Frage von hellova20, 38

Was macht man beim aikido?

Bitte antworten und keine Links zu Videos oder s danke

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Kampfsport, 16

Ich selbst trainiere Aikido und kann es ebenfalls empfehlen.

Der Nutzer Kampfsport15 ist auf die technischen Aspekte bereits ausreichend eingegangen, da brauche ich nichts zu wiederholen.

Daher nur noch ein paar Anmerkungen:

Aikido-Stile; Aikido umfasst mehrere Stile die von unterschiedlichen Lehrern geprägt wurden. Manche betonen das Waffentraining stärker (Iwama-Stile), andere sind konfrontativer und auf Selbstverteidigung ausgelegt (Yoshinkan-Stil), oder auf die Arbeit mit der Energie (Shin-Shin-Toitsu-Aikido).

Erfolge: Aikido ist keine Disziplin in der man nach ein paar Monaten die "optimale Verteidigungsfähigkeit" erreicht und zum erfolgreichen "Kämpfer" gemacht wird.

Sowohl die Techniken, als auch die Geisteshaltung des Aikido setzen mehrjähriges Training voraus, um Anwendungen und Konzepte zu verinnerlichen.

Meine frühere Kinder/Jugendlehrerin sagte einmal, unterhalb des 5. Dan habe sie lediglich an der Oberfläche gekratzt und erst dann habe sich das Potential des Aikido für sie erschlossen.

Das mag bei anderen Menschen natürlich anders sein - ein Crashkurs in Selbstverteidigung ist Aikido jedenfalls nicht.

Leider habe ich es bereits dreimal unverschuldet im Ernstfall anwenden müssen und glücklicherweise wurde dabei niemand dauerhaft verletzt - mit Ausnahme eines Angreifers, dem ich vermutlich das Handgelenk bei einer Entwaffnung gebrochen habe, worauf ich alles andere als stolz bin.

Wettkampf: Aikido ist eine Kampfkunst und kein Wettkampfsport. Daher gibt es, abgesehen von ein oder zwei Stilen keinerlei Wettkämpfe mit Punkten, Meisterschaften, oder Preisgeldern.

Das hat zwei Gründe: Zum einen ist Aikido als Kampfkunst nicht so stark "entschärft" wie einige Wettkampfsportarten, so dass die Anwendung von Hebeln und Würfen schwere Verletzungen nach sich ziehen könnte.

Zum anderen ist Aikido eine pazifistisch orientierte Kampfkunst. Es geht darum, den Angreifer zu kontrollieren, nicht aber darum, ihn zu besiegen und den Wunsch nach Revanche oder Rache aufkommen zu lassen

Philosophie: In der Philosophie des Aikido gibt es keinen "Feind" der brutal "vernichtet" werden muss, daher werden praktisch  keine offensiven "Finishing moves" durchgeführt, wenn der Angreifer bereits wehrlos am Boden liegt.

Aikido betont das Miteinander der Menschen und nicht das Gegeneinander. Jede Form von provoziertem Konflikt wird vermieden.

Manche gehen sogar so weit und nennen Aikido die "Kampfkunst ohne Gewalt".

Persönlichkeitsentwicklung: Gerade aufgrund seiner Philosophie ist Aikido ein gutes pädagogisches Mittel und kann nach meiner Erfahrung sehr zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen.

Ich habe sowohl erlebt, wie schüchterne Mauerblümchen selbstbewusster und nervöse Zappelphilippe ausgeglichener wurden, insbesondere beim Jugendtraining und der Aggressionsbewältigung bei Erwachsenen.

Ich selbst bin durch Aikido aufgeschlossener und freundlicher geworden. Andere berichten davon, dass ihr Kopf freier sei und sie sich besser konzentrieren können.

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung und der Kontakte mit unterschiedlichen Menschen bin ich davon überzeugt, dass Aikido einen wertvollen Beitrag bei der Entwicklung einer ausgeglichenen, selbstbewussten Persönlichkeit leisten kann.

Videos: Solltest du Interesse an Eindrücken aus dem Aikido-Training, oder zur Philosophie haben, kann ich dir gerne einige Videos nennen.

Kommentar von Kampfsport15 ,

Schön geschrieben. Ich bin sehr froh zum Aikido gekommen zu sein. Ich bin zwar noch Anfänger (5.Kyu) aber mich hat Aikido seit der ersten Sekunde an fasziniert. Der respektvolle, friedliche Umgang miteinander ist wirklich toll. Aufgrund deiner zahlreichen und ausführlichen Antworten vermute ich du kennst dich gut mit dem Thema aus. Kannst du sagen ab welchem Grad man Aikido in einer realen Situation sicher benutzen kann, oder kann man das pauschal nicht sagen?

Kommentar von Enzylexikon ,

Das mit dem Aikido ging mir genau so - die Begeisterung für diese Kampfkunst war bei mir sofort geweckt.

Ich bin kein Polizist, Türsteher, oder Sicherheitsbeamter, der regelmäßig in ernsthafte Bedrohungssituationen gerät, von daher fällt es mir schwer, darauf qualifiziert zu antworten.

Stil


Vermutlich ist es auch stilabhängig - Iwama-Ryu und Yoshinkan-Aikido führen vielleicht "schneller" in Richtung Selbstverteidigung, im Vergleich zum Aikikai oder Shin-Shin-Toitsu.

Lehrer


Nicht umsonst gibt es ja auch die ganzen Lehrgänge mit unterschiedlichen Meistern, die alle ihr eigenes Verständnis einbringen und unterschiedliche Schwerpunkte haben.

Ich kann es also wirklich nicht genau sagen, sondern nur auf eigene Erfahrung verweisen.

Wir hatten beispielsweise mal einen Assistenzlehrer (1. Dan) im Jugentraining. Er machte auf mich den Eindruck, als habe er zu viele Samurai-Filme gesehen, denn er war sehr offensiv.

Ich mochte seine fordernde Art des Trainings nicht, aber ich habe dadurch so eine kleine "Erleuchtung" im Bezug auf den Selbstverteidigungsaspekt gewonnen.

Der war vorher für mich völlig irrelevant und als er dann plötzlich zeigte, wie man einen Wurf auch mal durchziehen kann, ohne den Arm groß loszulassen, dachte ich "Autsch!...aber interessant..."

Die Lehrerin von der ich bereits sprach (5. Dan) hatte einen ganz anderen Ansatz. Ich weiß noch, dass ich sie mal aus Übermut etwas unorthodox angriff - und mich plötzlich auf der Matte wiederfand, ohne eigentlich zu wissen, wie ich da hingeraten war lach.

Also schon mit dem 1. Dan hat man ein gewisses technisches Niveau, aber zwischen den beiden Lehrern lagen wirklich Welten.

Meiner Meinung nach hängt die Verteidigungsfähigkeit aber zum großen Teil von der Anpassungsfähigkeit in Stress-Situationen ab und da ist zB ein Randori schon eine gute Vorbereitung.

Es sollte jedem klar sein, dass die Techniken auf der Straße vermutlich niemals so schön und harmonisch aussehen werden, wie auf der Matte.

Verfügt man aber erst einmal über die Fähigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich der ungewohnten Situation anzupassen, hat man nach meiner Ansicht mit Aikido ein gutes "Rüstzeug" für den Ernstfall.

Kommentar von Kampfsport15 ,

Dankeschön!

Kommentar von Enzylexikon ,

Tut mir leid, dass ich keine definitive Antwort geben konnte, aber ich denke, letztlich ist es wirklich eine Frage davon, den Kopf zu behalten, nicht panisch zu werden und sich stattdessen anpassen zu können - egal welchen Stil man übt.

Antwort
von Kampfsport15, 13

Im Aikido wird weder getreten noch geschlagen. Nur in wenigen Techniken kann man Schläge mit einbauen, aber eigentlich bestehen die Techniken aus Halte- und Wurfgriffen. Der Gegner wird dabei nicht verletzt aber trotzdem außer Gefecht gesetzt.

Es gibt auch noch das Waffentraining. Da wird der Umgang mit Bokken (Schwert) und Jo (Stock) geübt, die Bewegungen die man dort verwendet braucht man auch für das waffenlose Kämpfen. Auch lernt man wie man solche Angriffe ohne eine Waffe abwehrt. Manchmal übt man auch Messerabwehr.

Zusätzlich gibt es die Fallschule, dort lernst du wie du richtig abrollst ohne dich zu verletzen.

Ich mache Aikido und kann es dir sehr ans Herz legen. Gib in YouTube einfach mal ,,Aikido Demo" ein und du kannst dir die Techniken anschauen!

Antwort
von chanfan, 25

Selbstverteidigung lernen und anwenden.

Kommentar von hellova20 ,

Danke aber ich meine halt was man da so genau mach wie zum Beispiel. Treten kicken oder mit den Armen schlagen oder so hält aber trotzdem danke

Kommentar von chanfan ,

Da bist du eigentlich schon falsch, weil nicht unbedingt getreten oder geschlagen wird. Aikido ist da eher die ruhige Variante der Selbstverteidigung, die gar nicht beabsichtigt zu verletzen oder auszuteilen.

Bei Aikido haben Haltegriffe den Vorrang. Natürlich werden auch Wurfgriffe zur Verteidigung gelernt. Stell dir vor jemand greift dich an und du erkennst die Art des Angriffs. Du machst dir diesen Angriff zueigen und lässt seinen Angriff in deine Verteidigungswurf hinein gleiten. Das passiert eigentlich relativ gewaltfrei.

Jodu, Karate, Taekwondo, Kung Fu usw. benutzen diese Würfe auch zum Angriff.

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