Frage von NightxMare, 122

Was kann man gegen den Drang, sich zu Ritzen, machen?

momentan geht meine Stimmung wieder runter und ich verspüre wieder den Drang, mich zu ritzen (bin nicht in Therapie). Ich denke wieder selbstkritisch und mache mich selber runter. Gedanken über den Tod und den Sinn des Lebens sind auch an der Tagesordnung.

Was kann ich SELBST dagegen machen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Merlchen1607, 26

Hallo :)

Ich hoffe zwar, dass du inzwischen schon eine mögliche Lösung für dein Problem gefunden hast, dennoch habe ich noch ein paar Tipps dafür, wie man mit akuten Stresssituationen umgehen sollte, in denen man sich selbstverletzen möchte.

Das Wichtigste eigentlich, das man Vorneweg wissen sollte, ist, dass man mehrere Dinge (so genannte Skills) hintereinander ausprobieren muss (so genannte Skill-Ketten).
Was bei wem hilft, das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, dem Einen hilft das, der Nächste kann damit gar nichts anfangen. Wichtig ist, dass man sich nicht entmutigen lassen darf, wenn das Erste, was man probiert, nicht gleich klappt. Wie auch immer, hier sind meine Skills:

Sich ablenken:
- Jemanden anrufen, Jemanden besuchen, ins Kino gehen, Sport treiben, Fernsehen, etwas schreiben, You-Tube-Videos anschauen
- Jemandem etwas schenken, etwas Schönes für einen anderen Menschen tun
- (fröhliche) Musik hören, Comics lesen, eine lustige Fernsehsendung anschauen
- Etwas lesen, Rätsel lösen, leise rückwärts zählen, sich auf einzelne Farben in Bilder konzentrieren
- Mit der anderen Hand schreiben (z.B. links statt rechts), jonglieren
- Eis in die Hand nehmen, etwas Scharfes schmecken, Wechselduschen, Kieselsteine in die Schuhe legen, einen Igelball drücken, eine Brausetablette lutschen, ein Gummiband am Handgelenk tragen, daran ziehen und loslassen
- Sich in Gesellschaft von anderen Menschen begeben

Sich beruhigen:
- Einen Sonnenuntergang ansehen, ein Bild/Poster genau betrachten, aufräumen, die Natur betrachten, an einem schönen Ort spartieren gehen
- Das Lieblingslied singen, auf Naturgeräusche achten (Vögel, Regen)
- Creme sorgfältig auftragen, Parfum benutzen, eine Duftkerze anzünden, Kochen/Backen
- Etwas Leckeres Essen, ein warmes Getränk trinken, Achtsam eine einzige Sache essen, wirklich schmecken, was man isst
- ein Tier streicheln, sich massieren lassen, ein Bad nehmen, die Haare gründlich bürsten, jemanden umarmen

Den Augenblick verändern:
- sich etwas Angenehmes vorstellen, sich an schöne Erlebnisse erinnern
- Tief und bewusst atmen, Entspannungsübungen machen, den Gesichtsausdruck bewusst verändern
- Die schmerzhafte/stressige Situation vorübergehen wegschieben, sich eine Mauer vor dem Schmerz vorstellen
- Die Aufmerksamkeit in der schmerzhaften Situation auf alle positiven Aspekte richten, die man finden kann
- sich gemütlich zurückziehen, eine Pause nach Arbeit machen, Zeit im Freien verbringen
- sich selbst Mut machen ("ich kann es aushalten", "es wird vorbeigehen", "ich werde es schaffen")
- sich an einen inneren sicheren Ort begeben

Anderes:
- Pro und Contra von Selbstverletzung auf kurze und lange Sicht abwiegen
- Entgegen dem Gefühl handeln (z.B. Obwohl man lieber zu Hause bleiben möchte, beispielsweise einkaufen gehen)

Dann gibt es noch eine Übung, die mir persönlich sehr hilft. Die Übung besteht darin, dass man als erstes drei Dinge aufzählt, die man sieht (z.B. ein Poster an der Wand), dann drei Dinge, die man hört (z.B. Autos, die vorbeifahren) und schließlich drei Dinge, die man (körperlich) fühlt (z.B. Den eigenen Arm, der auf der Armlehne aufliegt, spüren). Danach wiederholt man das Ganze, sucht allerdings nur nach jeweils zwei Dingen, die man sieht/hört/fühlt, danach das Ganze mit jeweils einer Sache, die man sieht/hört/fühlt. Man kann sich anstrengen, jedes Mal andere Dinge zu finden, dann wäre es eine Übung, die ablenkt. Ein anderer Ansatz wäre, die gleichen Dinge aufzuzählen, das macht einem dann bewusst, dass sich nichts verändert hat, obwohl eine gewisse Zeit vergangen ist. Ich weiß nicht, ob du das kennst, aber manchmal hat man das Gefühl, das man in den eigenen Gedanken untergeht, diese Übung kann einen dann schnell wieder in die Realität zurückholen.

Ich hoffe sehr, dass ich dir und auch anderen helfen konnte. Viel Glück weiterhin!

Lg Merlchen1607

Kommentar von Merlchen1607 ,

Ps: Wenn du den Drang nach Selbstverletzung spürst, dann ist es immer eine gute Entscheidung, sich von außen Hilfe zu holen, d.h. außerhalb der Familie und dem Freundeskreis, auch, wenn es evtl. sehr viel Überwindung kostet, sich einzugestehen, das man (professionelle) Hilfe braucht. Bitte lass dir helfen, es gibt einen Weg aus dem Ritzen hinaus, auch für dich. Bleib stark! Ich habe schon gelesen, dass du mit deinen Eltern nicht darüber reden möchtest. Psychologen und alle Ärzte sowie Psychiater haben Schweigepflicht!

Ein guter Weg, zu einem Therapeuten zu gelangen, ist es, zum normalen Hausarzt, bzw. Kinderarzt zu gehen. Die "Ausrede" für deine Eltern wäre, dass du dich gerne einmal durchchecken lassen möchtest, also eine Routineuntersuchung. Bei dieser Untersuchung kannst du dann bevor sie richtig beginnt deinen Arzt oder deine Ärztin in den "wahren" Grund deines Termins einweihen. Ärzte bieten nahezu jedes Mal auf Wunsch eine Liste mit Therapeuten und Psychiatern an. Du könntest den Arzt oder die Ärztin dann im weiteren Verlauf des Gesprächs fragen, ob sie oder er mit deinen Eltern sprechen könnte, da du dich unsicher fühlst, selbst mit ihnen darüber zu reden. Meist verstehen Ärzte, das Jugendliche nicht sehr gerne mit ihren Eltern über Probleme reden mögen. Wenn dein Arzt oder deine Ärztin dann alles in die Wege geleitet hat (dir eine Liste mit Therapeuten herausgesucht hat, mit deinen Eltern gesprochen hat), dann braucht es meist nur einen Anruf bei einem der Therapeuten (den du selbst tätigen kannst) und du kannst dich bei dem Therapeuten vorstellen. Die ersten Gespräche kosten nichts, sie gelten als "Kennenlernen". Wenn du dann einen Therapeuten gefunden hast, dann müssen deine Eltern ein Formular unterschreiben, mit dem sie einer Therapie zustimmen, sofern du noch unter 15 Jahren bist (bist du älter, kannst du eine Therapie auch ohne das Wissen deiner Eltern anfangen). Im Anschluss muss ein Antrag an die Krankenkasse für die Kostenübernahme der Therapiestunden gestellt werden, den entweder deine Eltern stellen können oder du gemeinsam mit deinem Therapeuten, der dich sicherlich dabei unterstützen wird.

Das hört sich für den Anfang immer sehr viel an, aber es ist weniger schlimm als gedacht. Und es lohnt sich.

Bitte spring über deinen Schatten und beginne eine Therapie, mit dem richtigen Therapeuten ist sie Gold wert. Ich wünsche dir viel Kraft für die Zukunft :)

Antwort
von anna0400, 45

Also wie schon andere gesagt haben hilft Sport oft.. was mir aber auch hilft ist musik machen z.b... und bei depri stimmung Keine traurige Musik hören sondern eher fröhliche dann wird man selbst auch wieder besser gelaunt
Hoffe dass ich dir ein bisschen Helfen konnte

Antwort
von Origin, 49

Sports hilft meiner Ansicht nach wirklich am besten. Optimalerweise in irgendeinem Verein, dann hängt es weniger von deiner Motivation ab als zum Beispiel beim joggen gehn. Such dir am besten was, was dich so richtig auspowert, damit du danach träge/müde bist.

Kommentar von NightxMare ,

Ich geh auf ein Gymmi, da ist nicht viel Zeit für Hobbys oder Sport. Ich musste alle Hobbys aufgeben.

Antwort
von BellaBoo, 54

Vielen helfen Ersatzhandlungen, wie ein Gummiband an die Haut schnalzen, Chilischoten essen...

Vielleicht findest du unter dem Link etwas, was dir helfen kann

http://www.rotelinien.de/alternativen.html

Kommentar von YoungLOVE56 ,

Das sind nur "Ersatz-Schmerzen", die ihr nicht weiterhelfen werden.

Kommentar von Origin ,

Das stimmt nicht, alles was den Drang aufschieben oder unterdrückt ist hilfreich, genau wie man heroinsüchtigen Methadon beim Entzug gibt.

Kommentar von BellaBoo ,

ja, deswegen nennt man das Ersatzhandlungen. Die werden in Therapien eingesetzt, was willst du mir erzählen. Ich kenne einige denen diese Ersatzhandlungen geholfen haben, das Ritzen hinter sich zu lassen, nach und nach werden die dann auch ausgeschlichen.

Ich habe nicht gesagt, sie helfen allen, dir anscheinend nicht, das heißt aber nicht, das sie garnicht helfen...und auf der Seite sind noch andere Vorschläge...soll ich die Seite kopieren ?

Kommentar von Origin ,

Ja da sind noch andere vorschläge.

Kommentar von skogen ,

Aber in Therapie willst du auch nicht? Tja..

Kommentar von BellaBoo ,

Wieso sollte ich in Therapie gehen ? Ich ritze mich nicht, ich habe kein SVV...

Kommentar von YoungLOVE56 ,

@BellaBoo: Ich habe auch nicht gesagt, dass ich mit Ritzen was zu tun habe. Ich verstehe nur nicht, was das bringen soll, sich anderweitig Schmerzen zuzufügen - der Betroffene soll schließlich gänzlich damit aufhören, sich selbst zu "bestrafen". Und manchen geht es ja nicht nur um den Schmerz. Man hört immer wieder, dass diese Methode nicht funktioniert.

Kommentar von BellaBoo ,

Man hört immer wieder, dass diese Methode nicht funktioniert.

Ja, natürlich, aber man hört im Allgemeinen sehr vieles. Wenn man erkrankt ist, dann sollte man einiges ausprobieren, um etwas zu finden, das einem hilft und auf der Seite sind auch noch andere Methoden angegeben (zum zweiten Mal jetzt)...
Ich habe auch nicht geschrieben, das allen diese Ersatzhandlungen helfen, sondern vielen und da steht, das sie unter dem Link vielleicht etwas findet, was ihr helfen kann. Wenn du dem Link gefolgt wärst, dann hättest du da noch andere gefunden.

Wenn du mit Ritzen nichts zu tun hast und dich damit auch noch nie näher auseinandergesetzt hast, dann kannst du das auch nicht verstehen... man kann, wenn man es vernünftig betrachtet, keinen Sinn darin sehen, das eine mit dem anderen zu ersetzen...aber das kann man bei vielen Suchttherapien auch nicht. Warum ersetzt man Heroin mit Methadon, Alkohol mit Baclofen oder Selincro ? Weil es hilft aus dem extrem negativen Verhalten zu einem etwas weniger negativen zu kommen, um dann einen guten Therapieansatz zu finden...dann kann man die Ursache beheben, um schlussendlich soweit zu kommen, das sie nichts mehr benötigen....und das ist beim Ritzen genauso.

Antwort
von voayager, 12

Ein Coming Out hilft da enorm weiter. Sich öffnen und seine Probleme herausschreien. Anderen mitteilen, wasd mit einem los ist.

Antwort
von KeepoKappa, 40

Ablenken.

Kommentar von NightxMare ,

Das funktioniert nicht bei mir. Selbst wenn ich Fernsehe oder so schweifen meine Gedanken um diese Themen.

Deswegen kann ich ziemlich schlecht einschlafen.

Antwort
von YoungLOVE56, 41

"Bin nicht in Therapie"- Dann geh in Therapie.

Kommentar von NightxMare ,

Ich lebe in so nem Dreckskaff und die nächste Stadt mit ordentlichen Psychologen ist 45 Min. entfernt. Meine Eltern müssten mich hinfahren - so würden die das ja heraus finden...

und das sollen sie nicht..

Kommentar von YoungLOVE56 ,

Aber wenn du nichts dagegen tun willst, warum stellst du hier diese Frage?

Kommentar von skogen ,

Ich habe jahrelang nach nen geeignet Psychiater gesucht. Ich fahre nun eine Stunde und 15min zu meinen Arzt. Lohnt sich. Hab jetzt nen seriösen. - Und was soll immer dieser Mist vonwegen, ich will nicht das meine Eltern das erfahren? Wenn du Probleme mit Ihnen hast, wende dich ans Jugendamt. Ansonsten, die lieben dich und wollen nicht, dass du ihnen sowas ernstes verheimlichst. Stell dir mal vor, du hättest solch ein Kind und es vertraut dir nicht...

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