Frage von HomoAspergius, 128

Was kann ich machen um mit "Mitmenschen" klarzukommen?

Hallo. Ich heiße Kevin. Bin 21 Jahre alt. Ich bin "Asperger Autist". Diese geistige Fehlfunktion (so ungefähr beschrieb es der Arzt bei dem ich war) wurde bei mir am 25.04.2016 diagnostiziert. Ich bin sehr unglücklich deswegen und was er mir sagte werde ich auch nie "normal" werden. Es ist unheilbar, das sagte er.

Ich wurde seit ich denken kann ausgegrenzt, gemobbt, geschlagen von meinen Mitschülern. Habe auch noch nie etwas richtiges gearbeitet, da ich unter "Mitmenschen", wie man so sagt, nicht überleben kann. Ich bin sehr still, rede fast nichts mit menschen. Bin fast immer nur zuhause vorm Computer und probiere es mit "Hobbyprogrammieren".

Sobald ich vor die Türe gehe, packt mich das nackte Grauen. So viele Leute, Autos, Lärm, Gestank, ich halte das kaum aus. War schon als Kind so. Und außerdem remple ich fast dauernd "Mitmenschen" an, da ich eine schlechte Kontrolle über meinen Körper habe. Ich verstehe die Menschen sowieso nicht, komme mir vor als wäre ich gar kein Mensch. Alles ist so kompliziert, so viele "Regeln" die ich nicht verstehe.

Ich kann einfach nicht mehr länger, es ist zuviel. Vor allem die Ungerechtigkeit der "Mitmenschen" macht mir so zu schaffen. Ich habe niemandem etwas getan. War noch nie aggressiv, ich lüge auch niemals. Ich kann das alles nämlich gar nicht. Wie machen andere Menschen das? Mir ist das ein Rätsel.

Wie schaffen es die Menschen in dieser verdrehten und kaputten Welt klarzukommen, in der soviel Leid passiert. Ich zb kann mir nicht mal einen richtig brutalen Film ansehen, so wie andere es oft machen, oder harte Musik hören, da ich soviel Mitleid mit den Opfern habe, auch wenn es nur ein Film oder Musik oder ein "Gewaltgame" ist. Das macht mich dann verrückt, und dann brennt bei mir im Kopf irgendwas durch, weiß nicht genau was. Ich bin nur noch fertig mit mir selbst und meinen Nerven.

Was kann ich noch machen, ich weiß ja ich bin gestört und unheilbar, doch gibt es irgendwelche Sachen, die ich vielleicht anwenden könnte damit ich besser auf dieser Welt klarkomme? Und gibt es in diesem Forum auch andere "Autisten" die mir tipps geben könnten?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo HomoAspergius,

Schau mal bitte hier:
Autismus asperger-syndrom

Antwort
von Lea1984, 51

Hallo, ich bin selbst Asperger-Autistin und bin fassungslos, wie man Dich aufgeklärt hat. Ich wurde mit 24 diagnostiziert, hatte den Verdacht selbst. Ich habe zwei Berufsausbildungen erfolgreich abgeschlossen, arbeite gegenwärtig aber in keinem der beiden Berufe, sondern in einer Firma, die für Kinder Fahrzeuge herstellt (Traktoren, Dreiräder usw.). Beruflich habe ich eine Odyssee hinter mir und hätte an jedem Punkt aufgeben können- denn sogar das Arbeitsamt drängte auf Berentung. Doch ich wusste, es muss etwas geben, was ich auch kann und habe nie aufgegeben, und habe es am Ende gefunden. Es gab viele Tiefschläge. Aber ich bin immer wieder aufgestanden und du schaffst es auch. Nicht gleich, Du musst erstmal die Diagnose begreifen und verarbeiten- aber dann solltest Du Dir Gedanken über Deine Zukunft machen. Es gibt auch Firmen, die speziell Autisten mit IT-Kenntnissen einstellen. Also nicht aufgeben und lass Dir von keinem sagen, Du kannst es wegen AS nicht! Ich habe viele Bekannte, einige gute Freunde und habe seit mehr als 4 Jahren eine glückliche Beziehung (mein Freund ist kein Autist, aber Anwalt, scherzhaft kann man sagen, dass das schlimmer ist). :oP Ich habe davor in einer eigenen Wohnung gelebt, alleine, ohne Betreuer, jetzt wohne ich mit meinem freund schon lange zusammen. Mit AS kann man vieles. Du hast sicher auch grenzen, so wie ein Mensch mit Höhenangst kaum Dachdecker werden kann und ein blinder kaum Scharfschütze... aber finde Du bitte selbst heraus, was Du kannst oder nicht- weder ein Arzt, noch deine Eltern sollten Dich da einschränken und Dich ausbremsen wollen! Bitte deine Mutter lieber, wenn Du scheiterst, sollte sie dann für dich da sein, bist du die Niederlage überwunden hast und gut iss ^^

Ja, es stimmt, AS ist weder heil-nicht therapierbar, aber Du kannst wohl etwas ändern an Deiner Situation. Manches lässt sich trainieren, etwa das Aushalten bestimmter Geräusche. Du brauchst halt nur Geduld dafür und Verständnis. Ich denke, wenn Du Dich mit Diagnose bewirbst, hast Du das Verständnis eher als die Geduld. Zumindest bin ich sehr ungeduldig und habe hohe Erwartungen an mich. :o) Ich denke, dass das ein Grund ist, warum ich nie aufgebe.

Mein Rat: Lies Fachbücher!!! Befasse Dich mit dem Thema, geh in Foren wie aspies.de!

Lerne zu verstehen, was Autismus ist und was nicht, lies und finde heraus, wie sich AS auf Dich auswirkt! Besonders in Foren in Bereichen, wo alltägliche Probleme thematisiert werden, findest Du viele Asperger und wirst oft den Eindruck haben, die Beiträge der anderen auch locker selbst hättest schreiben können oder- wie es mir besonders am Anfang ging- ein anderer schafft es, in wenigen Worten das zu beschreiben, was ich auch erlebe und fühle, aber es nie hätte ausdrücken können.

Ich habe auch immer Probleme gehabt in Menschenmengen. Seit ich weiß, warum, dass es der Autismus auslöst, sehe ich es gelassener. Ich muss ja entweder zum Einkaufen oder will auf das Stadtfest oder Konzert. Ich weiß aber, dass ich dann Abstand und Ruhe brauche und verziehe mich, lese oder spiele am PC oder bin im Forum. Ich fotografiere sehr gerne, viele meinen, ich sei gut- aber ich sehe nur, wo ich mich verbessern kann- aber diese Kamera ist für mich eine Art Ablenkung. Ich fotografiere z.B. das durch die Straßen ziehende Helmnot-Theater und bin so auf die manuellen Bildeinstellungen fixiert, dass ich vieles, besonders die Menschen, die Gerüche und Geräusche fast vollständig ausblenden kann.

In der Schule wurde ich auch gemobbt, auch während meiner 2 Berufsausbildungen in der Berufsschule. Aber das war das auch die Phase, wo ich begann, Freunde zu finden. Nicht Mitschüler, sondern Menschen, die ich in meiner Freizeit traf.
Finde heraus, wo Du Probleme hast und arbeite daran. Man kann auch ein Sozial-Kompetenz-Training machen. Da kannst Du dich selbst erkundigen (Mail an ein Autismuszentrum Deiner Nähe senden und nachfragen, ob es sowas für Dich gibt). Ich hatte keins gemacht.
Vieles kannst Du auch selbst lernen. Das geht aber nur, wenn Du wieder und wieder vor die Tür gehst und lernst, dass Du vielleicht 99mal scheitern kannst, aber es irgendwann klappt. Aber wenn Du irgendwann dieses Gefühl im griff hast bzw. dich daran gewöhnt hast, wie es draußen unter Menschen ist, kannst Du weiter gehen und an Orte gehen, die Dich interessieren. Vielleicht gibt es Kurse an der Volkshochschule über das programmieren- da hast Du schon mal Menschen mit Deinem Hobby um Dich. Vielleicht findest Du da Austauschpartner und vielleicht auch Freunde...

Antwort
von Pramidenzelle, 64

Hallo,

ich bin ebenfalls Asperger-Autistin und stolz darauf. Klar ist das Leben manchmal schwer, aber wir Autisten sind auch etwas besonderes, und "geheilt werden" und damit im Einheitsbrei zu versinken wäre für mich - und auch für einige andere, die ich kennen gelernt habe - gar nicht wirklich so wünschenswert. Man hat natürlich "autistische Schwächen" aber dafür auch besondere Stärken, und wenn man die richtig ausnutzt, kann man damit durchaus weit kommen.
Gerade Programmieren ist schon fast ein Klischee - und wenn es dir Spaß macht, wäre das doch vielleicht auch eine Möglichkeit, eines Tages das Hobby zum Beruf zu machen.

Auch wenn vermutlich jeder neurotypische Mensch dir sagen wird, dass das keine gute Idee ist: Ich gehe mit dem Straßenverkehrs-Problem so um, dass ich nur mir Ohrstöpseln unterwegs bin. (Selbst Autofahren kann ich leider nicht) Dadurch wird das Gehör sehr stark gedämpft, und wenn die Sonne scheint, noch eine Sonnenbrille dazu. Natürlich nimmt man dann weniger wahr, und für NTs wäre das vielleicht gefährlich, aber mich versetzt es in die Lage, die Reize, die noch übrig bleiben gut genug zu ordnen, um sicher durch die Gegend zu laufen...

Dass du dich fühlst, als wärst du kein Mensch, sondern ein Fremder auf der Erde, hat dem Syndrom (dass ich nur als Anders- nicht als Fehlfunktion sehe) auf Englisch den Spitznamen Wrong-Planet-Syndrom gegeben - als wäre man auf dem falschen Planeten abgesetzt worden.
Vielleicht gibt es in deiner Nähe ja eine Selbsthilfegruppe für Autisten oder so etwas in der Art? Unter anderen "Unseresgleichen" ist die Kommunikation nämlich doch manchmal etwas einfacher als mit den Anderen...
Ach ja, und auch wenn s für mich persönlich nicht das richtige war, kannst du ja vielleicht Mal im Aspie-Forum vorbeischauen...
https://aspies.de/selbsthilfeforum/

Wie man den Alltag am besten bewältigt, ist aber für jeden Autisten anders und generelle Tipps, die für jeden gelten, gibt es wohl wenige, wenn überhaupt und wenn du konkrete Probleme schilderst, können wir anderen Autisten vielleicht eher erklären, wie wir mit der Situation umgehen, als wenn du ganz allgemein nach Tipps fragst.
Am Wichtigsten ist aber, zumindest aus meiner Sicht, dass du dich selbst so akzeptierst, wie du bist. Schön, du bist ein Aspie. Aber das macht dich nicht "gestört" sondern eben bloß ein bisschen anders, als die meisten anderen. Wobei - so wenige sind wir eigentlich gar nicht.
Ich weiß nicht mehr, wer das gesagt hat, aber es gibt den Spruch "Du bist nur so behindert, wie du dich behindern lässt" und das stimmt.
Ich habe auch Probleme damit, mit der Welt fertig zu werden. Am manchen Tagen ziemlich heftig, an anderen nicht ganz so schlimm, aber ich habe mir meine Strategien zurecht gelegt, um damit fertig zu werden. Und ich habe mir Menschen gesucht, die mit mir umgehen können, mit denen ich glücklich sein kann und die mit mir glücklich sind. Menschen, die nicht von mir erwarten, dass ich jeden Tag für ihr soziales Blabla zu haben bin, sondern mich nicht nur trotz, sondern auch wegen meines Autismus gern haben. Man findet sie nicht unbedingt an den Orten, wo man es vielleicht erwartet, aber es gibt sie.
Also gib doir Hoffnung nicht auf.
Das Leben als Autist(in) in einer neurotypischen Welt ist nicht leicht, aber man kann es schaffen und sich durchbeißen - in "meiner" Selbsthilfegruppe sind allein fünf Autisten, die zur Zeit studieren und einige, die feste Arbeitsstellen haben, und das nicht in irgendeiner Behindertenwerkstatt.

Ich wünsche dir viel Kraft und Mut für deinen Weg

Kommentar von WPOAS ,

Eine sehr gute und vor allem konstruktive Antwort - Danke!

Antwort
von halbsowichtig, 54

Das Asperger-Syndrom ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Es betrifft die Wahrnehmung und die soziale Interaktion. Damit zählt es zu den sogenannten seelischen Behinderungen, aber keineswegs zu den geistigen. Denn die Intelligenz ist bei Asperger-Autisten total normal, manchmal sogar besonders hoch.

Das zu unterscheiden ist wichtig. Denn von "geistigen Behinderungen" spricht man nur bei niedriger Intelligenz. Alles was nicht körperlich ist, aber auch nicht den Verstand beeinträchtigt, nennt man "seelisch".

Ich bin sehr unglücklich deswegen und was er mir sagte werde ich auch nie "normal" werden. [...] Vor allem die Ungerechtigkeit der "Mitmenschen" ...

Bemerkst du den Widerspruch? Du hast erkannt, dass die sogenannten "Normalen" in Wirklichkeit schrecklich ungerecht, brutal und verlogen sind. Warum also willst du so werden wie die?

Als Autist hast du es zwar schwerer, du lebst quasi in einer flimmernden Disko voller Fieslinge, aber dafür gehörst du zu den wenigen Anständigen. Du beschäftigst dich zu Hause mit etwas Sinnvollem - oder zumindest mit etwas Klugem - statt draußen Lärm zu machen und andere ungerecht zu behandeln.

Wie schaffen es die Menschen in dieser verdrehten und kaputten Welt klarzukommen, in der soviel Leid passiert.

Mit Ignoranz.

Die "Normalen" haben Reizfilter hinter jedem Sinnesorgan, welche die Signale vorfiltern, so dass nur die aktuell relevanten ins Bewusstsein vordringen. Damit blenden sie Lärm und Gestank einfach aus.

Genauso haben sie auch Gewissensfilter im Kopf. Was sie nicht ertragen, das blenden sie aus, bevor es in ihre bewussen Gedanken vordringt. So können wie weiter die Welt zerstören und ganze Völker leiden lassen, ohne sich in ihrem fröhlichen Alltag gestört zu fühlen.

Dass Autisten feinfühlig, sensibel und hellwach sind, bezeichnen sie als "Reizfilterschwäche". Google mal das Wort, du findest eine Menge darüber!

Ein paar Tipps für den Alltag:

  • Wenn du vor die Tür gehst, dann trage Gehörschutz, z.B. von "Ohropax" oder weiche Schlaf-Ohrstöpsel aus Silikon. Gegen die grellen Details hilft auch eine Sonnenbrille.
  • Gegen die stinkenden Autos helfen Umwege durch Parks/Nebenstraßen oder - falls du am Stadtrand wohnst - außen um die Stadt herum. Fahr lieber einen langen Umweg mit dem Rad durchs Grüne, als einen kurzen Weg zu Fuß durch die Hauptstraße zu gehen.
  • Könntest du einen Hund halten? Manchen Autisten hilft ein ausgebildeter Assistenzhund.
  • Die Tausenden angeblicher "Regeln" gibt es in echt gar nicht. Es gibt nur Verhaltensmuster, denen die "Normalen" grob folgen. Mir hat dieses Buch sehr geholfen, die "Normalen" und ihr Benimmsystem zu verstehen: http://www.afieldguidetoearthlings.com/
  • Um gute Arbeit zu finden, brauchst du eine spitzenmäßige Ausbildung. Falls du kein Abitur hast, solltest du es schnellstmöglich nachholen. Dann solltest du studieren. Denn das gibt dir erstens ein paar Jahre Zeit, um dich mit der Welt zu arrangieren. Zweitens hast du danach Chancen, als kauziger Nerd-Experte akzeptiert zu werden.

Was kann ich noch machen, ich weiß ja ich bin gestört und unheilbar

Nur was krank ist, kann man heilen. Asperger ist keine Krankheit, eher eine krasse Besonderheit. Deshalb gibt es da nichts zu heilen.

Schau dich mal auf folgender Seite um. Die Artikel sind lang, aber genau was du brauchst: autismus-kultur.de

Kommentar von DeliriumTremens ,

"Die "Normalen" haben Reizfilter hinter jedem Sinnesorgan, welche die Signale vorfiltern, so dass nur die aktuell relevanten ins Bewusstsein vordringen. Damit blenden sie Lärm und Gestank einfach aus. Genauso haben sie auch Gewissensfilter im Kopf. Was sie nicht ertragen, das blenden sie aus, bevor es in ihre bewussen Gedanken vordringt. So können wie weiter die Welt zerstören und ganze Völker leiden lassen, ohne sich in ihrem fröhlichen Alltag gestört zu fühlen."

Das wäre dasselbe, wie wenn ein NT einen Autisten als emotionslosen, klugschei*erischen Roboter bezeichnet.... einfach nicht wahr. Alle Menschen sollten gleich viel Wert sein. Manchen scheint es aber besser zu gehen, sich über den anderen zu stellen um mit seiner Existenzart klar zu kommen. In beide Richtungen. 

Kommentar von halbsowichtig ,

Reizfilterschwäche ist nun mal der Kern des Phänomens Autismus.

"Normale" Menschen sind nur deshalb normal, weil sie alle Reize blitzschnell filtern können. Die meisten Probleme von Autisten kommen daher, dass sie Reize ungefiltert wahrnehmen. Schon Mimik zu lesen ist ein Riesenproblem, wenn alle Linien im Gesicht gleich deutlich hervortreten.

Dort wird die Sache ganz gut beschrieben:

https://quergedachtes.wordpress.com/2012/11/25/autismus-ein-leben-in-high-defini...

In Israel stellt das Militär gezielt Autisten ein, um ihre "High Definition"-Wahrnehmung auszunutzen:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/in-der-israelischen-armee-arbei...


Vom Wert eines Menschen hast übrigens nur du geredet. Ich bewerte niemanden, ich beschreibe Menschen nur. Wertneutral.

Kommentar von DeliriumTremens ,

Viele Komponenten deines Textes sind abwertend gegenüber NTs und keinesfalls nur beschreibender Natur. http://www.duden.de/rechtschreibung/wertneutral   auf die Definition wertneutral kannst du ja auch noch mal deinen HD-Blick werfen. 

Antwort
von thalineumann, 22

Hallo Kevin,

Ich bin 16 Jahre alt und bei mir ist Asperger Autismus lustigerweise auch am 04/25/16 diagnostiziert worden. 

Schon im Kindergarten wurde ich ausgeschlossen, da ich nie spielen wollte und eigentlich generell alles doof fand was nichts mit dinosauriern oder der menschlichen anatomie zu tun hatte. In der Schule habe ich dann versucht Freundschaften zu schließen, was aber scheiterte, da ich nicht sehr selbstbewusst war und mich in größeren gruppen nicht wohlfühle. Außerdem hab ich mich oft geprügelt, weil ich mit gewissen situationen einfach überfordert war.

Heute reagiere ich auf Menschen häufig ungewollt agressiv oder unhöflich, da ich wohl immer die falschen Fragen zur falschen Zeit im falschen Tonfall stelle. Emotionen sind mir sowieso ein Rätsel und ich raste sehr schnell aus (Overloads). 

Meine Paychiaterin hat mir das alles auch etwas seltsam und unfreundlich beigebracht und mich dadurch sehr traurig gemacht. Sie hat mir auch praktisch gesagt, dass ich meine Zukunft komplett neu planen muss, weil ich das was ich machen will wohl als Autist angeblich nicht kann.

Ich bin nicht froh über die Diagnose, aber wenn ich mir vorstelle, dass ich so wäre wie "normale" Menschen, bin ich dann doch lieber Autist, obwohl das manchmal ganz schön nervt. Als neurotypischer Mensch wäre ich wahrscheinlich nicht so verliebt in die Musik und Mathematik und ein fotographisches Gedächtnis, was manchmal echt praktisch ist, hätte ich dann auch nicht und das würde ich echt vermissen. 

Man kann glaub ich ab einem Gewissen grad von Asperger Autismus muss man sich glaub ich damit abfinden, dass man seine Freunde in erster linie unter anderen Autisten suchen muss... Wenn die Sozialkompetenz stark eingeschränkt ist (in meinem Fall) kann man nur hoffen, dass die Menschen tolerant und aufgeschlossen reagieren, aber das ist leider in unserer Zeit gerade in Deutschland nur selten der Fall.

Ich hoffe ich konnte dir einen Einblick in mein Leben verschaffen in dem auch nicht alles immer so einfach ist. Kauf dir Bücher über Autismus und schau dir Dokus an oder suche auf Foren andere Autisten. Du musst dich wohl oder übel mit der Diagnose abfinden und damit bist du nicht allein, denn bis ich das wirklich einsehe braucht es glaub ich auch noch einen ganz schön langen Weg. 

Liebe Grüße, Lara

Antwort
von einfachichseinn, 39

Verhaltenstherapie kann helfen, wenn sie gut gemacht ist. Es gibt auch Therapien, die komplett in die Hose gehen.

Daneben könnte dir etwas wie ergotherapie helfen.

Was haben dir den die Ärzte mit auf den Weg gegeben, als ihr das Diagnose Gespräch hattet?

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