Frage von nohman786, 38

Was meint Aristoteles mit dieser Aussage?

"Wenn wir also nicht alles um eines anderen willen erstreben, dann ist es klar, dass jenes (das wir um seiner selbst willen erstreben) das Gute und das höchste Gut sein muss. Sonst ginge das ins Unbegrenzte und das Streben wäre leer und sinnlos."

Antwort
von berkersheim, 15

Es geht hier um die Definition des Höchsten Gutes, das Aristoteles mit "das Gute" gleichsetzt. Diese Definition ist nicht neu, schon bei Eudoxos von Knidos kommt sie vor, allerdings setzt der das Höchste Gut nicht mit dem Guten gleich sondern mit der Lust und gilt daher als Vorläufer des Epikur. Andere setzen "das Glück" als das Höchste Gut. Hinter dieser Definition steckt allerdings eine Menge Abstrakion, die davon absieht, dass das Gute für den gleichen Menschen in unterschiedlichen Situationen mit etwas Unterschiedlichem identifiziert wird. Diese Abstraktionen machen die Definition sehr realitätsfremd und eigentlich unbrauchbar.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 6

Die Aussage steht bei Aristoteles, Nikomachische Ethik 1, 1, 1094 a 18 - 22.

Günstiger ist es, den vorherigen Satz der Übersetzung auch einzubeziehen.

Aristoteles, Die Nikomachische Ethik. 2., überarbeitete Auflage. Übersetzt und herausgegeben von Olof Gigon. München : Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1972 (dtv ; 6011 : text-bibliothek), S. 55:  

„Wenn es aber ein Ziel des Handelns gibt, das wir um seiner selbst willen wollen und das andere um seinetwillen; wenn wir also nicht alles um eines andern willen erstreben (denn so ginge es ins Unbegrenzte, und das Streben wäre leer und sinnlos), dann ist es klar, daß jenes das Gute und das Beste ist.“

Aristoteles hat zu Anfang festgestellt: Schön/treffend wird das Gute als das bezeichnet, wonach alles strebt.

Streben hat ein Ziel, auf das es ausgerichtet ist. Jemand will etwas erreichen.

Bei Zielen kann danach unterschieden werden, ob etwas a) um seiner selbst willen gewollt/erstrebt wird oder b) um etwas anderen willen gewollt/erstrebt wird.

Beides kann auch zusammen in einer Tätigkeit auftreten, wenn sie einen Zweck in sich hat, zugleich aber auch nützliche Ergebnisse bringt.

Was um seiner selbst willen gewollt/erstrebt wird, ist ein Selbstzweck. Bei Handlungen liegt dabei das Ziel in den Tätigkeiten selbst, nicht bloß in einem Ergebnis der Tätigkeit.

Beispielsweise kann jemand musizieren um des Musizierens selbst willen (es ist etwas Schönes, das Freude bereitet). Es kann auch um etwas anderen willen geschehen, wenn es um eine Bezahlung oder eine Belohnung dafür geht.

Was um etwas anderen willen gewollt/erstrebt wird, ist Mittel zu einem Zweck. Beispielsweise wird eine bittere Medizin geschluckt, um eine gesundheitliche Besserung zu erreichen.

Was ein Ziel um seiner selbst willen ist und Zweck von anderen Zielen ist, die als Mittel zu diesem Zweck erstrebt werden, steht im Rang unter den Zielen am höchsten, ist an oberster Stelle, weil die anderen Ziele von ihm bedingt sind.

Wenn alles nur um etwas anderen willen, nicht um seiner selbst willen gewollt/erstrebt wird, wird niemals ein Ziel erreicht, an dem das Streben eine sinnvolle Erfüllung findet. Es gibt dann keinen höheren, übergeordneten Zweck. Ein Streben käme niemals an ein Ziel, von dem her es sinnvoll und erfüllt ist. Es würde immer weitergeschritten und nur etwas erreicht, was wiederum Mittel zu einem anderen Zweck ist, also ein endloses Weiterschreiten („ins Unbegrenzte“), das nicht am ein Ziel kommt, vom dem her das Streben tragfähig ist.

Unter den angegebenen Voraussetzungen ergibt sich:

1) Was um seiner selbst erstrebenswert ist, ist Gutes.

2) Was um seiner selbst erstrebenswert, ist das höchste Gut.

Das höchste menschliche Gut ist nach Auffassung von Aristoteles die Glückseligkeit (εὐδαιμονία [eudaimonia]).

Antwort
von Julezjuliet, 21

Klingt ungefähr wie: Wenn du nicht nach deine eigenen Wertvorstellungen und den damit verbundenen Dingen strebst, verfällt alles ins Leere und ist somit sinnlos. Also muss deine Vorstellung von Wert für dich das höchste/relevanteste Maß sein, nach welchem du dein Handeln richten sollst.

Antwort
von Ottavio, 10

Ich finde, Aristoteles hat das außerordentlich klar geschrieben, der Übersetzer aht gut übersetzt, und wer es verstanden hat, kann es kaum klarer ausdrücken als der Verfasser. Ob seine Argumentation schlüssig ist, ist eine ganz andere Frage. Sie stammt aus dem Anfang der Nikomachischen Ethik.

Wir erstreben vieles zu einem "höheren" Zweck, dem es dienen soll. Es gibt aber etwas, dass wir anstreben, , weil es selbst der Zweck ist. (Hier geht A. unbegründet davon aus, dass dies nur eines sei.)  Dann also muss dies das höchste Gut sein. Gäbe es das nicht, wäre alles Streben sinnlos. (A. geht unbegründet davon aus, dass es das nicht ist.)

Antwort
von Grautvornix16, 3

Hallo,- siehe >Berkersheim<. - Meine Meinung: Der Satz von A. hat ungefähr den gleichen Erkenntnisgehalt wie: "Nachts ist kälter als Draußen". Es leigt nicht immer an einem selbst wenn man etwas nicht versteht. ;-)

PS: Keine Angst vor großen Namen. :-))

Gruß

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