Was macht eine Handlungsoption nach Jeremy Bentham bzw. Peter Singer erforderlich bzw. verboten?

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1 Antwort

Es gibt zwei Grundauffassungen zur Moral und Ethik, womit Werte und Normen begründet sind.

Sogenannten "deontologischen Ethiken" haben die Grundauffassung, dass Menschen und ihre Gesellschaft Teil eines höheren Seins sind (meist verbunden mit Dualismus von Geist und Materie) und wir als Geschöpfe und Teil eines höheren Seins auch eine "Bedienungsanleitung" mit bekommen haben, wie wir uns zu verhalten haben, damit das alles wie geschmiert läuft.

Die zweite große Gruppe sind Variationen des Utilitarismus, eine Einstellung, dass der Mensch Teil einer natürlichen und dann gesellschaftlichen Evolution ist und wir uns unsere "Bedienungsanleitung" selbst schreiben, selbst aushandeln und evtl. in einem Gesellschaftsvertrag festlegen müssen. Utilitaristische Moral- und Ethikauffassungen sind als Folge der Aufklärung entstanden, als die Menschen das Joch der Religion und des Feudalismus abgeworfen haben.

Alle utilitaristischen Moral- und Ethikauffassungen müssen also begründen, wie Werte und Normen für alle Mitglieder einer Gesellschaft gefunden werden können aus der Mitte und den freien Entscheidungen der emanzipierten Bürger heraus. Welche Kriterien sollen Entscheidungen erfüllen, die von allen als für die Individuen wie für die Gesamtheit zustimmungsfähig beurteilt werden. Dabei geht es nicht nur um die Bewertung von Einzelentscheidungen sondern um die Bewertung von ethischen Regeln, staatlichen Gesetzen, die Einzelentscheidungen leiten können. Ist es in Ordnung, wenn jeder seiner Autoversicherung mal ein kleines Schnippchen schlägt und was bedeutet es, wenn das alle machen? Wenn das als Kavaliersdelikt angesehen wird, steigen die Versicherungkosten und den Schaden haben alle.

Die Regeln, die Jeremy Bentham vorgeschlagen hat, waren seiner Lebensaktualität vor 200 Jahren angepasst und zur gesellschaftlichen Diskussion damals ausreichend. Tierschützer, die uns gesellschaftlich vor die Frage gestellt haben, wo die Grenzen sind, in das Lebensrecht der Tiere einzugreifen, gab es damals noch nicht. Darauf muss man heute eine Antwort finden. Der medizinische Fortschritt hat die Möglichkeiten der Medizin weit über die vor 200 Jahren vorstellbaren Grenzen geführt und Grenzentscheidungen aufgeworfen, was die Medizin noch darf und was nicht, die mit den einfachen Bewertungskriterien von vor 200 Jahren nicht ausreichend zu beantworten sind. Alle Bewertungsfragen, die  vor 200 Jahren mit Benthams Kriterien zufriedenstellend beantwortet werden konnten, können meist auch heute noch so behandelt werden. Doch als aktueller Philosoph beschäftigt sich Peter Singer mit Bewertungsmaßstäben, die auf aktuelle Grenzsituationen anzuwenden sind, wie sie sich heute im Verhältnis zu Tieren, im Verhältnis zum Fortschritt von Medizin und wissenschaftlicher Forschung anzuwenden sind.

Der Präferenzutilitarismus gibt z.B. eine Antwort darauf, wie z.B. in der Frage des Abbruchs medizinischer Versorgung entschieden werden kann, wenn, was in unserer heutigen Gesellschaft gang und gäbe ist, Menschen mit unterschiedlichen Glaubenseinstellungen betroffen sind. Ein allgemeines Wohl hilft da als Orientierung nicht weiter, weil ich einen Atheisten, einen Agnostiker, einen gläubigen Christen und einen gläubigen Moslem zu solch einem Entscheidungsfall nicht über einen Leisten schlagen kann. Hier empfielt der Präferenzutilitarismus die individuellen Glaubensüberzeugungen mit zu berücksichtigen. Sowas war vor 200 Jahren nicht nötig.

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Kommentar von Ano30
08.02.2016, 11:20

Ich versteh das jetzt nicht so ganz bezogen auf die Aufgabenstellung (Was macht eine Handlungsoption nach Bentham bzw. Singer erforderlich bzw. verboten?). Was genau meinst du damit?

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