Frage von DBKai, 11

Was kennt ihr für Unternehmen, die ohne Ausbeutung auskommen - was kennt ihr für Vorbild-Unternehmen?

Welche Unternehmen sind vorbildlich und in welchen Bereichen sind sie es? Kommen sie ohne Ausbeutung aus? Schonen sie die Natur? Achten sie die Menschenrechte und sorgen für menschenwürdige Arbeitsbedingungen?

Hat ihre Arbeit einen positiven Effekt? Eine Zukunft?

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 5

Wie definierst Du Ausbeutung? Selbst von der Natur? Wir wissen heute noch gar nichts über Empfindungsmöglichkeiten von Pflanzen. Kommen nur in Ansätzen weiter. Du kennst diesen schönen Geruch, wenn Rasen gemäht wird? Eigentlich ist das ein Warnsignal, so hat die Forschung vor nicht so langer Zeit entdeckt.

Warnt eine Pflanze die andere, dann ist sie wohl mit dem was passiert nicht einverstanden. Kann das sein? Was ist mit Ausgleichsflächen beim Bau großer Unternehmen? Weil man irgendwo was gutes tut, freiwillig oder gezwungen, darf man an anderer Stelle betonieren? Wo ist die Grenze zur Ausbeutung? Bezieht sie sich auf die Pflanze oder auf ein ganzes? Jedes Wohnhaus verbraucht Land. Möchte auch nicht darauf verzichten in einem zu wohnen. Aber ist diese Bodenversiegelung nicht auch bereits Ausbeutung?

Wie ist das beim Menschen? Wann beutet man andere aus? Im 19. Jahrhundert gab es ganz klare Diskussionen. Wenn ein Bergmann pro Stunde Kohlen aus dem Berg holt, die für 100 Geldeinheiten verkauft werden, selber bekommt er nur seinen Lohn, der dazu reicht sich selber zu ernähren. Vielleicht 20 Geldeinheiten oder 5 Geldeinheiten. Mit welchem Recht behält der Minenbesitzer den übersteigenden Betrag? Vorausgesetzt er arbeitet nicht selber mit?

Man kann in der Werttheorie so weit gehen, dass sämtliche Werte (auch das Werkzeug des Bergmanns) am Ende nur aus den Arbeitswerten besteht. Der übersteigende Betrag, der am Markt entsteht wird warum einbehalten? Und führt zu einen Massenverelendung. Wir hatten damals die Weberaufstände, Kinderarbeit, 7-Tage-Wochen, 12-Stunden Arbeitstage.

Heute sieht es nicht anders aus. Egal ob die Maschinen die Autos herstellen oder die Autos selber, welchen Wert bekommen alle daran beteiligten Beschäftigten. Dabei werden Innovationen wie die Entwicklung neuer Werkstoffe ganz hoch bewertet. Sind diese Werte gerecht zugeteilt?

Ein Vorstand eines großen Unternehmens bekommt ein Gehalt über Zig-Tausende Euros. Der Hilfsarbeiter oder die Bürohilfe bekommt vielleicht 1.500 Euro. Wie kann man diese Wertunterscheidung (Frage nach gerechtem Lohn) treffen?

Dabei sind beide Teil der Gruppe der abhängig Beschäftigten. Doch wird dem Vorstand natürlich eine andere Aufgabe übertragen. Nämlich die Interessenwahrung der sogenannten Kapitalgeber.

Kapital entsteht eigentlich durch Arbeit und einen Sparprozess. Wie kann aber jemand der nie gearbeitet hat ein Vermögen haben?

Durch die Herstellung eines Produktes bekommen die "Zutaten" einen höheren Wert. Weil weitere Arbeit rein gesteckt wird und weil dieses neue Produkt weitere positive Eigenschaften hat. Rechnet man die Arbeitswerte aus einem Produkt raus: Wer ist der rechtmäßige Empfänger dieses die Arbeitswerte übersteigenden Wertes? Müsste nicht sogar Geld auf die Leute gehen, die die "Zutaten" gefördert oder transportiert haben?

Wo fängt für Dich Ausbeutung an? Sklavenarbeit? Fronarbeit? Lohnarbeit? Solange die Leute nicht hungern oder frieren nicht? Oder woran machst Du das fest.

Gerade in kleinen Unternehmen wie von Georg63 angesprochen arbeiten häufig Unternehmer und Beschäftigte ganz eng zusammen. Sie wissen häufig von der Arbeit des anderen und schätzen deren Wert. Im Rahmen der Immobilienkrise kam die Realwirtschaft Ende der 90´er Jahre auch in Probleme. Es waren die Handwerksbetriebe, die ihren Beschäftigten nicht die Kündigung gegeben haben. Sie haben frühere aus dem Unternehmen entnommene Gewinne (und inzwischen Privatvermögen) wieder in den Betrieb zurück gegeben um die Löhne zahlen zu können. Schwächung der eigenen Altersvorsorge z.B. Bei Aktiengesellschaften war dieses nicht so verbreitet.

Allerdings gab es auch da Unterschiede. Trotzdem: Fängt die Ausbeutung an? Deine Frage kann so nicht beantwortet werden.

Kommentar von DBKai ,

Nun - mit den Pflanzen kenn ich mich leider noch nicht so gut aus... Ich habe keine Ahnung in wie weit Pflanzen Schmerz empfinden können... Müsste noch näher erforscht werden...

Ausbeutung bei Menschen fängt an, wenn man einer Person eine Arbeit zumutet, die man selber nicht so erfüllt bzw. selber gar nicht erfüllen könnte. Wenn man z. B. einer Reinigungskraft den Auftrag gibt eine Villa in 2 Stunden blitzblank zu putzen, obwohl das aufgrund der Größe der Villa ein UNMÖGLICHER Auftrag ist. Man stellt einfach Aufgaben, die gar nicht erfüllt werden können. Von keinem Menschen - außer er würde irgendwie schummeln...

Um also festlegen zu können, was fair ist, müssten mehrere verschiedene Leute, die Villa je einmal blitzblank putzen (die Auftraggeber einigen sich darauf, was alles getan werden muss und was nicht). Auch macht es einen Unterschied, wenn der ganze Boden vollgeräumt ist und Dinge klebrig und verdreckt sind - oder ob man nur zum Staubwischen vorbei schaut. Je nachdem, wie verdreckt die Villa ist, stuft man es in einem Plan ein...

Dann kann man feststellen, in welcher Zeit man es schaffen kann, wenn man fit ist... und in welcher Zeit man es schafft, wenn man noch ein Anfänger ist... Man stellt also den Level fest, auf dem sich die Person befindet. In diesem Zeitraum schafft es ein Profi... in diesem Zeitraum schafft es ein Fortgeschrittener... in diesem Zeitraum schafft es der Durchschnitt... und in diesem Zeitraum schafft es ein Anfänger... Die körperliche Verfassung der Person sollte auch eingerechnet werden. So - wie bei einem Computerspiel oder bei Wettkämpfen. Übung macht dann den Meister.

Ausbeutung der Natur beginnt, wenn man mehr von der Natur nimmt, als wieder nachkommt... ?

Wie kann aber jemand der nie gearbeitet hat ein Vermögen haben?

Indem man im Lotto gewinnt... indem man es erbt?

Sollte aber die Ausnahme sein?

Ich bin für eine leistungsgerechte Entlohnung und Aufstiegschancen für jeden, der bereit ist an sich zu arbeiten... Je anspruchsvoller die Tätigkeit, desto höher die Entlohnung. Kann aber ruhig eine Maximallohngrenze von 5000 Euro netto im Monat geben. Welcher Mensch braucht schon mehr als 5000 Euro im Monat?

Um eine leistungsgerechte Entlohnung einführen zu können, müsste man erst herausfinden, wie viel Geld die unterschiedlichsten Leute in Österreich verdienen. Dann sieht man sich an, WIE sie sich ihr Geld verdienen und man stellt fest, ob man (bzw. der Durchschnitts-Österreicher) diese Tätigkeit genau so gut erfüllen könnte, wie diese Person, oder ob es dazu speziellere Fähigkeiten braucht... So kann man das Gehalt dann einstufen.

Eine Arbeit, die so gut wie jeder Mensch innerhalb kürzester Zeit erfüllen kann, wird niedriger entlohnt als eine Arbeit, für die man viele Jahre hart arbeiten musste und wo man auch täglich mehr Denkaufgaben zu lösen vorgesetzt bekommt... mehr Verantwortung trägt... mehr im Rampenlicht steht und das Vorbild mimen soll... eine Arbeit, wo der Durschnitt nicht so schnell Fuß fassen kann, da man dafür Spezialkenntnisse und viel Übung braucht... Ein Vorschulkind kann noch keinen geraden Strich mit dem Stift zeichnen - durch Übung können viele Menschen mit der geübten Hand mit der Zeit aber großartige Bilder malen... Wenn ich meine rechte Hand mit meiner linken Hand vergleiche, liegen zwischen ihren Fähigkeiten Welten... Mit der linken Hand brauche ich vermutlich 10 x so lange für ein Bild, wie mit der rechten und selbst dann sieht es nur halb so gut aus, als wenn ich es mit rechts gemalt hätte...

An der Kassa in einem Geschäft zu stehen und täglich eine Routine-Arbeit zu erbringen, ist insgesamt (in der Regel) eine leichtere Aufgabe, als ein Magazin auf den Markt zu bringen... oder als Musical-Star oder im Zirkus als Artist aufzutreten.. Die eine Arbeit lernt man relativ schnell (am Anfang ist alles schwer)... für die andere braucht es Jahre an Übung und viel mehr Know-how...

Ein Vorstand eines großen Unternehmens bekommt ein Gehalt über Zig-Tausende Euros. Der Hilfsarbeiter oder die Bürohilfe bekommt vielleicht 1.500 Euro. Wie kann man diese Wertunterscheidung (Frage nach gerechtem Lohn) treffen?

Ein Gehalt im Monat (?) von Zig-Tausenden Euros kann man mir eh nicht erklären... Wessen Arbeit ist anspruchsvoller? Selbst wenn die Arbeit des Chefs anspruchsvoller ist, kann es wohl kaum ein Gehalt von sehr vielen 1000 Euro im Monat erklären... Da sollte man eine Grenze setzen..Wie viel ist zig genau? Ich fände 5000 Euro netto im Monat derzeit gut als Maximum? So viel gibt es maximal in einem Monat und so viel Geld netto bekommt man mindestens in einem Monat...

Jede Arbeit dieser Welt müsste so aufgebaut sein, dass man selbst bereit wäre unter diesen Umständen und für das entsprechende Gehalt die Aufgabe zu erfüllen... Ein hohes Gehalt ist für jeden Menschen(?) ein netter Anreiz aber um das zu bekommen muss man eben auch wirklich mehr können und sich konstant weiterbilden... im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung... Es soll ein Unterschied erkennbar sein.

Kommentar von DBKai ,

Um also festlegen zu können, was fair ist, müssten mehrere verschiedene Leute, die Villa je einmal blitzblank putzen (die Auftraggeber einigen sich darauf, was alles getan werden muss und was nicht).

Ergänzung: Es müssen nicht jedes Mal mehrere Leute die Villa durchputzen... nur bei Unklarheiten wäre das ev. nötig... Sonst kann man alles in einem Plan festlegen... Wie groß ist die Villa? Wie viel gibt es zu tun?

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Ausbeutung ist nicht einen unlösbaren Auftrag zu geben. Dann wäre der Umkehrschluss: Wenn die Person es schafft, dann wird sie auch nicht ausgebeutet.

Die Ausbeutung ist die Frage des Wertes und des Gegenwertes. Nimm dazu ruhig wieder die arme Putzfrau. Die bekommt einen Lohn von 300 Euro. Marktüblich sind 150 Euro. Jetzt hast Du allerdings nur einen Marktwertvergleichen können. Ob Ausbeutung oder nicht, lässt sich so nicht klären.

Würde sie nur 100 Euro bekommen, dann wäre klar - Ausbeutung. Aber auch wenn jemand über dem Marktwert für eine Leistung bekommt, dann kann das noch immer ungerecht sein.

Der Milch-Bauer braucht vielleicht 40 Cent um einen Liter Milch zu produzieren. Die Molkerei zahlt ihm vielleicht 30 Cent und im Laden kostet die verpackte Milch dann 50 Cent. Jetzt müsste man eigentlich noch wissen, was für Kosten entstehen der Molkerei. Am Ende könnten tatsächlich die Einzelhandelsgeschäfte oder sogar die Verbraucher eine Schuld an der Ausbeutung haben. Vielleicht sind aber auch die 40 Cent bereits falsch, weil der Bauer verkehrt gerechnet hat. Laut Bauern liegen die Kosten wohl zwischen 30 und 40 Cent, die Zahl habe ich nicht mehr im Kopf, darum geht es aber auch nicht. Nimm nur das Beispiel. Wo ist hier die Ausbeutung?

Thema Pflanzen. Es ist inzwischen sogar nachgewiesen, dass Pflanzen sich gegenseitig vor Gefahr warnen und das Neueste sogar den Nachwuchs gemeinsam erziehen.

Aber auch die Entnahme von Öl und Kohle ist die Entnahme aus der Natur. Und die Güter werden so schnell nicht von der Natur nachproduziert. Gold, Erze oder Diamanten legen wir auch nicht in die Minen. Das Zeug wird raus geholt und oft bleibt sogar alles so, wenn die Mine nichts mehr abwirft. Vielleicht noch ein Warnschild für Wanderer.

Antwort
von Georg63, 11

Ich arbeite für ca. 100 Handwerksbetriebe in meiner Region und die meisten von ihnen erfüllen deine Kriterien.

Große Firmen arbeiten rein profitorientiert. Umweltfreundlich arbeiten sie nur in soweit sie der staat durch entsprechende Gesetz und Förderungen dazu bringt.

Faire Behandlung der Arbeitskräfte gibt es nur da, wo es starke Gewerkschaften oder Arbeitskräftemangel gibt.

Kommentar von DBKai ,

Was sind das für Handwerksbetriebe? Kommen sie ohne Ausbeutung aus? Arbeiten sie im Einklang mit der Natur? Achten die Menschenrechte? Gibt es menschenwürdige Arbeitsbedingungen? Arbeitet es in Richtung einer Zukunft? Produziert es Dinge, die einen guten Zweck erfüllen?

Warum wird reine Orientierung am Profit nicht verboten? Das ist doch ein Verbrechen!

Kommentar von Georg63 ,

Dachdecker, Zimmerer, Installateure, u.ä. ... mit 2 bis 20 Mitarbeitern.

Sie bauen und sanieren Häuser nach aktuellen energetischen Normen - also umweltfreundlich und zukunftsicher.

99% der Aufträge sind regional - also ohne unnötig weite Transportwege.

Sie zahlen ihren Arbeitern gute Löhne und bereichern sich nicht an ihnen - also keine Ausbeutung. Viele beschäftigen auch Einwanderer - ohne Diskriminierung und natürlich zum selben Lohn.

Wenn neue Häuser entstehen und alte ökologisch saniert werden, denke ist da ein guter Zweck erkennbar.


Das Streben nach Profit ist ein Grundprinzip des Kapitalismus^^

Kommentar von DBKai ,

Nur weil es ein Grundprinzip des Kapitalismus ist, macht es dieses Streben noch lange nicht gut und richtig. Klar braucht man Geld um über die Runden zu kommen - aber eine faire Verteilung der Arbeit, gute Arbeitsbedingungen - wo jeder weiß, was er zu tun hat - etc. wäre schon hilfreich... Also - nicht nur der Profit (den man oft auf falsche Weise zu erreichen sucht.. ) - sondern auch das Ziel etwas an der Gesamtsituation zu verbessern... sollte da sein... um eine leistungsgerechte Entlohnung zu erhalten...

Kommentar von Georg63 ,

Ich bin da ganz auf deiner Seite.

Welche Grundlage würdest du für die leistungsgerechte Entlohnung heranziehen - Aufwand oder Ergebnis - also die aufgewendete Arbeit oder den Erlös, der beim Verkauf dieser Arbeit erzielt wird?

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