Frage von Heger1234, 54

Was meint Schopenhauer mit Wille und Vorstellung?

Eine einfache Erklärung ist bestimmt nicht möglich, aber was meint er mit Wille und Vorstellung?

Antwort
von Rosenblad, 34

Um es kurz zu formulieren: Für Schopenhauer ist die Welt nur bloße sensorische „Vorstellung“ und wir können im Grunde genommen nichts über das wahre Wesen der Dinge tatsächlich erfahren und ergründen. Er sieht den Agens, die treibende Kraft dieser Welt und des Lebens im „Willen“, der losgelöst von jeglichen Zweck und jeglicher (Kant´scher) Vernunft alles Sein bedingt.

Antwort
von berkersheim, 39

Beide Begriffe, die wir auch im Alltag gebrauchen, sind irreführend, weil sie mit den Alltagsbegriffen nichts zu tun haben. Statt "Vorstellung", ein Begriff, der sich an die Kant' che Erkenntnistheorie anlehnt, würde man heute mathematisch besser "Funktion" oder "Abbildung" sagen. D.h. es gibt eine reale Welt, die wir aber nicht unmittelbar erkennen können sondern nur vermittelt über unsere Erfahrungssensorien, zu denen auch Verstand und Gedächtnis gehören. Wir nehmen die Wirklichkeit mittelbar wahr, handeln darin und aus den Erfahrungen ziehen wir Schlüsse, machen Prognosen, die wir im weiteren anwenden, um mehr zum Funktionieren dieser Theorien zu erfahren. So tasten wir uns vor in ein wachsendes Wissen der realen Welt.

Noch irreführender ist der Begriff "Wille". Unser Wollen als handlungstreibende Kraft ist für Schopenhauer Symbol für eine Urkraft, die sich z.B. auch in der Lebensenergie ausdrückt, aber nicht nur. Nach Heraklit ist die Welt ein permanenter Prozess, immer im Wandel und die diesen beständigenden Wandel antreibende Kraft nennt Schopenhauer "Wille". Ähnliche Vorstellungen hatte z.B. auch die Stoa mit dem Logos, doch der war wie bei seinem Kontrahenten Hegel (Weltgeist) vernunftgesteuert. Heraklit aber spricht davon, dass der Kampf ein Urprinzip sei, was den permanenten Prozess des Seins antreibt. Das sieht auch Schopenhauer so und sein "Wille" ist eine urwüchsige, nicht geordnete Kraft. Hier sei darauf verwiesen, dass man Schopenhauer gern als Deterministen anführt. Determinismus und wilde, ungeordnete Wirkkraft im Sein vertragen sich nicht.

Antwort
von Peterwefer, 31

Vielleicht hilft Die diese Seite:

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt_als_Wille_und_Vorstellung

weiter. Würde mich jedenfalls freuen.

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