Frage von Nevron, 129

Was kann ich eurer Meinung nach besser?

Hallo zusammen, ich kämpfe seit geraumer Zeit mit einem Problem - das man zwar als "Luxusproblem" bezeichnen könnte - es nervt aber trotzdem :) Und zwar kann ich mich nicht zwischen 2 Hobbys entscheiden. Auf der einen Seite wären das Zeichnen/Malen, auf der anderen das Schreiben. Ich will mich endlich auf eines fixieren und somit perfektionieren. Es quält mich auch in dem Zusammenhang, ob ich überhaupt Talent zum schreiben habe. Beim Malen und zeichen kann man sagen ob das Gesicht nun richtig und echt aussieht, oder eben nicht. Beim Schreiben gibt es so eine klare LInie nicht. Um euch zu helfen ein Urteil darüber zu bilden, habe ich 2 LInks unten mit eingefügt. Der eine führt in ein Zeichenforum zu meinen Werken. "Xelor" ist dort mein Name :) Dort befindet sich über 2 Seiten meine Werke. Im Schreibforum, ist es Writewizard, wo ein Text von mir zu finden ist.

http://www.zeichnen-forum.de/index.php?thread/5661-xelors-bilder/

http://www.fantasy-geschichten-forum.de/index.php?thread/2140-die-gilden-von-radawan/

Vielleicht könnt ihr mir mit der Entscheidung helfen

Danke im voraus für die Mühe zu Antworten

Gruß

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Bethmannchen, 14

Ich habe deine Storys mal angesehen. Was du schreibst ist gut, da steckt viel Potential drin, nur das wie ist bei dir noch holperig. Du machst Anfängerfehler, wie sie jedem unterlaufen. Deshalb ruckelt beim Leser auch noch das Kopfkino.

Talent ist bei dir durchaus da, was fehlt ist die Übung. Du musst noch deine Sinne schärfen, damit du beim Leser dann auch alle Sinne ansprechen kannst. Dazu kann ich dir die Website von Jacqueline Vellguth wärmstens empfehlen. Auf http://www.schriftsteller-werden.de/ findest du unglaublich viele Tipps, Anregungen und Beispiele.

Hier mal ein paar Anregungen von mir, speziell für Phantasy.

Zur Wortwahl: Wenn im Mittelalter jemand die Redewendung "die Flinte ins Korn werfen" verwendet, in Europa oder Asien ein Bauer Maiskolben herumträgt, eine Dame Schokolade nascht, ist das ein Verbrechen an der Fantasie des Lesers. Wo Nebel wallt und wabert, muss es schon windstill sein. Wenn dort dann Wind aufkommt, weht schon der leiseste Hauch auch den malerischsten Nebel einfach auf und davon...

Wenn jeder Satz der Struktur SPO, also Subjekt, Prädikat, Objekt folgt,
ist das Lesen ermüdend. Die Story kann noch so spannend sein, der Leser
knackt dir weg. Wie eine Litanei geschilderte Abläufe ermüden trotz besten Inhalts. Idyllische, beschreibende Adjektivelei killt jede Spannung in einer Situation, die dringend hektische Aktion braucht.

Ich will hier jetzt nicht jede einzelne Story aufgreifen, aber ein paar Beispiele anhand von Die Gilden von Radawan:

Auch wenn deine Story ad hoc in eine Situation springt, musst du schon genau wissen, was du dem Leser zeigen, wo du ihn hinführen, in welche Stimmung du ihn bringen willst. Spannung kann nur durch Steigerung und zunehmende Verdichtung hervorgerufen werden. Du musst nicht alles was du weißt auch erwähnen, aber deine Handlung muss darauf hinzielen.

Tinte, Farbe, Blut können Flecken, Spritzer und sogar Lachen hinterlassen, aber Schritte hinterlassen keine Geräusche, sie verursachen sie nur; lassen etwas sich bewegen, berchen, bersten, knacken, knirschen, platzen, Sumpfboden sogar schmatzen; Schuhsohlen quietschen nur auf glattem Boden, und Stiefel hört der Läufer selbst nicht knarren. Die Wortwahl muss stets treffsicher und passend sein.

Ein schwer verletzter Mensch zu Fuß auf der Flucht vor Widersachern hat geschärfte Sinne. Seine Aufmerksamkeit ist fokusiert auf wenige Dinge: wo ist/sind der/die Verfolger, kann er sie - können sie ihn sehen oder/oder hören? Wie groß ist sein Vorsprung, wohin soll er sich wenden, rasten oder weiterhasten? 300 m durchs Bachbett zum Spuren verwischen oder hinter irgend etwas verstecken und Atem schöpfen? Wie lange kann ich wohl noch durchhalten und könnten ihn die Verfolger vielliecht einkreisen... Fragen über Fragen, auf die du die Antworten schon kennen musst, auch wenn du davon nichts erwähnst. 

Ein gehetzter Mensch hat auch gehetzte Gedanken. Wie schnell er auch rennt, er hat ein Innenleben, das die Situatuation viel besser und eindringlicher, weil von Emotionen begleitet beschreibt, als Betrachtungen des Umfeldes es je könnten. Wald bleibt Wald, ein Bach ein Bach und ein Hügel macht die Flucht zwar beschwerlicher und gefährlicher, den Fliehenden eine Weile entdeckbarer und somit angreifbarer, aber der Hügel selbst treibt die Spannung nicht voran.

Außerdem wird dein Protagonist bei einer Innensicht seinen eigenen Körper viel authentischer wahrnehmen. Das Adrenalin lässt ihn Schmerzen dabei kaum empfinden, die sind ihm fast egal, aber er wird bemerken, dass seine Erschöpfung ihn zunehmend behindert. Ob auch seine Wiedersacher schlapper werden hängt davon sb, ob sie auch zu Fuß, beritten oder motorisiert sind. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch, ob er und/oder sein(e) Widersacher das Terrain kennen, oder nicht. Rennt er einfach nur auf gut Glück querfeldein, oder hat er ein Ziel...

Willst du spannend darstellen was jemand in einer Gefahrensituation treibt, dann musst du viele, viele Dinge gleichzeitig geschehen lassen. Dazu brauchst du Verben, Verben, Verben - die heißen nicht umsonst auch "Tuwörter". Damit etwas passiert, muss da jemand ständig in Action sein, und wird dabei keine idyllischen Betrachtungen anstellen. Für Beschreibungen mit vielen ausgefeilten Adjektiven ist bei einem Waldspaziergang Zeit. 

Rannte er vorhin noch durch niederes, trockenes Gestrüpp auf der Waldlichtung, (das unter seinen schnellen Schritte hin und wieder knackte /eigentlich überflüssig weil zu idyllisch), so gelangte er hier nun in mannshohe dornige Sträucher. Immer wieder peitschten Zweige und Äste in sein Gesicht, verhakten sich mit ihren Dornen in seinen Kleidern und hinderten ihn am Fortkommen. (Bis hier ist Außensicht = lange Sätze)
Hastig blickte Quinth (wieder / schwächt die Spannung, denn er tut das nicht wiederholt, nicht auf einer Flucht!) über seine Schulter. Wo waren seine (Peiniger / Verfolger ist treffender), holten sie ihn nun doch ein. Hatten sie seine Spur verloren, vieviel Zeit blieb ihm noch. (Innensicht eines Gehetzten = kurze Worte, kurze Sätze "Gedanken-Stakato")

Aber schon sah er die ersten seiner Widersacher aus dem Wald auf die Lichtung platzen, die er gerade erst hinter sich gelassen hatte. Schnell drückte er sich ins Dickicht und nahm verbissen seinen Kampf gegen die wiederspenstigen Sträucher erneut auf. Gleich sollte er den Bach erreicht haben, und gut verborgen kämpfte er sich in gebückter Haltung mühsam voran. Da war auch schon die steil abfallende Böschung, und ohne zu überlegen rutschte er mehr als dass er sprang ins Bachbett. Im Wasser wandte sich sofort nach links und lief (behende / nicht optimal, weil er dazu eigentlich schon zu erschöpft sein dürfte, ich finde gerade nichs besseres) im Bach weiter. Das würde hoffentlich seine Spuren verwischen, ihm einen Vorsprung verschaffen.

Auch wenn er hier besser voran kam, spürte er, dass er nicht mehr lange durchhalten würde. Seine Beine wurden immer schwerer, seine Lungen pfiffen bei jedem Atemzug und das Blut rauschte in seinen Ohren. Noch etwa hundert Meter, und auf der anderen Seite, hinter der nächsten Biegung des Baches würde er  im hohen Wald mit dicht stehenden alten Bäumen bessere Deckung finden. Weiter, weiter, weiter;  sein einziger Gedanke im Rhythmus seiner Schritte. Hoffentlich hielt er durch, schaffte es unentdeckt, fand ein Versteck für eine kurze Rast... (Hier absichtlich keine Bindeworte, um erneut "Gedanken-Stakato" zu erzeugen. Ich nehme mir hier die Freiheit des Schriftstellers in puncto Gramatik und Kommasetzung)

Im Wald kann er sich dann in einem Ansitz, auf einem Hochsitz, hinter einem Baum, einem Holzstapel, in einer Mulde unter einem umgestürzten Baum, unter altem Lau vergraben... verstecken und kommt dort zu Atem. Dann erst wird er auch seine Wunden "entdecken", die Schwere seiner Verletzung bemerken, auch dass er höllischen Durst hat, vorhin dummerweise einfach verpasst hat, den im Bach zu stillen - wie blöd er doch war! Jetzt kann er auch vernünftiger seine nächsten Schritte planen.

Hier kann die Handlung dann wieder Fahrt aufnehmen, die Hetzjagt erneut stsrten, er entdeckt werden, er seinen Verfolger entkommen sein... Jetzt kann der Leser auch, vielleicht erst nur vage eingestreut erfahren, warum und wer hinter ihm her ist usw.

Kommentar von Bethmannchen ,

Danke fürs Sternchen, freut mich, wenn ich dir weiterhelfen konnte.

Antwort
von Deponensvogel, 36

Du kannst nicht ernsthaft annehmen, dass man dir auf gutefrage.net eine Lebensentscheidung abnehmen kann und wird.

Du irrst, was die bildende und die poetische Kunst angeht. Beide kann man als Handwerk erlernen, beide sind aber auch Kunst. Und da gilt ja oft: Es gibt kein Gut und kein Schlecht, denn Geschmäcker sind verschieden.

Wenn ich dir nun aber ein Porträt auftrage und du nahezu eine Fotografie auf die Leinwand zauberst, wird jeder dein Können und deine Meisterschaft anerkennen. So verhält es sich auch mit der Schönliteratur. 

Wie bei allen solchen Bereichen (z.B. auch Musik) existiert eine zweigeteilte Auffassung, eine Verflechtung von Handwerk und Kunst.

___________

Mit der bildenden Kunst kenne ich mich weniger aus, dafür etwas besser mit der Belletristik. 

Dein Text ist leicht als von einem Anfänger zu erkennen, hat aber bei genügend Beschäftigung mit der Materie das nötige Potenzial für später einmal gute Texte. Die in einem Roman stehen können.

Wenn es jetzt zweitrangig oder drittrangig ist, macht das nichts. Das kann man alles erlernen, so wie der Tischlergeselle das Tischlern erlernt. 

Kommentar von Nevron ,

Danke für deine Antwort. Woran erkennst du, das es ein Text von einem Neuling ist? Ich teile deine Meinung und frage dich daher - wie kann ich mich dahingehend verbessern?

Antwort
von Marakowsky, 13

Ich denke nicht, dass du dich schon jetzt entscheiden musst, vielleicht musst du das sogar überhaupt nicht.
Ich glaube auch, dass du in beiden Bereichen noch das tatsächliche Handwerk meistern solltest. Man kann zwar in beiden Künsten sagen, die Bewertung läge im Auge des Betrachters aber das stimmt doch nur zum Teil. Es gibt eben Aspekte die doch eindeutig "richtig" oder "falsch" sind. Sicher kann man auch ein absichtliches "Falsch" als Stilmittel einsetzen, dies würde man aber als Stilmittel erkennen.

Bei der darstellenden Kunst sind es Bereiche wie Anatomie, Bildaufbau und Blickführung, Farblehre, Perspektive usw.
In der Literatur sind es Grammatik, Ausdruck, Perspektive, Erzählduktus, usw.

Du kannst beides üben und dir aneignen. Wenn du dann weißt, wie es handwerklich richtig ist, kannst du wirklich frei als Künstler entscheiden, wie du deine Aussagen rüberbringst. Das wichtigste und schwierigste dabei ist dranbleiben, sich seinen Schwächen zu stellen und auch mal die Wohlfühlzone zu verlassen.

Antwort
von MonaxD, 40

Die Links funktionieren nicht 

Kommentar von Nevron ,

Es wurde nicht alles als Hyperlink umgewandelt. Der Rest  vom link steht gleich dahinter. Einfach copy und Paste.  Gruß 

Kommentar von MonaxD ,

Ok, also du brauchst bei beiden noch Übung, ich kenne mich bei Kunst nicht wirklich gut aus aber ich glaube du kannst dich noch sehr verbessern. Was das Schreiben angeht kann ich nur das selbe sagen( obwohl ich mich da sogar sehr gut auskenne). Ich verstehe nicht warum du dich auf ein Hobby spezialisieren willst. Klar, du möchtest in der einen Sache besonders gut sein. Aber wenn du die ganze Zeit z.B nur schreibst und nie wirklich malst wirst du es wahrscheinlich ziemlich bald vermissen und deine Kreativität wird darunter leiden. Der Mensch braucht ausgleich und wenn du jetzt schon zwei Sachen gefunden hast die du gut kannst dann ist das doch toll und du solltest dich nicht auf eine Sache festlegen. Es gab mal einen Footballspieler der in seiner Freizeit getanzt hat. Die beiden Hobbies  haben ihn ausgeglichen. 

Naja wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich dir das Zeichnen empfehlen. Deine Bilder sehen echt cool aus :)

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