Frage von Indycep, 100

Was kann ich tun damit ich wieder zur Schule kann?

Hallo, ich bin Asperger Autist und habe keine Ahnung was ich machen soll / kann.

Ich bin 16 Jahre alt (M) war mit 12/13 in Psychiatricher (?) Behandlung und bekam auch soweit gute Hilfe ( ich war wegen Agressionen dort drinnen ) nur bin ich jetzt in der Berufsschule bzw. 11 Klasse und nun kommt das "Problem" : Ich habe "Emotionale" Reaktionen sobald ich in der Schule bin bzw. Ich davor stehe. Ich bin jetzt auch seit langem nicht mehr zur Schule gegangen und nun fragt das Jugendamt was ich denn machen will (in Zukunft) . Mein einziger Freund den ich hatte auf der alten Schule, ist auf einer Schule in einer anderen Stadt, ich kenne dort niemanden. Das einzige was ich im moment mache, ist das Videospielen... Das ist auch eigentlich das einzige worin ich wirklich, naja , gut bin und in meinen Spielen weiß ich genau wann ich was machen muss und wie.

Ich muss mich einfach mal hier ausschreiben damit ich das alles besser verarbeiten kann....

Nun kommen nicht direkte Suicid-Gedanken auf aber ich mache mich selbst runter und meine das ich selbst kein Mensch bin...

Ich habe das Gefühl als wäre ich nicht ich selbst...

Ich hätte echt gerne ein paar Ratschläge was ich machen kann um wieder durchstarten zu können...

Ich will jetzt abern keine Nummer für die Seelsorge... oder diese Hotline für ach was weiß ich...

Meine ganze frühere "Welt" ist "zerstört"...

Fehler gibts bestimmt ne Menge, liegt auch daran das ich nicht mehr die Schule besuche.

Indy

Antwort
von Aleqasina, 30

Ich kann deine Situation gut verstehen!

Lösungsansätze sollten von beiden Seiten kommen: von dir und von der Schule.

Für dich wäre es wichtig, Routinen und Rituale zu entwickeln, die dir Sicherheit geben. Wie wäre es, auf dem Schulweg über Kopfhörer Musik zu hören, die dir gut tut? Das machst du sowieso, nehme ich mal an. Vielleicht wäre es möglich, dass du das auch im Unterricht machst, wenn nicht gerade was erklärt wird und du zuhören musst.

Könntest du dir eine Ersatzhandlung für das Weinen angewöhnen, um deine Emotionen abzureagieren? Mit einem Stimming-Tool herumspielen, eine Knautschball kneten oder so?

Mit der Schule müssten bestimmte Dinge ausgehandelt werden. Dass du gehen kannst, wenn es zu viel wird. Oder dass du dich zeitweilig in einen ruhigen Raum (Schulbibliothek?) zurückziehen darfst. Die Sache mit dem Kopfhörer. Auch so kleine Details, z. B. dass nicht dauernd die Sitzordnung geändert wird und dass du bei Fragen, die nicht direkt den Unterrichtsinhalt betreffen, einen festen Ansprechpartner bekommst, den du auch über E-Mail oder Textnachricht erreichst, falls dir das Telefonieren schwer fällt.

Zumindest für die Übergangszeit wäre ein Schulbegleiter/Integrationshelfer gut, der zwischen dir und den Lehrkräften vermitteln kann und der dir etwas Sicherheit gibt. Es ist unglaublich wichtig, den Lehrkräften zu erklären, was mit dir los ist und worum es bei Autismus geht. Das kann am besten eine neutrale Person.

Versuch mal herauszufinden, was genau zu deinen Problemen führt, z. B. wenn du emotional reagierst. Die Unsicherheit, weil dein Freund nicht mehr da ist, wäre eine Sache. Was noch?

Antwort
von Mary150879, 47

Guten Morgen!

Was meinst du denn mit "emotionalen" Reaktionen?

Wie ist das Verhältnis zu deinen Eltern? Unterstützen sie dich?

Ich habe gerade ein bisschen recherchiert, was das Asperger Syndrom genau bedeutet, auch wenn es mir ein Begriff war und ich mich auch ein wenig mit Autismus auskenne. Weißt du, wir alle haben manchmal unsere Probleme, mit uns selbst, unseren Aufgaben, mit dem was wir sollen und was wir wollen oder nicht wollen. Wir haben Ängste, Sorgen, Kummer, schlechte und gute Phasen. Manchmal kommen wir mit unserer Umwelt klar, manchmal nicht. Und es gibt Menschen, von denen wir glauben, dass bei denen alles perfekt wäre, Menschen, die scheinbar nie Probleme haben. Und andere, wie du, und vielleicht auch ich, die mehr Probleme haben. Z. B. auch damit, sich selbst so anzunehmen, wie man ist.

Ich denke, du solltest - sofern das möglich ist, als erstes mit deinen engsten Bezugspersonen sprechen, vielleicht deine Eltern und deine Situation erklären.
Du kannst natürlich auch mit jemandem sprechen, der "neutral" ist, zu dem du aber Vertrauen hast. Ein Verwandter, ein Freund, ein Lehrer, jemand vom Jugendamt.
Erinnere dich daran, dass du Stärken hast. Genau wie jeder andere Mensch kannst du bestimmte Dinge gut. (Auch außer den Videospielen, wobei auch diese Konzentrationsfähigkeit, strategisches Denken etc. verlangen können)
Was sind das für Dinge?
Und was sind die Dinge, die dir Angst machen, mit denen du nicht klarkommst?
Laut meiner Recherchen haben Asperger-Leute (entschuldige, aber ich nenn das jetzt mal so) Probleme, soziale Kontakte aufzubauen. Aber glaube mir, da gibt es auch andere. Es ist nicht immer leicht, mit Menschen in Kontakt zu treten, Freunde zu finden und Freundschaften zu erhalten. Und laut Studien hat jeder Mensch sowieso nie mehr als 2 - 3 wirkliche und echte Freunde. Und Freundschaften ändern sich auch. Ich habe noch 1 Freundin aus meiner Schulzeit, ansonsten haben sich in jeder Phase, in der sich mein Leben geändert hat, auch die Bekannt- und Freundschaften geändert.
Überlege doch mal, wo du gerne morgen, in einer Woche, in einem Monat, einem Jahr usw. stehen möchtest. Was du dann gerne geschafft haben möchtest. Und fang klein an.
Sprich mit jemandem.
Setz dir ein Ziel. z. B. "Ich gehe wieder zur Schule". Das muss nicht heißen, dass dir das dann immer leicht fällt und jeder Tag gut ist. Aber alles, was du tust (und was du für deine Zukunft tust), machst du für DICH.
Suche dir vielleicht auch wieder professionelle Hilfe.

Aber nochmal: Du hast Stärken, auch wenn du sie vielleicht gerade nicht siehst. Frag mal deinen "alten" Freund, warum er dein Freund ist. Er wird dir bestimmt Seiten von dir aufzeigen, die du momentan nicht siehst.
Und schau doch mal im Internet, vielleicht gibt es Foren/Selbsthilfegruppen oder Aktivitäten in deiner Stadt, die dir gefallen und bei denen du Menschen kennenlernen kannst, die dich so nehmen wie du bist. Dann wird es dir hoffentlich auch bald besser gehen.

Ich wünsche dir von Herzen alles, alles Gute!

Kommentar von Indycep ,

"emotional" heißt für mich das ich anfange zu weine, Ich nicht mehr klar denken kann egal wie hart ich es versuche und das ich laut werde ohne dabei agressiv zu werden.

Eltern? Meine Mutter unterstützt mich wirklich sehr aber mein Vater wohnt nicht bei uns und darf auch nicht mehr kommen wegen Gründen. Er selbst kommt nicht mit seinem Leben klar und momentan sieht es so aus als würde ich zu einer kleinen Version von ihm werden... ( obwohl ich ihn wirklich Hasse )

Trotzdem Danke! Jede Antwort hilft mir weiter und lässt mich mehr und mehr verstehen.

Wirklich, Danke.

Kommentar von Mary150879 ,

Okay, verstehe. Schön, dass deine Mutter dich unterstützt. Dann wird sie dich auch in dieser schweren Zeit begleiten und dir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Weißt du, auch ich habe schon Zeiten gehabt, in denen ich das Gefühl hatte, nicht mal aus dem Bett zu können, geschweige denn, meinen Aufgaben nachzugehen. Jede kleinste Belastung hat mich zum Weinen gebracht. Aber ich habe es durchgestanden und kann dir daher sagen, depressive Verstimmungen (und solche sind es wohl) vergehen auch wieder. Ich bin der Typ, der sich irgendwann einfach selbst "in den Arsch tritt" und versucht, das Positive stärker (und zwar ganz bewusst) in den Fokus zu rücken. Das heißt, dass ich z. B. jeden Abend im Bett für mich die Dinge Revue passieren lasse, die gut waren. Das sind vielleicht nur Kleinigkeiten wie das Lächeln eines Menschen, den ich gegrüßt habe. Aber es hilft nach einer Weile. Vielleicht ist das auch ein Rat für dich, vielleicht musst du dir einen anderen Weg suchen.
Und wenn Menschen einem nicht gut tun, dann muss sie man ihnen aus dem Weg gehen oder sich auch emotional von ihnen lösen. Wie dein Vater. Du bist nicht er. Auch wenn du Gene von ihm hast. Du bist ein Individuum und eine ganz eigene Persönlichkeit. Du hast jeden Tag die Möglichkeit, DICH nach deinen Wünschen zu entwickeln und zu ändern.
Vielleicht noch etwas zu Kontakten, Freundschaften, Bekanntschaften: Ich bin in meinem Leben 13 mal umgezogen (und ich bin noch nicht mal 40). Teils freiwillig, teils beruflich, teils wegen Lebensgefährten etc... Immer wieder neu anzufangen ist sehr, sehr schwer. Aber es hat auch Chancen: Du kannst dich immer wieder ein bisschen "neu erfinden". Und ich habe festgestellt, es gibt überall nette und freundliche Menschen!!!
Und wegen dem laut werden: ach na ja, manche Menschen sind halt auch ein bisschen temperamentvoller. Ich habe die letzten Jahre im Ausland gelebt und da waren die Menschen ganz anders als hier in Deutschland. Nicht so besonnen, immer ausgeglichen, ruhig, angepasst, höflich, "wohlerzogen". Da fand auch mal ein "Familiendrama" in der Öffentlichkeit statt. ;-) Es liegt halt auch nicht immer an einem selbst, sondern auch ein bisschen an der Gesellschaft und Kultur, in der man lebt. Manchmal passt man halt nicht ganz so gut hinein. Aber das macht dich vielleicht für manche Menschen interessanter?!
Also, wie gesagt, nimm dir mal ein Gespräch oder einen anderen kleinen Schritt für heute vor und dann machst du mal die Computerspiele aus und stattdessen einen Spaziergang. Frische Luft und ein bisschen Bewegung tut dem Gehirn und der Seele gut! Und falls es bei dir regnet: Schirm auf und denke dir "I'm singing in the rain..."
Ich wünsche dir einen guten Tag und nochmal alles Liebe

Antwort
von Caesar1234, 49

Hi Indy
Frage die Schule Mal an, ob es in Ordnung ist, dass du nur Stundenweise in die Schule gehen darfst und falls du dich unwohl fühlst nach Hause gehen kannst. Dann versuche immer eine Stunde pro Woche mehr zur Schule gehen.
Ich hoffe, ich konnte dir helfen!
Viel Erfolg für deine Zukunft
Du schaffst das!!!😀

Liebe Grüße
Caesar1234

Kommentar von Mary150879 ,

Ich finde, das ist ein sehr guter Vorschlag! Und wenn die Leute Bescheid wissen, haben sie sicher auch Verständnis.

 

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