Frage von bananentasche, 126

Was kann man tun, damit Vergewaltigungen härter bestraft und weniger verübt werden?

Guten Abend, ich beschäftige mich in letzter Zeit mit Bestrafungen von Vergewaltigern und mir ist aufgefallen, dass die Täter in den wenigen Fällen mit einer Freiheitsstrafe davonkommen und diese auch so gut wie nie über 3 Jahre geht und da frage ich mich ob man daran nichts ändern kann? Oder ist dies nur möglich, wenn man protestiert und genug Aufmerksamkeit bekommt? Und wie kann man Vergewaltigungen verhindern? Muss heutzutage jedes Mädchen oder jede Frau in ständiger angst leben, wenn sie alleine mit Männern sind? Solche Artikel bestätigen meine Angst: http://www.welt.de/vermischtes/article150028423/Vergewaltigung-Nein-ich-bin-gest...

Antwort
von PaSan, 63

Das beschäftigt mich auch, aber wie meine Anwältin mir sagte: Bei einem Mord gibt es eine Leiche, bei einem Raub das Diebesgut - bei einer Vergewaltigung gibt es meistens keine Beweise, also steht oft nur Aussage gegen Aussage. Und in einem Rechtsstaat gilt nun einmal "im Zweifel für den Angeklagten". Es besteht ja leider auch das Risiko einer falschen Anschuldigung. Wenn es in Vergewaltigungsprozessen nur durch eine Aussage einer Frau zur Verurteilung käme, dann könnte ich mir denken, dass es dann eine Welle von Anschuldigungen gibt, bei der eine Frau einen Mann beschuldigt, obwohl er nichts getan hat, einfach, um ihm eins auszuwischen.

Antwort
von FuHuFu, 5

Das ist halt oft eine Frage des Beweises. Ein Gericht darf jemanden nur bestrafen, wenn es die Schuld des Angeklagten eindeutig beweisen kann. Und für das was zwischen Mann und Frau in einem privaten Zimmer passiert, gibt es oft nicht ausreichend Beweise. Zuletzt hat das ja der vielbeachtete Prozess gegen Jörg Kachelmann gezeigt. Da konnte das Gericht trotz vieltägiger Beweisaufnahme, weder die Schuld von Jörg Kachelmann nachweisen, noch konnte das Gericht beweisen, dass es sich um eine falsche Anschuldigung gehandelt hat.
Genauso war es auch in dem Fall des von Dir zitierten Zeitungsartikels.

In vielen Fällen kommt es deshalb zu einem Deal zwischen dem Verteidiger des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte bekennt sich trotz dünner Beweislage schuldig, die Staatsanwaltschaft plädiert im Gegenzug auf eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird. Eine höhere Strafe hätte dann nur den Effekt. dass der Angeklagte nichts zugeben würde und am Ende freigesprochen werden müsste.

Wenn weitere Delikte zur Vergewaltigung hinzukommen (Nötigung, Körperverletzung, schwere Körperverletzung), dann gibt es sowieso keine Bewährungsstrafe mehr.

Antwort
von landregen, 75

Es hat sich auf vielen Gebieten vielfach gezeigt, dass härtere Strafen nicht zur Verminderung von Straftaten führen.

Wenn man eine selbstbewusste Frau ist, die einigen Zorn entwickeln kann und womöglich auch in körperlicher Selbstverteidigung ein wenig versiert ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer Verwaltigung gering.

Mir ist allerdings klar, dass das deine Frage nicht hundert Prozent beantwortet, aber es gibt ihr einige zusätzliche Aspekte.

Kommentar von WeinWasser ,

Das erste kann ich nur unterschreiben. Härtere Strafen funktionieren nur ganz bedingt, um die Leute abzuhalten.

Kommentar von landregen ,

" Muss heutzutage jedes Mädchen oder jede Frau in ständiger angst leben, wenn sie alleine mit Männern sind?"

Vergewaltigern geht es in der Regel um das Machterlebnis. Eine verängstigte hilflos erscheinende Frau ist gerade das gefundene Fressen für solche kranken Verbrecher. Nein, gewöhn dir die Angst ab! Unterstelle den Männern nicht generell, sie wären potentielle Vergewaltiger und tritt selbst selbstbewusst auf, anstatt dich in Ängste hineinzusteigern und dich selbst als Opfer anzubieten - sorry - die Schuld liegt immer beim Täter, das steht ohne Frage! Aber wir selbst können unseren Alltag und unser Leben mitgestalten und über uns bestimmen. Wir werden nicht mal eben vergewaltigt, wenn wir es nicht zulassen, sondern schreien, schlagen und wütend werden. Und es kommt ein potentieller Täter auch nicht leicht auf die Idee zu so einem Verbrechen, wenn wir uns nicht als verängstigte Opfer anbieten. Das soll keinesfalls irgendeine Entschuldigung für Täter sein! Es soll aber eine Ermutigung zum selbstbestimmten Leben sein!

Kommentar von bananentasche ,

landregen, das war eine super Antwort, ich fühle mich durch deine Worte stärker!:)

Kommentar von landregen ,

Freut mich, danke. Wir sind ja auch stark! :)

Antwort
von TanjaStauch, 9

Hm...

PaSan bringt ein sehr gutes Argument.

Landregen ebenfalls. Auch die Antworten von Dampfkristall und Bestie10 sind sehr vernünftig und durchdacht.

Je härter ein Strafrecht, desto höher ist üblicherweise auch die Gewalt-Kriminalität. Texas ist da ein gutes Vorbild. Es hat seit Jahrzehnten seine Strafen verschärft und hat heute mit die höchste Kriminalitätsrate in den USA.

* Weil ein Ex-Häftling kaum eine Chance hat, wieder in ein anständiges Leben zu finden.

* Weil Häftlinge im Knast von ihren Kollegen eher Dinge lernen, die nicht so wirklich toll sind.

* Weil einfache Vergewaltigung auch schon so hart bestraft werden kann, dass es nicht mehr viel ausmacht, wenn noch schwere Körperverletzung oder ein Mord dazu kommt. Genau damit lässt sich aber das Risiko deutlich reduzieren, erwischt und verurteilt zu werden. Also wenn schon, dann richtig...

JEDE Vergewaltigung ist eine zu viel. Egal ob der Täter männlich oder weiblich oder das Opfer männlich oder weiblich ist. Oder einem anderen Geschlecht (Geschlechter sind Definitionssache) angehört.

Alles kommt vor. Vor einigen Jahren war aber überhaupt nur der Fall "männlicher Täter" und "weibliches Opfer" strafrechtlich definiert. Der Bundestag hat sich da trotz großer innerer Widerstände der Realität angepasst.

Die meisten Vergewaltigungen geschehen (wie andere Gewaltverbrechen, insbesondere Tötungsdelikte) im näheren persönlichen Umfeld. Durch Eltern, durch LebenspartnerInnen, durch Geschwister, durch andere Verwandte oder "gute" Freunde.

Das macht alles sehr kompliziert.

Häufig spielt Alkohol eine große Rolle. Viele Menschen werden dadurch enthemmt. Manche Menschen tun dann Dinge, die sie nüchtern nie tun würden. Das gibt es auch auf der Opfer-Seite. Jemand sagt ja und macht mit, obwohl das nüchtern ganz anders gesehen würde. Und hinterher eben auch wirklich anders gesehen und beurteilt wird.

Das betrifft jetzt sicher nicht die Mehrheit der Fälle. Aber es gibt auch reichlich Fälle dieser Art. Das Opfer behauptet: Ich habe klar NEIN gesagt. Der Täter sagt: Du hast klar JA gesagt. Aber beide waren schwer alkoholisiert.

Stell dir jetzt selbst mal vor, du müsstest darüber richten...

Ein Punkt, mit dem ich mich sicher heftig in die Nesseln setze:

Viele Opfer (und ich hatte mit vielen sehr intensiv zu tun), entwickeln ihre schwersten seelischen Verletzungen erst deutlich nach der eigentlichen Tat. Insbesondere solche aus besonders religiösen Familien.

Da tauchen Begriffe wie "geschändet" auf.

Das ist Mobbing, um das Opfer jetzt noch so richtig fertig zu machen.

Manchmal denke ich, man sollte die "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" komplett streichen und stattdessen intensiver gegen Verbrechen wie "Körperverletzung" und "Drohung" vorgehen.

Nicht der Sex an sich ist das Verbrechen!

Sondern das, was eine Person gegen ihren Willen dazu gezwungen hat.

Liebe Grüße,

Tanja

Antwort
von hertajess, 13

Ich trampte von Hamburg nach Stade morgens um vier. Und dann noch mitten im Winter. Mich nahm ein Auto mit. Dann bog er irgendwo in einen Feldweg. Zum Glück ging gerade die Sonne auf sodass ich mich ein wenig orientieren konnte. Weit und breit ein Haus zu sehen, Verkehr auf einer Straße. 

Der Mann legte sich also auf mich. Er versuchte mir meinen Mantel aufzuknöpfen. Ich ließ es ruhig zu. Ebenso ruhig wanderte eine meiner Hände zu meinem Abwehrspray. Dann suchte sie die Türöffnung. Also den Hebel. War schon ein Geschäft mit diesem Fleischberg auf mir. Schließlich hielt ich die Luft an, sprayte, Tür auf und raus. 

Ich hatte auch eine Dosis abbekommen die mich erst mal behinderte. Es war für uns beide ein Glück. Denn der Mann besann sich, lief mir hinter her. Ich hörte seiner Stimme an dass es ihm ehrlich leid tat. 

Mein Mantel war schmutzig geworden. Ich stieg wieder zu ihm in den Wagen. Er fuhr mich da hin wo ich hinwollte. Für ihn war es ein Umweg. 

Wir verabredeten uns für die nächsten Tage zu einem Kaffee. Dahin brachte ich die Rechnung von der Reinigung des Mantels mit die er übernahm. 

Dann erzählte er mir: 

Er war ständig mit dem Auto unterwegs. Schon oft hatte er Menschen mitgenommen. Mehrere junge Frauen hatten ihn trotz Protest so manipuliert dass er es als Vergewaltigung wahrgenommen hatte. Das ist auch für Männer eine beschämende Erfahrung. In meinem Fall hatte er sich gedacht: 

Besser ich übernehme jetzt mal die Initiative als dass ich wieder vergewaltigt werde. 

Ja. Das ist eine wahre Geschichte. Es war Anfang 1975. Und sicherlich hat sich am Hintergrund bis heute wenig geändert. 

Antwort
von Dampfkristall, 29

Man sollte nicht vergessen, dass auch Männer vergewaltigt werden und bei ihnen die Dunkelziffer extrem hoch ist.

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