Frage von Claudia4711, 94

Was muss der Vermieter machen, meine Wohnung wird nicht richtig warm ?

Meine Freundin sucht Hilfe..

Meine Freundin bekommt ihre Wohnung einfach nicht richtig warm. Sie wohnt auf der zweiten Etage in einem Zweifamilienhaus, über ihrer Wohnung befindet sich ein Boden, oder Speicher, wo auch Wäsche getrocknet werden kann. Dieser Boden ist nicht isoliert, d.h. der Wind und die Kälte ziehen von oben in das Treppenhaus und sie bekommt ihre Wohnung nicht richtig warm. Das Dach ist nicht " gedämmt " wie sie sich ausdrückte.Der Fussboden nicht isoliert.Der Vermieter verlangt von ihr, dass sie die Heizkörper bis zum letzten Punkt aufdreht, somit hätte sie warm ... Das kann meine Freundin aber nicht einsehen, denn das Heizen ist ja nicht kostenlos.Sie wohnt jetzt 18 Jahre in dieser Wohnung und der Vermieter meint, dass sie seinerzeit diese Wohnung so gemietet hätte.. Sie heizt mit Gas und vor 18 Jahren war sie noch berufstätig und über Tag nie zu Hause. Nun ist sie berentet und viel in ihrer Wohnung. Ist der Vermieter in die Pflicht genommen, dafür zu sorgen dass wärmeisoliert wird oder muss das meine Freundin machen . Der Vermieter sagt dass er nicht gewillt ist an diesem Gebäude noch Kosten " reinzustecken " Wer kann mir bitte eine verbindliche Auskunft geben..

Expertenantwort
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 40

18 Jahre lang konnte sie es einsehen und nun will sie plötzlich, dass der Vermieter was unternimmt. Da hat sie natürlich erst einmal keine Chance, es sei denn, sie erklärt sich bereit, die Kosten dafür zu übernehmen.

Die oberste Geschossdecke eines Zweifamilienhauses zu dämmen kostet nicht die Welt. Material ein paar hundert Euro und dann noch in Eigenleistung die Dämmplatten auslegen. Das wäre dann eigentlich Dein Job, wenn der Vermieter nichts machen mag. Das Geld, was man dafür investiert hat man in relativ kurzer Zeit wieder eingespart. Von Kosten kann man also nicht wirklich reden. Allenfalls mit dem Vermieter darüber, mit wieviel er sich daran beteiligen will, denn es kommt ihm vermutlich auch zu Gute, wenn er mit im Haus wohnt.

In der EnEV2014 ist zwar festgelegt, dass Bodenflächen über der obersten Geschoßdecke zu dämmen sind, wenn auch das Dach selbst nicht gedämmt ist, aber diese Vorschrift gilt nicht, wenn der Eigentümer des Hauses schon vor 2002 in dem Haus selbst gewohnt hat.

Nun ist allenfalls die Frage:

Wohnt der Vermieter/Eigentümer selbst im Haus?

Wenn ja, wie lange schon?

Wenn nein, kann man ihn auf die Verordnung verweisen und er muss was tun. Kannst selbst nachschauen unter EnEV2014 Paragraph 10 (3) u. (4).

Kommentar von imager761 ,

Mein könnte demnach den Eindruck gewinnen, der Mieterin stünde etwas besseres zu, ohne es zu bezahlen.
Natürlich hätte die Mieterin die Kosten dieser Modernisierungsmaßnahme zu tragen. Macht bei einer Mieterhöhung über 11% der Dämmkosten nach 9 Jahren volle Refinanzierung aus ihrer Tasche :-O

Danach ein Minusgeschäft. Denn ich wage zu bezweifeln, das dies die Heizkosten in gleichen Maße reduziert, die zudem ja nur in 4-5 der 12 Mietmonate zu Buche schlagen, eine Mieterhöhung aber dauerhaft allmonatlich zu bezahlen wäre.

Ein Gutes hätte es aber: Der Hitzestau im Sommer wäre dadurch auch beseitigt, vlt. stimmt sie dem ja deswegen zu.
Nur eine Anspruchshaltung zu suggerieren nach dem Motto "Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht naß" ist wenig hilfreich.


Kommentar von bwhoch2 ,


Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sich bei dieser Maßnahme (Dämmen der obersten Geschoßdecke von oben) um eine sehr preiswerte Maßnahme handelt, die man auch noch in Eigenleistung durchführen kann. Z. B. EPS-Dämmplatten 035 mit einer Stärke von 5 cm je m² € 4,50.

Bei 200 m² (100 m² Bodenfläche / zweilagig verlegt) wären das 900 € Materialkosten. Zum Zuschneiden ein gutes Messer und vielleicht noch das ein oder andere Hilfsmittel. Wenn man die Fläche begehbar halten will noch OSB-Platten obendrauf. 100 m² = ca. 500 €. Die gesamten Material kosten liegen also bei rund 1500 €.

Verlegedauer: 2 Personen, je nach den genauen Umständen ca. 1 bis 2 Tage. (max. also 16 Stunden a 15 € bei Eigenarbeit des Vermieters) = rund 250 €.

Gesamtkosten der Maßnahme somit € 1750,- € oder aufgerundet rund 2000 €.

Wenn man es selbst macht und keine OSB-Platten drauf, kommt man bei 100 m² noch mit unter 1000 € weg.

Angenommen der Vermieter macht es für rund 2000 € und will dafür eine Modernisierungsmieterhöhung: In dem Fall würde der Mieter also 220 € pro Jahr mehr bezahlen müssen bzw. pro Monat 18 € mehr an Miete.

Verlegt man selbst und der Vermieter ist bereit, die Materialkosten zu übernehmen, reduziert sich die Mieterhöhung auf rund 7 € pro Monat. Mehrkosten pro Jahr unter 100 €.

Die Heizkostenersparnis ist aber immens und wird sicher bei deutlich mehr als 220 € pro Jahr liegen, sodass sich der Aufwand für die Mieterin auf jeden Fall lohnen würde.

Es gibt vermutlich keine Wärmedämmmaßnahme, die soviel für so wenig Geld in so kurzer Zeit bringt.


Kommentar von Claudia4711 ,

Der Vermieter / Eigentümer wohnt nicht in diesem Haus , angeblich hat das Haus einen Energieausweis, die Mieterin hat ihn nie gesehen. Man bedenke dass die Mieterin vor ca. 18 Jahren um einige Jährchen jünger war, täglich 10 Stunden ausser Haus war. Jetzt ist sie über 70 Jahre alt, ständig zu hause und anfälliger, aus gesundheitlichen Gründen ist das Immunsystem nicht mehr so stabil.

Kommentar von bwhoch2 ,

Hat das Haus zwei Wohnungen und ist es nicht vom Vermieter selbst vermietet, muss er nun aktiv werden.

Schaut Euch die EnEV2014 dazu an. Sprecht mit dem Vermieter, weist ihn auf seine Pflichten hin und besprecht, wie ihr das möglichst bald realisieren könnt.

Das Argument, in das Haus will er nichts mehr investieren ist dann ok, wenn die Kosten dafür so exorbitant wären, dass es sich für den alten Kasten absolut nicht mehr lohnt.

Angenommen, auch die Heizung ist älter als 30 Jahre. Dann käme insgesamt schon mal ein Betrag von weit über 10000 € raus. Das könnte in der Tat unwirtschaftlich für ihn sein. Um der gesetzlichen Pflicht zur Heizungserneuerung und zur Dämmung zu entkommen, müßte er den Mietvertrag gemäß §573 BGB 3 kündigen.

Es wäre damit praktisch unbewohnbar.

Expertenantwort
von Gerhart, Community-Experte für Mietrecht, 31

Im 2-Familienhaus ist der Eigentümer nicht verpflichtet das Dach oder den Boden über dem letzten Geschoss zu isolieren. Wenn die Temperatur 21 Grad im Wohnraum bei Außentemperaturen unter Null nicht erreicht. dann ist Mietminderung angesagt.

Der Vermieter steht auf dem Standpunkt; Gemietet wie Gesehen - und damit hat er Recht. Aber dieser Meinung steht entgegen, dass in den vermieteten Räumen Wohlfühltemperaturen erreicht werden müssen.

Wenn auch die Miete gemindert wird - die Temperaturen steigen damit nicht.

Neue Wohnung suchen und finden, Mietvertrag abschließen und dann ordentlich kündigen, das wäre die beste Lösung. 

Kommentar von TrudiMeier ,

Aber dieser Meinung steht entgegen, dass in den vermieteten Räumen Wohlfühltemperaturen erreicht werden müssen.

Die werden ja erreicht, wenn man die Heizung aufdreht. Aber das will man ja nicht.

Antwort
von imager761, 30

Richtigerweise hat sie das Haus in dem energetisch ungedämmten Zzustand angemietet, wie er vor 18 Jahren Standard und genauso vorhanden war. Und akzeptiert, dass der VM tatsächlich nicht verpflichtet ist, zu modernisieren und selbst wenn, er 11 % der Aufwendungen dauerhaft als Modernisierungserhöhung verlangen kann.

Im Ergbenis schuldet der VM während der Heizperiode oder anhaltend niedrigen Außentemperaturen tagsüber eine Raumtemperatur je nqach Zimmer von 18-21 °C.

Wenn sich die mit entsprechenden Einstellungen an den Heizkörpern erreichen liesse, läge kein Mietmengel vor, wenn deine Freundin mit Sparstellung der Ventile Heizkosten sparen möchte.

Im Ergebnis wird sie entweder höhere Heizkosten und niedrige Kaltmiete hinnehmen und in ihrer gewohnte Umgebung wohnen bleiben wollen oder eben in  eine moderne, aber teurere Wohnung umziehen müssen und hoffen, dass sie mit geringeren Heizkosten insgesamt nicht mehr für ihre Miete bezahlt, weil auch die übrigen Betriebskosten nicht höher ausfallen.

G imager761

Kommentar von Claudia4711 ,

sie hat kein Haus angemietet sondern eine 70Qm grosse Wohnung auf der zweiten Etage eines Mehrfamilienhauses.Bisher als sie noch in Ihrem Amt arbeitete war sie ja am Tag nicht zu hause und da war es am Abend egal wenn die Heizkörperventile höher eingestelllt waren, nun ist sie den ganzen Tag zu hause und das schlägt natürlich zu Buche.Sie kann ja nicht ständig die Ventile auf 5 stellen.

Kommentar von imager761 ,

Der Vermieter kann nun nichts dafür, dass die Heizkosten seiner Mieter steigen, wenn sie sich auch tagsüber in der Wohnung aufhalten und es deswegen über einen längeren Tageszeitraum behaglich haben möchten :-)

Er stellt eine Mindesttemperatur in den Wohnräumen offenbar bereit und erfüllt insofern seine Vertragspflicht.

Antwort
von ichbinschris, 38

Ich habe eigentlich schon beim ersten Absatz aufgehört zu lesen.

Wenn Sie direkt unter einem nicht isolierten Dachspeicher wohnt. Zieh aus!

Du wirst dich wirklich dumm und dämlich zahlen, auch das wird ein Grund dafür sein, dass du die Wohnung nicht warm bekommst.

Denn die warme Luft geht nach oben, bei Ihr also direkt ab nach draußen. Das ist ein Fass ohne Boden.

Ausziehen, neue Wohnung suchen. Wenn es unter einem Dachspeicher sein muss, dann nur wenn dieser isoliert ist.

Kommentar von Claudia4711 ,

Danke, das war auch mein Vorschlag, aber ab einem gewissen Alter scheut man sicher einen Umzug auch aus dem gewohnten Umfeld.

Kommentar von ichbinschris ,

Das ist wohl wahr. Aber bei einem nicht isolierten Dachboden ist das die einzige Lösung. Oder der Vermieter isoliert diesen, was denke ich recht unwarscheinlich ist.

Hat die Wohnung / das Haus einen Energieausweis?

Ohne Isolierung in einer Dachgeschosswohnung zahlst du dich halt wirklich nur dumm und dämlich da die Wärme direkt wieder nach draussen geht. Daher werden diese Wohnungen natürlich auch gemieden und daher sind diese meist auch etwas günstiger in der Kaltmiete, weil die Vermieter das natürlich ganz genau wissen.

Kommentar von Claudia4711 ,

danke, ein Muss unter einem Dachspeicher zu wohnen ist es sichernicht :-) Vor 18 Jahren war meine Freundin und ihr verstorbener Mann noch mehr aks 10 Stunden ausser Haus .. Da fiel es nicht so ins Gewicht, wenn nach Feierabend mal die Heizung auf einen höherenStand gebracht wurde.. Nun ist sie auch älter geworden und kränklich, vorwiegend zu hause und hat nun mal kalt :-(

Entweder zieht sie aus oder der Vermieter isoliert ;-)

Antwort
von Halligwaechter, 18

Das was ichbinschris geschrieben hat ist wirklich die beste Lösung.

Es waren schon 18 Jahre zuviel.

Es gibt HILFE beim Mieterbund, dort werden solche Fragen beantwortet.

Einfach mal informieren ob es bei Euch in der Nähe so etwas gibt.

Euer Geld solltet Ihr besser anlegen als aus dem Fenster zu schmeissen.

Schaut mal hier, das hilft Euch bestimmt weiter.

"https://www.verbraucherzentrale.de/home"

Viel Glück

Gruss Hw.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten