjenigen ausreichend zu erklären, warum man meint, dass es ihm gefallen könnte. Zu unterstellen, dies geschähe aus der Absicht heraus, das Kind loswerden zu wollen, ist einfach nur daneben. Gerade Kinder muss man bis zu einem gewissen Alter begleiten- Somit wäre man als Eltern eh dabei. 

Kommentar von EstherNele ,

@ DeliriumTremens

Und auch Eltern von Kindern mit speziellen Bedürfnissen dürfen irgendwann auch wieder ihr eigenes Leben haben. 

Danke! Danke! Danke! Danke! Danke! Danke! Danke! Danke!

Einer der schönsten Sätze im Kontext "Eltern behinderter Kinder bzw. von Kindern mit speziellen Bedürfnissen", den ich seit langem gehört oder gelesen habe.

Wir sind nämlich keine Rabeneltern, wenn wir unsere Kinder irgendwann in ein Leben außerhalb der elterlichen Wohnung schubsen. Und: ja, es ist ein bisschen wie ein Stückchen wiedergeschenkte Freiheit, wenn man nur noch für sich selbst und nicht mehr für die Einheit "Mutter + Kind"  denken und planen muss.

Meinen Sohn (28, Autist und leicht lernbehindert) habe ich nicht zurückgewiesen oder verstoßen,  ich habe ihn mit seinem Auszug in eine Betreute Wohnform für Autisten lediglich abgenabelt.

Und wir haben seitdem (inzwischen 10 Jahre) ein ganz entspanntes, vertrautes Mutter-Sohn-Verhältnis zueinander.

Aber: Danke, dass du das auch mal aus der Sicht der Eltern siehst.

Kommentar von DeliriumTremens ,

:) Ich sehe den Auszug aus dem Elternhaus für beide Seiten als große Chance, oft können neue Entwicklungen mit neuen Impulsen entstehen und auch die Eltern-Kind-Beziehung kann eine ganz neue Qualität erhalten.   

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