Frage von Cookiemonster46, 132

Was muss ich in der Hausgemeinschaft bezahlen (Hartz IV)?

Ich wohne bei meiner Mutter, die zur Zeit von ALG II lebt. Nun beginne ich nächstes Jahr eine Ausbildung und das Jobcenter sagte mir, dass ich aus der Bedarfsgemeinschaft ausfalle und somit alles meine Kosten alleine decke. Nun würde ich gerne wissen, wie viel Geld ich nach Abzug übrig habe. Kriege Netto 880 €.

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Ausbildung & Hartz IV, 76

Wenn du aus der BG - ( Bedarfsgemeinschaft ) deiner Mutter fällst,dann musst du ihr deinen Kopfanteil der KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) aus deinem Einkommen selber zahlen,weil sie dann nichts mehr für dich bekommt !

Der Kopfanteil berechnet sich nach den Personen im Haushalt,bei 2 Personen würden es also dann 50 % der Warmmiete sein,die du schon mal zahlen müsstest.

Dann kämen noch jeweils 50 % vom Abschlag für Haushaltsstrom,Telefon,Internet,usw.dazu ggf.noch was für deine Wäsche die gewaschen wird und dann musst du noch Kostgeld für deine Verpflegung abgeben oder dich selber versorgen,der Rest ist dann deine.

Dein Kindergeld wird dann zum Einkommen deiner Mutter,weil du es zur eigenen Bedarfsdeckung nicht mehr benötigst,sie bekommt also dann ihre Leistungen um den anrechenbaren Teil des Kindergeldes gekürzt und muss es nun mit dem Kindergeld ausgleichen.

Anrechenbarer Teil bedeutet,wenn deine Mutter keine Freibeträge geltend macht,wie z.B.auf Erwerbseinkommen nach § 11 b SGB - ll,dann kann sie auf sonstiges Einkommen wie dann das Kindergeld wäre ihre 30 € Versicherungspauschale geltend machen.

Dann würden ihr ab 2016 nach der Erhöhung auf 190 € nur 160 € von ihren Leistungen gekürzt,sie hätte dann also sogar 30 € mehr als jetzt.

Diese Freibeträge auf Erwerbseinkommen stehen dir auch zu,deshalb müsste man erst mal deine Freibeträge und dein Bedarf berechnen,erst dann stünde fest ob du aus der BG - tatsächlich raus bist und wie viel vom Kindergeld auf den Bedarf deiner Mutter angerechnet werden dürfte.

Bei 880 € Netto müsstest du ca. 1100 € Brutto haben,darauf stehen dir erst mal deine 100 € Grundfreibetrag zu,von den übersteigenden 900 € ( 100 € - 1000 € Brutto ) stehen dir noch mal 180 € ( 20 % ) Freibetrag zu und von den übersteigenden 100 € ( 1000 € - 1200 € Brutto ) noch einmal 10 € ( 10 % ) Freibetrag zu.

Das macht dann insgesamt 290 € und diese werden dir dann theoretisch von deinen 880 € Netto abgezogen und ergeben dann ca. 590 € anrechenbares Einkommen.

Von diesen ca. 590 € gehen dann dein Regelsatz von 324 € ( 18 - 24 Jahre ) ab,es bleiben dann noch ca.266 € für dein Kopfanteil der KDU - übrig.

Solltest du mit deiner Mutter also alleine wohnen und die Warmmiete angenommen nur 500 € betragen,dann läge dein Kopfanteil ja nur bei 250 € und 266 € hättest du zur Verfügung.

Da aber auf den Bedarf deiner Mutter max.dein volles nicht mehr zur eigenen Bedarfsdeckung benötigtes Kindergeld angerechnet werden darf,spielt das also keine Rolle.

Würde die Warmmiete aber jetzt angenommen 600 € betragen,dann läge dein Kopfanteil der KDU - bei 300 € und 266 € hättest du aber nach Abzug deiner Freibeträge nur zur Verfügung.

Deshalb bräuchtest du von deinem Kindergeld noch den Differenzbetrag von 34 €,es blieben dann also vom Kindergeld nur noch ca. 156 € übrig und nach dem evtl.Abzug der 30 € Versicherungspauschale dürften nur ca. 126 € auf den Bedarf deiner Mutter angerechnet werden.

Aus der BG - würdest du auch dann raus sein,dass bist du dann,sobald du vom Jobcenter keine Leistungen mehr bekommen musst,nachdem deine Freibeträge auf Erwerbseinkommen theoretisch abgezogen worden.

Kommentar von Cookiemonster46 ,

Mir ist aufgefallen, dass ich einen Fehler gemacht habe, ich kriege 690€ netto, mit Kindergeld wären es dann ca. 880. Ändert das etwas? Mein Kindergeld wird mir doch auch als Einkommen angerechnet oder irre mich? Weil ich bräuchte das Kindergeld dann um meinen Bedarf zudecken.

Kommentar von isomatte ,

Dann hast du angenommen 880 € Brutto und 690 € Netto,dann stehen dir deine 100 € Grundfreibetrag zu und von den übersteigenden 780 € ( 100 € - 1000 € Brutto ) noch einmal 20 % Freibetrag,also 156 € zu !

Du hättest dann ca. 256 € Freibetrag,also nicht viel weniger als mit 1100 € Brutto,nur liegt dann dein anrechenbares Nettoeinkommen dann bei ca. 690 € Netto nach Abzug der ca. 256 € Freibetrag nur noch bei ca. 434 €.

Von den ca. 434 € ginge dann dein Regelsatz von angenommen 324 € ab,es blieben nur noch ca. 110 € für dein Kopfanteil der KDU - übrig.

Jetzt kommt es darauf an wie hoch die Warmmiete ist und wie viel Personen im Haushalt leben,denn danach richtet sich dann wie viel du von deinen dann 190 € Kindergeld zur eigenen Bedarfsdeckung noch benötigst.

Wenn man mal beim letzten Beispiel bleiben wollen,also bei den 600 € Warmmiete,dann stünden dir 300 € zu und wenn du 110 € übrig hast + deine 190 € Kindergeld,dann würdest du dein volles Kindergeld zur eigenen Bedarfsdeckung selber benötigen.

Bei deiner Mutter würde sich dann nichts ändern,weil vom Kindergeld nichts auf ihren Bedarf angerechnet werden könnte.

Aus der BG - würdest du dann immer noch raus sein,weil du bzw.deine Mutter für dich nichts mehr bekommen würde.

Beträgt die Warmmiete angenommen 660 €,dann würden dir noch 30 € an deinem Bedarf fehlen und die stünden dir rein theoretisch noch als Aufstockung vom Jobcenter zu,dann würdest du noch nicht aus der BG - raus sein,weil du ja noch einen Teil an Leistungen bekommen würdest.

Liegt die Warmmiete angenommen bei 500 €,dann stünden dir nur 250 € an Kopfanteil der KDU - zu und wenn du dann noch 110 € + 190 € Kindergeld = 300 € hättest,dann würde ein Überschuss von 50 € bestehen.

Diese 50 € würden dann deinem Kindergeld zugerechnet,also dann nach dem evtl.Abzug der 30 € Versicherungspauschale auf den Bedarf deiner Mutter angerechnet.

Könntest dann ab 18 natürlich auch ausziehen,dann hättest du deine 690 € Netto + 190 € Kindergeld = 880 € für dich,dann könntest du wenn du eine eigene Unterkunft hast einen Antrag auf BAB - bei der Agentur für Arbeit stellen und wenn du da nichts bekommen solltest käme ggf.noch ein Mietzuschuss zu deinen ungedeckten KDU - vom Jobcenter in Betracht.

Aber dann könnte deine Mutter Probleme mit der Wohnung bekommen,weil sie dann nach deinem Auszug ggf.nicht mehr angemessen sein würde und sie im schlimmsten Fall nach einer Übergangszeit von in der Regel 6 Monaten ausziehen müsste,wenn sie den Differenzbetrag nach dieser Zeit nicht selber zuzahlen könnte bzw.möchte.

Kommentar von Cookiemonster46 ,

Wir zahlen 1200 € Warmiete und sind 7 Personen, das wären dann knapp 170 € Mietanteil, die ich zahlen müsste.

Kommentar von isomatte ,

Dann hast du ca. 434 € anrechenbares Netto,davon gehen deine angenommenen 324 € Regelsatz ab,bleiben noch ca. 110 € für deinen Kopfanteil der KDU - demnach brauchst du von deinen angenommenen 190 € Kindergeld nur noch ca. 60 € und der Rest würde dann auf den Bedarf der elterlichen BG - angerechnet !

Antwort
von marcussummer, 69

Das kommt drauf an, wieviel du an deine Mutter abdrücken sollst für das Wohnen. Aber gesetzt den Fall, du wohnst weiterhin zu Hause (von einem Umzug schreibst du jedenfalls bislang nichts), sehe ich eigentlich keinen Grund, weshalb du aus der Bedarfsgemeinschaft rausfallen solltest. Dann müsste deine Vergütung auch bei der Ermittlung des Leistungsanspruchs deiner Mutter leistungsmindernd berücksichtigt werden.

Falls du doch ausziehst bleiben dir die 880 netto für dich (und Wohnung, Verpflegung, Fahrtkosten usw) allein.

Antwort
von DerHans, 29

Da brauchst du nur in den Leistungsbescheid deiner Mutter zu schauen. Sie bekommt z. Zt. für dich ca 320,00 € plus deinen Mietanteil (da kommt es darauf an, wie viele Personen ihr insgesamt seid)

Dieser Betrag wird bei deiner Mutter gekürzt und du kannst natürlich nicht kostenlos bei deiner Mutter leben.

Antwort
von Parhalia, 50

Wenn Du aus der Bedarfsgemeinschaft herausfällst, so musst Du an Deine Mutter Deinen Anteil an den Kosten der Unterkunft und Heizung zahlen. Wenn Ihr zu zweit wohnt, die Hälfte. 

Denn diesen ( Deinen ) Kopfanteil bekommt Deine Mutter dann weniger vom Jobcenter. Verköstigen müsstest Du Dich dann von Deiner Ausbildungsvergütung. Sollte Deine Mutter Kindergeld für Dich bekommen, so dürfte Ihr das Jobcenter diese Leistung dann nicht mehr auf den ( ihr verbleibenden ) Bedarfssatz mindernd anrechnen, sondern es fliesst dann in Dein finanzielles Budget mit ein. 

Kurzum : du bezahlst Deinen Kopfanteil der Warmmiete, bekommst aber das Kindergeld.

Kommentar von Cookiemonster46 ,

Und wie sieht das mit Strom und Telefonkosten aus?

Kommentar von isomatte ,

Das nicht mehr benötigte Kindergeld des Kindes,welches zur eigenen Bedarfsdeckung nicht mehr benötigt wird,wirkt sich mindernd auf den Bedarf der elterlichen BG - aus !

Es wird dann zum Einkommen des Elternteils was es aufs Konto bekommt und dieser könnte dann max.die 30 € Versicherungspauschale geltend machen,wenn diese nicht schon anderweitig abgesetzt würden.

Kommentar von Parhalia ,

Das Kindergeld ist grundsätzlich der Bedarfsunterstützung des Kindes zuzurechnen. Und wenn dem Kind beim Antritt einer ersten Berufsausbildung diese Beihilfe des Staates dem Grunde nach weiterhin zustünde, so wäre es nicht mehr als verfügbares Einkommen der Mutter anzusehen. Denn sie muss es dem Kind ( welches dann ja aus der BG wegfällt ) nur aushändigen.

Denn wie gesagt: das Kindergeld dient der Unterstützung des wirtschaftlichen Unterhaltes des Kindes. Um es auf die Regelleistung der Mutter mindernd anrechnen zu können, muss das Kind halt Mitglied der BG sein.

Bei Strom, Telefon und sonstigen ( persönlichen )  Nebenkosten musst Du Dich mit Deiner Mutter einigen. Das Amt wird davon der Regelleistung der Mutter nichts zusätzlich  abziehen, weil dieses ja bereits mit Deinen eigenen Anteilen an Warmmiete und Deiner Pauschale der Regelleistung geschehen ist. In ihrer eigenen Pauschale bleiben diese Anteilssätze für sie selbst ja erhalten.

Nur Kaltmiete, Nebenkosten und Heizung wird das Amt Deiner Mutter halt mindernd anrechnen. Das MUSST Du ausgleichen. An Strom und Telefon solltest Du Dich als nettes Kind angemessen beteiligen.😉

Kommentar von isomatte ,

Noch einmal für dich @ Parhalia !

Das nicht mehr benötigte Kindergeld wird auf den Bedarf der elterlichen BG - angerechnet.

Auch wenn das Kind aus der BG - raus ist,steht es dem Kind nicht zu,dann muss es schon aus dem Haushalt der Eltern ausziehen.

Lies dann noch mal genauer nach.

Kommentar von DerHans ,

Kindergeld ist eine Leistung an die ELTERN. Nur wenn die Kinder bereits außer Haus wohnen können sie einen Überleitungsanspruch stellen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten