Frage von Elmsfeuer67, 83

Was kann man gegen Schikane im Seniorenheim machen?

Mein Stiefvater lebt seit 1 Jahr in einem Seniorenheim. Anfangs wurde er von einem Aushilfspfleger beschimpft und eingeschüchtert. Er rief mich weinend an und ich bin sofort hin. Da ich nur 4 Minuten entfernt wohne, habe ich noch einen Teil der Beschimpfungen miterlebt. Als ich den Pfleger zur Rede stellte, wurde er auch mir gegenüber sehr aggressiv, bedrängte mich körperlich und versuchte mich dadurch auch einzuschüchtern. Daraufhin beschwerte ich mich bei der Pflegedienstleitung. Beim gemeinsamen Gespräch stritt dieser Pfleger alles ab und stellte meinen Stiefvater als senil (ist er nicht!) und mich als unverschämt hin. Am nächsten Morgen ging ich bei Dienstbeginn sofort zur Heimleitung und schilderte den Ablauf. Mir und meinem Stiefvater wurde dann versichert, dass dieser Pfleger das Zimmer meines Stiefvaters nicht mehr betreten dürfe. Jetzt ist es seit einigen Wochen immer wieder vorgekommen, dass dieser Mann das Zimmer doch betritt. Ich habe jedesmal mit der verantwortlichen Dame von der Pflegedienstleitung gesprochen welche mir immer wieder versprach, dass sie etwas dagegen unternehmen würde. Jetzt ist dieser Pfleger am letzten Wochenende nicht nur im Zimmer gewesen, sondern hat meinen Stiefvater sogar umgezogen und ist dabei wohl ziemlich grob mit ihm umgesprungen. Mein Stiefvater ist total verängstigt und fühlt sich ausgeliefert. Wir wissen nicht mehr was wir machen sollen. Dieser Pfleger ist nur an den Wochenenden da, wenn die Leitung bzw. Verwaltung geschlossen ist. Die Kollegen halten auch den Mund und mischen sich nicht ein. Ein Umzug ist auch keine Option, da es hier sehr ländlich ist und es nur hier wenige Heime gibt, welche in einiger Entfernung liegen, was sich auf die Häufigkeit unserer Besuche auswirken würde. Was können wir machen? Gibt es übergeordnete Stellen, bei denen wir uns beschweren können und die eingreifen würde und könnten? Das Problem ist ja die Aussage gegen Aussage-Situation. Dadurch wird alles relativiert und kleingeredet und der Pfleger behält Oberwasser während mein Stiefvater leidet!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Jenjka07, 21

Droh der PDL oder dem Heimleiter mit dem MDK. (medizinischer Dienst) meistens wird dann reagiert, da kein Heim das MDK gerne im Haus hat. Ich denke, die werden sich dann mit deinem Stiefvater unterhalten um sich selber zu überzeugen, inwieweit man dem glauben kann. Versteh mich nicht falsch, sowas gibt es leider öfter als einem lieb ist aber in dem Fall hat das MDK ja "keine Ahnung" & muss sich absichern.
Ich arbeite auch in einem Heim und hatte mal eine ähnliche Situation, in der selbst Gewalt eine Rolle gespielt hat. Die angehörigen haben mit dem MDK gedroht und auf einmal war die Kollegin nicht mehr da, merkwürdig... :-P
Warum die Kollegen dort ihren Mund halten, verstehe ich nicht. Oder sie tun vor euch nur so. Geht ja auch um den Ruf des Hauses. Wenn er schon ein Zimmerverbot bekommen hat, wird er auf den Deckel bekommen haben. Sprich auch nochmal die Wohnbereichsleitung an, damit wirklich alle Kollegen wissen, dass dieser Pfleger nicht mehr ins Zimmer darf...

Ich wünsche euch alles gute & drücke euch die Daumen.
Liebe Grüße :)

Kommentar von Elmsfeuer67 ,

Vielen Dank,

das mit dem MDK werde ich versuchen. Die Kollegen wissen alle Bescheid, da das Heim sehr klein ist. Außerdem gibt es eine sogenannte "Heimzeitung" in welcher darüber informiert wurde. Natürlich hat er erst einmal eine auf den Deckel bekommen, nur war das anscheinend nicht sehr nachhaltig. Meiner Beobachtung nach hat dieses Heim einen gewissen Personalmangel, da seit ca. einem halben Jahr verstärkt die wirklich guten Mitarbeiter zu anderen Arbeitgebern abwandern. Man kann wohl nicht so ohne weiteres auf diesen Pfleger verzichten...

Kommentar von Jenjka07 ,

Wenn der Heimleitung wirklich was am Haus und vorallem an den Bewohnern liegt, sollten die reagieren. Personalmangel gibt es überall aber auch durchaus Möglichkeiten, den durch zB Zeitarbeitsfirmen wieder auszugleichen. Aber ist natürlich teurer und deshalb wird es ungern gemacht.
Wenn das mit dem Pfleger schon alle wissen, verstehe ich echt nicht, warum der noch da ist... Da gibt es meiner Meinung nach auch keine Rechtfertigung für. Zur Not zusätzlich noch mit der Presse drohen.
Ich drücke euch weiterhin die Daumen.

Kommentar von Elmsfeuer67 ,

Vielen, vielen Dank für diesen Super-Rat!!!

Ich habe heute Mittag, kurz nachdem ich den Tipp von Dir bekommen habe, den zuständigen MDK ergoogelt und dort angerufen. Als ich gegen 15:00 Uhr bei meinem Stiefvater eintraf, war schon eine Frau von der Heimaufsicht da, die vom MDK beauftragt worden war der Sache nachzugehen. Ich konnte es nicht glauben!!! Mein Stiefvater blieb ungefähr eine halbe Stunde in der Besprechung. Als er fertig war hat sich die Dame bis gegen 17:00 Uhr mit der Heimleitung und dem Besitzer des Pflegeheimes zusammengesetzt. Danach hatten mein Stiefvater und ich noch ein Gespräch in dessen Verlauf der Besitzer des Heimes sich mehrfach bei uns Beiden entschuldigt hat. Er wäre darüber nicht informiert worden und im Glauben gewesen, dass sich die Sache nach seiner Anordnung dass der Pfleger das Zimmer nicht mehr betreten dürfe, erledigt sei. Irre, wie schnell das gehen kann, wenn man die richtige Stelle anspricht! Ich hoffe, dass es jetzt besser wird. Nochmals ein dickes Dankeschön!

Kommentar von Jenjka07 ,

Freut mich, dass ich helfen konnte und beruhigt mich! Bin immer sehr mitfühlend. :-P
Ich hoffe nur noch, dass dieser Pfleger eine fette Kündigung bekommt, solche Menschen gehören nicht in den Beruf.

Antwort
von MaxNoir, 48

Ganz einfach. Zur Polizei gehen. Wegen Beleidigung oder Missbrauch oder so. Wenn die Heimleitung sieht, dass der Pfleger denen schon Polizeianzeigen einbringt, dann wird sie den sicher nicht halten wollen.

Du kannst natürlich auch die Leute selbst vors Gericht ziehen und eine einstweilige Verfügung erwirken, dass der Pfleger nicht mehr mit deinem Vater interagieren darf. Das ist aber nur schwer zu kontrollieren.

Hab da echt keine Hemmungen. Kann ja wohl nicht angehen.

Kommentar von Elmsfeuer67 ,

Vielen Dank für die schnelle Antwort!

Das mit der Polizei habe ich schon versucht, da dieser Pfleger aber überwiegend psychischen Druck ausübt - von gelegentlichen, nicht nachzuweisenden Knüffen mal abgesehen - und alles kategorisch abstreitet, sagte der Beamte da könne man nichts machen. Wie gesagt: Aussage gegen Aussage...

Kommentar von MaxNoir ,

Dann empfehle ich dieses (oder ein ähnliches Gerät) im Zimmer deines Stiefvaters zu platzieren, am besten zwischen seinen persönlichen Gegenständen. Es hat eine Aufnahmezeit von bis zu 400h, so dass du auch nicht jeden Tag kommen musst. Dann wird man ja hören, wie es dort abgeht.

http://www.spyshop.berlin/spionagediktiergeraete-84

Besondere Zeiten, erfordern besondere Maßnahmen. Ich kann nur raten wirklich nichts unversucht zu lassen.

Mal ein Beispiel aus meinem persönlichen Leben:

Meine Mutter hatte eine Rücken-OP und das lief alles sehr kurzfrisitg. Also musste ich ihr auf die Schnelle ein Krankenbett für zu Hause klar machen. Das Krankenbett konnten wir natürlich nicht selbst bezahlen, also haben wir es über die Krankenversicherung probiert. Die hat uns zur Rentenversicherung geschickt. Die wiederum zur Krankenversicherung. Das ging ca 3 Tage so. Bis ich komplett eskaliert bin und mir den Namen von dem Regionalchef der Barmer klargemacht habe, die Mail-Adresse entsprechend angepasst habe und damit gedroht habe, an die Öffentlichkeit zu gehen, sollte ich nicht ganz schnell ein Krankenbett bekommen für meine Mutter die über 40 Jahre jeden Monat über 200-300 Euro in die KV eingezahlt hat.

Am nächsten Tag rief mich selbiger Regionalleiter an und entschuldigte sich bei mir, bot mir an zu ihm ins Büro zu kommen und mir mit dem Papierkram zu helfen. Das Bett hatte ich dennoch einen Tag später stehen.

Man muss mit harten Bandagen kämpfen, sonst funktioniert hier nichts mehr in diesem Land.

Kommentar von Elmsfeuer67 ,

DAS habe ich mir auch schon überlegt, da mein Stiefvater aber mittlerweile einen Mitbewohner hat, darf ich das nicht aus Gründen des Datenschutzes und der Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Zimmernachbarn. Leider ist dieser Zimmernachbar schon über 90, dement und gibt deswegen keinen brauchbaren Zeugen ab. Ich bin damals nach meiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Pfleger durch das Heim gelaufen um den Pflegedienstleiter zu suchen und habe während dieser Zeit mein Handy auf Sprachaufnahme gestellt. Dadurch konnte ich bei einem späteren 2. Wortwechsel einige sprachliche Ergüsse dieses Pflegers aufzeichnen, die ihn eindeutig als Lügner entlarvten - er hatte ja alles abgestritten. Der Heimleiter hat sich geweigert, die Aufnahme anzuhören und der Pfleger hat mir mit einer Anzeige gedroht. Ich weiss einfach nicht mehr weiter...

Kommentar von MaxNoir ,

Vielleicht mal bei anderen Angehörigen des Heims fragen ob die ähnliche Erfahrungen gemacht haben? Mal davor stehen bleiben und gucken wer da so ein und aus geht und die ansprechen, auf einen Kaffee einladen und befragen. Vielleicht ist dein Stiefvater kein Einzelfall.

Die Sache ist natürlich auch verzwickt. Grundsätzlich finde ich es richtig einfach von allen Seiten so viel Druck wie möglich aufzubauen. Du kannst entsprechend auch bei der Rentenversicherung, Gesundheitsamt oder wer auch immer diese Altenheime überwacht Radau machen. Und viellecht kennst du ja jemanden der bei einer Lokalzeitung ist und mal einen Artikel über den Verdacht schreibt. Oder so.

Einfach nichts unversucht lassen und den Druck auf das Heim immer weiter aufbauen.

Kommentar von Elmsfeuer67 ,

Eines der Probleme ist, dass wir hier in der Wallachei leben. Hier ist irgendwie jeder mit jedem verwandt und die die es nicht sind, wollen sich keine Laus in den Pelz setzen. Die Lokalzeitung berichtet ausschließlich über Feuerwehrfeste, Jubiläen, Rot-Kreuz Mitglieder oder mal über eine abgebrannte Scheune. Als ich in der Redaktion unseres Blättchens angerufen habe und erzählen wollte, hat mich die 'nette' Dame erst mal gebremst, mir klargemacht, dass man sich nicht in private Auseinandersetzungen einmische und den freundlichen Hinweis eingeschoben, dass es schädlich für die Zeitung sei, wenn sich herausstellte, dass der Ruf des Heimes durch einen solchen Artikel leiden würde.

Die Angehörigen die ich versucht habe einzubeziehen, haben sofort geblockt. Ich habe auch versucht, die wenigen Bewohner die noch bei klarem Verstand sind zu fragen, ob sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Leider machen es diese wie die drei Affen. Bei meinen regelmäßigen Besuchen habe ich sehr oft mitgekriegt, dass dieser Pfleger auch mit Anderen so umspringt. Er herrscht die Leute immerhin dermaßen an, dass man es auch außerhalb der Zimmer hören kann. Keiner macht den Mund auf. Viele aus Angst, einige aus Bequemlichkeit. Ist ja auch kein Wunder - es passiert ja nichts, egal wie oft man sich beschwert. Ich habe schon so vieles versucht, bis ich meine Frage hier gestellt habe - alles Sackgassen! Meine Hoffnung ist, dass eine Institution von außen - nicht verwandt und nicht verschwägert - etwas in Bewegung setzen kann. Ich weiss nur nicht ob es eine solche gibt und wie ich darankommen soll.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community