Frage von ratsucher01, 30

Was kann ich noch gegen erlerntes Versagen, chronische Vereinsamung und einen fehlenden Lebenszweck tun?

Hi, ich bin 28M. Ich wäre bald Student im 20. Semester, wenn ich mich zurückmelde. Ich habe komplett Gleichgewicht und Perspektive in meinem Leben verloren und bin seit vielen Jahren im Stillstand. Mein Selbstvertrauen ist bei Null, selbst bei den Dingen, die ich ursprünglich zu beherrschen oder zu verstehen glaubte. Ich spüre weder Begeisterungsfähigkeit, Leidenschaft, noch Bedeutung für etwas. Ich fühle mich komplett orientierungs- und antriebslos, sowohl sozial, beruflich als auch persönlich und kann nicht mal mehr meine eigenen Gefühle deuten. Ich weiß eigentlich gar nicht mehr bei welcher meiner Baustellen ich anfangen soll, da ich immer wieder in den Teufelskreis der Resignation zurückfalle. Ich habe keine Kraft mehr, habe mich an die Verliererschiene gewöhnt und fühle mich ihr ausgeliefert. Seit Neujahr begann der zweite Versuch meiner Diplomarbeit und ich fühle schon, dass ich wie beim ersten Versuch diesen Leistungsdruck nicht standhalten kann und wieder wegen Depressionen scheitere. Ich weiß nicht was dann mit mir passiert, denn dann bleibt mir nichts mehr. Alles in mir weigert sich, quält mich, ergibt keinen Sinn. Ich habe auch nicht das Gefühl, das mir der Abschluss einen positiven Wandel bringen wird, da ich keine Pläne und aufgegeben habe und für einen Vollzeitjob nicht mehr belastbar bin. Ich quäle mich schon zunehmend durch meinen Werkstudentenjob, nur um mich über Wasser zu halten und nicht komplett zu fallen. Ich denke Hartz IV wäre die letzte Stufe meines Untergangs, und ich weiß, dass ich noch wegen BaföG verschuldet bin. Ich lebe seit 7 Jahren allein, fühle mich einsam und sehe keinen Lebenszweck mehr. Ich bewundere andere, die ihren Daseinszweck kennen und leben. Ich kenne seit Geburt nur das Gefühl am Rand zu stehen oder unbeliebt zu sein und konnte mich jenseits meiner Eltern nie behaupten. Diese Ohnmacht spüren auch andere Menschen, was mir und denen auch unangehm ist und automatisch wieder zu Distanz führt. Seit Jahren isoliere ich mich selbst, verdränge und vergesse, obwohl ich weiß, dass ich so nicht leben kann. Selbst in meiner Familie fühle ich mich nicht mehr wohl, da ich mich auch dort überflüssig fühle, kein gutes Bild abgebe und sehen muss, wie andere ihr Leben besser meistern - Ich halte mich deshalb zunehmend aus großen Familientreffen raus. Man sieht mir den Zustand auch an. Ich esse kaum noch und bin unfähig ein soziales Leben jenseits von Arbeit zu führen. Ich glaube, ich kann auch nicht lieben, geschweigedenn mich auf so etwas einlassen, verstecke mich hinter meinem Schild, da ich fast in allen Lebenslagen angreifbar bin. Und ja, ich habe schon ärztliche Hilfe aufgesucht und Psychologen herangezogen. Die Medikamente haben zeitweise geholfen, aber die Einstellungen und Gewohnheiten bleiben und die Psychologen waren am wenigsten hilfreich. Ich schaffe es nicht mehr allein und weiß nicht wo ich gute Hilfe finde. Ich habe Angst wegen der inneren Aussichtlosigkeit bald meine komplette Fassung zu verlieren.

Antwort
von snakehouse, 12

Hallo 

Deine aktuelle Situation ist bestimmt nicht einfach. Zu wissen mehr leisten zu müssen um die Diplomarbeit zu erreichen und zu spüren das man jedoch immer weniger Kraft und Energie dazu hat. Ich kenne das, dazu bekam ich noch Psychopharma, die die Konzentration noch schlechter machen und mich müde machten. Ständige Termine beim Psycheatern und Psychologen, die noch mehr von der eigentlich für die Arbeit benötigten Zeit in Anspruch nahmen. Ich war nie gross begeistert von den Medikamenten und dieses Einreden der Psychologen man seie Depressiv, Trauma, dies das und jene psychische Krankheit und an allem war die Vergangenheit Schuld ohne das ich dies Wahrnehme hiess es. Also Grübelten wir an 2 Terminen pro Woche irgendwo in meiner Vergangenheit rum und dies über ein Jahr lang. Ich kam einfach nicht vorwärts. Da es nicht besserte gabs einfach mehr Medikamente, oder andere Therapien. Nichts funktionierte und ich konnte mir auch nicht vorstellen das an meinem Zustand die Vergangenheit Schuldseie und die Lösung medikamente seie. Vor einiger Zeit habe ich alle Therapien usw abgebrochen, alle Medikamente abgesetzt und mich anstatt gemeinsam mit Psycheatern in der Vergangenheit rumzugrübeln und mich "Krankreden" zu lassen mehr auf die Zukunft konzentriert. Es gibt gute Coaches sozusagen, die haben meist eine Pedagogische ausbildung sind aber keine Psycheater. Sie helfen einem mehr in die Zukunft zu schauen, was will ich eigentlich, ist das dies was ich will, was wünsche ich mir, was muss ich dazu ändern. Meiner Meinung nach sind diese Coaches in gewissen Fällen (nicht in allen) einiges besser als in der vergangenheit rumzustöbern und sich mit medis vollzustopfen. Ausserdem würd ich mich fragen, willst du dieses Diplom wirklich jetzt gerade? Gibts da nicht die möglichkeit ein Semester auszusetzen oder so? Was du meiner Meinung nach ja nicht machen solltest ist abbrechen und nichts tun, das geht meist schief. Als ich das zu anfang tat verlor ich total den Tagesrythmus und schlief sehr viel, und hatte mir immer gesagt, nächste Woche such ich Arbeit, nächste Woche usw. Bis mein erspartes weg war und ich schliesslich wieder Arbeiten gehen musste, daher ich auf keinen fall von Sozialhilfe leben wollte. Such dir doch eine Arbeit die dir freude bereitet und dazu noch ein Hobby. Dan fängst du mal klein an mit 30-50%, dan 50-80% und später ( bloss kein stress) vieleicht wieder Vollzeit oder Studium. Aber ohne stabiles Grundgerüst ohne Fundament, kannst du Studium machen oder Vollzeitarbeit, alles was du auf dem instabilen Gerüst baust wird wieder zusammenbrechen. Magst du Tiere? Falls Ja versuche beispielsweise ein Semester oder auch einfach mal ein paar Wochen in einem Tierheim eine Arbeit zu finden, auch wenn du davon nicht reich wirst, wird es dir guttun. Oder vielleicht auf einem Hof? Flüchtlingskindern Deutsch unterichten oder Nachhilfe geben? Da werden immer Leute gebraucht. Solche Arbeiten können grosse Freude bereiten, man lernt was neues kennen, bekommt andere einstellungen, erholt psyche und den Körper ein wenig und man hat einen Tagesablauf. Bei der Suche nach solchen Jobs und den ganzen Fragen wie finanzier ich mich in der Zeit usw kann dir so ein Therapeut/Coach helfen. Iss regelmässig, nicht viel aber Regelmässig, sonst kann man nicht Glücklich sein. Durch das man unglücklich und Schlapp ist isst man erneut nichts, schläft schlecht und es wird ein ewiger Teufelskreis. Morgens 30Minuten Joggen oder mit dem Rad. Sport setzt auch Hormone frei die einem Glücklich machen. Funktioniert nur wen man aber wirklich was macht, etwas ins schwitzen kommt. Geh Abends wen du nicht schlafen kannst, unglücklich bist, oder dich überfordert fühlts Raus spatzieren. Frische Luft, auch 15min im Regen machen nichts, sondern erfrischen einem, und das hilft anders zu denken, man wird müde und geht etwas glücklicher schlafen. Statt Kafee zu schlürfen beim Lernen schreiben usw zb. Osaft oder Wasser, es sind all diese kleinen Dinge die etwas verändern und nicht eine Tablette.

was ich dir trotzdem anraten würde ist trotzdem eine gute Ärztliche Abklärung, zum Beispiel auf Kupfer, per UP und Bluttest, auch Leberwerte usw überprüfen lassen. Es gibt viele verschiedene Krankheiten oder Symtome von Krankheiten die Depresionen Müdigkeit Antriebslosigkeit auslösen können. Bei mir wurde da auch was diagnostiziert. Gibts öfter als man denkt, trozdem so selten, das nur wenige Ärzte darüber Bescheid wissen. Bei mir is zum beispiel so die Leber baut durch einen Gendefekt kein Kupfer ab, was sich dan in der Leber und auch vorallem auf den Hirnzellen absetzt und die Zellen zerstört. Tritt meist zwischen 14-35Jahren auf, ab 20 äusserts sich meistens zuerst mit antriebslosigkeit deoresionen schlafstörungen im vortgeschritenen stadium mit störungen der Feinmotorik, krämpfen, starke depresionen kontrolverlust bis zum Leberversagen und verlernen jeglicher normalen Bewegungen und Abläufen. Sprich den Arzt am besten mal auf Leberwerte, Kupfer und ähnliches an. Gibt da zig verschiedene krankheiten wie eben beispielsweise Morbus Wilson, der meist erst diverse Ärzte später Diagnostiziert wird. 

So jetz hab ich zu lange geschrieben, kommt wohl keiner mehr nach. Wünsche dir wirklich alles Gute und nimm das in Angriff und lass dich nicht unterkriegen. Und es ist Okay, sich für eine bestimmte Zeit zu sagen: So ich habe ein Problem und ich nehme dies in Angriff aber dazu brauch ich hilfe, falls nötig auch finanzielle Hilfe usw.

Alles Gute

Mfg

Kommentar von frax18 ,

Danke, dass du dir all die Zeit genommen hast mir ein Ratgeber zu sein. Du solltest die Wirkung der Medikamente nicht unterschätzen, da sie das Serotin länger binden und den Spiegel somit wieder anheben. Das macht sich schon bemerkbar, ebenso wie die Nebenwirkungen. Das tägliche Licht und die tägliche Bewegung ist auch wichtig, aber auch hier muss ich mich schon ziemlich in den Hintern treten, ebenso wie beim Essen. Versuche mal etwas zu Essen, wenn überhaupt keinen Appetit oder Hunger hast, wenn es nicht mal zu schmecken scheint... Ich versuche es mit kleinen, fertigen Snacks über den Tag vertielt. Und ja, ich habe schon oft darüber nachgedacht von der geistigen Arbeit mich zu entfernen und mehr zu körperlicher Arbeit, um den Geist mehr freizubekommen. Ich bin aktuell im IT-Bereich tätig und dort sitzt man nur auf dem Bürostuhl vor dem PC und brütet über Softwarekonzepte und Softwarecode, bei oft sehr starken Zeitdruck, denn die Zeitplanung ist oft mehr als unrealistisch und die Arbeitsprojekte begleiten einem im Geist oft noch nach Hause und führen schnell zu Überstundenarbeit. Ich habe leider auch die Neigung jeden Fehler auf mich selbst zu übertragen, hier hätte ich anders bzw. besser sein müssen, was mich an den Fähigkeiten wieder zweifeln lässt. Ich würde mich gerne diesen ehrenamtlichen Tätigkeiten widmen, von denen du sprichst, aber weder kann ich davon leben, noch habe ich das Gefühl das zu schaffen, denn auch bei der Interaktion mit Tieren und Menschen wie Flüchtlinge sind besimmte Fähigkeiten notwendig. Und auch hier wäre es interessant mal einen Überblick über die Möglichkeiten, anders zu arbeiten, zu haben, die ich nicht sehe und welche Möglichkeiten mir ohne Qualifikation überhaupt gewährt sind. Ein Semester aussetzen kann ich leider nicht. Als Student im 19. Semester kann ich froh sein, dass ich überhaupt noch mein Studium habe. Irgendwie habe ich mich immer daran geklammert, da es das einzige ist was ich habe und mir eine Perspektive zu geben scheint. Entweder ich kriege die Abschlussarbeit jetzt hin, oder ich lasse es komplett sein. Krankmelden kann ich mich auch nicht, da ich diese Zeit finanziell nicht halten kann und vermutlich würde es auch zu nichts führen, da ich mich dann nur gehen lasse. Danke für deine hilfreichen Worte, den Richtungsweiser und die Anteilnahme.

Antwort
von Marihessa, 10

Versuche dich zu verstehen, lerne dich und deinen Gemütszustand besser kennen, in welchen Situationen das die häufig wiederfährt. Laut deinen Zeilen, lese ich heraus, dass du kaum Erfolgserlebnisse hast, baue darau hin. Jeder Mensch braucht das. Du musst nicht unbedignt 100000€ im Lotto gewinnen, es reicht schon, wenn du einer älteren Frau bei etwas hilfst oder ähnliches, die Dankbarkeit anderer wird dir gut tun.

Desweiteren schaue dir die Pyramide des Lebens an, welches die "Grundvoraussetzungen " sind.. Arbeit, Freunde etc.

Merke dir außerdem noch den Satz, Liebe etwas, wenn du es nicht kannst, verändere es, wenn das nicht geht, dann verlasse es (wenn es dir nicht gut tut). Versuche immer dich weiterzubilden und neues zu lernen. Tue einmal pro Tag etwas Gutes für dich!

Alles Gute von Herzen

Kommentar von frax18 ,

Das Problem ist, dass ich aktuell nicht das Gefühl habe mir dafür Zeit nehmen zu können und wo ich derartige Erfolgserlebnisse hernehmen soll. Ich könnte mir vorstellen, dass das Bestehen meiner Diplomarbeit wieder ein Erfolgserlebnis wäre, egal ob gut oder schlecht, hauptsache Abschluss, aber mir sitzt ja nicht nur der Leistungsdruck der Diplomarbeit im Nacken, sondern auch der Leistungsdruck meines Werkstudentenjobs. Beides muss irgendwie bewältigt werden. Im Härtefall leidet die Diplomarbeit, da mir der Werkstudentenjob meine Lebensgrundlage bereitstellt, obwohl jeder, wirklich JEDER empfiehlt, dass die Diplomarbeit Vorrang haben sollte. Ohne den Job kann ich auch meine Ausbildung nicht beenden. Notfalls könnte ich die nächsten 4 Monate ohne Job durchziehen, aber dann wäre alles verbraucht und würde alles auf eine Karte setzen, wo ich nicht weiß, ob meine derzeitige Psyche das mitmacht. Ohne meine Ausbildung würde ich aber auch für immer als ungelernter ins Leben gehen und so wie jetzt wahrscheinlich mein Dasein am Existenzminimum fristen, mit fehlender Sicherheit und einem Einkommen, dass gerade so für Unterkunft mit Essen reicht. Und die Pyramide des Lebens ist interessant: Die Menschen die ich bewundere, stehen an der Spitze oder vorletzten Stufe der Pyramide, während bei mir gerade mal ein Teil, das Notwendigste der Grundbedürftnisse so richtig zur Verfügung steht, und auch da ist fraglich, wie lange noch, da die Sicherheit schon lange nicht mehr gegeben ist... Ich könnte mir vorstellen, dass ein Abbruch der Diplomarbeit und eine Kündigung meines derzeitigen IT-Werkstudentenjobs, um etwas ganz anderes zu machen, sowas wie Altenpflege, Gartenarbeit, so etwas wo Interaktion mit Menschen und/oder physische Arbeit ohne den geistigen Leistungsdruck erforderlich ist, nur dann müsste ich für den Rest meines Lebens damit umgehen können, meine Qualifikation als Diplom (FH) aufgegeben zu haben inklusive all der Lebenszeit, die damit verknüpft ist. Und wer weiß, ob mich die anderen Jobs langfristig weiterbringen. Das bezweifle ich stark. Ich weiß nicht, warum ich immer nur auf einem Gleis fahren kann - auf dem Zweig mit den für mich besten Zukunftsergebnissen, ob es nun wirklich so ist oder nicht... ich werde die kommenden Tage mir echt mal Gedanken darüber machen müssen...

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