Frage von GebratenesSchaf, 56

was machen wenn radfahrer am zebrastreifen stehen und drüber fahren wollen?

mein fahrlehrer hat zwar immer gesagt das er einfach fährt wenn ein rad fahrer den zebra steifen über fährt aber ich kann ihn ja schlecht anfahren nur weil er drüber fährt? und was macht man wenn er nur da rumsteht aber nicht drüber läuft? war schon in so einer situation aber wie macht man es richtig? hab natürlich gewartet nur das hat den hinteren auto fahrern garnicht gefallen aber denkt ihr man sollte einfach normal weiter fahren wenn ein fußgänger oder radfahrer am zebra streifen steht aber nicht drüber geht?

Antwort
von TheGrow, 8

Hallo GebratenesSchaf,

die Straßenverkehrsordnung schreibt bezüglich Deiner Frage folgendes vor:

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§ 26 StVO - Fußgängerüberwege

(1) An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge mit Ausnahme von Schienenfahrzeugen den zu Fuß Gehenden sowie Fahrenden von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen, welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten.

(2) Stockt der Verkehr, dürfen Fahrzeuge nicht auf den Überweg fahren, wenn sie auf ihm warten müssten.

(3) An Überwegen darf nicht überholt werden.

(4) Führt die Markierung über einen Radweg oder einen anderen Straßenteil, gelten diese Vorschriften entsprechend.

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Dein Fahrlehrer beruft sich bei seiner Aussage, dass gem. § 26 StVO NUR:

  • den zu Fuß Gehenden sowie
  • Fahrenden von Krankenfahrstühlen oder
  • Rollstühlen,

das überqueren von Fußgängerüberwegen zu ermöglichen ist und dieses im Umkehrschluss bedeutet, dass Radfahrern eben nicht das Überqueren von Fußgängerüberwegen zu ermöglichen ist.

Dabei macht er bloß einen Denkfehler und vergisst dabei, dass auch folgender Paragraph zu beachten ist:

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§ 1 StVO - Grundregeln

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

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Auch wenn der Radfahrer gem. § 26 der StVO kein Vorrang gegenüber dem Autofahrer genießt, so darf der Autofahrer trotzdem nicht einfach den Fußgängerüberweg überfahren, wenn ein Radfahrer den Fußgängerüberweg erkennbar benutzen will, denn gem. § 1 der StVO darf er den Radfahrer weder schädigen und auch nicht gefährden.

Kommt es zwischen dem Radfahrer und dem Autofahrer zu einem Verkehrsunfall, trifft zwar den Radfahrer eine Mitschuld an dem Unfall, weil er nicht bevorrechtigt war, aber auch der Autofahrer bekommt eine Mitschuld, weil er gegen § 1 der StVO verstoßen hat. Zu klären währe nur, wer wieviel Prozent Schuld an den Unfall hat.

Verletzt sich der Radfahrer bei dem Unfall, droht bestenfalls für den Autofahrer folgender Bußgeldbescheid:

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Tatbestandsnummer: 101118

Tatvorwurf: Sie schädigten durch Außer-Acht-Lassen der im Straßenverkehr erforderlichen Sorgfalt Andere.

Ordnungswidrigkeit gem.:§ 1 Abs. 2, § 49 StVO; § 24 StVG; 1.4 BKat

Verwarnungsgeld 35,00 Euro

Punkte Nein

Fahrverbot: Nein

Eintrag als A oder B - Verstoß: Nein

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Ich habe bestenfalls geschrieben, weil die Polizei gegen den Autofahrer ein Strafverfahren nach folgender Rechtsgrundlage einleitet:

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§ 229 StGB -Fahrlässige Körperverletzung

Wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

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Meist wird das Verfahren zwar eingestellt, aber wenn nicht, droht hier die im Gesetz angeführte Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

Es kann aber noch schlimmer kommen.

Wird dem Autofahrer unterstellt grob und rücksichtslos gehandelt zu haben, droht sogar ein Strafverfahren nach folgender Rechtsgrundlage:

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§ 315c StGB - Gefährdung des Straßenverkehrs

(1) Wer im Straßenverkehr

2. grob verkehrswidrig und rücksichtslos
   c) an Fußgängerüberwegen falsch fährt,

und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) In den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1 ist der Versuch strafbar.

(3) Wer in den Fällen des Absatzes 1

  1. die Gefahr fahrlässig verursacht oder
  2. fahrlässig handelt und die Gefahr fahrlässig verursacht,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

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Erfolgt eine Verurteilung nach § 315c des StGB ist dem Täter zwingend die Fahrerlaubnis zu entziehen und eine Sperre von mindestens 6 Monaten bis zu 5 Jahren aufzuerlegen, in der er keine neue Fahrerlaubnis erwerben darf.

Also zusammengefast. Das was der Fahrlehrer da von sich gegeben hat, ist bald schon sträflich falsch und ich kann nur dazu raten auch bei Radfahrern anzuhalten, wenn eine Schädigung oder nur eine Gefährdung nicht auszuschließen ist.

Schöne Grüße
TheGrow

Antwort
von MagicalMonday, 26

Du siehst und machst es absolut richtig. Nur weil die Radfahrer theoretisch absteigen müssten, heißt das nicht, dass du sie gefährden darfst. Und einen Vorteil hättest du auch nicht, wenn sie absteigen und schieben würden. Es würde dann nur länger dauern.

Was die stehenden Fußgänger angeht, fährst du halt langsamer, bereit anzuhalten. Du solltest ihnen ansehen können, ob sie die Straße überqueren wollen. In der Regel schauen sie dann auch dich an.

Kommentar von TheGrow ,

Das man Niemanden gefährden darf ist ja auch in Paragraph 1 der
Straßenverkehrsordnung festgelegt

Das ein Fahrlehrer dazu auffordert dagegen zu verstoßen ist schon bedenklich

Antwort
von AntwortMarkus, 21

Man sollte wirklich erst weiter fahren,  wenn man sich ganz sicher sein kann,  dass der Radfahrer da nicht rüber will. 

Es stimmt zwar,  das Radfahrer keinen Vorrang haben,  aber du bekommst Mitschuld wenn du ihn sehen konntest und den Unfall hättest vermeiden können.

Störungen Dich nicht an den Fahrern hinter Dir,  Du mußt da souveränbleiben und dir bewußt sein,  dass am Ende Du dich verantworten mußt  und nicht der ungeduldige Hintermann.

Antwort
von ThronEisvogelHD, 28

Es bleibt einem ja nichts anderes übrig oder? Die ungeduldigen Autos hinter einem müssen dann natürlich AUCH noch hupen....

Kommentar von MagicalMonday ,

Versuche mal, an einer grünen Ampel absichtlich stehen zu bleiben, um nicht die Kreuzung vor dir zu verstopfen. Auch ein Spaß.

Antwort
von somebrokengirl, 21

Der Fußgänger hat Vorrecht am Zebrastreifen.  egal wie hinter dir gehupt wird, wenn ein arschloch hinter einem fährt dann fahr langsam an lass den Motor absaufen und starte ihn mühsam langsam neu :)

Kommentar von AntwortMarkus ,

Du hast schon gelesen,  dass es um Radfahrer an Fußgängerüberweg geht? ;-)

Kommentar von somebrokengirl ,

Wenn er gerade drüber fährt ist klar dass du nicht auch fahren kannst. Wenn er da nur steht gehe ich davon aus das er wartet also lasse ich ihn vor weil er Vorrang hat. Wenn er dann nicht fahren will und dir Vorrang gibt fährst du weiter wo ist das Problem?

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