Was läuft falsch in meinem Kopf.. Hat jemand mit ähnlichen Erfahrungen Rat?

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6 Antworten

Hallo mmogli,

ich gehe jetzt mal von oben nach unten auf die einzelnen Punkte deines Beitrags ein - hoffe das es somit am einfachsten ist alles abzudecken:

SchlafstörungEine Schlafstörung ist immer eine unangenehme Sache! Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, das es leider zu viele Medikamente gibt, als das es meistens mit dem ersten getan ist. Was hast du den verschrieben bekommen? Wieso ein Beruhigungsmittel kein Schlafmedikament? Das verquere ist leider, meistens habe die Medikamente die gut helfen wie z.B. Zopiclon, Zolpidem, Mirtazapin immer eine Kehrseite. Bei den ersten beiden ist es die Gefahr einer Abhängigkeit, bei dem letzten ist es häufig die extreme Gewichtszunahme. In meinem Fall waren es 5 KG in weniger als 2 Wochen. Sicherlich hängt eine solche Zunahme auch mit dem Essverhalten zusammen - aber wenn einen schon (wie du selbst schreibst) der Alltag sehr anstrengt, ist es häufig ein Segen sich überhaupt aufraffen zu können, etwas zu kochen / essen zu gehen insofern man sich keine großen Gedanken mehr über dass "was" macht.

SVV (Selbstverletzendes Verhalten)Häufige Therapieansätze für SSV sind alternativen zu finden. Gerade bei Borderline Erkrankungen wird ein sogenanntes Skillstraining angeboten welches darauf abzielt den Patienten alternative Handlungen zu vermitteln welche Ihren Druck / Ihre Wut ähnlich abbauen. Wichtig zu beachten ist: Nicht jeder der sich selbst Verletzt hat automatisch Borderline, Fertigkeiten / Skills sind Druck / Spannungsredezierende Dinge die langfristig nicht schädlich sind, die Formulierung "ähnlich" ist absichtlich gewählt - häufig wird für das anwenden von Skills mehr Energie benötigt und eine geringere Reduktion des Drucks / der Anspannung erreicht als mit z.B. dem schneiden. Daher ist eine Grundsatz sowie eine immer wiederkehrende situative Entscheidung für den meist schwereren aber langfristiger Gesünderen weg notwendig.

AntriebslosigkeitIst eines der Hauptsymptome der Depression weshalb man da auch als erstes darauf kommt. Via Ferndiagnose lässt sich (von egal wem hier) nicht sicherstellen das es genau das ist und selbst wenn es das würde, verändert es die Situation nicht wirklich. Ich rate dir daher, neben der Psychotherapie einen Psychiater aufzusuchen, dieser kann entsprechende Diagnosen stellen und eine Medikamentöse Unterstützung anbieten. Ich persönlich bin inzwischen zu folgendem Schluss gekommen: Ein guter Psychiater ist ein Arzt, der dir alle möglichen Unterstützungen aufzeigt aber dich zu keiner drängt. Gerade deswegen nutze ich auch die Formulierung "anbieten". Sollte der Arzt dich zu Medikamenten drängen obwohl dir das unwohl ist, lehne es ab! Nur wenn du von der Maßnahme / Therapieform überzeugt bist, hat diese eine Chance. Patienten die eigentlich keine Medikamente nehmen wollen, neigen dazu diese leichtfertiger zu "vergessen" oder später in eigener Regie abzusetzen. Gerade das absetzten kann zu einem sehr unangenehmen Zustand z.B. dissoziativen Zuständen oder starken Entzugserscheinungen führen. (Dosis abhängig)

Selbstmordgedanken
Auch wenn ich das nicht wissenschaftlich belegen kann, behaupte ich mal aus meiner Erfahrung / meinem Kontakt zu anderen psychisch Kranken, das jeder psychisch Kranke Patient früher sich früher oder später mit dem Tod und auch mit dem Freitod auseinandersetzt. Viel kann man dazu ehrlich gesagt nicht sagen, ich kenne weder deine Geschichte, noch die genauen Zusammenhänge (5 W-Fragen) wie es bei dir zu diesem Thema kommt. Wichtig ist, das du für dich selbst regelmäßig validierst, ob du das ganze noch im Griff hast. Solltest du zu dem Entschluss kommen - NEIN - habe ich nicht, dann solltest du dir akut Hilfe holen. Das kann heißen selbst in die Psychiatrie zu gehen / fahren oder auch die 112 anzurufen wenn es nicht anders geht.

Die Beschreibung der Beziehung zu deiner Freundin wäre für mich als Laien ein Indiz für eine Borderline-Störung. Auch hier wäre eine Diagnose nach der Kurzfassung deines Beitrags total übereilt. Generell ist Borderline eine Persönlichkeitsstörung welche sich vorwiegend auf die Emotionsregulation auswirkt. Zwischenmenschlicher Kontakt / Beziehungen sind für Borderline-Patienten häufig anstrengender, belastender und schwieriger zu halten als für einen gesunden Menschen. Es sei dir anzuraten, deiner Freundin offen von dem was du hier beschrieben hast zu erzählen, so hast du die Möglichkeit Ihr in gewissen Situationen offener entgegenzutreten und damit die Entstehung einer emotionale Last zu verhindern.

Für mich klingt es so, als wärst du noch nicht lange in Psychotherapie und kennst somit deinen Therapeuten auch noch nicht so lange. Wenn dem so ist würde ich der Aussage von Harald2000 widersprechen. Die Beziehung zwischen Psychotherapeut und Patienten ist wichtig und kann sich nur mit der Zeit aufbauen. Am Anfang muss sowohl der Therapeut den Patienten als auch der Patient den Therapeuten kennenlernen. Es ist nicht ratsam den Patienten dazu zu drängen / von außen Druck auszuüben dem Therapeuten unbedingt Sache XYZ zu erzählen wenn der Patient eine plausibel Begründung hat weshalb er dies nicht tun will. Andersherum, wenn du schon 2 Jahre (Beispiel) bei deinem Therapeuten bist und dich noch nicht traust über "Grundpeiler" deiner Erkrankung zu reden, dann solltest du nochmal über die Wahl des Therapeuten nachdenken oder dein Gefühl auf die Situation überprüfen.

Es gibt immer jemanden dem es Schlechter geht, deswegen sind deine Probleme nicht weniger Wert! Validiere für dich, ob es tatsächlich an der Sache X liegt, das es dir schlecht geht. Wenn dem so ist, dann hast du jedes Recht dir für dieses Problem Unterstützung zu holen. Beispiel: Für den einen ist Mathe das Problem - dieser holt sich Nachhilfe. Müsste der Nachhilfeschüler nicht sagen - HALT STOP - in Afrika haben Kinder nichts zu trinken! Die haben mehr Probleme - ich muss Mathe alleine schaffen? (Vergleich hinkt etwas - schieben wir es auf die Uhrzeit ;))

Ich wünsche dir alles gute, wie immer ist der Beitrag abonniert - d.h. wenn du Fragen / Anmerkungen hast einfach kommentieren!

Gruß,
SebTM

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Kommentar von mmogli
17.12.2015, 02:06

Wow, Dankeschön für diese ausführliche Antwort!

Verschrieben wurde mit "Dominal forte 40 mg", keine Ahnung ob man das kennt.

Das Skillstraining klingt interessant. Werde mich dahingehend mal genauer informieren :)

Werden in einer Psychotherapie keine Diagnosen gestellt? Also wo genau liegt der Vorteil eines Psychiaters? Sorry, wie du schon bemerkt hast; ich war einmal bei einer Fachärztin für Psychiatrie/Psychotherapie, kenne mich in diesem Bereich kaum aus.

Selbstmordgefahr besteht zurzeit nicht, da bin ich im Moment "stabil", habe aber extra die Telefonnummer von der Fachärztin hier liegen :)

Wie steht die Wahrscheinlichkeit dass Borderline diagnostiziert oder ausgeschlossen werden kann? Funktioniert das nur über Gespräche mit einem Psychiater und den Fragen die er stellt? Und hilft es da überhaupt eine Diagnose zu haben?

Puh das war es erstmal, vllt kommen im weiteren Verlauf noch Fragen hinzu! Dankeschön nochmal für die weiteren Hilfestellungen! :)

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Also erstmal: Krass... ich finde mich grade echt zu beinahe 100% in allem, was zu geschrieben hast, wieder!!!! In jeder Hinsicht!

Dass du Depressionen hast, hast du ja offenbar schon selbst erkannt, auch wenn du die vielleicht noch ein wenig verleugnest ("es gibt ja Leute, die ernsthaftere Probleme haben..." das ist z.B. sogar ein ziemlich typischer Satz, den ich auch sehr gut von mir kenne).

Ich vermute mal, dass du auch Sorgen hast, dass du anderen vielleicht zu sehr zur Last fällst? Eben während du gleichzeitig nach Bestätigung suchst. Das Komische an der ganzen Situation ist, dass du eigentlich sehr dringend Nähe, Zuneigung und Bestätigung brauchst, aber gleichzeitig auch das Gefühl hast, dass dich beziehungen belasten. (Ich fühl mich z.B. auch oft total unter Druck gesetzt)

Auch der Rest, von dem dzu schreibst, deutet alles auf Depressioen hin (und ich muss echt nochmal sagen: Krass!!! Das ist echt alle genau wie bei mir beschrieben!!!!). Du solltest dich definitiv nach Therapeuten umsehen, dir aber gleichzeitig auch selbst überlegen, ob dir noch anderes guttun könnte, ob dir z.B. eine gewisse Freiheit fehlt o.Ä. Wenn dir ein Therapeut nicht weiterhilft, dann nicht gleich aufgeben, such dir einen anderen! Plätze sind zwar nicht immer leicht zu bekommen, aber jeder Therapeut ist anders und behandelt anders, ich bin momentan bei meinem zweiten, werde aber vielleicht sogar nich einen anderen, dritten suchen, weil ich mit seiner Art noch immer nicht zufrieden bin und ich ganz und gar nicht den Eindruck habe, dass mir die Therapie bei ihm weiterhilft. Natürlich gibt es noch eine "weiterführende" Form, das wäre eine spezialisierte Klinik. Ich weiß, dass sich das jetzt erstmal wahrscheinlich ziemlich krass anhört und du denkst dir wahrscheinlich "Ja okaaay, so schlecht gehst mir ja jetzt auch nicht, dass ich direkt für längere Zeit in ne Klinik müsste...". Aber genau das ist der Punkt, genau das habe ich mir auch gesagt, und bei solchen psychischen Krankheiten wie Depression neigt man sehr sehr oft dazu, es zu verharmlosen, ich tue das immernoch regelmäßig, obwohl ich mittlerweile ich von ziemlich vielen Leuten "die Augen geöffnet" bekommen habe! Das ist echt eine sehr ernstzunehmende Sache, auch wenn es sich oft vielleicht nicht so anfühlt!!! Glaub mir, wenn das sehr längere Zeit andauert, wirst du dich immer weiter isolieren und sozial abschotten. Bei mir hat das "Realisieren" sehr lange gedauert und zu manchen früheren Freunden habe ich komplett den Kontakt verloren. Ich habe mich vor einiger Zeit endlich auf die Warteliste einer guten psychosomatischen Klinik setzten lassen und habe jetzt die Bestätigung für einen Platz erhalten und werde in Kürze meine Therapie dort beginnen. Mir kommt noch immer regelmäßig der Gedanke "Ist das denn echt nötig...?" aber ich kann dir sagen: Ja, das ist es!!! Depression (mit allen Begleiterscheinungen, die du oben aufgezählt hast) ist ein absolutes A****loch, dass dir nur etwas vorspielt! Das ist keine "kleine Sache", auch wenn es sich so anfühlen mag.

Ich hoffe, du triffst die richtigen Entscheidungen für dich! :)

LG Jenna

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Kommentar von mmogli
17.12.2015, 01:30

Hey, vielen Dank. "gut" ist hier vielleicht nicht das richtige Wort, aber es tut tatsächlich gut wenn Leuten mit ähnlichen/den selben Problemen sich hier wiederfinden und zu lesen und wie sie damit umgegangen sind. 

Dein Beitrag hat mir sehr geholfen! :) Ein weiteres Gespräch mit dem Psychologen steht auf meinen Plan. Dankeschön und dir gute Besserung! :)

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Kommentar von Jenna2699
17.12.2015, 01:40

Achja, nochmal speziell zur Schlafstörung: Ich nehme zur Zeit Melatonin, das finde ich ganz gut, weil das einfach das natürliche Schlafhormon ist und deshalb auch nicht viele Nebenwirkungen hat

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Kommentar von mmogli
17.12.2015, 02:12

Dankeschön! Jap, ich werde darauf zurück kommen :)

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Bei mir war es der fall das ich niemals daran gedacht hätte, das gras die Ursache für meine Depression ist. Ich war nie ein dauer kiffer nur 1-2 mal im Monat.

Ich dachte an selbstmord aber hätte es auch nie getan, trotzdem waren die gedanken da. Ich hatte Angst vor meiner Zukunft und dachte immer das ich nie was schaffen kann. Aggresiv zu Mitmenschen usw. Und naja mit den Antrieb kennst du dich wahrscheinlich auch aus.

Lass das gras sein ich hätte niemals gedacht das es daran lag aber es war so. Mittlerweile nehme ich nicht mal antidrepessiver.

Das war meine Erfahrung.

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Kommentar von mmogli
17.12.2015, 01:19

Gab es auch andere Gründe? Und hat es allein geholfen, das Gras wegzulassen? Oder musste dir noch anderweitig geholfen werden?

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Kommentar von firoww666
17.12.2015, 02:01

Klar gabs andere Gründe aber durch das Gras wurde alles verstärkt. So stark das ich realisierte das ich überhaupt eine Depression hatte. Ich suchte immer andere Gründe und habe niemals dem Gras die schuld gegeben. Nachdem ich realisierte das es daran lag, habe ich angefangen an mir selber zu arbeiten. Und ich bin jetzt sport süchtig geworden voher hätte ich mich nicht mal vom bett bewegt. Es kommt vom selbst, versuch es einfach.

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Kommentar von firoww666
17.12.2015, 02:26

Anfangs muss du dich vielleicht zwingen, aber man muss da durch. Viel Glück und Gute Besserung

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kann es sein, dass du unter extremen Minderwertigkeitskomplexen leidest? (sry rhetorische frage)

wenn dir der Gedanke kommt dich umzubringen, dann nur um anderen etwas zu beweisen, zu beweisen, dass du doch da bist oder dass andere erkennen, dass sie dir zuwenig anerkennung zukommen lassen?

bist du mit deinem studium überfordert, oder hattest du irgendwann mal zweifel, ob es wirklich das richtige für dich ist? (irgendwo muss es ja her kommen)  und die ursache (auch wenn das esoterisch klingt ist vermutlich eine diskrepanz zwischen deinem bild von dir selbst und dem was du gerade tust)

und da werden dir auch keine mittel zum einschlafen weiterhelfen

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Kommentar von mmogli
17.12.2015, 01:13

mit dem selbstmord will ich mir nichts beweisen. es ist halt so etwas wie ein "Plan B", ein Ausweg, auch wenn es eigentlich keine Option ist. 

Naja, bin in der regelstudienzeit, schreibe gute bis sehr gute Noten, bin aber sehr verschlossen und zurückhaltend. Gerade bin ich dabei mich um eine Masterarbeit zu kümmern..An sich ist es auch mein Hobby von klein auf. Trotzdem, der Arbeitsmarkt ist prekär, und habe Angst später im Berufsleben den Anschluss zu verlieren. Gründet sich auf meine zurückhaltende Art. Steiger mich da aber auich gerne in etwas rein. 

Danke

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Hatte ähnliche Symptome, bei mir wars ne Depression. Der Gedanke die eigenen Probleme seien unbedeutend ist Teil der Krankheit. Dir darf es auch mal schlecht gehen, dafür musst du dich nicht schuldig fühlen. Trau dich mit deinem Therapeuten zu sprechen, der kann dir am besten helfen. Und lass dir nicht zu schnell einreden du hättest eine traumatische Vergangenheit gehabt oder was weiß ich, nur allzu oft werden körperliche Ursachen nicht erkannt. Lass auf jeden Fall Schilddrüse, Sexualhormone und Cortisol testen. Beziehungen sind im Moment zwar anstrengen, können das ganze aber überstehen. Denk dran, du kannst da nichts für, es ist eine Krankheit wie Grippe oder so und gut behandelbar. Du brauchst etwas Geduld und Unterstützung, aber es wird vorbei gehen. Gute Besserung!

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Kommentar von mmogli
17.12.2015, 01:23

Dankeschön für die Antwort, die Ratschläge und die Genesungswünsche. Werde ich berücksichtigen :)

Dir auch gute Besserung (oder geht es dir schon wieder besser? :))

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Kommentar von Himmelsschaf
17.12.2015, 01:27

Seit die Ärzte (nach über einem Jahr Suche) die körperliche Ursache gefunden haben, geht es steil Berg auf ;)

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Wenn schon PT, dann sollte man sie auch nutzen !

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Kommentar von mmogli
17.12.2015, 00:51

PT?

Meinst du Psychotherapeut? War einmal dort, weil ich diesen extremen psychischen Abkacker hatte. Wurde weiterverwiesen, habe einmal mit dem geredet und dabei dann die Schlafstörungen erwähnt.

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