Frage von heurekaforyou, 33

Was müssen Unternehmensgründer beachten?

Muss ein Existengründer mit Betriebsausgaben zwingend bis nach der Gewerbeanmeldung warten oder kann er bereits in der Planungsphase Betriebsmittel anschaffen die im Nachhinein vom Finanzamt anerkannt werden.

Ist es möglich bereits heute ein Sonder-Angebot für einen PC wahrzunehmen, obwohl die Gründung erst in drei Monaten geplant ist?

Was ist zu beachten wenn Betriebsausgaben bereits vor der Gewerbeanmeldung anfallen?

Leider weiß ich nicht unter welchen Stichwörtern man Auskünfte googlen kann.

Zum Thema Steuer beschäftigen sich die meisten Themen mit Rechte und Pflichten nach der Gewerbeanmeldung.

Oder gilt generell: Erst Gewerbe anmelden und dann Betriebsausgaben geltend machen?

Steuerberater sind sicher die besten Quellen - Leider auch die teuersten!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dirk-D. Hansmann, 13

Ich bin heute wirklich in der Gefahr alle Gründungswilligen hier mit bösen Texten zu bedenken. Aber was nutzt Dir eine Weich gespülte Kommentierung.

Hättest Du tatsächlich nur eine steuerliche Frage, dann ist natürlich kein Problem. Auch Fachleute stehen mal auf dem Schlau oder machen Fehler. Alles kein Grund zu streiten.

Ich nehme jetzt mal den Text der Überschrift und Deinen letzten Satz:

Was müssen Gründer beachten und StBs ... besten Quellen - Leider ... die teuersten.

Ich behaupte die Eingangsfrage stimmt noch und der Rest ist Dir nicht bekannt. Über die Vorkosten bist Du irgendwo gestolpert. Das hat Dich nervös gemacht.

Ich leite jetzt mal eine andere Frage für Dich ab: Was haben die Worte billig/teuer mit wirtschaftlich zu tun? Bitte erkläre mir das!

Jetzt kommt gleich mal das Inhaltsverzeichnis eines Blanko-Businessplans. Dazu merke ich gleich an dieser Stelle an: Ein solcher Plan kann nur in nicht ausreichender Qualität von einem Laien ohne fachmännische Hilfe mit Inhalt gefüllt werden.

Ein Problem liegt schon darin, dass viele Begriffe missverstanden werden müssen. Bereits die VWL und die BWL verwenden identische Begriffe, geben den Worten aber ganz andere Bedeutungen.

Und gerade die Umgangssprache setzt noch einen oben drauf. Sie macht aus den Überschriften einen vollständigen Unsinn.

Jetzt aber das kopierte Inhaltsverzeichnis:

1 Zusammenfassung                                                          Seite 

            1.1
Geschäftsidee

            1.2
Gründerprofil

                        1.2.1
Persönliche Voraussetzungen

                        1.2.2
Persönliche Motive/Eigener Antrieb

                        1.2.3
Fachliche Voraussetzungen

                        1.2.4
Fachliche Motive/Eigener Antrieb

                        1.2.5 Kaufmännische Kenntnisse

                        1.2.6
Steuerliche Kenntnisse

                        1.2.7
Branchenkenntnisse

                        1.2.8
Welche Kunden stehen bereit?

                        1.2.9
Vorhandene Referenzen

                        1.2.10
Branchenkontakte

                                   1.2.10.1
Lieferantenkontakte

                                   1.2.10.2
Kundenkontaktakte

                        1.2.11
Dienliche Erfahrungen

                                   1.2.11.1
Berufserfahrung

                                   1.2.11.2
Anders erworbene Fähigkeiten

                                                   und Fertigkeiten

            1.3
Markteinschätzung

                        1.3.1
Beschreibung des Marktes

                        1.3.2
Marktvolumen und geplanter Marktanteil

                        1.3.3
Beschreibung der Zielgruppe

                        1.3.4
Allgemeiner Kundennutzen

                        1.3.5
Spezieller Kundennutzen

                        1.3.6
Kunden- und Anbieterrelation

                        1.3.7
Mitbewerberpositionierung

                        1.3.8
Eigene Positionierung

                        1.3.9
Branchenübliches Marketing und Kosten

                        1.3.10
Eigene Marketinginstrumente und Strategie

                        1.3.11
Kosten für das eigene Marketing

                        1.3.12
Bestehende Kundenkontakte nutzen

                        1.3.13
Wettbewerbsverbot bisherige Arbeitgeber

                        1.3.14
Kurzbeschreibung Marktauftritt

            1.4 Wettbewerbsbeschreibung

                        1.4.1
Größenstruktur der Anbieterseite

                        1.4.2
Stärken und Schwächen der Mitbewerber

                        1.4.3
Eigene Stärken und Schwächen im

         Wettbewerb

1.4.4 Stärken- und
Schwächenbewertung

         durch die Abnehmer deren Zusatznutzen

1.4.5 Zukunftsprognose für den
gesamten Markt,

         Mitbewerber und das eigene Unternehmen

            1.5
Standort

                        1.5.1
Anforderungen an den Standort

                        1.5.2
Beschreibung des eigenen Standortes

            1.6
Unternehmensorganisation und Personalplanung

                        1.6.1
Aufgaben im Unternehmen

                        1.6.2
Aufgaben durch Zulieferer bzw. Dienstleister

                        1.6.3
Organisation der Arbeitsabläufe

                        1.6.4
Rechtsformwahl

                        1.6.4
Personalplanung und –entwicklung

                        1.6.5
Personal – Arbeitsverträge und Anzahl

                        1.6.6
Personalqualifikation und Entwicklung

                        1.6.7
Modell der Mitarbeiterführung

                        1.6.8
Entlohnungsmodelle und Personalkosten

            1.7
Risikoanalyse

                        1.7.1
Sind alternative Handlungskonzepte für Krisen

                                 vorhanden

                        1.7.2
Krisenwahrscheinlichkeit

                        1.7.3
Ein hoher Innovationsgrad birgt Risiken

                        1.7.4
Gesundheitliche Eigenanalyse und Risiken

                        1.7.5
Veränderungen am Markt und Nachahmer

                        1.7.6
Liquiditätsengpässe

                        1.7.7
Umsatzeinbrüche/Saisonspitzen u. Tiefs

                        1.7.8
Kunden- oder Anbietermarkt

                        1.7.9
Abhängigkeit von Kunden

                        1.7.10
Abhängigkeit von Lieferanten

                        1.7.11
Standortrisiken

                        1.7.12
Risiken durch die Unternehmensorganisation

                        1.7.13
Mitarbeiterrekrutierung

                        1.7.14
Mitarbeitermotivation

                        1.7.15
Kaufmännische Risiken

                        1.7.16
Steuerliche Risiken

2. Finanzwirtschaftliche Planung

            2.1
Preisermittlung/Kalkulation

            2.2
Steuerliche Auswirkungen

3. Kalkulatorisches Zahlenwerk

            3.1 Kosten
der privaten Lebensführung

            3.2
Kapitalbedarfsermittlung

            3.3
Rentabilitätsvorschau

            3.4
Liquiditätsvorschau

4. Anlagen

-         
Ausführlicher tabellarischer
Lebenslauf

-         
Zeugnisse, Zertifikate und andere
persönliche Leistungsnachweise

-         
Produktskizzen

-         
Dienstleistungsbeschreibung für
Marketingtexte

-         
Logo/CI

Aus eigener Arbeit ist mir bekannt, dass die Meisten nicht auf die Idee kommen, dass die Geschäftsidee lediglich eine Kurzbeschreibung aus den folgenden zu bearbeitenden Punkten ist. Allerdings keine Zusammenfassung/Inhaltsangabe.

Dabei poste ich hier auch nur den Text- und nicht den Zahlenteil. Denn zum Thema Kalkulation muss man einiges kennen, bevor hier sinnvolle Aussagen kommen können.

Bitte bitte: Wenn Du meine Erwartung erfüllst und mir keinen vernünftige Kommentar zu teuer/billig/wirtschaftlich schreiben kannst, dann ist ein Steuerberater für Dich gar kein Problem mehr. Selbst der wird seinen Anteil am Gelingen Deines Unternehmens nicht leisten können.

Häufig weise ich darauf hin, dass nur 1 oder 2 Gründungen von 10 funktionieren. Daher: Die Meisten gründen auf Deinem Kenntnisstand. Alle in der Überzeugung es zu schaffen. Alle setzen Zeit und Arbeitskraft ein. Dazu noch Geld.

Deshalb: Auch wenn eine Gewerbeanmeldung noch relativ einfach ist, aber schon der Betriebseröffnungsbogen des Finanzamtes lässt Freude aufkommen. Dabei hat man noch keinen Kunden bedient... Der will erst noch gefunden und überzeugt werden.

Auch die IHK-Kurse (habe sogar selbst einen besucht und mir mehrere Skripte angesehen) ändern daran gar nichts!

Damit wünsche ich Dir eine gute Hand beim Treffen der richtigen Entscheidungen.

Kommentar von heurekaforyou ,

Erst einmal vielen, lieben Dank für deine ausführlichen Informationen!

Zum besseren Verständnis erkläre ich meine Frage gleich nochmal etwas detaillierter.

Du hast vollkommen Recht. Häufige Gründe für ein schnelles Scheitern der Existenzgründung sind u.A. das fehlen kaufmännischer Grundkenntnisse. Viele Existenzgründer sind weder in der Lage nach kaufmännischen Grundsätzen Preise zu kalkulieren noch kennen sie ihre gezetzlichen Pflichten, was gerade im Onlinehandel regelmäßig zu teuren Abmahnungen führt.

Dieser Umstand hat auch dazu geführt, dass heute Wissensnachweise, z.B. in Form eines Businessplans Voraussetzung für die Förderung durch das Jobcenter vorausgesetzt werden.

Als man um 2003 die Idee hatte aus Arbeitslosen Unternehmer zu machen indem sie eine sog. "ICH-AG" gründeten, reichte eine Geschäftsidee und der Gewerbeschein.

Ob der vermeintliche "Chef" auch in der Lage ist, eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung zu erstellen oder ob er weiß wie die mtl. Umsatzvorsteuer abzuführen ist, hat damals echt niemanden interessiert. Das Ende der "Ich-AG" ist dir ja sicher selbst bekannt.

Jetzt noch ein paar Detaills zu meinem Fall:

Zwei Freundinnen machen sich im März nächsten Jahres selbständig.

Geschäftsidee: Die gewerbliche Tagesbetreuung von Kleinkindern.

Start ist erst nächstes Jahr, weil dann eine Artztpraxis aus Altersgründen im elterlichen Haus aufgegeben wird.

Da vor dem Start auch die Praxisräume den Anforderungen umgebaut und angepasst werden müssen und viel Geld kosten wird, ist die Ausstattung duch neue Kindermöbel eher unwahrscheinlich.

Die Frage ist nun, ob es zum Beispiel problemlos möglich ist bereits heute Betriebsinventar (günstig, weil gebraucht) zu kaufen und einzulagern.

In diesem Fall würden die Ausgaben ja nicht mal im gleichen Jahr verbucht.

Eine weitere Frage: Muss man eventuell das Finanzamt über dieses Vorhaben informieren oder spielen Fristen hier überhaupt keine Rolle?

Normalerweise hätte man ja auch einfach zunächst ein Nebengewerbe anmelden können.

Doch zum einen gibt es noch keine gülte Adresse zur Ausübung des des Gewerbes und zum anderen gestattes es nicht der Arbeitgeber (kath. Kirche) beim dem beide Frauen als Erzieher beschäftigt sind.

Zum Schluss:

Der Sachbearbeiter vom Finanzamt kennt die Umstände nicht. Er sieht nur, dass er Anschaffungen als Betriebsausgaben berücksichtigen soll, obwohl es keinen Betrieb bei Rechnungstellung gab.

Und wie sieht's mit dem Vertragsrecht aus. Im B2B Handel finded ein anderes Vertragsrecht Anwendung als bei Geschäften zwischen Verbraucher und Unternehmer.

Handele ich als Selbständiger, da ich die Absicht habe gewerblich tätig zu sein, oder bin ich im Sinner des Gesetzgebers ein Privatkunde.

In diesem Fall  wäre es ein B2C Geschäft. Meine Rechte als Verbraucher sind wesentlich umfangreicher.

Nochmal vielen Dank. Super Antwort, die den Stern verdient hat!

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Hi,

erst einmal Danke für den Stern, dass freut mich persönlich immer sehr.

Wie es Dir ja auch von anderen verraten wurde: Man kann sich natürlich auf den Unternehmensstart vorbereiten.

Das Finanzamt für sich genommen braucht keine Gewerbeanmeldung. Das Wort kommt in den Gesetzen nicht vor. Da wird gefragt ob Ausgaben für betriebliche Zwecke getroffen wurden.

Da wird gefragt ob es auch einen privaten Nutzen (unabhängig vom Einkommen) gibt. Also ob ein Auto auch privat verwendet werden könnte. Solche Dinge sind da wichtig.

Seit ich die Sachen gelernt habe und auch in der Praxis gemacht habe, da frage ich mich aber tatsächlich, ob in den Jahren vor dem Start die Betriebsausgaben schon geltend gemacht werden können oder sogar müssen.

Ärgerlich wird das ganze, wenn der Start erst im nächsten Jahr erfolgen soll aber an einem anderen Punkt.

Es könnte ja sinnvoll sein einen Trägerverein zu gründen, der sogar gemeinnützig ist oder eine UG/GmbH zu gründen. Dann kann es nämlich passieren, dass aus formalen Gründen der Vorsteuerabzug weg wäre.

Daher sollten die beiden Damen sich dringend mit jemandem austauschen, der sich mit solchen Dingen auskennt.

Keine Ahnung in welchen Funktionen die zwei derzeitig arbeiten. Aber im Rahmen der Vorbereitungen kann man sich ja schon kundig machen über Fördergeschichten.

Ich meine gar nicht so sehr die Förderdarlehn, die können natürlich eine Rolle spielen. Welche Voraussetzungen sind für Sach- und Personalzuschüsse zu erfüllen?

Welche Absicherungen sollen im Betrieb sein und was braucht man privat usw. Auch wenn die Gründung aus fachlicher Unzufriedenheit angegangen wird, so stellt sich trotzdem die Frage ob eine intensive Beschäftigung mit bestimmten Formen von Kindergärten interessant wäre.

Was natürlich auch für ein Marketing - insbesondere am Anfang - von entscheidender Bedeutung sein kann.

Ach ja, obwohl die Rechtsformentscheidung immer am Ende der Gründungsplanungen stehen sollte: Aber ist den beiden überhaupt klar, was es bedeutet eine GbR zu sein?

Was es heißt wenn jemand krank wird? Oder der Gerichtsvollzieher wegen privater Probleme auf einmal im Kindergarten pfändet?

Was passiert, wenn man unterschiedliche Vorstellungen beim Einkauf hat. Die beiden scheinen sich ja einig zu sein, dass Gebrauchtmöbel akzeptabel sind.

Finde ich auch, aber behaupten wir mal: In fünf Jahren will eine der beiden als Zielgruppe Kinder aus Bürgertumsfamilien betreuen und die andere will lieber Kriegsflüchtlingskinder aufnehmen.

Für beide kann es sehr gute Gründe geben. Aber auch Investitionen können notwendig werden. Wer hat dann das letzte Wort? Und was passiert bis das letzte Wort gesprochen ist?

Ich empfehle da immer: Eine ganz tiefe Beschäftigung auch mit solchen Themen. Immerhin kann man vorher noch abstrakt eine Regelung finden, was in solchen Fällen passieren soll. Die dann auch gilt.

Aber wenn es so weit ist? Dann wird es sehr schwierig. Auch wenn meine beispielhaften Gedanken auf die beiden nie zutreffen würden. Ich habe erstens noch mehr davon im Hinterkopf und vielleicht fällt dann auch selber noch mehr ein.

Wobei ich in der Konstellation die Probleme eher in anderen Bereichen sehe, aber sie können mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen. Wie eben Krankheit oder Scheidung/Trennung im privatem Bereich. Und das schlägt eben auf das Arbeitsumfeld durch.

Nicht alles kann man da absperren. Also wenn die Trauer wegen eines Todesfalls eine der beiden umwirft, dann kann man nicht heute schon die Ersatzkraft anstellen. Aber man sollte sich einigen was im Falle eines Falles sein soll.

Ebenso wie mit Verwaltungsaufgaben umgegangen wird. Auch im Vertretungsfall. Wir sprechen da immer vom Notfallkoffer. Wo sich Listen mit notwendigen Tätigkeiten und Vollmachten drin befinden. Da muss eben auch Vorsorge getroffen werden.

Oder 'muss' ist vielleicht ein blödes Wort, doch die Folgen in einem Ernstfall können für das Unternehmen und damit den Abhängigen die Existenz bedrohen. Sogar leider deswegen, weil Dinge schleichend passieren können.

Dann ist nämlich, wenn die Auswirkung da ist, kaum Zeit zu handeln. Das ist für einen guten Teil meiner Kunden jedenfalls eine mögliche Ursache in die betriebliche und dann in die gesundheitliche Krise gefallen zu sein. Kann man sich aber erleichtern. Und dann ist das nicht so verheerend oder sogar abwendbar...

Würde mich freuen, wenn der Rat ankommt und dann natürlich viel Erfolg für alle!

Antwort
von MaiFee111, 20

Guten Morgen, ich bin Buchhalter und mein "Vorschreiber" hat recht. Du kannst alle Ausgaben die aufgrund der Betriebsgründung entstehen bereits vor der Anmeldung tätigen. Diese werden in die erste Buchhaltung nach Gründung eingebucht.

Antwort
von Novos, 19

Wenn Du die Anschaffung zur Vorbereitung der Selbständikeit benötigst und Du keinen Rechner hast, wird das anerkannt.

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