Was macht den Film "Casablanca" so besonders?

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6 Antworten

Die Stimmung des Films wird einfach einen Nerv getroffen haben.

Ich hab den auch nur einmal gesehen, aber ich erinnere mich dran, dass die Atmosphäre einfach toll war. Der Rest an dem Film ist meines Erachtens nichts wirklich Besonderes (das war auch die Ansicht aller Beteiligten), aber der Film hat einen extrem unerwarteten Erfolg gehabt.
Aus der Sicht der Macher war es ein Film wie jeder andere, nur war das wohl eine Geschichte, die zufällig den Zeitgeist getroffen hat. So wie wenn ein verrückter Professor irgendwelche Flüssigkeiten, die er alle schon oft benutzt hat, aber noch nie in dieser Kombination, und das Rezept für einen Zaubertrank entdeckt. Oder Coca-Cola.

Der Film spricht viele Geschmäcker an und ist echt gut in Szene gesetzt. Er macht quasi alles richtig und für jeden ist was dabei.
So wie Star Wars ein paar Jahrzehnte später.

Vielleicht gab es zu der Zeit auch einfach viele Filme, die den derzeitigen Krieg zu sehr, zu wenig oder zu einseitig thematisiert haben. Der spielt bei Casablanca zwar auch ne Rolle, aber eher darüber, dass die Figuren in einer etwas verzwickten Situation sind, die durch die politischen Hintergründe noch ein bisschen verzwickter gemacht wird. Dadurch (und durch das Spiel) wird das Ganze auf menschlicher Ebene greifbar ohne zu öde und alltäglich zu sein.


Und wieso ist man ein Flittchen, wenn man zwei Menschen liebt, aber nur einen lieben darf? :o


Übersehen hast du nichts, der Film ist wohl einfach nicht nach deinem Geschmack.

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Kommentar von Fluid
20.08.2016, 02:11

Danke für den tollen Beitrag! Nachdem ich den Film jetzt ein zweites Mal angesehen habe, finde ich den Film etwas besser als vorher. Diesmal wurden mir einige Szenen, die ich davor nicht ganz verstand, um einiges klarer. Warum das Ende so gelobt wird (auch von heutigen Zuschauern), verstehe ich aber weiterhin nicht.
Zum Thema Flittchen: Wenn man zwei Menschen liebt, aber nur einen lieben darf, hat man eine feste Entscheidung zu treffen, statt ein hin und her spielchen zu spielen. Was sie aber macht ist folgendes: Sie wartet bis ihr Ehemann aus dem Haus ist und geht Rick besuchen und knutscht mit ihm rum, unabhängig davon, dass sie Rick wegen des Vizums besucht. Treue gegenüber ihrem Ehemann kann man das nicht nennen, denn diesmal weiß sie, dass ihr Ehemann nicht tot ist! Wenn man nicht so eine schwache Frau wie sie ist, die nicht weiß was sie will, muss man auch nicht an der eigenen Liebe zweifeln, wie sie es auch noch schön zugibt, indem sie nach der Knutschszene über ihren Ehemann redet, Rick anguckt und total verzweifelt sagt, dass sie nicht weiß was richtig ist. Das nervt einfach. Als Zuschauer denke ich hier wirklich, dass sie einen Dreier nötig hat.

Sonst ist der Film ganz gut, tolle schauspielerische
Leistung und die Musik "As Time Goes By" bleibt im Kopf hängen.


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Der Film spielt mit einer ganzen Klaviatur an Gefühlen.

Zum Einen haben wir die 2.Weltkriegsgeschichte im Hintergrund. Rick, Ilsa, Victor Lazlo und viele andere mussten fliehen und ihre Heimat verlassen. Casablanca ist ein Sammelbecken für Gestrandete, Hoffnungsvolle und Hoffnungslose. Nicht alle werde es verlassen. Nicht alle werden es überleben.

Die Liebe zwischen Rick und Ilsa ist eine ganz große. Als sie ihn traf, dachte sie, dass Victor tot ist. Sie ist beileibe kein Flittchen. Doch in der Situation ist das natürlich ein Riesenkonflikt - sie will mit Victor fliehen und trifft ausgerechnet ihren Ex, von dem sie innerlich nie loskam, und er nicht von ihr. Ausgerechnet er soll ihr helfen.

Und das ist nur ein kleiner Teil des Films. Keine Sekunde davon ist langweilig, man kann ihn einmal, fünfmal oder hundertmal sehen und entdeckt immer wieder etwas neu.

Absoluter Klassiker, der viele Regisseure beeinflusst hat.

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Kommentar von Fluid
20.08.2016, 01:10

Danke für den tollen Beitrag! Ich habe mir den Film jetzt ein zweites Mal angesehen und ich muss sagen, dass mir einige Szenen, die ich davor nicht ganz verstand, um einiges klarer wurden. Warum das Ende so gelobt wird (auch von heutigen Zuschauern), verstehe ich aber weiterhin nicht.
Zum Thema Flittchen: Also wenn sie kein Flittchen ist, wieso wartet sie bis ihr Ehemann aus dem Haus ist und geht Rick besuchen und knutscht mit ihm rum? Treue kann man das nicht nennen, denn diesmal weiß sie, dass ihr Ehemann nicht tot ist! Auch wenn sie Rick nur wegen des Vizums besucht hat, hätte sie das mit der rumknutscherei sein lassen sollen, da wo jetzt ihr Ehemann wieder an ihrer Seite ist. Dazu ist sie eine richtig schwache Frau, die nicht weiß was sie will, das gibt sie sogar zu nachdem sie mit Rick rumknutscht und dann über ihren Ehemann redet, Rick anguckt und total verzweifelt sagt, dass sie nicht weiß was richtig ist.

Sonst ist der Film ganz gut, tolle schauspielerische Leistung und die Musik "As Time Goes By" bleibt im Kopf hängen. In meinem Kopf spielt die Musik seit zwei Tagen in einer Dauerschleife.

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Es ist ein Klassiker, du musst es in Anbetracht des Erscheinungsjahrs betrachten. Damals war das eine Revolution, sowohl Story, als auch Qualität. Aber in Zeiten, in denen es immer mehr um Action und gute Effekte geht, da geht sowas schnell mal verloren.

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Er war der Zeit voraus. Ist heute schwierig zu beurteilen, insbesondere weil Action so vordergründig ist ;-)

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Du musst diesen Film im Kontext seiner Veröffentlichung betrachten. Er erschien 1942 und damals war dieser Film nun einmal bahnbrechend und seiner Zeit voraus. Heutzutage lässt sich das oft schlecht nachvollziehen, da sich unsere Sehgewohnheiten natürlich stark verändert haben und z.B. viel schnellere Schnitte oder catchige Dialoge gewöhnt sind. ;)

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