Unsere Oma vergißt immer mehr, sonst ist sie aber noch sehr rüstig. Bei keinem von uns will sie nicht wohnen, sondern will in ein Heim und hofft, noch mal Freunde zu finden, da ihre letzte Freundin im Herbst gestorben ist. Worauf muß man bei der Entscheidung achten?

Überstürzt erst mal nichts. Es gibt viele Senioreneinrichtungen, die reine "Verwahranstalten" für die alten Leute sind. Seht euch an dem Ort um wo die Oma hinmöchte und besichtigt die Heime. Gibt es die Möglichkeit sich noch selber zu versorgen und variable Angebote von einfacher Haushaltshilfe bis zur Komplettpflege zu buchen? Fragt, wieviele der Bewohner noch rüstig genug sind um selber in den Speisesaal zu gehen und ob Aktivitäten wie Gymnastik, basteln, Ausflüge usw. angeboten werden. Ein seriöses Heim wird solche Fragen gerne beantworten. Laßt euch noch nicht sofort festlegen sondern fragt nach einem "Probeaufenthalt". Richtig gute Heime bei uns bieten sowas an. Und lasst euch nicht damit unter Druck setzen, dass angeblich "nur noch ein Platz" frei wäre und man sich sofort entscheiden müsse. Die Oma soll sich schließlich die nächsten Jahre dort wohlfühlen.Wenn es noch nicht dringend ist, habt ihr Zeit auf einen freien Platz zu warten.
Nicht vergessen, auf die Anzahl der Beschäftigten zu schauen bzw. danach zu fragen. In den meisten Einrichtungen sind die Leute derart überlastet, dass außer 'trocken und sauber' nichts geht.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat eine frei zugängliche Broschüre ins Internet gestellt mit dem Titel "Auf der Suche nach einem Heim".
Inhalt:
Empfohlene Schritte zur Wahl des passenden Heims.
Die Checklíste, die eine Vielzahl von Fragestellungen enthält, die für die Beurteilung und den Vergleich von Pflegeheimen von Bedeutung sind.
Zu finden unter: http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Auf-der-Suche...=pdf,bereich=,rwb=true.pdf

Viele Heime bieten parallel zur Vollversorgung auch betreutes Wohnen in kleinen Wohneinheiten an - das wäre vielleicht was für die flotte Oma? Ich finde es toll, daß sie in ein Heim möchte, solange sie noch mobil ist - viele "landen" erst dort, wenn es zu spät ist...wie meine Mutter, leider.
Das wichtigste ist die Seele des Heimes. Gehen Sie verschiedene Heime besuchen zur Essenszeit und sitzen inkognito in den Gemeinschaftsraum, wo gegessen wird. Sie spüren sofort, welche Heime eine Seele haben und welche nicht. In christlichen Heimen wie Diakonie und Caritas sind Sie auf dem richtigen Pfad. (Diese Heime nehmen übrigens auch Nichtchristen auf.)
Wie komme ich "inkognito" in den Speisesaal und falle dort als Fremder nicht auf ?? Wäre für alle "Bedürftigen" eine interessante Frage.
Das ist wohl wahr! Ausserdem macht das auch nicht wirklich Sinn! Gerade im Speisesaal sind viele Abläufe so sehr ritualisiert, daß jeder Fremde den Ablauf durcheinanderbringt und damit den altäglichen vielleicht sogar freundlichen Umgang mit den Bewohnern zu einer Farce werden läßt. Bewohner müssen beruhigt werden ("Wass will der denn da" "Der sitzt auf meinem Platz"...) Pflegekräfte und hauswirtschaftliches Personal müssen aufgeklärt werden, in der Zwischenzeit fragen andere Bewohner, warum sie ihr Essen noch nicht erhalten haben ... Anmelden, vorstellen ("Ich bin zu Gast hier und esse heute mit Ihnen, lassen Sie sich durch mich nicht stören ...") - das macht Sinn! Und dann natürlich beobachten! Wie würde wohl eine Familie reagieren, wenn da am Mittagstisch plötzlich jemand Fremdes sitzt???
Vieles, was in den obigen Antworten steht ist genau richtig! Achtet auf eine ganzheitliche Pflege! "Sauber, Satt und Still" macht nicht wirklich Sinn. Wichtig sind Fragen wie:
Wieviele freizeitgestaltende Angebote hat das Haus?
Wie ist der Personalschlüssel und wie wird er umgesetzt?
Wie ist die Zufriedenheit der Mitarbeiter?
Gibt es religiöse Angebote - ob man sie nutzen will oder nicht ist egal - ? Sie zeigen etwas über die Athmosphäre!
Wo sitzen die Bewohner am Wochenende?
Wann gehen die Bewohner ins Bett - alle direkt nach dem Abendessen?
Wie ist die örtliche Einbindung?
Gibt es Besuchsdienste?
Und was für mich ganz wichtig ist (ich arbeite in einem Altenheim als Sozialpädagoge): Darf ich mich als Angehöriger an der Arbeit beteiligen? Ich empfehle regelmäßige Betreuung des Bewohners durch Angehörige - wo das noch geht! Wo Angehörigenarbeit nicht stattfindet, sollte hinterfragt werden, warum das so ist. Soviel erstmal Gruß Reimund
Schau mal auf www.pflegeheimvergleich.de, da kannst Du Dir eine gute Übersicht über Altenheime in Deiner Stadt schaffen.
Schöne Grüße, Ben