Frage von maikaefer77, 44

Was kann ich gegen Perfektionismus tun?

Hallo liebe Community,

ich war schon immer ein recht kreativer Mensch, habe gern geschrieben, gemalt, gebastelt und das hat mir auch was gegeben.

Seit ein paar Jahren bekomme ich nichts mehr in der Richtung auf die Reihe.

Z.B. habe ich als Teenager immer gern Tagebuch geschrieben, es hat mir geholfen, meine Gedanken zu sortieren. Jetzt geht das schon lange nicht mehr, da ich regelmäßig Seiten rausreiße, wenn mir die Formulierung nicht gefällt etc. Dabei hilft mir das Schreiben immer noch.

Ich versuche seit Jahren ein Fotoalbum anzulegen, komme aber nie über die ersten zwei Seiten hinaus, bevor ich alles hinschmeiße, weil es mir zu unvollkommen erscheint.

Ich habe viele gute Ideen um meine Wohnung zu dekorieren und setze am Ende nichts in die Tat um, weil ich Angst habe, dass ich es nicht genau so hinkriege, wie ich mir das vorstelle.

Ich weiß, es ist lächerlich, aber ich kriege diese Blockade nicht weg und es stört mich total, denn ich würde gern wieder kreativ sein; ich habe tausende Ideen, die Realität werden wollen.

Was meine Person generell angeht erwarte ich schon sehr viel von mir, gestehe mir aber auch Fehler zu. Was andere angeht bin ich verständnisvoll und lasse alles mögliche durchgehen, erwarte also keine Perfektion.

Kennt jemand das auch? Habt ihr Tipps?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von goennns, 17

Also der Ansatz alles erst einmal fertig zu machen und danach zu überarbeiten gefällt mir auch ganz gut.

Wenn Dir Dein Tagebucheintrag nicht gefällt, dann schreib ihn doch vorab als Datei auf dem Laptop. So kannst Du Formulierungen nachträglich verändern und Deinen hohen Ansprüchen an Dich selbst genügen.

Im übrigen finde ich einen gesunden Perfektionismus nicht negativ. Wie bei allen anderen Dingen ist eben auch hier das Maß entscheidend.

Kommentar von maikaefer77 ,

Das ist ein echt guter Rat, darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Dankeschön :-)

Antwort
von monros, 14

Tatsächlich ist der Perfektionismus nicht das wirkliche
Problem, sondern eher das Symptom. Das eigentliche Problem ist meist ganz
woanders zu suchen. Das können beispielsweise Angst vor Kritik und/oder
fehlendes Selbstbewusstsein sein. Stell dir also nicht die Frage „Was kann ich
gegen meinen Perfektionismus machen?“, sondern zuerst „Warum versuche ich alles möglichst perfekt zu machen?“ Vielleicht kommst du der Antwort dann ein wenig näher.

Übrigens bin ich zufällig (?) direkt nachdem ich deine Frage
gelesen habe, auf diesen Artikel gestoßen:

http://www.andersdenken.at/perfektion/

Da dachte ich, den musst du doch mal weiterleiten. Ganz besonders
der letzte Satz gefällt mir.

Kommentar von maikaefer77 ,

Vielen lieben Dank, auch für den tollen Link! :-)

Antwort
von Nashota, 20

In gewisser Weise bin ich auch so veranlagt. Eine Idee, die in meinem Kopf ist, möchte ich auch, so gut es geht, in die Tat umsetzen. Dafür setze ich mich aber auch nicht zu sehr unter Druck, sonst wird das nichts. Ich gebe mir auch Zeit zu improvisieren und zu verändern, so lange, bis das Ergebnis meinen Vorstellungen entspricht.

Du solltest auch versuchen, deine Ideen wie ein Puzzle zu sehen. Aus vielen Teilen wird nach und nach ein Bild. Gib deinen Ideen Zeit, sich zu entwickeln. Es muss nicht sofort alles passen. Der Weg ist immer das Ziel.

Kommentar von maikaefer77 ,

Das ist ein guter Rat, vielen Dank :-)

Antwort
von Manuel129, 16

Hmm.. Also das ist in der Tat ziemlich übel.. Ich bin auch jemand, der so gut wie nie mit seinen Leistungen ganz zufrieden ist, aber was du dir merken musst: ohne Aufwand und Übung bleibt man in allem schlecht.. Du bist wahrscheinlich so eine, die, wenn sie zeichnet, 1000 mal dran rum radiert, bis es einigermaßen annehmbar ist, nach 3 Stunden, und selbst dann wird es als schlecht empfunden. Stattdessen hätte man viele viele schnelle Skizzen anfertigen können, etwas über Perspektive, was auch immer lernen können, ohne auch nur ein einziges Mal den Radiergummi anzurühren. 

Was ist sagen will: es gibt einmal das Üben und einmal die Aufführung, die Präsentation der hart erarbeiteten Fähigkeiten. 

Ich finde es eigentlich sogar sehr gut, wenn man viel an seiner Leistung auszusetzen hat, wichtig ist nur, dass du dann nicht frustriert alles hinschmeißt, sondern motiviert nach Möglichkeiten zu suchen dich zu verbessern. Ich finde es gibt wirklich nichts spannenderes und spaßigeres.. naja gut vielleicht ausser S*x.. als hart an etwas zu arbeiten, worin man gut werden möchte. Du kannst, richtige Übung vorausgesetzt ( die Richtige üben ist sehr wichtig.. da kann es schon mal sein, dass jemand der 1 Jahr lang zeichnet viel viel viel besser ist als jemand der schon 10 Jahre zeichnet, einfach weil er die Sachen zeichnet, die seine Wahrnehmung schneller verändern) innerhalb kürzester Zeit eine unglaubliche Verbesserung deiner Fähigkeiten wahrnehmen, wenn du konstant daran arbeitest.. denk ruhig darüber nach, ob der Satz nun gut oder schlecht ist, was gefällt dir daran nicht? Weißt du nicht, ob er richtig ist, ob die Grammatik überhaupt stimmt? hört er sich nicht so gut an? Dann schnapp dir ein Grammatik-Buch oder ein Buch über kreatives Schreiben, ließ vielleicht viele Bücher von herausragenden Schriftstellern ( Hermann Hesse? =P ) und lerne. Du wirst merken, dass sich die ersten Erfolge bald erkennen lassen, und das ist ein wirklich wirklich tolles Gefühl.

Also.. trenne performance von practice und bitte mach nicht länger den Fehler, deine Arbeit als schlecht einzustufen. Das wirkt sich ganz negativ aus. Du magst zwar noch schlecht sein, aber du übst ja nur, und wen du das immer schön weiter machst, wirst du besser werden. Wenn du aber jede deine Leistungen als Aufführung betrachtest ( vor allem beim Tagebuh ist das ja schwachsinnig, sieht ja keiner außer dir ), wirst du nu sehr sehr langsam besser, eben weil du sehr schnell frustriert wirst.

So also viel Glück und viel Spaß!!! =)

Kommentar von maikaefer77 ,

Du hast es wirklich genauso ausgedrückt, wie es ist und wie ich es nie in Worte fassen konnte. Ich betrachte jede Leistung als Aufführung und lass mir nicht den Freiraum es als Übung oder bloß zum Spaß zu tun. Echt seltsam... Vielen Dank. Jetzt kann ich mein Problem schon mal definieren, muss jetzt nur noch locker lassen ;-)

Antwort
von anniegirl80, 15

Ich finde das ganz und gar nicht lächerlich, denn ich kenne das. Es ist bei mir schon sehr viel besser geworden, aber ich bin immer noch dran an dem Thema.

Ist denn in der Vergangenheit mal was Negatives passiert, also bist du z. B. kritisiert worden für etwas, das in deinen Augen gut war? Wie ist es sonst mit deinem Selbstwertgefühl, bist du eher leistungsorientiert?

Manchmal ist man sich gar nicht bewusst was einen belastet. Aber Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung :-)

Kommentar von maikaefer77 ,

Vielen Dank für den lieben Rat. Ich habe in den letzten Jahren leider ein paar Erfahrungen gemacht, die mein Selbstwertgefühl stark erschüttert haben. Nicht künstlerisch gesehen, eher mich als Person. Es hat sich schon wieder sehr gebessert, aber vielleicht hat es wirklich damit zu tun.

Kommentar von anniegirl80 ,

Das kann sein, denn sowas kann einen wie gesagt unbewusst prägen.

Hilfreich ist auch Feedback von Menschen denen man vertraut. Zeig denen z. B. das Fotoalbum. Dekoriere deine Wohnung um und frag andere was sie dazu sagen. Und lerne zu verstehen dass dein Selbstwert nicht von Leistund abhängig ist ;-)

Ich bin momentan mit dem Thema "Bügeln" dran. Das heisst ich übe mich darin, nicht mehr so gründlich zu bügeln. Ursache ist, dass ich wohl früher zu oft gehänselt worden bin weil ich gern alte Sachen trage, und auch sonst nicht so Wert darauf lege ob etwas modern ist. Dadurch ist bei mir der Eindruck entstanden dass andere sehr genau drauf schauen was ich anziehe, wie das aussieht. Mittlerweile habe ich aber gemerkt dass das den meisten Menschen herzlich wurst ist ;-) Und, wie bei dir, bei anderen Menschen stört mich sowas ja auch nicht, es fällt mir oft gar nicht auf ^^

Antwort
von pinsel58, 7

Viele Ideen zu haben ist toll! Aber Du musst sie nicht alle und sofort umsetzen. Schreib sie auf! Mach Karteikarten oder nimm ein Ringbuch oder schreib sie auf Deinen Computer. So kannst Du Deine Ideen immer wieder hervorholen, überarbeiten, verbessern, ändern....!

Nimm einen Anlass, z.Bsp. Weihnachten und fange an mit Deiner Idee, Deinem Projekt, arbeite Dich langsam ein und beende es auf jeden Fall! Auch wenn das Ergebniss nicht zwingend Deiner ersten Vorstellung entspricht!

Kommentar von maikaefer77 ,

Das ist auch ein guter Tipp, vielen Dank!

Antwort
von schloh80, 25

Sofern dir die über Google zu findenden Selbsthilfe-Tipps, Broschüren der Angst-Selbsthilfe und die entsprechenden Selbsthilfebücher zum Umgang mit dem Perfektionismus nicht weiterhelfen, würde ich vielleicht mal an eine Beratungsstelle denken.

Antwort
von 040Daniel1992, 22

Gehe am besten zu einem Psychologen und erzähle dem genau das was du geschrieben hast.

Diese Unruhe die du spürst wenn du etwas machst und denkst das geht besser läßt sich bekämpfen...

es gibt auch Medikamente die man nur nach Bedarf nimmt und nicht abhängig machen ! Allerdings bringen diese nur wirklich was wenn du dich mit dir auseinander setzt und weist wie du dich über den Zwang hinwegsetzen kannst.... um deine eigenen Wege des drüber hinwegsetzen zu finden die dir am meisten helfen solltest du mit einem Psychologen sprechen.

Keinen falsche Scham du schaffst das!

LG

Antwort
von Pu11over, 21

Nicht weg schmeissen, sondern die Ideen sammeln und dann überarbeiten. - Setze dich selber nicht unter Druck. - Mit ein bisschen Abstand zu deinen Werken sieht alles schon ganz anders aus.

Antwort
von Wahchintonka, 15

Mit tausend Ideen kannst du nichts richtig auf die Reihe kriegen. Mit einer Idee oder einem Hobby schon eher.

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