Frage von schilling1899, 97

Was kann ich tun, wenn die Heizabrechnungsfirma weigert, Werte zu korrigieren?

Hallo,

Jährlich muss ich als Vermieter eines 5-Parteienhauses Nebenkosten abrechnen. Wesentlicher Bestandteil sind die einzelnen Heizkostenabrechnungen. An allen Heizkörpern sind funktaugliche Messgeräte montiert. Bei der letzten Ablesung konnte ein Gerät nicht per Funk ausgelesen werden. Die Ablesung war Mitte Januar 2015. Die entsprechende Wohnung war bis Ende Januar 2015 vermietet, danach 2 Monate im Leerstand. Das Ableseunternehmen hat das Gerät Mitte März 2015 ausgetauscht.

Leider sehe ich in der aufgeteilten Abrechnung, dass ein Teil des hohen Werts aus dem kaputten Gerät, dem Leerstand(also mir) zugewiesen wurde, gemäß Gradtagenschlüssel und nicht taggenau.

Es ist nicht mein Verschulden, dass das Gerät defekt war und auch nicht, dass es erst Mitte März ausgetauscht wurde. Als Betrag sind ca. 100€ im Spiel.

Das Unternehmen hält sich stur und weist den hohen Wert nicht dem Mieter aus Januar 2015 zu.

Was kann ich machen? Zum Anwalt oder zur Verbraucherzentrale gehen?

Danke

Antwort
von bwhoch2, 10

Das Unternehmen verhält sich genau richtig. Du kannst nicht beweisen, dass der Heizkörper in der Leerstandszeit nicht aufgedreht war. Das ist Dein Problem und nicht das der Ablesefirma.

Da ein Auslesen per Funk nicht möglich war, gab es nur die Anzeige vom Display und diese Anzeige war auch schon zu erkennen an dem Tag, als die Wohnung vom Mieter übernommen wurde. Es wäre also Deine Aufgabe gewesen, den Zählerstand vom Display zum Zeitpunkt des Mieterauszugs abzulesen und der Ablesefirma mitzuteilen.

Zudem könntest Du selbst im Nachhinein versuchen, dem Mieter einen Teil oder den ganzen Betrag, der nun Dir angelastet wurde zu berechnen. Da würde ich mit dem Mieter sprechen und ihm erklären, was Sache ist und wenn ihr immer ein gutes Verhältnis hattet, wird er dafür Verständnis haben. Vielleicht ist er mit einer Aufteilung 80:20 oder 50:50 einverstanden. Er wird selbst wissen, dass er im Januar noch geheizt hat.

Wenn das Verhältnis eher schlecht war, solltest Du die 100 € übernehmen und es als Lehrgeld verbuchen.

Antwort
von ChristianLE, 44

Wenn das Gerät grundsätzlich nicht ausgelesen werden konnte, können die falschen Werte auch nicht als Grundlage für irgendwelche Berechnungen herangezogen werden, oder?

Oder wurde ausschließlich nach Gradtagzahlen umgelegt?

Die Umlage dieser Kosten nach Gradtagzahlen ist grundsätzlich aber rechtmäßig, wenn keine verbrauchsabhängige Abrechnung möglich ist.

Da der Wechsel dann erst im März stattgefunden hat, bedeutet das, dass ein Teil der Kosten dann auch auf den Leerstand fallen.

Kommentar von schilling1899 ,

Es konnte manuell ein Wert abgelesen werden. Dieser Wert wurde nach Gradtagen in die Zeit aufgeteilt bis zum Austausch.

Kommentar von ChristianLE ,

Der Wert wurde aber ja erst im März abgelesen oder?

Hat bei Auszug des Mieters eine Zwischenablesung stattgefunden? Wenn ja, existiert hierzu ein Protokoll mit Unterschrift des Mieters?

Wenn beide Fragen mit einem Ja beantwortet werden können, kannst Du eine händische Korrektur an den Mieter schicken und auf das Protokoll/die Zwischenablesung verweisen.

Eine rechtssichere Korrektur kann das Ableseunternehmen nicht vornehmen, da dieses nur der Wert per März 2015 vorliegen hat.

Der Abrechner weiß ja nicht, wie der Zählerstand bei Auszug des Mieters genau ausgesehen hat, so dass hier nur eine Ermittlung nach Gradtagzahlen erfolgen kann.

Kommentar von schilling1899 ,

Es gab eine fehlgeschlagene Ablesung per Funk, während der Mieter dort wohnte. Das einzige Protokoll ist das aus März. Aus den Heizkörperwerten lässt sich schließen, dass bei Leerstand praktisch nichts verbraucht wurde. Da waren die Ablesegeräte per Funk intakt.

Kommentar von ChristianLE ,

Aus den Heizkörperwerten lässt sich schließen, dass bei Leerstand praktisch nichts verbraucht wurde.

Das verstehe ich nicht. Wenn eine Ablesung zum Mieterwechsel nicht möglich war, woher weißt Du dann, dass bei Leerstand nichts verbraucht wurde?

Kommentar von schilling1899 ,

Weil ich die Heizung nicht aufgedreht habe

Kommentar von ChristianLE ,

Weil ich die Heizung nicht aufgedreht habe

OK, das kannst Du im Zweifel aber nicht eindeutig nachweisen, so dass hier tatsächlich nur nach Gradtagzahlen abgerechnet werden kann. Hier der Verweis auf § 9b (2) Heizkostenverordnung.

Das Ableseunternehmen handelt hier korrekt und muss keine Änderungen vornehmen.

Dein Fehler war hier schlicht und einfach, dass Du im Zuge des Auszugs des Mieters keine Ablesung vor Ort vorgenommen hast und auch keine Erfassung im Übergabeprotokoll vorgenommen wurde.

Hier hättest Du diese Kosten dem Mieter konkret in Rechnung stellen können. Das kannst Du nun - mangels Nachweis - nicht tun.

Kommentar von schilling1899 ,

Wenn ich Ende Januar erst erfahre, dass die Ablesung nicht erfolgen konnte, und frühestens zum Mitte März eine Ablesung inkl. Austausch angekündigt wird, wie soll das Ganze vorher organisieren?

Kommentar von ChristianLE ,

Der § 9b Heizkostenverordnung berücksichtigt kein Verschulden oder den Zeitpunkt des Defektes oder Austauschs, sondern nun die Tatsache, dass keine Ablesung möglich ist.

Ansonsten nochmal: Du hättest die Zählerstände bei dem Auszug deines Mieters Ende Januar ablesen und in ein Übergabeprotokoll eintragen müssen (das macht man normalerweise so).

Hättest Du dies getan, könntest Du den konkreten Verbrauch des Vormieters herausrechnen und diesem gegenüber abrechnen.

Da Du das aber nicht getan hast, kann dem Mieter nur der anteilige Verbrauch über Gradtagzahlen in Rechnung gestellt werden. Die Tatsache, dass Du nach Auszug keine Heizung an hattest, ist da unerheblich und auch gar nicht nachweisbar.

Wie soll da das Abrechnungsunternehmen eine rechtssichere Korrektur durchführen?

Ich habe diese Probleme auch öfter gehabt, so dass ich dann die aufgenommenen Zählerstände über ein separates Protokoll des Abrechners aufgenommen und diesem zugestellt habe. Diese Werte werden dann bei Abrechnungen berücksichtigt, sobald es "Ablesefehler" durch Funk gibt.

Kommentar von schilling1899 ,

Natürlich habe ich den Zählerstand der Fernwärmestation im Keller notiert. Es sind aber insgesamt 20 Heizkörper angeschlossen. Aus den kleinen Funkgeräten kann man nur elektronisch erfassen. Wie soll ich da möglichst genau herunterrechnen?

Kommentar von ChristianLE ,

Was sind denn das für Heizkostenverteiler an den Heizkörpern? Da muss zumindest ein kleines Display dran sein, aus welchem sich die Werte des jeweiligen Gerätes ablesen lassen, egal, ob diese per Funk ausgelesen werden müssen oder nicht.

Meines Wissen ist es sogar Pflicht, dass diese einen Wert anzeigen müssen.

Antwort
von beangato, 49

Der Mieter kann aber auch nichts dafür, dass das Teil defekt war.

http://www.deutscher-vermieterschutzbund.de/web/leistungen-deutscher-vermietersc...

Wende Dich dahin.

Kommentar von schilling1899 ,

Der Mietet hat aber den Verbrauch verursacht!

Kommentar von beangato ,

Völlig egal.

Ich bin Mieter. Bei mir musste ein neuer Heizkörper einbaut werden (der andere war innen verrostet). Das geschah Mitte Februar. Erst Mitte Mai wurden wieder Funkzähler angebracht. Der Verbrauch dazwischen wurde mir NICHT in Rechnung gestellt.

Kommentar von ChristianLE ,

Der Verbrauch dazwischen wurde mir NICHT in Rechnung gestellt.

Da hast Du Glück gehabt. Diese Kosten hätten Dir auf Grundlage des § 9a Heizkostenverordnung in Rechnung gestellt werden können.

Kommentar von beangato ,

Wie kommst Du darauf?

Es ist doch nicht meine Schuld, wenn sich Techem soviel Zeit lässt, bis ein Techniker geschickt wird.

Kommentar von ChristianLE ,

Wie kommst Du darauf?

Hast Du Dir den Paragraphen überhaupt mal durchgelesen? Hier ist jede Diskussion zur Schuldfrage überflüssig, da vom Gesetzgeber nicht berücksichtigt.

Oder anders herum: Was kann der Eigentümer dafür, dass Du heizt, der Verbrauch aber nicht erfasst werden kann?

Du verbrauchst, also kann auch umgelegt werden. Es ändert sich nur der Maßstab.

Es ist doch nicht meine Schuld, wenn sich Techem soviel Zeit lässt

Es kann aber von niemandem erwartet werden, dass eine Instandsetzung binnen weniger Tage erfolgen kann.

Erfahrungsgemäß benötigt fast jedes Abrechnungsunternehmen mehrere Wochen (teilweise sogar Monate), um einen Wechsel oder eine Kontrolle zu realisieren.

Kommentar von beangato ,

Ja, habe ich.

Die Instandsetzung (also neuer Heizkörper) erfolgte ja zügig.

Nur wurden von Techem aus die Termine zur Neuanbringung mehrfach verschoben - das meinte ich mit "meiner Schuld".

Wir sind hier 4 Mieter übereinander - ich bin die 3. von unten. Im Erdgeschoss wird so gut wie nie geheizt, im 1. Stock sehr wenig und über mir die Wohnung war damals nicht bewohnt. Was bitte soll man da vergleichen können - noch zumal bei einem neuen Heizkörper? Der alte war ja kaputt und zeigte somit zu hohen Verbrauch an.

Kommentar von ChristianLE ,

 Was bitte soll man da vergleichen können

Den Vorjahresverbrauch der jeweiligen Wohnungen. Ansonsten wird mittels Gradtagzahlen der Energiebedarf ermittelt und nicht der tatsächliche Verbrauch.

Freu Dich einfach, dass Du hier nichts zahlen musstest.

Antwort
von kenibora, 38

Als Vermieter einer Wohnung in einem Fünfparteienhaus...??? Oder gehört Dir das Haus? Um welche Abrechnungsfirma handelt es sich denn? Wie haben schlechte Erfahrungen gemacht mit Techem und mit Metrona....alle stehen sich in nichts nach....Alle beschäftigen sogenannte "Subunternehmer" welche sie mit Dienstleistungen beauftragen...entsprechend die Genauigkeit und Leistung! Gibt es in dieser Wohnanlage einen Verwalter?

Kommentar von schilling1899 ,

Ja, mir gehört das Haus. Es ist eine Firma aus Willich.

Kommentar von ChristianLE ,

Alle beschäftigen sogenannte "Subunternehmer" welche sie mit Dienstleistungen beauftragen

Das macht im Übrigen ausnahmslos jedes Abrechnungsunternehmen so. Diese rechnen ja nur ab, haben aber keine firmeneigenen Handwerker, die sich um den Gerätetausch kümmern.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community