Frage von Franz577, 120

Was kostet eine Beratung / ein Vorgespräch beim Anwalt?

Folgende Situation:

Ich habe leider keine Rechtsschutzversicherung, aber muß nun abwägen, ob ich rechtlich gegen die Leistungskürzung meiner Wohngebäudeversicherung nach einem Feuerschaden vorgehen soll oder nicht (die Versicherung unterstellt grobe Fahrlässigkeit, wogegen ich mich wehren möchte).

Wenn ich nun einen Fachanwalt für Versicherungsrecht aufsuche, ihm meinen Fall schildere und eine Einschätzung von ihm haben möchte, ob hier eine rechtliche Auseinandersetzung sinnvoll ist oder nicht, mit welchen Kosten müßte ich dann ungefähr rechnen?

Kann der Anwalt realistisch abschätzen, ob ich mit einer Klage erfolgreich sein würde (da ich ihm sonst natürlich kein Mandat erteilen würde)?

Und sollte ich diesen Rechtsstreit tatsächlich gewinnen, müßte die beklagte Partei dann die kompletten Prozess- und auch meine Anwaltskosten übernehmen?

Antwort
von FreierBerater, 63

Du kannst gar nicht obsiegen! Unterläge der Versicherer, ginge er definitiv in Berufung. Unterliegst du, trägst du 100% der Verfahrenskosten.

Wenn überhaupt wird es erstinstanzlich zu einem Vergleich kommen, der für dich auf jeden Fall ungünstig wäre:

Der Streitwert liegt beim Schaden 8000 abzüglich Versicherungsleistung 4000, also bei 4000 EUR. Selbst ein gerichtlicher Vergleich würde dir allerhöchstens 1000 bis 2000 EUR zusprechen, von denen du noch den Hauptteil der Verfahrenskosten (beide Anwälte plus Gericht, plus Zeugengelder) zu zahlen hättest. Ich behaupte, dass das Prozesskostenrisiko bei 4000 EUR Streitwert erstinstanzlich bereits bei 2500 EUR liegt und in der 2. Instanz bei rund 4500 EUR.

Rechenbeispiel:

I. Das Gericht spricht dir aus dem Streitwert die Hälfte zu, also 2000 EUR, dann müsstest du davon auch die hälftigen Prozesskosten tragen. Es bleiben dir effektiv 750 EUR.

II. Das Gericht spricht dir aus dem Streitwert 1000 EUR zu, dann müsstest du davon auch 60-80% der Prozesskosten tragen und verlierst somit Geld.

Kommentar von Franz577 ,

Danke, das ist schon mal eine anschauliche Antwort. Genau diese Überlegungen mache ich mir nämlich auch. Was ist für mich drin und was würde es mir unterm Strich bringen?

Kämen 1000 Euro mehr dabei herum, würde es sich schon lohnen. Aber die Frage ist eben, wie wahrscheinlich das wäre.

Woher nimmst du allerdings die Info, daß die Versicherung exakt um die Hälfte kürzen will? Davon habe ich nichts geschrieben (tatsächlich sind es nämlich nur 40%, die übernommen werden, also rund 3000 Euro, während knapp 5000 Euro an mir hängen bleiben würden).

Und auch wenn die Versicherung bei einer Niederlage in Berufung gehen würde, muß das ja nicht heißen, daß sie nich nochmal unterliegen könnten, oder?

Und noch würde mich interessieren, was genau mir eine Rechtsschutzversicherung in diesem Fall bringen würde.

Würde das dann alles komplett ohne zusätzliche Kosten für mich ablaufen, auch wenn ich unterliegen sollte?

Kommentar von FreierBerater ,

JA, eine Rechtsschutzversicherung trägt sämtliche Kosten des Rechtsstreites. Nur abschließen kannst du sie für den laufenden Fall nicht.

Die angebotenen 40%, sprich 3000 EUR, erscheinen mir verhandlungswürdig. Laß' deinen Makler den Schadenregulierer anrufen und auf 50/50 verhandeln. Dann hast du ohne Kosten einen Tausender mehr im Sack, kannst privat reparieren lassen und bist ohne Streit -vielleicht sogar kostenfrei- aus dem Fall raus.

So würde ich es machen...

Kommentar von Franz577 ,

Ein Rechtsstreit wäre auch nicht in meinem Interesse und ich versuche natürlich erst noch anderweitig zu verhandeln, wobei ich da zumindest auf ein Verhältnis 60/40 zu meinen Gunsten hinaus möchte.

Das mit der privaten Sanierung wird aber nicht klappen, denn die Zahlen basieren ja nicht (nur) auf einer Schätzung des Gutachters, sondern auf einem Angebot bzw. Kostenvoranschlag des Sanierungsbetriebs. Die Versicherung schreibt, daß ich die Rechnung dann einreichen soll, also sehe ich von dem Geld ja nichts, sondern dies wird dann direkt an den Sanierungsbetrieb überwiesen.

Kommentar von FreierBerater ,

Gerade bei einem 50/50-Verhandlungsergebnis ist das sehr wohl möglich.  Dann schreibt der Versicherer beispielsweise "Mit beigefügtem Scheck regulieren wir ohne weitere Prüfung und ohne Präjudiz den Feuerschaden vom...."

Da brauchst du keine Rechnung eines Fachbetriebes!

Kommentar von Franz577 ,

Ok, wenn das so ist, dann wunderbar. Nun liegt der Versicherung aber schon ein Kostenvoranschlag des Fachbetriebes vor. Zwar bin ich nicht gezwungen, diesen oder überhaupt einen Fachbetrieb damit zu beauftragen, aber dann müßte ich dies auch der Versicherung melden und sagen, daß ich die Sanierung in Eigenleistung vornehme. Würde das dann so funktionieren?

Kommentar von FreierBerater ,

yup!

Kommentar von Franz577 ,

Bleibt nur noch ein Problem:

Die Sanierung nach einem Brandschaden sollte ja schon fachmännisch und nicht laienhaft durchgeführt werden (z.B. braucht es auch eine Ozonbehandlung, damit der Brandgeruch verschwindet).

Ich selbst kann das nicht und ich möchte auch weder irgendwelche "Hinterhof-Handwerker" noch mehrere verschiedene Firmen damit beauftragen, sondern alles aus einer Hand bekommen.

Was bleibt da also noch übrig außer einem Fachbetrieb, der auf sowas spezialisiert ist? Ich kann mir sicher noch ein oder zwei weitere Angebote einholen, aber letztlich wird es schon auf einen relativ hohen 4-stelligen Betrag hinauslaufen.

Kommentar von FreierBerater ,

Ich hatte hinsichtlich Einsparpotential eher an Maler und Tapezierer gedacht...  Auch bin ich überzeugt, dass Profiarbeiten verhandlungsfähig sind - eben dann, wenn KEINE oder nur eine geringe Versicherungsleistung zur Verfügung steht.

Kommentar von Franz577 ,

Tapezieren muß gar nicht sein und wenn ich mir für die Malerarbeiten jemand anderen hole, dann muß das auch mit dem Sanierungsbetrieb koordiniert werden, da dieser das ja auch anbietet. Macht es also etwas komplizierter und dieser Posten alleine reißt auch nicht viel raus bei den Kosten.

Aber falls ich tatsächlich den Hauptanteil der Kosten selber tragen muß, dann werde ich auf jeden Fall eine Nachbesserung beim Angebot verhandeln.

Antwort
von Karl37, 33

Wenn du bei der Terminvereinbarung explizit auf eine Erstberatung hinweist, dann ist nach § 34 RVG diese mit maximal 190 Euro zu berechnen. Der Anwalt kann aber auch eine geringere Gebühr verlangen.

Antwort
von Apolon, 39

  ob ich rechtlich gegen die Leistungskürzung meiner Wohngebäudeversicherung nach einem Feuerschaden vorgehen soll oder nicht (die Versicherung unterstellt grobe Fahrlässigkeit, wogegen ich mich wehren möchte).

Informiere uns doch einmal über die Schadensursache.

Vielleicht haben wir die Möglichkeit, dir hierzu Hinweise zu geben.

Ergänzend ein Tipp: Wechsele deine Wohngebäudeversicherung, denn in den meisten neuen Versicherungsverträgen ist die grobe Fahrlässigkeit mitversichert.

Gruß N.U.

Kommentar von Franz577 ,

Danke, aber das führt nun auch nicht mehr weiter bzw. hab ich nun eigentlich schon die richtigen Antworten auf meine Frage bekommen.

Und ich ziehe das persönliche Fazit daraus, daß mir das Risiko eines Rechtsstreits ohne Rechtsschutzversicherung zu groß ist.

Antwort
von ShishaGut, 71

Kommt auf die Summe an,wie viel die Situation Wert ist. Welchen Rang dieser hat. Sind zu wenig Informationen die du uns gibst.

Kommentar von Franz577 ,

Die Schadenssumme ist für einen Feuerschaden eigentlich relativ gering (knapp 8000 Euro), wenn man bedenkt, daß hier auch leicht Summen im 5- und 6-stelligen Bereich auflaufen können.

Dennoch sehe ich nicht ein, daß ich davon den Hauptteil tragen soll.

Angeschmiert wäre ich nur, wenn die Klage keinen Erfolg hätte, da ich dann zusätzlich auch noch die Anwaltskosten am Hals hätte und das wäre dann auch das einzige Szenario, bei dem eine Rechtsschutzversicherung für mich Sinn machen würde.

Kommentar von ShishaGut ,

Ich kann leider nicht sagen, was es bei dem Anwalt kosten wird.

Ich weiß aber, wenn etwas z.B 30.000 Eu Wert hätte, zum Beispiel 400 Euro bezahlst. Aber kommt auch drauf an, für welches Recht man kämpft. Und ob du jetzt in eine Kanzlei gehst oder ähnlichen.

Ist natürlich ärgerlich so etwas bezahlen zu müssen. Wenn sie nicht genügend Geld verdienen, wird ihnen der Anwalt so gesehen umsonst gestellt. Sieht aber anders aus, wenn sie den Prozess verlieren. 

Kommentar von Franz577 ,

Ja, und genau deshalb brauche ich eben vorab eine Beratung beim Anwalt mit einer realistischen Einschätzung meines Falls.

Kommentar von FordPrefect ,

Die gibt es aber nur nach Akteneinsicht und entsprechender Honorarnote. Und PKH scheidet bei einem Wohnungseigentümer von vorneherein aus.

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