Ich überlege, einen Organspendeausweis machen zu lassen, gibt es Situationen in denen ein solcher Ausweis zur eigenen Benachteiligung führen kann, zB wenn nach einem schweren Unfall wenig bis keine Hoffnung besteht und die Ärzte schon die Organe verplanen...? Beeinflusst ein Ausweis irgendwie die Arbeit im Krankenhaus? Darf er das?

Der Arzt, der den Tod feststellt, hat mit dem, der über die Organe entscheidet nichts zu tun. Beides ist vollkommen getrennt. Erst wenn der Tod festgestellt ist, kommt der andere überhaupt zum Zuge.

Man befürchtet als Besitzer eines Organspenderausweises vielleicht manchmal, dass man im Falle eines Falles zum "Ausschlachten" freigegeben wird, obwohl man eigentlich noch zu retten wäre. Durch die organisatorische und personelle Trennung von Todesfeststellung und Transplantationsplanung versucht man den potentiellen Spendern etwas von dieser Angst zu nehmen. Theoretisch sollte man im Notfall ohne Ansehen der Person in der Klinik gut aufgehoben sein.
Aber es bleiben Zweifel. Angenommen, der Präsident der USA wird bei einem Staatsbesuch angschossen und kommt ins Krankenhaus. Gleichzeitig verunglückt Hänschen Wurst (Tischlerlehrling, 19 Jahre) mit seinem Moped und kommt in die selbe Klinik. Selbst wenn beide objektiv die gleiche Überlebenswahrscheinlichkeit bei optimaler Behandlung hätten - wessen Organe werden wohl zu Gunsten welches Patienten verpflanzt??? Machen wir uns in dieser Hinsicht lieber nichts vor.
DerTroll am 27. April 2008 21:24 Das ist klar zu beantworten. Die Organe des Patienten, dessen Hirntod als erstes eintritt, werden dem anderen Patienten transplantiert. Und wenn der Hirntod bei keinem eintritt, findet auch keine Transplantation statt, selbst wenn das dann den Tod für beide bedeuten würde.
Abgesehen davon, so einfach ist das nicht. Es ist nicht so, daß man ein Organ von einem einfach jemand anderem geben kann, der auch im gleichen Krankenahaus zufällig so ein Organ braucht.
Ignatius am 27. April 2008 21:31 Natürlich sind Organe nicht "frei kompatibel". Das Beispiel vereinfacht einen Sachverhalt um den ethischen Konflikt überspitzt deutlich zu machen. Mit Sicherheit ist aber die Wahrscheinlichkeit für einen Hirntot bei dem Lehrling höher als bei dem US-Präsidenten. Und es muss gar nicht der US-Präsident sein; bei lebensbedrohenden Krankheiten haben in Deutschland zum Beispiel Privatpatienten eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als AOK-Versicherte. Auch für Transplantationen existieren Wartelisten. Privatpatienten sind auf diesen Wartelisten überproportional vertreten. Stand übrigens erst kürzlich in der Presse.

Nein das letzte wort haben die nächsten Angehörigen

Gerade bei einem Organspender ist die Sicherheit der genauen Diagnostik gegeben.

Das ist halt das Risiko, dass die Ärzte möglicherweise die Organe des Spenders verplanen, bevor er stirbt. Das passiert sowieso, solange jener noch warm ist und seine vegetativen Systeme noch im Gang gehalten werden können.

In Deutschland gehst du damit kein Risiko ein. Solange der Hirntod nicht klinisch bewiesen wurde, werden deine Organe nicht verplant. Wobei ich auf meinem Organspendeausweis unter Bemerkungen noch folgenden Satz gequetscht habe "Nur wenn der Hirntod durch eine angiologische Röntgenuntersuchung nachgewiesen wurde".
Und je nachdem, wohin du ins Ausland fährst, würde ich dir vielleicht raten, den Ausweis zu Hause zu lassen.

In Amerika gab es gerade erst kürzlich einen Fall, wo einem noch lebenden die Organe entnommen werden sollten. Die Ärzte hatten den Hirntod festgestellt und der Hubschrauber war schon bestellt. Dieser hatte aber Verspätung. Die Schwester des "Toten" war Krankenschwester und hat um ganz sicher zu gehen ihren Bruder mit dem Fingernagel gezwickt und dieser hat reagiert. Darauf hin hat man ihn wieder angeschlossen und die Hirnströme waren da. Er kam dann auf die Intensivstation und hat sich wieder erholt. Hat alles was die Ärzte sagten, mit hören können, aber leider nicht reagieren.