Frage von toneRing, 54

Was macht eine Alkoholabhängige Familie aus ihrem Kind?

Leider musste ich schon früh erfahren was der Alkohol mit Menschen (und auch Familienmitglieder) anrichten kann. Als Kind war ich auf mich alleine gestellt, habe stets darauf geachtet ob irgendwo eine Flasche oder halbleeres Glas stand, stand es nicht dort, war alles gut.

Noch heute, als Erwachsene Person ist es für mich ein Graus wenn das Elternteil wiedermal zur Flasche greift, auch wenn ich heute weiß, was dies alles bedeutet.

Ich hasse diese Veränderung und habe natürlich seit 2 Jahren Depressionen (was höchstwahrscheinlich daher rühren mag)

Leider mache ich mir auch große Sorgen, da dieses Familienmitglied schon schwer krank ist und war, und selbst durch Zuspruch und Hinweisen von Ärtzen nicht reagiert...

Von dieser Co-Abhängigkeit bin ich gerade dabei mich zu lösen in Therapie. (Trinke und nehme selbst nichts)

Wie wirken solche Erwachsenen/ Kinder auf andere? Merkt man das, das diese anders sind? sich anders Verhalten? Werden sie deswegen nicht gemocht und sogar öfter gemobbt?

Antwort
von Buddhishi, 17

Hallo toneRing,

nur aufgrund der Erfahrungen mit einem alkoholkranken Menschen in der Familie kann man nicht pauschal davon ausgehen, dass eine Depression entwickelt wird oder jemand deswegen nicht gemocht oder sogar gemobbt wird.

Glückwunsch, dass Du Deine Erfahrungen in einer Therapie bearbeitest. Das ist sehr gut, aber nur wenige gehen leider diesen Weg.

Der Umgang mit solchen Kindheitserfahrungen ist individuell  unterschiedlich, so wie auch die Erfahrungen verschiedener Art sind: manche Kinder erfahren dadurch eine Vernachlässigung, andere werden geschlagen oder mißhandelt. Und so, wie sich das Geschehen unterscheidet, variieren auch die individuellen Strategien.

Alles Gute

Buddhishi

Antwort
von DODOsBACK, 18

Grundsätzlich geht jeder Betroffene anders damit um. Manche verhalten sich erstaunlich normal, andere ziehen sich extrem zurück und kriegen den Mund nicht mehr auf, wieder andere werden aggressiv.

Was du beschreibst, war/ ist DEINE Art, darauf zu reagieren. Das "Nicht-Gemocht-Werden" ist aber keine direkte Reaktion auf deine familiäre Situation, sondern eine "Spiegelung" deines eigenen Auftretens: wie viele Angehörige hast du dich selber nicht gemocht! Und das spüren andere.

Wahrscheinlich hast du dir eine Mitschuld an der Sauferei gegeben, dir eingeredet, du könntest alles in Ordnung bringen, wenn du nur "besser" wärst usw. Und du hast dich dafür gehasst, dass du deine Eltern gehasst hast.

Da gibt es viel aufzuarbeiten, aber das Wichtigste für dich wird sein, endlich wirklich die Verantwortung für dein Leben zu übernehmen. Egal, was andere tun oder nicht tun - was DU machst, liegt alleine bei dir!

Es ist zwar verständlich, aber nicht "natürlich" oder gar unvermeidbar, dass du Depressionen hast. Und auch wenn du dir Sorgen machst, ist das kein Grund, dein eigenes Leben zu vernachlässigen! Das sind "Ausreden"!

Kein Mensch ist uneigennützig - selbst Mutter Theresa hat sich von ihrer Wohltätigkeit etwas versprochen!!! Also hör auf, den Märtyrer zu spielen - damit überforderst du dich und scheiterst an deinen eigenen Ansprüchen!

Sei wütend, sei verletzt, sei enttäuscht - aber sei v.a. ehrlich! Finde heraus, wie DU tickst. Und dann arbeite daran.

"Die anderen" kann keiner ändern, nur sich selbst!!!

Antwort
von Bethmannchen, 1

Nein, niemand wird und kann überhaupt auf den Gedanken kommen, dass du "anders" seist. Anmerken kann man dir nur das, was du real jetzt und hier lebst. Und in deinen Kopf hineinsehen, kann niemand. 

Du hattest sicher eine "schwierige Kindheit", wie man so sagt, aber da ist kein Stempel auf der Stirn. Du bist genau so, wie du jetzt bist. Nun musst du dir bewusst machen, dass kein Kind der Welt für das Verhalten und Tun oder Lassen seiner Eltern verantwortlich ist. 

Es gibt viele Kinder, die in "problematischen Verhältnissen" aufwachsen. Die Kinder schaffen diese Verhältnisse aber nicht, sondern deren Eltern kommen mit ihrem eigenen Leben nicht klar. Die Kinder sind niemals der Grund, sondern immer nur die leidtragenden Opfer der Zustände. 

Sympathie, gemocht werden, hängt nicht von vergangenem ab. Du wirst genau so gesehen, wie du dich jetzt darstellst. Warum dich also von anderen zurückhalten wegen etwas, dass deine Eltern tun oder nicht tun? Das musst du voneinander trennen. Lege da mal mehr Egoismus an den Tag.

Es klingt hart, aber im Grunde weißt du auch schon, dass du von deinen Eltern nicht viel zu erwarten hast, und du sie auch nicht ändern wirst. Einem alten Hund gewöhnt man das Bellen nicht ab. Es ist kann auch gar nicht deine Aufgabe sein, deine Eltern zu ändern, das hast du schon lange genug versucht. 

Du bist nicht das Anhängsel deiner Eltern, sondern ein eigenständiger Mensch. Du hast genug mit dir zu tun, sollst schließlich dein Leben starten. Denk nicht so viel nach, lass das Grübeln, sei spontan. Und jetzt ran an die Leute, die beißen schon nicht. 

Vielleicht hilft dir das hier weiter:

Vielen Menschen steht ihre eigene Schüchternheit oft im Wege. Jeder sagt, du musst mehr aus dir herausgehen, Freunde findet man ganz leicht... aber,Für einen schüchternen Menschen ist das eben nicht ganz easy, denn... Schüchternheit kommt von innen. 

Ich denke, man geht nicht so leicht auf andere Menschen zu, weil man annimmt, von ihnen abgewiesen zu werden. Warum ist man aber nicht so offen?

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass schüchterne Menschen sehr feinfühlig, tiefsinnig, rücksichtsvoll... sind. Sie haben sehr viele wertvolle Charaktereigenschaften und sind die besten Freunde, die man haben kann.

Schüchterne überdenken ihre Worte vorher, wägen die Wirkung ab. Sie tönen Kritik nicht laut heraus, sie suchen nach feinfühligen Worten. Sie sind selbst sensibel, und halten andere daher für noch sensibler. Sie nehmen sich zu sehr zurück.

Oftmals ist die Schüchternheit auch irrational. Dann meint man, bei einer Person eine Grenze zu übertreten. Mann will niemandem zu nahe treten, und das ist der Punkt, um den es geht.

Was kann man dagegen tun. Man kann zunächst einmal die eigene Sicht auf sich und andere Menschen verschieben. Diesen Satz sagte meine Oma einmal zu mir, und das hat mir unglaublich gut geholfen:

Die Menschen sind nicht so verletzlich, wie du glaubst.

Mehr hatte sie nicht gesagt, nur diesen einen Satz. Dazu muss man sich erst einmal ein paar Gedanken machen. Nimmt man diesen Satz in seinen Kopf und beobachtet die Menschen um sich herum, findet man heraus, dass er stimmt.

Man wird dabei einige Erkenntnisse bekommen wie z.B. Auch die ganz coolen Typen haben ihre Zweifel, Unsicherheiten, Sorgen, Nöte; sie lassen es nur nicht jeden sehen. Man wird seine Mitmenschen anders sehen, anders begreifen. Und dann gilt auch:

Man hat es immer so, wie man es haben will. Will man es anders haben, dann muss man etwas ändern.

Also einmal nachdenken: wie sehen mich Andere wie möchte ich von Anderen gesehen werden was möchte ich anders haben. Dann kann man daran gehen und seine Situation ändern. Vielleicht muss man erst üben, aber die Anderen sind nicht so verletzlich, wie du glaubst. Man kann ihnen einiges zumuten, sie werden von selbst sagen, wo die Grenze ist. 

Also erst ein Gespräch anfangen, Freundschaft schließen ... nicht erst eine Grenze suchen, die wahrscheinlich gar nicht da ist.

Antwort
von robi187, 14

http://al-anon.de/ = fragen nach EKA

oder

http://www.eksev.org/

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