Frage von DreaxLike, 28

Was kann ich tun - Wutanfälle bei 2,5 jährigem Kind?

Ich weiß, dass hier ist keine "Mami" Seite oder ähnliches - aber vllt war schon mal jemand von euch in der Lage. Mein Sohn war eigentlich immer ein ziemlich lieber, hat auch relativ schnell alleine geschlafen usw ... Seit Wochen aber hat er jetzt ganz schreckliche Wutanfälle ... Wenn er irgendwas nicht bekommt oder wenn er zB schlafen gehen soll. Das geht soweit, dass es mir ins Gesicht schlägt, mich beißen will und richtig hysterisch schreit. Da ich ihn weder anfassen noch anschreien möchte, sage ich ihm in einem strengeren Ton das dass nicht in Ordnung sei und gehe zB aus seinem Zimmer raus .. Mich macht das psychisch momentan echt fertig .. Ich Zweifel schon an mir selbst und meiner Erziehunh. Verwöhne ich ihn zu sehr ? Erlaube ich zu viel ? Wer war vllt in so einer Situation mal und kann mir eventuell Tipps geben ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hopsfrosch, 23

Liebe DreaxLike,

dies ist eine Seite für alle, die Fragen - auch Fragen zu Kindern! - haben.

Erst einmal: dein Sohn benimmt sich für sein Alter völlig normal. Er ist in der Trotzphase. Er entwickelt gerade eine eigene Persönlichkeit und muss erst herausfinden, was ER bestimmen darf und was DU bestimmst. Mann KANN doch schon so viel und DARF aber noch nicht alles...Das ist für ein Kleinkind natürlich nur schwer auszuhalten und führt notgedrungen zu Tränen und Wutausbrüchen! Logische Erklärungen kann er ja noch nicht verstehen. Kleinkinder sind da noch ganz Gefühl: "Ich WILL jetzt aber..."

Ganz wichtig zu wissen ist: Im akuten Wutanfall kann er nicht hören, was du alles zu ihm sagst. Lass ihn so lange am besten in Ruhe, geh ihm aus dem Weg. Kinder schlagen und treten uns in ihrer Wut meistens, weil wir ihnen zu dicht auf die Pelle rücken!

So ein Wutanfall ist auch für dein Kind schrecklich. Es wird von seinen Gefühlen einfach überrollt, ist ihnen hilflos ausgeliefert. Denn Kleinkinder haben noch keine Impulskontrolle. Das heißt, dass sie sich noch nicht "beherrschen" können wie wir. Hinterher fühlt es sich sehr erschöpft und braucht deinen Trost und deine Nähe! Nimm ihn dann gerne in deine Arme und kuschle erst mal eine Runde. Versichere ihm, das du ihn lieb hast.

Es hilft ihm, seine Gefühle zu "spiegeln". Dann fühlt er sich verstanden und kann das Gefühl loswerden! Vielleicht weißt du ja, worum es ging. Dann kannst du dagen: "Du bist traurig, weil Oma nun doch nicht kommt. Das verstehe ich. Komm, wir rufen sie an und fragen, wann sie mal wieder Zeit hat!" Oder: "Du bist wütend, weil du kein Eis bekommen hast, nicht? Weißt du, es gibt ja jetzt Mittagessen. Danach essen wir dann ein Eis zum Nachtisch, ja?" Oder. "Du bist enttäuscht, dass du jetzt nicht mehr spielen darfst. Es hat solchen Spaß gemacht, nicht? Aber jetzt ist es schon sehr spät, und es ist Zeit, ins Bett zu gehen. Guck mal: Es ist ganz dunkel. Die sonne schläft. Die Vögel schlafen. Die Eichhörnchen schlafen. Alle anderen Kinder schlafen. Oma schläft. Und Mama geht jetzt auch schlafen. Gute Nacht, mein Schatz, bis morgen!" Und dann machst du die Tür hinter dir zu / Nachtlicht an.

Aber bleibe bei deinem Nein. Ein großer Fehler wäre es, ihm nachzugeben, NUR damit er zufrieden / ruhig ist. Niemand hat gesagt, das Erziehung einfach ist. Es bedeutet, dass beide Seiten immer wieder Konflikte durchleben und Mißstimmungen aushalten müssen. Denn wir sind oft anderer Meinung als Kinder :-)

Du machst nichts falsch. Es ist eine ganz normale Phase, durch die alle Eltern und Bezugspersonen einfach durch müssen. Sie dauert mehrere Monate, ich rechne immer eher mit einem Jahr. Es hängt natürlich mit der Persönlichkeit des Kindes ab und davon, wie gut es sich ausdrücken kann, um seine Wünsche zu artikulieren, Begründungen zu verstehen und einsehen zu können und von der Fähigkeit, abwarten und Wünsche auf später verschieben zu können. Das ist Entwicklungsarbeit - erbracht von deinem Kind!

Zum ins Bett gehen brauchen Kinder ein Ritual, um langsam zur Ruhe zu kommen und sich fallen lassen zu können. Es ist immer gut, jeden Tag raus an die frische Luft zu gehen. Und ca. 2 Stunden lang intensiv zu toben und sich körperlich so richtig auszupowern! Ein Körper, der unausgelastet "unter Strom" steht, kann sich abends nicht entspannen. Und dann ab dem Abendbrot immer den gleichen Ablauf folgen lassen - das beruhigt, vermittelt Sicherheit und läutet den Schlaf ein. also z.B. Abendbrot, waschen, wickeln, Schlafanzug an mit einem kleinen Spruch oder Fingerspiel, auf den Schultern ins Kinderzimmer reiten, eine gute Nacht geschichte vorlesen (keinen Krimi), Gutenachtlied singen, Küßchen, Winken, rausgehen. Oder so. Hilfreich sind immer die selben Lieblingssprüche...

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen!

Ganz LG, deine Tagesmutter und Fachkraft für Frühpädagogik

Antwort
von hertajess, 19

1. Dein Sohn hat weder Wutanfälle noch kann er in einer Trotzphase sein. Denn für Beides braucht es eine eigene Persönlichkeit. Diese hat er aber noch nicht. Sie entwickelt sich gerade. 

2. Aus diesem Grund funktioniert auch nicht mehr dass das Kind einfach so gehorcht wie ein Hund. Es will und muss jetzt sich selbst entdecken, sich abnabeln von der Gefühls- und Willenswelt der Mutter. Das ist ein schlimmer Prozess für ein Kind. Denn es hat doch seine Mama existentiell lieb. Es geht also in einen natürlichen aber schmerzhaften Konflikt mit der Mutter. Dazu muss es sehr viel Energie mobilisieren. Was Natur selbstverständlich zur Verfügung stellt denn schließlich ist es ein naturgewollter und lebensnotwendiger Prozess der auf das ganze weitere Leben auswirkt. 

3. Es macht jetzt keinen Sinn lange diskutieren zu wollen. Damit ist ein Mensch in dieser Phase überfordert. Ruhige und liebevolle Konsequenz ist angesagt. Das ist nicht einfach. Wenn das Kind körperlich wird ist es hilfreich zu sehen dass Du Dich an seinen Rücken stellst. So stärkst Du seine Persönlichkeit, bietest ihm in dieser sehr verwirrenden Wahrnehmungsphase Schutz. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Konsequenz gemacht. Zumindest dann wenn keine Alternative angeboten werden konnte. Es wurde ca. vier Wochen getrotzt während ich mich einer Arbeit widmete und das Gefühl vermittelte anwesend zu sein, das Kind auch in dieser Phase anzunehmen. Es wurde eben mit Gegenständen geworfen. Also macht es Sinn nur solche in Reichweite zu haben die nicht kaputt gehen können, an denen sich das Kind nicht verletzen kann. Die überschüssige Energie will eben gelebt werden. 

Weiter macht es Sinn zu verstehen dass sich jetzt die Sinne verändern und entsprechend Raum geboten werden sollte sie in Ruhe entdecken und erforschen zu können. Eine gute Methode ist eine Decke auf den Boden zu legen, verschiedene Gegenstände die nicht verschluckt werden können auf die Decke zu geben und dann das Kind in Ruhe zu lassen. Es mag sein dass es eine Weile braucht um auf Entdeckungsreise zu gehen. Sicher wird mit den Gegenständen geworfen werden. Also bitte alle zerbrechlichen Gegenstände aus dem Zimmer entfernen. Die Gegenstände fühlen sich verschieden an, sie klingen sehr unterschiedlich wenn sie gegeneinander schlagen oder gegen einen Gegenstand oder auf den Boden fallen. So wird das Gehör trainiert. 

Auf youtube gibt es einige Kanäle die von Fachmenschen für Eltern gemacht wurden. Da wird gezeigt wie diese Phase bestmöglich gemeistert werden kann. 

Und bitte: Nicht persönlich nehmen!!! Dein Kind löst sich gerade emotional und wahrnehmungstechnisch von Dir und entdeckt eigene Gefühle die sich zart entwickeln, noch undeutlich sind, eigene Sinne die auch noch nicht ganz fertig sind. 

Antwort
von kiniro, 18

Ich würde ihn schlafen lassen, wenn er müde ist und nicht, wann du es willst.
Schlaf ist ein Grundbedürfnis, in das nicht von außen hinein gepfuscht werden sollte.

Seine Reaktionen sind seine Möglichkeiten, seine eigenen Grenzen dir gegenüber deutlich zu machen.
Er kann sich verbal noch nicht so gut äußern. Allerdings schaffen es ja noch nicht mal alle Erwachsenen, zu sagen, was und wo ihre Grenzen sind.

Erziehung? Ich bin eine absolute Gegnerin dieses Umganges mit Kindern. Er ist respektlos und schädlich für beide Seite. Auch weil Erziehung die Vertrauensbasis zwischen Eltern (und anderen Erwachsenen) und Kindern zerstört.

Übrigens kannst du dir deine Worte sparen, wenn er einen Anfall hat. Er hört dich in dem Moment nicht.
Schaue, ob du etwas in seiner Nähe erledigen kannst. Sei einfach da, wenn er dich nach seinem Anfall braucht.

Ich würde auch nach dem Auslöser der Wut schauen. Manchmal sind es Bedürfnisse, die erst auf dem zweiten Blick zu erkennen sind.
Hunger ist so ein Bedürfnis.

Antwort
von Midgarden, 28

Nun ja, das ist das 1. Trotzalter und Kinder probieren sich aus - den "Aufwand" möglich gering halten - also keine großen Diskussionen, keine moralischen Apelle und im Ernstfall einfach mal aus dem Felde gehen.

Aber dem Kind trotzdem nicht das Gefühl geben, daß es komplett ignoriert wird - sich also "baldmöglichst" dem Kind wieder freundlich zuwenden.

Und in Gefahrsituationen (z.B. "auf die Straße rennen wollen") das Kind durch Hochnehmen blocken.

Und an der Supermarktkasse auf keinen Fall durch Geschrei erpressen lassen ;-)

Kommentar von kiniro ,

Trotzalter - trifft eher auf die Erwachsenen zu, die sich dann trotzig verhalten, weil ihre Kinder in die Autonomiephase kommen.

Antwort
von Doesig, 28

Das ist völlig normal in dem Alter. Leider müssen da die allermeisten Eltern durch. Rausgehen für einen Moment ist eine gute Idee. Und konsequent bleiben (nein bleibt nein).

Ich persönlich glaube ja, diese Anfälle liegen daran, dass ein Kind in dem Alter anfängt zu merken, dass es klein ist und nicht alles kann und nicht alles bekommt, was es sich wünscht oder was es können möchte. Das führt zu Verzweiflung und Wut. Mit der Zeit, wenn die Kinder selber mehr können und sich besser ausdrücken können, und wenn die Eltern richtig damit umgehen, wird das auch wieder besser mit diesem tobsüchtigen Verhalten.

Aber du hast schon recht: Das ist absolut keine einfache Zeit.


Kommentar von kiniro ,

Konsequent bleiben ist schwachsinnig und logisch betrachtet auch gar nicht möglich.

Überlege mal, ob du jeden Dienstag deinen Rasen sprengen würdest (falls du einen hast).
Egal, ob es regnet, die Sonne scheint oder es scheint. Einfach, weil es konsequent so sein muss.

Kommentar von Hopsfrosch ,

Liebe Doesig, besser hätte ich es auch nicht schreiben können! LG

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